You throw it all away

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Man hat sich im Fußball dran gewöhnt, dass alles Gewäsch von Traditionen und Bräuchen nur eben solches ist: leere Hülsen, einzig der emotionalen Aufladung des Produkts dienend. Kein Verkäufer zögert noch eine Sekunde, sofort entgegen jeglicher Tradition zu handeln, wenn er sich davon mehr Aufmerksamkeit und Umsatz als zuvor erhofft.

Da darf es nicht überraschen, dass der Ausrüster der Nationalmannschaft beim neuen Trikot-Design ebenso keine Hemmungen kennt, alles, was das Trikot der deutschen Nationalmannschaft zuvor definierte, mir nichts dir nichts über Bord zu werfen.

Aufmerksamkeit juchhe, koste es was wolle, auch mit diesem Beitrag zum Thema natürlich — doch Ernst nimmt man seine Kunden damit nicht. Zumindest jene nicht, denen man überhaupt mit Traditionen oder Gewohnheiten im Fußball kommen kann.

Nun also ein Trikot, dessen Gestaltung auch via hanebüchenster Erklärungen nichts mehr mit dem üblichen Design dieses Trikots gemein hat. Wenn eine Mannschaft keinen Brustring auf ihrem Trikot trägt, dann hat sie auch in der x-ten Variation keinen solchen und wenn die Farbkombination einer Mannschaft weiß und schwarz ist, dann steht das schwarz dabei nicht für die Farbe der Fußballschuhe.

Völlig ohne Not macht sich ausgerechnet jener Ausrüster, der doch auf diese Tradition der Kooperation so gerne hinweist, hier zum Schlächter jeglicher Bräuche bei der Gestaltung dieses Trikots. Wie eingangs erwähnt, man hat sich im Fußball an beinahe alles gewöhnt.

Doch das geht einfach zu weit. Setzen, Sechs, nichts verstanden von der Bedeutung der Gestaltung eines Ländertrikots.

Dass man seine Kundschaft ohnehin nicht Ernst nimmt, erkennt man am unerträglich hipster-ironischen Slogan zum Trikot: „Unsere Farben oder keine!“ Von welchem Land mag da nur die Rede sein? Nur für die Ungläubigeren unter der Zielgruppe also noch mal explizit ausgesprochen, dass man seine Kundschaft verhöhnt. Wenigstens darin bewahrt man die Tradition.

23 Kommentare

  1. Ein Trikot ist ein Trikot ist ein Trikot. Um zwei Mannschaften farblich voneinander unterscheiden zu können. Nicht weniger und vor allem nicht mehr.

  2. Hehe, bevor ich den Kommentar gelesen habe, kam mir tatsächlich der Gedanke: ein Trikot ist ein Trikot ist ein Trikot

  3. Trainer, was soll ich sagen … mir fällt zu eurem neuen Trikot auch nur das großes Bedauern ein. Entweder bestimmt völlige Einfallslosigkeit die Gestaltung (neues Trikot der schottischen Nationalelf) oder es gibt den grafischen Tobsuchtsanfall inklusive nötiger Gebrauchsanweisung (Dein Fall). Löbliches Beispiel sind (meine persönliche Meinung) dagegen die vergangenen Designs (letzten 3 Modelle) eines englischen Unternehmens bei den „Three Lions“. Dort wurde, vor dem Wechsel auf den amerikanischen Riesen, stark auf Reduktion gesetzt – ohne den optischen Gesamtklang zu dezimieren. Gruß!

  4. „alles, was das Trikot der deutschen Nationalmannschaft zuvor definierte, mir nichts dir nichts über Bord zu werfen.“
    So ist es, Trainer. – Zuhause s/w, auswärts g/w. Jetzt sind sogar die Hosen weiß, unfassbar. Die Designer bestimmen den Untergang jeder Erkennbarheit aus Tradition. Und dieses Brust-V: grauenhaft.
    In den Ligen regiert das Grause-Design ja auch schon. Ist das Heimtrikot weitgehend noch als vereinsfarbig erkennbar, dominiert auswärts eine Neonfarbe, die der eigene Verein noch nie gesehen hat.
    Ich finde das alles scheiße, das ist Shoppingfußball, für 80,- € und mehr.

  5. Hat Deutschland eigentlich je in den doch recht gelungenen aktuellsten grünen Trikots gespielt (kamen glaub ich zur EM 2012 raus)? Oder war das nur für die Tradionalisten mit genügend Kleingeld.
    Italien find ich in dieser Hinsicht gut, weil, so weit ich das mitbekomme, sogar das Torwarttrikot immer dem gleichen Design folgt.

  6. Ich bin vollkommen bei dir, was den Ausrüster angeht, der hier definitiv nicht seine besten Designer ans Werk geschickt hat. Viel schlimmer finde ich allerdings den Auftraggeber, der diese Variante vielleicht eher für andere Dinge,als für eine bevorstehende Fußball-WM, vorgesehen und vor allem abgesegnet hat. Vielleicht dachte der Ausrüsten an einen CSD, als er die Farbgebung in dem Brustring eingebaut hat. Ich weiß es nicht, kann mich aber auch nicht an das Trikot gewöhnen.

  7. Norman Faber, übernehmen sie^^.

  8. Im Test gegen Frankreich in Bremen spielte Deutschland auch in Grün, als Cacau ein Tor im Schlafanzug erzielte.

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  10. es ist ja nicht so, dass in den Jahren 88 bis 94 das Trikot jeweils nicht extremst geschmacklos war (meine Meinung). Zwar waren die Hosen schwarz, aber abgesehen davon war das ja eher augenkrebsfördernd (besonders 82-94). Von daher: Es ist nicht mehr so schön wie es noch niemals war ;-)

  11. Bei der Vokabel augenkrebsfördernd würde ich dann aber für 1982 Einspruch erheben. Das war eines der schönsten aller Zeiten.

    Für die spätere Zeit Zustimmung, dennoch war diese schwarz-rot-goldene Verzierung in meiner Wahrnehmung etwas anderes als ein klassischer Bruststreifen (wobei das aktuelle natürlich auch keinen „klassischen“ besitzt), und das deutsche Trikot hat nun mal keinen Bruststreifen, insofern kann das aktuelle nun mal ebenso einfach nicht das deutsche Trikot sein.

  12. sorry meinte 88-94. 82 war das Leiberl seriös.

  13. Warum wird „ernst“ immer gross und „Sechs“ dagegen klein geschrieben? Mit der Interpunktion will ich gar nicht erst anfangen.

  14. Deutschlands Trikot 1966 im WM-Spiel gegen Argentinien:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f0/Weber_x_artime.JPG/220px-Weber_x_artime.JPG

    Deutschlands Trikot 1970 im WM-Spiel gegen Uruguay:
    http://www.tagesspiegel.de/images/heprodimagesfotos85120100710sippzich-jpg/1879918/4-format43.JPG

    Gut, man könnte beide Male sagen, da musste man Rücksicht auf Schwarzweißzuschauer nehmen, aber das wäre in Grün-Weiß mindestens genauso möglich gewesen.

    Deutschlands Trikot 1974 im WM-Spiel gegen Polen:
    http://www.spox.com/de/0806/600/514/deutschland-polen-regen-600_514×297.jpg

    Verstehe ich das richtig, dass das keine deutschen Trikots waren?

  15. Trainer, Danke für die Aufklärung das grüne Trikot betreffend.
    Eine Frage die sich stellt ist, wie z Bsp das 82er Trikot zeitgenössisch aufgenommen wurde, wobei es schwierig sein wird das herauszufinden. Außerdem ist es gut möglich, dass sich dereinst gar nicht so viele Gedanken darum gemacht wurden. Ist ja doch nur ein Trikot… Aber ich versteh die Aufregung, gerade wenn es um das „eigene“ Leiberl geht! Da ist das Hemd de facto näher als der Rock!

  16. Die Großschreibung von Ernst erklärt sich hier. Bei der Zahl Sechs als Note habe ich nicht lange genug nachgedacht. Fehler in der Interpunktion bitte benennen, dann werden sie korrigiert. Vielen Dank für die so nett vorgetragenen Hinweise.

  17. Bitte entschuldige mein etwas lieblosen Kommentar. Das mit dem „Ernst“ hatte ich so nicht gewusst, Danke dafür, wobei Du „ernst“ hier in Deinem Artikel als Adjektiv verwendest und es daher klein geschrieben gehört. Bei „mir nichts dir nichts“ kommt ein Komma dazwischen, da es quasi als Aufzählung gilt. Ich gebe gerne auch zu, das ich meine Probleme habe mit dem alltäglichen Umgang unserer Sprache im Netz, aber auch in den Printmedien.

    Weil ich es auch noch nicht erwähnt hatte, der Text an sich spricht mir aus dem Herzen ;)

  18. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 46 in 2013 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2013

  19. Zu den Hosen: ich mag mich irren, meine aber, es sei zumindest früher unerwünscht (ja, den Begriff halte ich bewusst vage, da ich nicht weiß, wie scharf das gesehen und gehandhabt wurde) gewesen, dass beide Mannschaften gleichfarbige Hosen (oder auch nur dunkle oder helle, zu Schwarz-weiß-TV-Zeiten) trugen. Was das eine oder andere der oben verlinkten Bilder erklären könnte. Wobei mir klar ist, dass es auch Gegenbeispiele gibt.

    Vielleicht sind hier ja Fußball- oder gar Regelhistoriker unterwegs, die sagen können, ob ich völlig daneben liege.

  20. Ja, gleichfarbige Hosen gab es nur bei „International Soccer“ :) Und wenn man sich Schwarzweiß-Fernseher vorstellt, dann geht blau-weiß-gestreiftes Hemd mit schwarzer Hose (Argentinien) gegen weißes Hemd mit schwarzer Hose (Deutschland) nun wirklich nicht. Aber zumindest das Polen-Spiel 1974 zeigt, dass man auch mal ganz in weiß gespielt hat, obwohl schwarze Hosen bestens möglich gewesen wären.

    Und die Bilder aus den 10er- und 20er-Jahren zeigen, dass es auch mal den Brustring gab (meines Wissens war der auch rot, wie lange Zeit bei den deutschen Leichtathleten, aber das kann man auf den Bildern ja nicht erkennen).

    Es geht mir nur darum, dass die (zumindest unterschwellige) Behauptung „Deutschland war immer weiß-schwarz oder grün-weiß“ einfach nicht stimmt.

  21. Wenn wir erst Welmeister sind, ist das Trikot sowieso unsterblich!
    Wenn nicht, ist’s eh egal.
    Hauptsache wir laufen nicht in pink auf, gell Bochum?



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