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Es war selbstverständlich, dass eine Rückkehr zu „ran“* nicht vonstatten gehen können würde, ohne alles noch besser, noch innovativer, noch heißluftiger, noch unübersichtlicher, kurz gesagt: noch hirnerweichender als vorher zu machen.

Nun aber schießen sie gänzlich den Vogel ab.

Während der (von mir) zum ersten Mal bei einem Spiel mit deutscher Beteiligung gehörte Fuss sich redlich mühte, die ganzen Kommentatorenschelten, die hier und auf anderen Seiten im Netz Legion sind, vergessen zu machen, und dabei mit zunehmendem Spielverlauf deutliche Fortschritte machte, erschraken sich die Verantwortlichen gehörig, dass nun auf einmal Qualität in der Fußball-Berichterstattung einsetzen könnte. Was aus ihrer Sicht die Zuschauer wohl zwangsläufig mit scharenweisem Davonlaufen quittiert hätten. In ihrer verqueren Welt, in der das Getöse drumherum und alle Sperenzchen schon immer wichtiger waren, als dem tatsächlichen Spiel(-verlauf) Aufmerksamkeit zu schenken, mag das stimmen. Hier, mit gesundem Menschenverstand ausgestattet, findet man keinen Anlass, dieser Annahme Glauben zu schenken. Warum sollte man sich darüber ärgern, wenn man einen guten Kommentatoren erlebt?

Möglicherweise nimmt die ran-Redaktion an, dass „der Deutsche“ an und for himself nur deshalb zum Fußball geht respektive im Fernsehen einschaltet, um zu nörgeln. War man schon mal in Bielefeld oder Duisburg im Stadion, dann kann man dieser Auffassung anheim fallen. Im Allgemeinen jedoch wird der Fußball als Mittel zur Entspannung und womöglich sogar zur Freude schöner Götterfunken aufgesucht. Zumindest in der Hoffnung auf diese beiden Brüder im Geiste.

Das scheint weder in der ran-Redaktion gewünscht, noch kann man sich dort vorstellen, dass es ernsthaft so ist.

Vielmehr scheint es der ran-Redaktion ein Anliegen, die Übertragungen so qualvoll wie möglich zugestalten, mit kreischenden Reportern, mit Spielerfrauen-Vorberichten und mit Einblendungen unterhalb der Senilitätsgrenze, damit man die folgenden Werbespots als ungemein gehaltvoll und geistreich empfindet, als wahre Erlösung. Die Hormonduschen ob des widerlichen Gedröhnes lassen nach, man fühlt sich schon gleich viel besser und zeitgleich läuft ein Werbespot. So in Erleichterung gebadet, wird man die Produkte natürlich positiver attribuieren als es sonst der Fall wäre. Sollte man bei ran unter diesem Druck der Werbenden arbeiten, dann könnte man doch auch ganz schnell die Alternative zu einer solchen Übertragungsart wählen: Es einfach sein lassen. Dann müsste man keinem Werbenden Genüge tragen, man müsste sich nicht selbst auf der Mattscheibe verblöden und als Zuschauer würde man den russischen oder arabischen Kommentar duldsam durchs eine Ohr rein und durchs andere Ohr wieder raus rauschen lassen.

So aber: Es bahnte sich Qualität an, schnell musste etwas unternommen werden. Und wie schon bei allen Fußball-Quizspielen lautet die Antwort auf gestellte Fragen immer entweder Franz Beckenbauer oder Gerd Müller. Da Letzterer nur noch in den Logen der Allianz-Arena als Grinsekatze auftaucht, nicht aber beim Fernsehen, war klar: die Antwort muss Franz Beckenbauer heißen.

Also flugs den Kaiser eingeblendet, was er zum Spiel zu sagen habe. Womit die Senilitäts- und Peinlichkeitsgrenze wieder locker unterschritten wurde, denn der Kaiser hatte wie immer nichts zum Spiel zu sagen. Es war nicht mal sicher, ob er eigentlich im Stadion war oder ob er vielmehr in einem Studio in Baringhausen saß, wo man ihm zwei nette Begleitungen hingesetzt hatte, mit denen er während der 90 Minuten über dies und das plaudern oder auch schweigen konnte, nur eins definitiv nicht: Das Spiel schauen. Und danach währenddessen etwas Geistreiches dazu sagen.

Worte über den Kaiser als „Experten“ zu verlieren bedeutet natürlich unter Hörenden Pochers nach Sat1 zu tragen. Es ist ja nicht des Kaisers Schuld, wenn man ihn immer wieder einlädt, während er doch schon seit Jahren nichts zum Spiel zu sagen hat. Wer von uns würde da nein sagen, wenn man immer schön eingeladen wird, Champions League schauen darf und noch dazu Geld dafür bekommt? Zumal mir dünkt, dass wohl auch der Kaiser von dritter Seite noch mal eine Extraprämie bekommt, um die Werbespots besonders geistreich erscheinen zu lassen.

* Was die wenigsten wussten: auch das kleine Wörtchen „ran“ ist nur ein Akronym. Es steht für: reißen, amerikanisieren, narkotisieren.

11 Kommentare

  1. Das Akronym gefällt mir.

  2. Weitgehend d‘accord, bis auf eine Ausnahme: Ich finde, der Herr Fuss hat sich keinesfalls vom allgemeinen Niveau der Übertragung abgesetzt. Jedenfalls nicht nach oben.

  3. Muss Latze da recht geben. Fuss wird zwar von einigen hochgelobt. Ich kann das jedoch überhaupt nicht nachvollziehen. Mich persönlich nervt seine Art zu reden und seine typische Betonung und Sprechweise.
    Langsam mit dem Satz beginnen, hängenbleiben und dann schnell aufholen – das wohl eine gewisse Spannung aufbauen. Und wie alle anderen: Wenn ihm nix einfällt, gibt’s schnell einfach mal 4,5 Namen wie aus der Maschinenpistole geschossen. Naja…

  4. Ist ja fast Schade, dass ich die CL-Spiele beim Bezahlfernsehen gucken kann. Und da kann man dann auch noch die englischen Kommentatoren genießen. Aber so richtig aufregen über das blöde Drumrum und die blöden deutschen Kommentatoren, wie der Trainer es hier wieder mal großartig macht, kann man sich nicht mehr.
    @gses: „dass „der Deutsche“ an und for himself nur deshalb zum Fußball geht respektive im Fernsehen einschaltet, um zu nörgeln.“ Sie sind da sicher nicht gemeint, oder?

  5. Und ich wunderte mich gestern noch, warum ich keine Lust auf Fußball hatte. Allein die Vorstellung an „ran“ hat mir wohl die Laune verdorben. Und was zum Teufel hat Pocher da eigentlich verloren?

  6. und das Niveau von dem Spiel erst .. (aber der mit the hämmerle war nicht schlecht vom Moderator)

  7. Herr Fuss war in Ordnung. Gerade in Anbetracht des Rahmenprogramms. Aber es ist ehernes Gesetz unter Fußball-Sehern, dass deutsche Kommentatoren unbrauchbar, nervig und schlimmeres sind. Da sind sich immer (fast) alle einig.

  8. Herrn Pocher mussten wir auch schon beim Eishockey ertragen, warum sollte er dem Fußball erspart bleiben?

    Wenigstens Schmidt-Fans sind jetzt vor ihm sicher…

  9. Sie würden tatsächlich den Vogel abschießen, wenn plötzlich auch noch der olle Kai Pflaume am Spielfeldrand mit Mikro in der Hand in die Kameras grinsen würde.

  10. Iss ja nich so, dass Pflaume das noch nie getan hätte.

  11. @tafelrunde
    Bitte ersparen SIE mir so einen Schmarrn, mit Verlaub.

    Ich finde z.B. Kai Dittmann toll, der hat Humor, Ahnung und ist nicht so pathetisch wie der Rest – siehe heute das Spiel Hoffenheim vs. Hertha



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