About „Ronny“

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About Ronny.

Manch einer mag wissen, dass ich eine kleine, bescheidene Hobbyliga betreibe, wobei mir dieser Ausdruck der „Hobbyliga“ überhaupt nicht gefällt. Dieser hat sich aber so eingebürgert. Mir gefällt er nicht, denn erstens ist Fußball kein „Hobby“, sondern eine Leidenschaft und zweitens betreiben die meisten Fußballer in den unteren Ligen ihren Fußballsport genauso als „Hobby“ und unbezahlt wie jene Spieler, die in dieser Hobbyliga mitmachen.

Einziger Unterschied: die ersteren spielen nach den Regeln des DFB und (meist) samt Schiedsrichter, die anderen kommen genauso auch ohne beide Angelegenheiten klar. Das wär’s eigentlich. Es ist ja sowieso eine schöne, von der Schiedsrichtergilde gepflegte Illusion, zu glauben, dass es ohne Schiedsrichter nicht funktioniere. In unserer Liga ohne Schiedsrichter gibt es maximal 2 Spiele von 90-110 pro Saison, in denen sich die Teams nicht einigen können. Die nun 11 Jahre Liga-Betrieb ohne Schiedsrichter beweisen eben das Gegenteil. Doch der Ausdruck „Hobbyliga“ hat sich für einen solchen außerhalb der Regelungen des DFB stattfindenden Ligabetrieb eben eingebürgert, und deshalb verwende ich ihn auch. Ich betreibe also eine „Hobbyliga“. Was sprachlich noch ganz okay sein mag.

Deutlich schlimmer ist der Ausdruck der „‚Freizeit‘liga“. Als würden 98% der Menschen in DFB-zugehörigen Wettbewerben ihre Spiele nicht in ihrer Freizeit, sondern während ihrer Arbeitszeit absolvieren. Dem ist natürlich nicht so. Einzig die paar Fußstrümpfe voll Menschen, die das Glück hatten, Fußball zu ihrem Beruf machen zu können, spielen während ihrer Arbeitszeit Fußball. Alle anderen in ihrer Freizeit.

Insofern ist der Ausdruck „Freizeitliga“ oder „-fußball“ völlig daneben und auch inhaltlich irreführend. Er entstand aber wohl vor meinen Lebzeiten, weshalb ich einerseits meine Hände in Unschuld wasche und andererseits ihn weiterhin meide wie der Teufel einen mit Weihwasser angerührten Cocktail, seien die sonstigen Zutaten auch noch so verlockend.

Ich betreibe also irgendwie so eine „Hobbyliga“, die man auch einfach „Fußball-Liga“ nennen könnte, wenn nicht der DFB (respektive die FIFA) vermeintlich das Monopol darauf gebucht hätte, „den“ Fußball zu repräsentieren bzw. zu organisieren und man also eine Unterschiedung zwischen offiziellem und nicht-offiziellem Fußball benötigte. Welche natürlich nur deshalb existiert, weil die Teilnehmer die lächerliche Rolle des DFB respektive der FIFA akzeptieren.

Natürlich ist meine Hobbyliga keine „Subversion“ oder eine Abwandlung des vom Rest der Welt betriebenen Sports namens Fußballs. Es ist Fußball. Dass sich irgendjemand anmaßt, diesen für sich gegen alle anderen Anwandlungen als Alleinvertreter zu repräsentieren, gehört hoffentlich schon bald der Vergangenheit an.

Nun, wie dem auch sei. Um alles zuvor Gesagte jetzt zu konterkarieren: Natürlich gehört zu einer ordentlichen Liga auch eine ordentliche Anmeldung der Spieler für eine Saison. Das hab ich mir zwar nicht selbst ausgedacht, finde es aber okay, dass ein „Hobby“-Team eben auch nicht jedes Wochenende mit einem neuen Kader auflaufen darf. Da muss schon über eine Saison hinweg eine gewisse Kontinuität bestehen, nicht zuletzt weil sonst die Gefahr besteht, dass sich ein Team für ein entscheidendes Meisterschaftsspiel plötzlich einen hochklassig spielenden Bekannten einlädt, der nur an diesem einen Sonntagvormittag mitspielt, sonst aber mit dem jeweiligen Team nichts zu tun hat.

Also musste auch eine Kader-Anmeldung her, 23 Leute pro Saison, egal, wie oft wer kommt, 23 Plätze hat man zu vergeben, man weiß, dass Nr. ungefähr 17-23 sowieso nie erscheinen werden, aber man darf sie für die Saison anmelden.

Was uns zu der Frage der Klarnamen bringt. Es ging auch darum, dass man keinen „Betrug“ durchführen könne, in dem Sinne, dass man einen höherklassigen Spieler unter falschem Namen anmeldete. Und also mussten sich alle Spieler unter Klarnamen bei dieser Liga anmelden. Nicht aus Datenraffgier, sondern eben um Betrug zu vermeiden.

Und hier kommen dann verschiedene Geburtsjahrgänge und die zwei Deutschlands in Spiel.

Gefordert war, sich mit seinem echten Namen anzumelden, Spitznamen nicht erlaubt, auch keine Wunsch- oder Künstlernamen.

Soweit gar nicht so schwer, dem kamen alle gerne nach, reichten immer zu Saisonbeginn ihre Kaderlisten ein und mehr oder weniger ging das ohne Probleme vonstatten.

Bis eines Tages …

eine Mannschaft einen Spieler mit dem Namen „Ronny Nachname“ meldete. Ich ärgerte mich ein bisschen, ich hatte doch klar gesagt: keine Spitznamen, keine Künstlernamen, bitte nur den wirklichen bürgerlichen Namen. Darüber kann man doch nicht einfach so hinweggehen, wenn man mitmachen möchte.

Ich mailte also zurück: „Danke für Eure Kaderliste der teilnehmenden Spieler samt weiterer Daten. Eine kleine Korrektur würde ich mir aber wünschen. Bitte schickt mir den richtigen Vornamen von ‚Ronny Nachname‘, wie schon mehrfach erwähnt, akzeptieren wir keine Spitznamen oder Verkürzungen.“

Zurück kam dann die Antwort: „Tut uns leid, der heißt wirklich Ronny.“

Ich wurde irgendwas zwischen wütend, frustriert und aggressiv und schrieb zurück, dass es ja in Ordnung sei, wenn man sich innerhalb von Hobbyteams nicht jeweils mit dem vollständigen Namen vorstelle, sondern mit seinem Spitznamen. Aber für die Anmeldung bräuchte ich seinen richtigen, bürgerlichen Namen, nicht die Kurzform. Eine Stefanie dürfe sich eben nicht als „Steffi“ anmelden, sondern als „Stefanie“, weil die Anmeldung eben auch der Kontrolle diene, ob nicht jemand unzulässigerweise einen abgehalfterten Bundesliga-Star einsetze oder vielleicht wenigstens Landesliga-.

Zurück kam die Antwort: „Er heißt Ronny, sagt er.“

Ich wurde noch wütender und schrieb, dass es okay sei, wenn man irgendwie pro forma oder aus welchen Gründen auch immer sich nur mit seinem Spitznamen identifiziern könne, aber bitte, wenn er mitspielen wolle, müsse er seinen bürgerlichen Namen einreichen, nicht seinen Spitznamen.

„Er sagt, er heißt wirklich ‚Ronny‘.“

Und so langsam fing ich an, an den mentalen Fähigkeiten des einen Teams da zu zweifeln. KEIN SPITZNAME verdammt noch mal, jetzt sendet mir endlich seinen richtigen Namen.

Er, bzw. das Team bestanden darauf, dass er „Ronny“ heiße. Ich überlegte länger, ob ich ihn deshalb ausschließen müsse, kein Mensch heißt „Ronny“ mit bürgerlichem Namen, das kann nur ein Spitzname sein.

Ich habe mich dann dazu entschieden, ihn in der Liga mitspielen zu lassen, aber unter besondere Beobachtung stellen zu lassen, ob nicht irgendwo ein Ronald mit selbem Jahrgang in der Nähe bei höherklassigen Teams spielen könnte oder vielleicht sogar ein Ronaldinho oder was weiß ich, aber niemals gibt es einen deutschen Vornamen, der „Ronny“ heißt und nicht nur eine Verkürzung eines Spitznamens ist.

Ich witterte Betrug und auch allen anderen Formen der der Bösartigkeit öffnenden Pforten. Man müsste ihn überwachen, ein Mensch, der sich selbst als „Ronny“ bezeichnet, aber seine wahre Identität dahinter versteckt hält, spielt offensichtlich nicht mit offenen Karten.

Die Saison verstrich, er hatte sich offensichtlich nichts zu Schulden kommen lassen, aber er wollte weiterhin nicht seinen richtigen Vornamen rausrücken. Ich schrieb der betreffenden Mannschaft: „Es ist nett, dass ihr so gut abgeschnitten habt, ich freue mich auf Eure Kadermeldung für die nächste Saison – aber in der nächsten Saison akzeptiere ich definitiv keine Spitznamen mehr! Wer ist dieser Ronny?!“ Zum Teufel noch mal!

Sie antworteten: „Er heißt wirklich Ronny.“

Ich schrieb, es mag sein, dass er sich als Ronny bezeichnet, aber ich möchte endgültig seinen bürgerlichen Namen wissen und nicht seinen Spitznamen. Anderenfalls kann ich ihn nicht mehr weiter in der Liga mitspielen lassen.

Bis dann letztens die „Zeit“ ein Dossier über die Unterschiede zwischen West und Ost veröffentlichte und dabei die Verteilung des Vornamens „Ronny“ darstellte. Ungefähr so:

„Ronny“ ist ein Vorname, kein Spitzname? Nie gehört. Ja ist das denn ein anderes Land als meines? Das muss ein anderes Land sein.

13 Kommentare

  1. Dunkelblau entspricht exakt Sachsen-Anhalt. Verrückt.

  2. Ist für mich seit Jahren der zuverlässigste Ossi-Indikator, gerne auch bei (noch) unbekannten oder unterklassigen Spielern.

    Auch recht treffsicher, Enrico, Silvio, Andre, Rene…

  3. PS: Nicht zu vergessen „Maik“

  4. … bemerkenswert ist das letztlich nicht. Schließlich gibt es auch Vornamen welche die genaue Landesgrenze Bayerns oder Frieslands nachzeichnen könnten.

  5. Ich sach nur Ronny Blaschke, Trainer.
    Übrigens irritiert mich der Nachname viel mehr.

  6. Mag es evtl. an ‚Ronnys Pop Show‘ liegen? Wer wöllte sein Kind schon nach einem stadtbekannten Affen benamsen? Im ‚Osten‘ war die Sendung wohl nicht ganz so bekannt…
    PS: In meinem Paß steht tatsächlich Ronny. Hab grad nochmal nachgeschaut, war mir nach dem Lesen des Artikels nicht mehr so sicher…

  7. Guten Morgen! Erstmal rasieren.

    (Und ich Depp hab’ erst mal schön gelacht, weil ich dachte, die hätten tatsächlich „Ronny Nachname“ (und also nicht Nachname = irgendein Nachname) gemeldet und auf deine – dann natürlich ronny-unabhängig total berechtigte – Rückfrage ganz kuhl gekontert.

  8. hahaha den Namen „Hobyliga“ finde ich echt toll :) übrigens cooler Artikel ^^

  9. Ich habe mehrmals nachgesehen, ob im Artikel irgendwo „vor 25 Jahren“ steht. Meine Güte Trainer, bei Dir kommen manche Informationen aber spät an. Zum Glück, da es lustig zu lesen war.

  10. Was McP sagt. Als Berliner (West) keine ganz neue Erkenntnis.

    Darüber hinaus eine sehr nette Anekdote – die durch selangers Weltklasse-Kommentar weit aufgewertet wird. Ein Brüller.

  11. Mir geht’s da ja auch wie McP, so ungefähr.
    Will sagen: Ronny als Vorname, ja. Was mich dann aber verwirrt, ist dieser Satz aus Wikipedia:
    „Ronny ist ein beidgeschlechtlicher Vorname.“

  12. Lässige Story, wobei: Ich habe auch erst gedacht „Nachname“ geht nicht. …

  13. Ronny die Räubertochter?



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