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Schlagwort: Zweitmannschaft

Belgien heißt diesmal Chile

Während man zu Zeiten normaler Fußballaktivitäten dafür geschlachtet wird, ein Zweitteam zu haben, ist das bei einer WM durchaus erlaubt. Das Erstteam ist in aller Regel jenes, in welchem man geboren wurde respektive dessen Pass man in seiner Schreibtischschublade verborgen hält.

Das Zweitteam hingegen darf irgendein anderes sein, und da sind für diesen Fall allen alle Optionen offen, ohne dass man sich mit billigen („Pizza xy“ oder „Möbelhaus sowieso“) Witzchen auseinandersetzen muss.

An dieser Stelle war es lange Zeit Belgien, was aber nur so lange galt, wie sich Belgien überhaupt für WM qualifizierte. Was es lange Zeit noch tat, selbst als die besten Zeiten schon vorüber waren.

2006 allerdings war Belgien schon nicht mehr dabei, 2010 war die Qualifikation eher peinlich zu nennen. Es muss(te) also ein Ersatz für Belgien her, denn so ganz ohne Zweitteam macht eine WM eigentlich keinen Spaß. Und da Irland unter merkwürdigen Umständen (Wie leicht wäre es gewesen, diese Sache, die der Schiedsrichter nicht gesehen hatte, nachträglich zu ahnden?) nicht teilnahm und absehbar war, dass Dänemark nicht zu alter Spielfreude finden würde, muss(te) ein Ersatzbelgien her.

Da fiel die Wahl nicht schwer: Chile sollte es sein. Denn Chile spielt nicht nur fast gänzlich ohne europäisch lokalisierte (und damit im sozialromantischen Hirn verdorbene) Profis, sondern vor allem wuselig, mit Ehrgeiz, Elan und Eifer, wie man es sich eigentlich von jedem Teilnehmer einer WM in jeder Partie wünschen würde. Dass es bei Chile vorne nicht immer so klappt, wie es sein soll: geschenkt. Selten hat man ein Team so intensiv es versuchen gesehen.

Chile ist das neue Belgien. Und sei es auch am Dienstag schon vorbei. Ein Ersatzbelgien braucht jeder, sonst macht es keinen Spaß.

* Der ursprüngliche Titel des Beitrags lautete „Mein Belgien heißt Chile“, da das aber offensichtlich, wenn auch unbewusst, von der Parole „Meine Ehre heißt Treue“ inspiriert war, habe ich den Titel geändert. Die Tatsache, dass mir so etwas gewahr wird, sollte mir nicht als oder zum Strick gedreht werden.

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