Wer kein Ziel hat, für den ist jeder Wind ungünstig

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Es bleibt eines der Geheimnisse im Fußball, warum die wichtigste Position immer noch in blinder Ahnungslosigkeit besetzt wird und an jener Stelle auch zuerst die Entlassungen vorgenommen werden.

Es bleibt eines seiner weiteren Geheimnisse, und damit auch der Herangehensweise von Menschen an derartige Aufgaben der Personalauswahl wie hier jene der Trainerfigur, warum weiterhin der Halo-Effekt so groß zu sein scheint und es kaum handfeste Kriterien gibt, nach denen man sich richten kann.

Offensichtlich werden immer noch Trainerschulungen durchgeführt, die man bestehen kann, wenn man in einem der Fächer nicht so wirklich viel gelernt und verinnerlicht hat. Zum Bespiel Alexander Schmidt, so kolportiert es die Badische Zeitung, der fußballerisch auf der Höhe, aber psychologisch unter der Höhe gewesen sein soll.

… der vorherige Trainer Alexander Schmidt zwar ein vorzügliches Training machte und taktisch sehr clevere Einfälle hatte, aber dabei irgendwie vergaß, dass er es mit Menschen zu tun hatte. Selbst in den Urlaub gab er seinen Spielern Trainingspläne mit, als stehe ein Finale kurz bevor. Die Spieler versuchten dann, die Pulsmesser zu manipulieren, um dort Urlaubsläufe zu registrieren, die sie nie gemacht hatten.

Dass das Letztere sogar für einige der besten Fußballer der Welt, und das sind Menschen, welche in der 2. deutschen Liga angestellt sind, gilt, dass sie ihren Trainer und am Ende der 90 Minuten auch sich selbst bescheißen, darf nicht überraschen. Wohl aber, dass auf dem selben Sessel, den zuvor jener akribische Alexander Schmidt besetzte, nun Friedhelm Funkel die richtige Wahl sein soll.

Das Beispiel 1860 ist dabei aber nur als ein solches zu begreifen. Ähnliche Trainer-Auswahlverfahren, beziehungsweise gerade die Abwesenheit davon, sind ja auch an vielen anderen Orten im Profifußball Gang und Gäbe. Und nein, das ist kein Jammern darüber, nur Unverständnis ob so viel Amateurtum im Jahre 2013 — und ein bisschen die Angst davor, dass auch dieses Phänomen in x Jahren ausgemerzt sein wird. Dann gäbe es gar keine Anekdoten wie diese Schöne hier von den manipulierten Pulsmessern mehr. Geheimnisvoll bleibt es trotzdem, dass sich niemand klarzumachen scheint, wo er überhaupt hinmöchte.

7 Kommentare

  1. Wenn sich keiner aufrafft, dann sag ich’s halt: Hervorragender Text.

  2. „Nobody ever got fired for buying IBM“ sagten sich Manager in den Achtzigern, wenn es um die Anschaffung von Computern ging. Eine ähnliche Prämisse hatten auch schon viele Fußballverantwortliche, als sie Funkel verpflichteten, denn der liefert. Keinen schönen Fußball, keine langfristigen Entwicklungen, dafür Stabilität. Was haben wir in Frankfurt geflucht über seinen Stil, aber wir sind mit ihm aufgestiegen und erst abgestiegen, als ihm der Blender Skibbe folgte.

    Eins der Probleme des HSV ist, dass man es nicht durch die Gremien bringen würde, Funkel zu verpflichten, weil die Gremien den eigenen Stellenwert weit höher einschätzen, als es der Sport und die Finanzen hergäben.

  3. Wenn es immer mehr Nachfrage gibt, das Angebot aber gleichbleibt, ist falsche Rotation das systemisch Gleichbleibende – und Kuschelkarussell aller! Das schlechte Vorbild fürs Ganze! Und wir kaufen die Tickets …

  4. Pingback: #Link11: Gesetzloser DFB-Pokal | Fokus Fussball

  5. Solange Trainer Baade nicht mitsamt der Ketten vom Karussell katapultiert wird …

  6. Schließe mich mal sternburg an: klasse Text!

  7. Pingback: Fußballblog des Monats: September 2013 | Fokus Fussball



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