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Wenn Franz Beckenbauer mal wieder den Mund aufmacht

Wenn der Dummschwätzer den Fußball besser machen soll

Die Chicago Tribune berichtet von einer dieser großartigen „Task Forces“, die die FIFA eingesetzt hat, um zu verschleiern, dass sie ein Haufen alter Säcke ist, denen es um Kohle und ein angenehmes Leben in den Ehrenlogen der Stadien dieser Welt geht, und nicht um den Fußball als zu hütendes und wenn nötig fortzuentwickelndes Spiel. Eingerichtet, um den Schein zu wahren, wofür man am besten ein paar bekannte Köpfe zusammensammelt, die aber in der Materie nicht zu Hause sind, Hauptsache, es klingt gut.

Und dieser Beitrag der Chicago Tribune fasst sehr schön zusammen, wieso es immer noch und weiterhin Gründe gibt, dieses Blog zu betreiben. Denn auch wenn der Dummschwätzer sich inzwischen aus dem Tagesgeschäft ausgeklinkt hat und somit immer weniger Unheil anrichtet, schafft er es dennoch, ein perfektes Beispiel fürs Peter-Prinzip zu sein. Weil er gut kicken konnte, wird er in Sphären befördert, für die er nicht ausgebildet ist, in denen er vor allem durch Unfähigkeit glänzt. Zum Beispiel in diese Task Force, die sich mit der Verbesserung des Fußballs auseinandersetzen soll.

Weil der Franz so ein großer Philosoph und Pragmatiker zur selben Zeit ist — es gibt schließlich nichts, was der Franz nicht ist, und eigentlich müsste man diese leidigen Chuck-Norris-Hans-Sarpei-Sprüche in Bezug auf den Franz machen, und nicht auf Hans-Jung-von-Matt-Sarpei — hat er etwas eingebracht, wofür sich alleine schon die Flugreise und die Hotelkosten gelohnt haben dürften.

Die Spieler sollen sich nach der Partie alle die Hände schütteln.

Wahnwitzige und innovative Idee, kennt man vom Eishockey, der Franz selbst kennt es vom Fußball, aus seiner Schulzeit nämlich. Da er geistig nicht allzu weit von jener Zeit als Schüler weg ist, lag es für ihn nahe, doch einfach das wieder einzuführen, was früher gemacht wurde. Früher war bekanntlich alles besser und die Menschen hatten auch einfach mehr Anstand.

Ähnlich grandios und sicher ganz wichtig, wir erkennen es nur noch nicht so ganz, die zweite Idee.

Die Spieler beider Mannschaften sollen nach der Halbzeitpause zusammen, also beide Mannschaften gleichzeitig aufs Feld laufen.

Uff. Das sind Vorschläge einer Tragweite, die wir Normalsterblichen noch gar nicht ermessen können. Weil wir eben einfach nicht begreifen, was im Fußball wirklich wichtig ist. Respekt, Fairplay und derlei mehr Begriffe, die man sich auf die Fahnen schreiben kann, auf dass die Sponsoren glauben, in einem weißen Sport zu werben.

Besser machte es da übrigens Pelé, der auf dem Papier ebenfalls Mitglied dieser Task Force war. Er tauchte erst gar nicht bei diesen Treffen auf.

Kaisers Kinderstube kaufen

Die 11Freunde schlagen es gerade als einen der 99 Orte vor, die man als Fußballfan gesehen haben muss: Das Geburtshaus des Dummschwätzers.

Ich gehe mit und erhöhe auf „muss man nicht gesehen haben, sondern besitzen“.

Steht unter Denkmalschutz und wurde saniert. Baujahr 1907, Gesamtpreis aller Einheiten 2,260 Mio Euro. Welche der Wohnungen jetzt genau die Beckenbauersche war, wird man sicher auch noch leicht eruieren können.

Schee war’s

Aber jetzt ist es vorbei.

Hätte nicht gedacht, dass ich das noch bzw. so bald erlebe, aber wer jetzt noch ernsthaft den Franz als Überhaupt-Irgendwas beim Fußball einsetzt, der spielt mit seinem Ruf. Sage nicht ich, sondern die vielen weiteren Stimmen im weltweiten Netz in Deutschland. Der glanzvollen Nichtleistung vom Spiel Dortmund gegen Bayern kann selbst der Franz unmöglich noch weniger Expertise folgen lassen.

Ich hätte schwören können, dass seine Absetzung noch nicht in diesem Jahrzehnt passiert, sondern erst dann, wenn’s quasi biologisch nicht mehr geht.

Jetzt, wo es vorbei ist, wird man schon ein bisschen sentimental. Aber nur ein bisschen. Und freut sich darauf, wer wohl danach folgen wird. Vielleicht einer mit Fußballverstand, das wäre ja schon mal was. Also einen solchen von heute, nicht von vor 15 Jahren, bittschö.

Bliebe die Frage nach der Anschlussverwendung für den Franz.

Der Franz ein Truther?

Eigentlich darf man sich nicht damit beschäftigen, was Franz von seinen Ghostwritern in der FOTO ins Horn tuten lässt. Wenn er damit aber so viele Lemminge, äh, Nachahmer produziert, die ernsthaft diese Hingespinste glauben, muss man es dann doch mal zum Thema machen.

Die ganze Bundesliga ist ein Haufen von Verschwörungstheoretikern, und der größte von ihnen ist der jeweilige Ghostwriter vom Franz, der zweitgrößte der Ghostflüsterer vom Uli, dessen Wirken man daran erkennt, dass der eigentliche Uli im passiven Modus steckt und der Ghostflüsterer, er ist etwas rötlicher als der Uli selbst, das Ruder übernimmt. Und warum das alles?

Die Masse will unterhalten werden und Robbie Williams kann sich eben nicht vierteilen und jederzeit an jedem Ort sein. Fakten braucht man für derartige Spekulationen schließlich nicht, man behauptet ohnehin am liebsten im nicht-beweisbaren, schwammigen Raum rum, wie z. B. bei Aspekten des „Kämpfens“.

Zunächst aber mal der Blick auf das, was Franz schreiben lässt (auf den Link klicken):

Zum Glück lässt er morgen das Gegenteil schreiben.

Und selbst wenn es wirklich so wäre, dass die Gegner gegen Dortmund weniger kämpften: Ob er schon vergessen hat, wie das damals war, als sein Club bei den Braunschweigern antreten musste, die sich im Fernduell mit den 60ern befanden?

«Ich weiß, dass wir 5:2 verloren haben, aber das war uns sehr recht. Weil wir damals nicht wollten, dass unser Lokalrivale, nämlich der TSV 1860, der eigentlich die bessere Mannschaft und die besseren Karten hatte, deutscher Meister wird», erzählte Beckenbauer am Dienstag in einer Fernsehsendung von Sat.1 seine Anekdote. «Ich will jetzt nicht sagen, dass wir absichtlich verloren haben. Das würde zu weit gehen. Aber sagen wir mal so: Unser Widerstand hat sich auf das Minimalste beschränkt.»

Das hat man sich dann über die Jahre aufgebaut, dass „neutrale“ Spieler lieber gegen Dortmund verlieren als gegen Bayern. Da es aber nichts anderes als auf nichts fußende Verschwörungstheorie ist, lohnt es den Aufwand nicht, des Franzens Ghostwriters Behauptung zu entschwätzen, äh, Entschuldigung, zu entkräften.

Übermorgen sind es wieder die unberechtigten Elfmeter. Und überübermorgen die Mondlandung, die es nie gegeben haben soll.

Der Kaiser kehrt zurück, berichtet Rolf Töpperwien

Heute vor 31 Jahren stolzierte der Kaiser noch einmal zurück in die Bundesliga, nach zweieinhalb Jahren in der Operette. Begleitet wurde er dabei von einem Mikrofon, hinter dem der unnachahmliche Rolf Töpperwien stand, der es im Gegensatz zum damaligen Franz nicht an Eloquenz mangeln lässt.

Zunächst macht zwar ein anderer das Spiel, Hansi Müller nämlich, doch dann geht es ab der 46. Minute wieder um alles für den Franz, echte Laufduelle, zielgenaue Pässe und natürlich die obligatorischen Anweisungen an die Mitspieler.



Ganz frisch war er offensichtlich nicht mehr, es reichte aber immerhin für 27 weitere Spiele im legendären BP-Trikot des HSV. Und natürlich ist das Video hier eigentlich nur drin, weil man nach Monaten der Abstinenz mal wieder diese Töpperwien’sche Machart von Spielberichten braucht.

Nachdem man das Video geschaut hat, sollte man es vielleicht noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten, welche sich bei Lektüre des Folgenden über die Spätphase des Franz ergibt:

Allerdings hat der Franz, Franz Beckenbauer, auch andere Zeiten erlebt: Ende der Siebzigerjahre galt er als Karikatur seiner selbst, als eitler Pfau, der sich nur mehr in der Münchner High Society herumtrieb. „Vom Idol zum Reklamekasperl“ titelte die Süddeutsche Zeitung damals über den „Kaiser“, und der Spiegel schrieb, dass keine Majestät mehr so tief gefallen sei, seit Wilhelm II. in Holland im Exil Bäume zersägt habe.

Und schon wirkt sein Gegockel auf dem Spielfeld nicht mehr ganz so von seiner Lebensleistung legitimiert, wie man es aus heutiger Sicht empfindet.

Ohnehin erstaunlich, wie viel sich der Franz rausnehmen durfte, wie cholerisch, beinahe asozial er manches Mal auftrat. Und er hat offensichtlich die richtigen Leute, die ihm zugetan sind und schon wird er zur Lichtgestalt? Fraglich, was beunruhigender ist: Dass es mit dem Lodda nicht funktioniert oder dass es mit solch einer fragwürdigen Figur wie dem Franz funktioniert hat, weil er im rechten Moment die richtigen Freunde besaß.

Oder ist es eher eine gute Nachricht, dass heute mit Lodda nicht mehr funktioniert, was mit Franz noch klappte? Ein Hoch auf Twitter und auf aufgeklärte Zeitungsleser, die nicht mehr alles glauben?

Fragen über Fragen mal wieder, Antworten keine.

Wenn der Dummschwätzer sich mit dem ganzen Infozeug vollpumpt (XXXII)

… dann wird er geisteskrank.

Es ja fast ein bisschen peinlich, diese alte Rubrik noch mal zu füllen. Es ist ein dermaßen alter Hut, dass der Dummschwätzer nun mal kein Fußballexperte ist, dass man diesen Hut nicht mal den alten Römern noch als neu andrehen könnte. Wenn er sich dann aber doch selbst noch mal dazu äußert, dass ihn das alles nicht interessiere — „Infozeug“ — dann muss das der Vollständigkeit halber noch mal kurz erwähnt werden. Auf die Frage, ob das Internet Segen oder Fluch sei, anwortet er nämlich:

„Eher Fluch. Würde ich mich mit diesem ganzen Infozeug vollpumpen, wäre ich längst geisteskrank.“

Die Frage, ob er da nicht Ursache und Wirkung vertauscht, wäre hier natürlich fehl am Platze. Und die Skepsis älterer Menschen gegenüber neuer Techniken besitzt er ja nicht exklusiv (siehe moi et le Plasma-TV). Dass er aber kein „Infozeug“ brauche, wo er doch letztens zum Co-Kommentator von Marcel Reif aufgestiegen ist — zumindest merkwürdig. Kann er sich denn gar nicht vorstellen, dass der Zuschauer etwas mehr Informationen wünschte als das simple Beurteilen des Spiels aus dem Bauch heraus? Und viel schlimmer: Gibt es keine Redaktion dahinter, die das forciert? Man kann Infozeugs ja immer noch auch auf Papier aushändigen.

Somit kann man diese Rubrik nun auch endgültig schließen, nachdem der Dummschwätzer kein Fußballexperte sein will, dies endlich öffentlich zugibt, kein FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied mehr ist, in dem er einst viel bewegte, und sich ansonsten ins Private zurückgezogen hat.

Es sei denn, er erhält doch noch mal in irgendeiner Form abseits des Lichtfigurseins Einfluss im deutschen Fußball. Was wir nicht hoffen wollen.

Entdeckt vom ultimativen Eintracht-Frankfurt-Blog.

Wenn der Dummschwätzer bei „Wetten, dass … ?“ parliert (XXXI)

Der ganz junge Franz. Jung in seinem Job als Teamchef. Denn Trainer durfte er sich nicht nennen, dazu fehlte ihm der Trainerschein.

Sehens- und hörenswert neben des Franzens Worten auch der alte Vorspann von „Wetten, dass … ?“, die klobigen Klötze und die einleitend piepsende Musik, die wohl damals sehr modern gewirkt hat. Danach diese Erkennungsmelodie — gibt es die heute noch? — die eigentlich eher nach „Captain Future“ als nach großer Samstagabendunterhaltung klingt.

Frank Elstner befragt Beckenbauer zum fußballerischen Talent seiner Söhne, zu seinem Verhältnis zu DFB-Präsident Hermann Neuberger und nicht zuletzt, warum er denn in Österreich lebt. Da hatte er es übrigens nicht so weit zur Sendung, denn die wurde an jenem Abend in Innsbruck produziert.

Der angesprochene Sieg gegen Malta müsste der 6:0-Sieg vom 27. März 1985 gewesen sein, weshalb der Ausschnitt wohl aus der Wetten-dass-Ausgabe vom 30. März 1985 stammt.

Weitere Gäste neben Franz Beckenbauer in jener Show: Jean-Paul Belmondo, Helmut Zilk (wer ist das?) und der damalige Traum aller Jungonanierenden, Brooke Shields.



Wenn thwei dath Gleiche tun, itht eth noch lange nicht dath Thelbe

Der eine darf uneheliche Kinder machen, x Mal heiraten und niemand nimmt es ihm krumm, während dem anderen unterstellt wird, eine manische Obsession bezüglich des Heiratens gerade der Schule entronnener Mädchen zu besitzen. Mindestens unreif beim zweiten, beim ersten gilt es als Savoir-vivre.

Der eine darf schon mal Probleme mit der Steuer haben, hinterher interessiert’s niemanden, während der andere gerade mal eine Handy-Rechnung nicht bezahlt und schon ist die Häme groß.

Und dann auch noch: Der eine darf radebrechen wie der hinterletzte Hill-Billy, keinen kratzt’s. Während sich beim inzwischen doch recht passablen Englisch des anderen das halbe deutschsprachige Internet auf die Schenkel klopft und ein Paradebeispiel für die Bedeutung des Wortes „viral“ bei jenem Video von Al Jazeera abliefert.

Um den letzten Punkt zu untermauern, hier also die Preisfrage.

Von welchem Spieler redet der Dummschwätzer in diesem Interview?



Wann der Dummschwätzer gerne verliert – (XXX)

(XXX steht nicht für fleischliche Gelüste, denen der Betroffene in diesem Zusammenhang hätte erlegen sein können, sondern für den 30. Beitrag in dieser Rubrik.)

Der Welt kann er es ja sagen: Im Mai 2003 brach es aus Franz Beckenbauer heraus, dass seine Bayern vor 40 Jahren durchaus gern mal 2:5 in Braunschweig verloren hätten, damit die Eintracht statt des Lokalrivalen 1860 Meister werden würde.

„Das ist ja verjährt, deshalb kann ich’s jetzt sagen“, sagte der Kaiser ganz jovial.

Eigentlich ein Skandal. Aber eben leider verjährt. Ist es wirklich?

Kaiser-Franz-Marsch



Uli Stein und Toni Schumacher klatschen im Takt — das erlebt man auch nur selten.

Ansonsten hatte man es in den 1980ern wohl noch nicht so wirklich drauf damit, seine Lippen synchron zum Gesang zu bewegen. Zumindest Peter Alexander hatte es ungefähr gar nicht drauf, wie man sieht.

Sehr sehenswert ist auch der Magath Felix im Hintergrund mit seiner scheenen Brille.

„Einstimmen“ in irgendwelche Gesänge wird übrigens überschätzt.

Schade eigentlich, dass man damals keins der Videos im Anschluss gezeigt hat, in denen der „Franz, der kann’s“ einen seiner Aggro-Trips bekommen hat und auf Journalisten, Hoteliers, von ihm selbst ausgewählten Spielern oder auch einfach Spiegelbildern rumhackte. Damals, als der „Franz, der kann’s“ noch keine Contenance besaß.

Es ist allerdings ähnlich schade um des Franzens ehrliche Einschätzungen zum Fußball wie es schade um die Sangeskünste des Peter Alexander ist.

Wenn der Dummschwätzer Ribéry ein Vorbild ist (XXIX)

Nein, es geht nicht um diese außerhäuslichen Eskapaden. Das heißt, außerhäuslich schon, aber eher … verkehrstechnisch wäre jetzt auch irreführend, also:

Es geht um den bundesdeutschen Mannschaftsbus zur WM 1974, den Hersteller Mercedes vor der WM 2006 ausfindig machen wollte. Sogar eine Prämie (VIP-Paket-Besuch beim Spiel um Platz 3 in Stuttgart für zwei Personen) war ausgelobt, musste aber in der Schublade bleiben, weil niemand entscheidende Hinweise auf den Verbleib des Mannschaftsbusses von 1974 geben konnte. Das jetzt im Mercedes-Museum zu Stuttgart befindliche Gefährt ist somit nur ein Nachbau oder wie man heutzutage gerne drunter schreibt: „Abbildung ähnlich“. Der Original-Bus von 1974 bleibt verschollen, Spuren hätten nach Russland, nach Kuba und nach Zaire (gibt’s doch gar nicht mehr …) geführt, doch der Bus blieb wie vom Erdboden verschluckt.

Falls er noch nicht in alle Einzelteile zerlegt wurde, darf der jetzige Besitzer sich glücklich schätzen, ein historisches Gefährt sein eigen zu nennen. In diesem machte der Franz nämlich damals schon allen vor, was er alles drauf hat, während die Jugend von heute da nur billigen Abklatsch produziert:

Im SWR-Beitrag erinnert sich Nationalspieler Bernd Cullmann, daß Franz Beckenbauer sich mal als Busfahrer versucht habe: „Es war in Malente, auf dem Parkplatz, und ich meine, es wäre nicht ohne Blechschaden abgegangen.“

Wenn der Dummschwätzer 65 wird (XXVIII)

Lange nix gehört aus dieser Rubrik, „und das ist auch gut so“. Denn der Dummschwätzer schwätzt nicht mehr als früher. Die WM (in diesem Land) ist schon länger vorbei, seitdem schwätzt er meist nur noch hinter verschlossenen Türen in diversen Gremien. Und in der TV-Werbung. Wenn man die nicht schaut, konnte man schon mal Glück haben in den letzten paar Jahren und eine ganze Woche ohne erzwungenen Kontakt zum Dummschwätzer auskommen.

Nun aber wird er 65, was für alle höchste Alarmstufe bedeutet!

Deshalb der Tipp der Woche aus der Redaktion an die geschätzten Leser:

Mainstream-Medien in den Tagen vor und nach dem Ereignis weiträumig umfahren. Dann kommt man eventuell um den Kontakt mit einer der vielen nun laufenden Biografien des Dummschwätzers herum. Viel Erfolg dabei. Und nicht aus Versehen zur Unzeit ins TV einschalten und vor sich hinzappen. Dann wird es unweigerlich zum Zusammenstoß kommen. Doch nun sind Sie ja gewarnt.

Wenn der Dummschwätzer mal ein Großer war

Das erste Wort des Titels müsste natürlich „als“ heißen, aber der Unterschied zwischen wenn und als ist so marginal, dass ihn des Lesers Hirn schon von selbst korrigiert haben wird.

Hier wurde ja, als das noch ein paar Kalorien hatte, gerne über den Dummschwätzer gelästert, der inzwischen zwar kein Jota Substanz mehr in seine Äußerungen gebracht hat als früher, den aber nun mal ohnehin niemand mehr ernst nimmt. Und ganz so falsch liegt er ja auch oft nicht, wenn er sich zu Bayern-internen Dingen mit dem Abstand eines etwas weiter Außenstehenden äußert.

Dies ist also ein ironiefreier Beitrag über den Dummschwätzer. Wir glauben ja kaum noch, dass er wirklich mal zur Crème de la Crème des internationalen Fußballs gehört hat. Auch wenn es überall zu lesen ist. Denn wir haben ja die Videos gesehen von der WM 1974, auch einige von 1972, ein paar Ausschnitte von Bundesliga-Spielen oder Europapokalfinals: alles nicht so dolle, dass es einen vom Hocker reißen würde. Was ja noch dann verschmerzbar wäre, wenn alle anderen zu jener Zeit denselben Nachgeschmack in Form von eingeschlafenen Füßen auf der Zunge hinterlassen würden. Sieht man hingegen Johan Cruyff spielen, schnalzt man auch heute noch mit den eingeschlafenen Füßen und erkennt durchaus seine exponierte Stellung im Weltfußball jener Zeit. Mühelos sogar, so mühelos, wie Cruyff durch die Reihen der Gegner wandelte.

Dennoch muss an dieser Stelle eine Lanze für des Dummschwätzers aktive Leistung und vor allem Reputation zu jener Zeit gebrochen werden. Von Journalisten durchgeführte Wahlen sind zwar naturgemäß immer äußerst subjektiv, nimmt aber nur eine ausreichend große Zahl daran teil, darf man schon von einer gewissen Objektivität bei der Bewertung von Spielern ausgehen. Natürlich ist die Platzierung in einer solchen Wertung wie sie gleich hier folgt, nie intervallskaliert, insofern wissen wir wenig darüber, wie groß die Unterschiede zwischen Platz 1 und 2 oder zwischen Platz 5 und 50 gewesen sein mögen. Sie sind aber die hier relevanten Daten.

Diese Zahlenreihe spricht nämlich eindeutig für den Dummschwätzer. Schauen wir sie erst an, und lösen danach auf.

1966: 3.
1967: 4.
1968: 4.
1969: -
1970: 4.
1971: 5.
1972: 1.
1973: 4.
1974: 2.
1975: 2.
1976: 1.

Das ist nicht etwa das Ergebnis bei der Wahl zu Deutschlands Fußballer des Jahres, sondern von jener zu Europas Fußballer des Jahres.

Franz Beckenbauer war also in einer ganzen Dekade mit einer Ausnahme immer in den Top 5 dieser Wertung, welche er noch dazu 2x gewann und 2x als Zweiter beendete.

Man mag gerne einwenden, dass es damals ohnehin nur ein paar Länder gab, in denen Fußball von Weltformat praktiziert wurde und es somit wesentlich einfacher war als heute, diese Weltspitze zu erreichen. Stimmt. Dann war das eben so. Aber in dieser war der Dummschwätzer dann Zeit seiner Karriere immer dabei. In der Weltspitze.

Nachzuprüfen bei den Ergebnissen zur Wahl zum Fußballer des Jahres in Europa. (Mit weiteren Schmankerln, z. B. kam Europas Fußballer des Jahres von 1976 bis 1981 ununterbrochen aus der Bundesliga. Sogar Felix Magath war mal unter den Top 5 Europas, gleich zwei Mal kamen die Spieler auf den ersten drei Plätzen aus Deutschland. Der heute übermächtig groß erscheinende Zinedine Zidane gewann nur ein einziges Mal, 1998. Und die letzten Deutschen, die darin zu finden sind, sind im Jahre 2002 Oliver Kahn (3.) und Michael Ballack (5.). Wobei die Quoten nicht schlecht stehen, dass es in diesem Jahr mal wieder einer unter die Top 5 schaffen könnte. Aber das ist ein anderes Thema.)

Der Dummschwätzer: eine Dekade lang vorne dabei. Und wenn das damals alle so sahen, muss er wohl wirklich ein Guter gewesen sein.

Wenn der Dummschwätzer spricht und dabei nichts sagt (XXVI)

Natürlich ist es abgegriffen und es ändert leider Gottes auch nichts an den schlimmen Realitäten, so oft man es auch ausspricht. Aber immer mal wieder muss einer es dann doch tun, es aussprechen, sofern eine gewisse Schmerzgrenze überschritten ist, und das war gestern der Fall.

Wahrscheinlich hatte jeder mindestens einen solchen Lehrer. Einen, der nicht erklären konnte. Irgendwann so ab der 6. oder 7. Klasse merkt man ja, dass die da vorne gar nicht alle alles wissen und dass es durchaus auch größere Unterschiede in der Effizienz ihrer Darbietungen gibt.

Die am wenigsten talentierten Exemplare dieser Gattung pflegten dann, wenn sie — was oft sehr schnell der Fall war — mit ihrem Latein am Ende waren, einem den guten Rat zu geben, doch selbst „noch mal drüber nachzudenken“, wie man es besser machen könnte oder was die richtige Lösung der Aufgabe sei. Was in den meisten Fällen dazu führte, dass man die richtige Antwort oder eine alternative Lösungsvariante niemals erfuhr.

Man darf dem Lauf der Welten also dankbar sein, dass Franz Beckenbauer kein Lehrer geworden ist. Was er gestern beim und vor allem nach dem Spiel des VfB Stuttgart im schönen Camp Nou wieder an Erläuterungen* und Expertisen* zum Besten gab, hätte selbst den minder motiviertesten Schüler um den Verstand gebracht, so er auf dessen Hilfe angewiesen wäre.

„Wenn man ein Tor kassiert, muss man einen Fehler gemacht haben.“

Nur welche vier das in diesem Spiel waren, da sollten wir doch bittschön lieber selber noch mal drüber nachdenken, denn verraten hat es der Franz natürlich nicht. Da war er schon bei der nächsten Leerstelle.

* Anführungszeichen sind hier überflüssig, weil der Leser sie sich ohnehin dazu denkt.

Afile der schojte ojfen kisse-hamalchuss is a melech

Es war selbstverständlich, dass eine Rückkehr zu „ran“* nicht vonstatten gehen können würde, ohne alles noch besser, noch innovativer, noch heißluftiger, noch unübersichtlicher, kurz gesagt: noch hirnerweichender als vorher zu machen.

Nun aber schießen sie gänzlich den Vogel ab.

Während der (von mir) zum ersten Mal bei einem Spiel mit deutscher Beteiligung gehörte Fuss sich redlich mühte, die ganzen Kommentatorenschelten, die hier und auf anderen Seiten im Netz Legion sind, vergessen zu machen, und dabei mit zunehmendem Spielverlauf deutliche Fortschritte machte, erschraken sich die Verantwortlichen gehörig, dass nun auf einmal Qualität in der Fußball-Berichterstattung einsetzen könnte. Was aus ihrer Sicht die Zuschauer wohl zwangsläufig mit scharenweisem Davonlaufen quittiert hätten. In ihrer verqueren Welt, in der das Getöse drumherum und alle Sperenzchen schon immer wichtiger waren, als dem tatsächlichen Spiel(-verlauf) Aufmerksamkeit zu schenken, mag das stimmen. Hier, mit gesundem Menschenverstand ausgestattet, findet man keinen Anlass, dieser Annahme Glauben zu schenken. Warum sollte man sich darüber ärgern, wenn man einen guten Kommentatoren erlebt?

Möglicherweise nimmt die ran-Redaktion an, dass „der Deutsche“ an und for himself nur deshalb zum Fußball geht respektive im Fernsehen einschaltet, um zu nörgeln. War man schon mal in Bielefeld oder Duisburg im Stadion, dann kann man dieser Auffassung anheim fallen. Im Allgemeinen jedoch wird der Fußball als Mittel zur Entspannung und womöglich sogar zur Freude schöner Götterfunken aufgesucht. Zumindest in der Hoffnung auf diese beiden Brüder im Geiste.

Das scheint weder in der ran-Redaktion gewünscht, noch kann man sich dort vorstellen, dass es ernsthaft so ist.

Vielmehr scheint es der ran-Redaktion ein Anliegen, die Übertragungen so qualvoll wie möglich zugestalten, mit kreischenden Reportern, mit Spielerfrauen-Vorberichten und mit Einblendungen unterhalb der Senilitätsgrenze, damit man die folgenden Werbespots als ungemein gehaltvoll und geistreich empfindet, als wahre Erlösung. Die Hormonduschen ob des widerlichen Gedröhnes lassen nach, man fühlt sich schon gleich viel besser und zeitgleich läuft ein Werbespot. So in Erleichterung gebadet, wird man die Produkte natürlich positiver attribuieren als es sonst der Fall wäre. Sollte man bei ran unter diesem Druck der Werbenden arbeiten, dann könnte man doch auch ganz schnell die Alternative zu einer solchen Übertragungsart wählen: Es einfach sein lassen. Dann müsste man keinem Werbenden Genüge tragen, man müsste sich nicht selbst auf der Mattscheibe verblöden und als Zuschauer würde man den russischen oder arabischen Kommentar duldsam durchs eine Ohr rein und durchs andere Ohr wieder raus rauschen lassen.

So aber: Es bahnte sich Qualität an, schnell musste etwas unternommen werden. Und wie schon bei allen Fußball-Quizspielen lautet die Antwort auf gestellte Fragen immer entweder Franz Beckenbauer oder Gerd Müller. Da Letzterer nur noch in den Logen der Allianz-Arena als Grinsekatze auftaucht, nicht aber beim Fernsehen, war klar: die Antwort muss Franz Beckenbauer heißen.

Also flugs den Kaiser eingeblendet, was er zum Spiel zu sagen habe. Womit die Senilitäts- und Peinlichkeitsgrenze wieder locker unterschritten wurde, denn der Kaiser hatte wie immer nichts zum Spiel zu sagen. Es war nicht mal sicher, ob er eigentlich im Stadion war oder ob er vielmehr in einem Studio in Baringhausen saß, wo man ihm zwei nette Begleitungen hingesetzt hatte, mit denen er während der 90 Minuten über dies und das plaudern oder auch schweigen konnte, nur eins definitiv nicht: Das Spiel schauen. Und danach währenddessen etwas Geistreiches dazu sagen.

Worte über den Kaiser als „Experten“ zu verlieren bedeutet natürlich unter Hörenden Pochers nach Sat1 zu tragen. Es ist ja nicht des Kaisers Schuld, wenn man ihn immer wieder einlädt, während er doch schon seit Jahren nichts zum Spiel zu sagen hat. Wer von uns würde da nein sagen, wenn man immer schön eingeladen wird, Champions League schauen darf und noch dazu Geld dafür bekommt? Zumal mir dünkt, dass wohl auch der Kaiser von dritter Seite noch mal eine Extraprämie bekommt, um die Werbespots besonders geistreich erscheinen zu lassen.

* Was die wenigsten wussten: auch das kleine Wörtchen „ran“ ist nur ein Akronym. Es steht für: reißen, amerikanisieren, narkotisieren.

Wie sich „Manager“ über „Manager-Eignungen“ unterhalten

Da sprach der eine blinde Maulwurf zum anderen blinden Maulwurf:

Ich sah da einen, der könnte es machen. Der kann es wirklich, glaub mir. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.

Und Oliver Kahn ward erkoren, von den beiden, zu einem, der es kann.

Ich bin mir sicher, der kann’s. Er wäre eine gute Wahl.

Das kommt dabei raus, wenn man Rudi Völler und Franz Beckenbauer zu einem Thema befragt, das sie selbst noch nie sahen.

Wenn der Dummschwätzer englisch spricht (XXIII)

Ein bisschen viel Dummschwätzer-Content hier in letzter Zeit (für letzte Zeit = letzten zwei Tage), dieses Interview mit Hillbilly-Beckenbauer kann man sich aber nicht entgehen lassen. Schließlich merken wir, dass er genau dieselben Sprachkomplikationen auf englisch wie auf deutsch hat, das häufige Wiederholen eines Wortes und die Sprachmelodie, die doch mehrheitlich bairisch bleibt. Welche Antwort er dem Interviewenden auf die Frage gibt, ob Beckenbauer es bedaure, dass England nicht bei der EM dabei ist, na, da könnt Ihr ja vorher mal raten.

Aber: legt Euch ja nicht mit der FIFA an!