Zum Inhalt springen

Schlagwort: Groundhopper

Pitchspotter

Jeder kennt seit einem bestimmten Film diese Trainspotter. Wenn ich das richtig verstanden habe, sind Trainspotter Menschen, die sich dafür interessieren, tolle Aufnahmen von tollen Loks (oder Zügen) zu machen. Ein naher Bekannter ist allerdings kein richtiger Trainspotter, weil er sich eigentlich für eine dem Trainspotting artverwandte Tätigkeit interessiert, aber erstens wäre das zu kompliziert zu erklären und zweitens hat er hier eigentlich auch nix zu suchen. Also lesen soll er natürlich gerne (was er nicht tut), aber erwähnt werden, dazu müsste ich ihn erstmal fragen.

Ganz wie er aber nur eine Nachbarsart des Trainspotting betreibt, bin ich auch nur etwas Artverwandtes von einem ohnehin schon leicht obskur anmutendem Hobby. Ich bin kein Groundhopper, kein Trainspotter, kein Trainhopper oder gar S-Bahn-Surfer, sondern Pitchspotter.

Ich bin Pitchspotter. Der Unterschied zwischen einem Pitchspotter und einem Groundhopper ist der, dass ein Groundhopper nur dann Interesse daran hat, ein Stadion/einen Fußballplatz zu besuchen, wenn auch ein Spiel stattfindet. Alte Groundhopperehre sagt, glaube ich, dass man mindestens eine Halbzeit eines Fußballspiels in diesem Stadion vor Ort verfolgt haben muss, sonst zählt der Groundhoppingpunkt nicht. Einem Pitchspotter ist vollkommen egal, ob in/auf diesem Stadion/Fußballplatz ein Spiel stattfindet oder nicht, Hauptsache, er hat es/ihn, womit das Stadion, der Platz gemeint ist, keine Partie, überhaupt gesehen.

Und so ein Pitchspotter bin ich. Pitchspottern ist es auch egal, in welcher Liga die jeweils dort beheimatete Mannschaft spielt, Hauptsache, wie gesagt, man hat den Platz gesehen. Der Platz muss nicht mal irgendwelchen FIFA-Normen entsprechen, er darf auch gerne ein Non-League-Ground sein. Nach Möglichkeit kann man auch Fotos machen, das ist aber nicht so wirklich relevant und mir sind auch keine Pitchspotter bekannt, die wie die vielen Groundhopper ausführliches öffentliches (sprich: im Netz) Tagebuch darüber führen, wann sie welche Partie gesehen haben (was daran liegen könnte, dass mir überhaupt kein anderer Pitchspotter bekannt ist). Wichtig ist einfach nur der Moment, das Erleben, an irgendeinem x-beliebigen Orte zu sein und den Platz, die Ausmaße, die besondere Atmosphäre (mir ist noch kein Fußballplatz begegnet, der keine besondere Atmosphäre aufzuweisen gehabt hätte, zu dem nicht mindestens die Vokabel „trostlos“ gepasst hätte, und auch dies passt selbst im Ruhrgebiet nicht so häufig, wie man befürchten müsste) aufzusaugen, den Moment zu genießen, wenn hinter dem Fangzaun die Blätter des Waldes oder die Autobahn rauschten und man sich die enorme Fläche, die so ein Fußballfeld frisst, mal wieder vergegenwärtigen kann. Aber eben auch, wie er friedlich da liegt, wenn noch am Sonntag zuvor sich dort Hinz und Kunz an die Gurgel gegangen sind oder gemeinschaftlich den Schiedsrichter vom Platz gejagt haben.

Nun ist das Hobby des Pitchspottens, welches sich naturgemäß eher in den unteren Spielklassen ereignet, denn den Weg zu den großen Stadien findet natürlich jeder, nicht besonders verbreitet, oder wenn doch, dann wüsste ich nicht, wo sich andere Pitchspotter rumtreiben. Da es dabei aber ohnehin nicht um Gepose oder Punktesammeln geht, bestimmt das Erlebnis als solches die Erfahrung, auf diesem Platz oder zumindest seinen Tribünen zu sein. Insofern ist es auch egal, wie viel andere oder gar nicht so andere, aber nicht man selbst, Menschen es gibt, die das auch betreiben. Weil man fürs Pitchspotten keine Liste führen muss.

Man braucht nur da zu sein und zu inhalieren.

6 Kommentare