It’s a kind of magic

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„Magisches Denken“ ist ein Phänomen, das man allgemein nur bei Kindern beobachtet, ohne sich größere Sorgen zu machen. Jenes „magische Denken“, bei dem die so Denkenden zur Auffassung kommen, dass sie mit ihren Gedanken oder auch Handlungen Einfluss auf davon völlig unabhängige Ereignisse nehmen können. Bei Erwachsenen wird das Vorkommen von „Magischem Denken“ entweder als pathologisch eingestuft oder als religiös motiviert als nicht weiter schädlich angenommen, eine Bewertung, über die man durchaus streiten sollte.

Und dann wären da noch die Fußballfans. Ein bisschen Aberglaube mag in vielen Kreisen verbreitet sein und eher harmlos sein. Vielleicht helfen Rituale zumindest den Ausübenden selbst, sich in einen bestimmten Geisteszustand zu bringen, der ihnen bessere Leistungen ermöglicht oder zumindest die Zuversicht gibt, solche Leistungen abrufen zu können.

Wieso aber Fans glauben, dass sie mit dem Anziehen von bestimmter Kleidung, mit dem Essen von Fastfood an bestimmten Orten vor einer Partie, mit dem Nutzen bestimmter Straßenbahnlinien auf dem Weg zum Stadion tatsächlich Einfluss auf ein von diesen Handlungen völlig unabhängiges Ereignis, den Ausgang eines Fußballspiels nämlich, nehmen können, ist zumindest im Falle von Erwachsenen mit ausreichendem IQ nicht so einfach nachzuvollziehen.

Richtig hanebüchen wird es dann, wenn Fans glauben, dass sie ihre Mannschaft „unterstützen“ müssten und ihr Team zu besserer Leistung bringen könnten. Mancher startet gar Aktionen, auf dass zu besonderen Spielen mehr Zuschauer als sonst in ein Stadion kommen mögen. Als wüssten all jene, welche freiwillig zu Hause bleiben, nicht ganz genau, warum sie dies tun. Als würden ein paar Hundert Schreier mehr im Stadion dem Gegner derart das Fürchten lehren, dass dieser plötzlich völlig vergäße, wie das Fußballspielen denn noch mal geht.

Nun ist die Existenz eines Heimvorteils im Fußball (und im Mannschaftssport allgemein) nicht von der Hand zu weisen. Erstaunlich ist aber, dass sich ein solcher auch dort finden lässt, wo nahezu überhaupt keine Zuschauer anwesend sind, selbst in den untersten Kreisklassen nämlich. So mag die Unterstützung durch Fans ein kleines Mosaiksteinchen des Heimvorteils darstellen, ein so kleines allerdings, dass seine Abwesenheit den Heimvorteil nicht spürbar schmälert.

Möglicherweise ist es aber so, dass gerade der Glaube an dieses „magische Denken“, an den eigenen Einfluss auf Dinge, auf die man keinen Einfluss hat, es überhaupt erst so attraktiv macht, stets und live vor Ort zu sein. Weil man glaubt, etwas bewegen zu können, was doch bei Licht betrachtet ein Ding der Unmöglichkeit ist, jedenfalls als Einzelperson.

Beruhigend also, vor allem für die Schatz- und Zahlmeister im Fußballbusiness, dass Fußballfans nur auf dem Niveau von Gläubigen als harmlos schizophren eingestuft werden und weiter magisch vor sich hindenken dürfen, ohne dass sie pathologisiert werden. Wer weiß, wie wenige sonst noch Antrieb verspürten, sich eine Dauerkarte zu kaufen.

3 Kommentare

  1. Fühle mich ertappt… Und nu?! ;)

  2. Man könnte ja mal anhand der Ergebnisse von Ingolstadt oder so untersuchen, ob der Heimvorteil wirklich was mit den Besuchern zu tun hat.

    Ich hab‘ da jetzt aber zu faul für.

  3. Apropos Heimvorteil: Mein Eindruck ist, dass dieser heutzutage viel weniger ausgeprägt ist als in den 70er, 80er Jahren. Ob das an den neuen Arenen liegt, die vielfach zum Verwechseln ähnlich aussehen? Auf jeden Fall scheint es ja nicht so zu sein, dass Teams mit besonders stimmungsvollen Stadien/Fans heimstärker sind.



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