Althergebrachtes Jubelritual im Fußball

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Für weniger Eingeweihte extra anhand von Bewegtbildern illustriert. (Es reichen jeweils einige wenige Sekunden.)

1989

1991

1994

1997

2004

2006

21 Kommentare

  1. Wurden da denn vorher auch Bengalos aufs Spielfeld geworfen und herrschte allgemein eine aggressive Stimmung unter Teilen der Zuschauer vor?

    Kann mir schon vorstellen, dass man vor dem Hintergrund erstmal nicht weiss, wer da jetzt stürmt und weswegen genau, glaube auch, dass die Spieler inzwischen teilweise große Angst vor ihren eigenen Fans haben…

    Ansonsten natürlich richtig und gut gesammelt.

  2. Ja, der 2. Beitrag kam mir Dienstag auch sofort in den Sinn… Soviele Parallelen:
    Traditionsmannschaft (wenn auch 1902 statt 1895) kommt nach so vielen Jahren (wenn auch nur nach 9 statt 15 Jahren) aus der Oberliga (wenn auch nur 3. und nicht 4. Liga) in die Bundeslige zurück (wenn auch nicht durch Relegationsspiel) im letzten Spiel gegen Berlin (wenn auch nicht Hertha sondern Blau-Weiss). Beim MSV ist eben immer alles eine Nummmer kleiner ;-)

    Um Mißverständnissen vorzubeugen: Erst nach dem Auftieg habe ich damals meine legendäre Nebenbeschäftigung im Ordnungsdienst aufgenommen, sonst wäre das natürlich nicht passiert ;-)

  3. ich denke, es ist schon ein Unterschied, ob ein Spiel gelaufen ist oder nicht. Und wenn Hertha 2 Minuten vor Schluß 3:0 hinten liegt und die Spieler beider Mannschaften nur noch den Ball hin und her schieben bis der Schiri abpfeift, dann ist das mit den Fans am Spielfeldrand Ok.
    Dem war aber nicht so. Hertha hätte ein Tor gereicht, um das Spiel zu drehen.
    Übrigens habe ich das Spiel als völlig neutraler Beobachter (eher sogar leicht pro Düsseldorf) geguckt. Und schon zur Halbzeit hatte ich den Eindruck, der Schiri pfeift für die Heimmannschaft.

  4. Todesangst, die.

  5. Todesangst…Hertha gehts echt nicht..;-)

    Schöne Sammlung, Trainer!

  6. @moldo, woran machst du das fest, dass der Schiri pro Fortuna geofiffen hat? An den Kleinigkeiten, die man in der dritten Zeitlupe erkennt oder war da etwas Auffälliges? Habe im Stadion dummerweise nichts erkennen können, hatte allerdings auch keine Zeitlupen.
    Todesangst und Blutbad sind die Vokabeln, die Hertha hier ins Spiel gebracht hat. Durchaus zutreffend, wenn man sieht, was die eine Minute nach dem Abpfiff so alles mit dem Schiri angestellt haben. Und alle belasteten Spieler haben vor Dutzenden von Zeugen ihre Handlungen vollzogen unter dem ständigen „Hinweis“ an Stark, er habe – zu FRÜH abgepfiffen. Die wollten ihre Todesangst wohl noch etwas auskosten.
    Wer Todesangst hat, obwohl Schiedsrichter und Polizei sagen, es könne weitergespielt werden, der muss in der Kabine bleiben. Aber das hat ihnen ihr Anwalt telefonisch ausgeredet, weil das Spiel dann in jedem Fall verloren gewesen wäre. Prügeln, rotzen, schubsen, beleidigen, Kabine stürmen, und sich dann als Belohnung ein Wiederholungsspiel abholen, das wäre in der Tat rekordverdächtig.
    Relegation ist die Gelegenheit für einen Klub, eine völlig verkorkste Saison in lächerlichen zwei Spielen wieder wett zu machen. Hertha versucht grad, eine völlig verkorkste Saison und zwei völlig verkorkste Relegationsspiele mit 90 Sekunden wieder wett zu machen. Wenn das gelingt, hat es für mich allerdings auch positive Seiten: dann werde ich mich ab sofort dem hallenhalma widmen, und das ist bekanntlich wesentlich stressfreier.
    Nebenbei liegen mir sämtliche „Aussagen“ vor, die die Todesangst-Kombo gestern zum besten gegeben haben. Das ist teilweise Slapstick pur und widerspricht sich des Öfteren im selben Satz. Und zwar gleich mehrfach, denn irgendwie ist ein Großteil identisch.

  7. ich kann mir vorstellen, Janus, dass Du das ganz anders gefühlt hast. Das ist Okay so :-) Und ich behalte meinen Eindruck.
    Was die Hertha-Spieler da hinterher gemacht haben, ist in der Tat völlig daneben. Dafür sollen sie saftige Strafen bekommen. Ist aber unerheblich für das Spielende.
    Am besten wäre es gewesen, der Schiri hätte das Spiel nach der Pyro-Einlage aus dem Hertha-Block abgebrochen (und damit Düsseldorf zum Sieger gemacht). Das hätte jeder verstanden.
    Er hat aber weiter spielen lassen und da hat dann Düsseldorf Hertha die letzten Minuten unfair „kaputt“ gemacht. Auch das Argument „die Fans waren friedlich, wollten nur feiern“ zieht nur dann, wenn Hertha kein Tor mehr schießt.

  8. Das tut es nicht. Denn der Schiri und die Polizei haben eindeutig gesagt, dass eine reguläre Fortsetzung des Spiels gewährleistet ist, und das beinhaltet selbstverständlich auch die Tatsache, dass Hertha noch einen Treffer erzielen könnte. Es sei denn, man möchte jetzt dem Schiri und der Polizei grobe Fahrlässigkeit bei der Bewertung der Lage vorwerfen, was man dann aber gerne auch beweisen darf. Und der Protest der Herthaner gründet genau auf darauf, dass sie aufgrund dessen, was du vermutest, in „Todesangst“ weitergespielt hätten. Speziell nach der Anhörung gestern bleibt davon aber nun wirklich nichts übrig. Ich stimme zu, dass das Spiel nach dem Bengalenregen der Herthaner hätte unterbrochen werden sollen mit der Durchsage, dass bei der nächsten fliegenden Bengale abgebrochen wird. Ich bin mir 100% sicher, dass die dann stante pede aus dem Hertha-Block gekommen wäre, denn die hatten in diesem Moment nur im Sinn, das Spiel abzubrechen.
    Bezeichnend finde ich den vom Trainer gefundenen Ausschnitt seines „Heimatvereins“ MSV Duisburg von 1991, wo das Spielfeld gestürmt wird, als in der 87. Minute das 1:0 fällt. Kleiner Umschnitt in der Reportage, Kommentar „Zehn Minuten Unterbrechung, zwei Minuten Spiel…“, und die Sache ist erledigt. Und genau nichts Anderes ist am Dienstag vorgefallen.
    Übrigens sehr schön in dem Ausschnitt: Poschi Poschmann führt am Ende quietschvergnügt Interviews in der Masse. Heutzutage moderiert der zum selben Anlass ZDF-Betroffenheits-Spezials. Man wird halt nicht jünger.

  9. Wenn das ein Wiederholungsspiel gibt, ist es eine Aufforderung an alle Geisteskranken, künftig einen Spielabbruch via Bungalows, ehm, Bengalos und Platzsturm zu erwirken, wenn es schlecht läuft.

    Aber dem DFB kann man einen solchen Bärendienst an der Sache zutrauen.

  10. Ach so, im übrigen bin ich der Meinung, dass die Polizei Düsseldorf den Anwalt der Hertha vor Gericht zerren sollte für die Behauptung, ein Blutbad drohe im Falle des Nichtantritts.

  11. Danke an den Trainer und an janus!

    Leider ist der Imageschaden, den die eh schon nicht besonders gut beleumundete Fortuna erlitten hat, auch durch ein entsprechendes Urteil am Montag nicht rückgängig zu machen. Besonders das Fernsehen hat alles dafür getan, die Ereignisse krass aufzubauschen, und unter Verzicht auf Fakten am „Skandalspiel“ gestrickt. Mit den Giftpfeilen, die dieses Jahr aus Frankfurt kamen, dürfte Fortuna im nächsten Jahr bei allen als der unverdiente Randaleaufsteiger gelten.

    Hier zeigt sich aber auch, wie sehr sich der Fußball von seiner Basis entfernt hat: Die Zuschauer sind nur noch als williges Zahlvieh oder als Choreolieferanten gewünscht. Bei einem Ausbruch aus dieser Rolle muss es sich sogar als von Blutlust getriebener Mob beschimpfen lassen, vor dem die Spieler sich fürchten. Wie absurd.

    Ich habe das Spiel, das ein unvergesslicher Höhepunkt in meiner seit genau 30 Jahre andauernden F95-Fankarriere sein sollte (erster Stadionbesuch: eine 2:5-Niederlage gg. die Bayern 1982), am Fernseher mitverfolgt und war entsetzt, als die Zuschauer vor dem regulären Ende das Feld stürmtn. Wie kann an seiner Mannschaft so schaden? Diese Einschätzung hat sich mittlerweile etwas gewandelt, Euphorie und Herdentrieb werden eine größere Rolle gespielt haben als fehlgeleitete Freude und Egoismus. Fakt ist aber, dass der verdiente Aufstieg so oder so arg angekratzt ist. So sehr, dass ich mir fast wieder ein Wiederholungsspiel wünsche, in dem die Fortuna diesen ekelhaften Heulsusenverein ins Vergessen schießt.

  12. großartig (wegen der Großartigkeit kleingeschrieben)! Danke, Trainer.

  13. @Oliver: ich lese mit Dir. Fortuna hat´s gemacht und freut sich. Alles andere ist ‚moderner Medienwind` und unsportliches Sportgericht.

  14. @Janus
    Es geht gar nicht darum, ob der Platzsturm friedlich oder blutrünstig war (dass er letzteres nicht war, ist nun glaube ich echt jedem klar).

    Es geht darum, dass Hertha durch die Spielunterbrechung ganz objektiv und erheblich darin behindert wurde, noch das entscheidende dritte Tor zu schießen. Es wurde Hertha nicht nur der Spielfluss genommen, sondern der Fortuna die Möglichkeit gegeben, sich mental zu sammeln und defensiv neu auszurichten. Also wenn das kein Grund für ein Wiederholungsspiel ist, dann weiß ich auch nicht!

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  16. @ Trullala:
    Der Spielfluss der Hertha, die just vor dem Platzsturm beinahe ein weiteres Gegentor kassiert hätte und abgesehen vom tatsächlich schon herausgespielten Ausgleich zum 2:2 kaum nennenswerte Chancen hatte?

    Eine Spielunterbrechung kommt im Fußball manchmal vor. Sie alleine rechtfertigt doch keinen Spielabbruch – egal in welcher Spielminute.

    @ Moldo:
    Eine einsitige Regelauslegung von Stark habe ich vor dem Fernseher nicht erkannt. Da wäre ich für Hinweise dankbar.

    Mich hat es wahnsinnig geärgert, dass nach dem Spiel nur noch von „Randale und Chaos“ die Rede war. Chaos – ja. Randale – wo denn?

  17. Randale – im Berliner Block mit dem Ziel, das Spiel abzubrechen, unmittelbar nach dem 2:1 für Fortuna. Dadurch konnte sich die Hertha wieder sammeln und Fortuna wurde daran gehindert, das entscheidende 3:1 in einer Phase nachzulegen, als Hertha am Boden war.

    Deine Begründung beim Platzsturm hat Henk bereits erläutert. Wer musste sich da wieder sammeln? Also bitte.
    Ist alles „hätte, hätte, fahrradkette“. Wenns für so etwas Wiederholungsspiele gibt, dann gute Nacht. Nebenbei, was macht eigentlich so ein Kobiaschwili in der Kreisliga, wenn er in einem entscheidenden Spiel bemerkt, dass die gegnerischen Fans das ganze Spiel über nur 50 cm von ihm entfernt an der Außenlinie stehen? Nimmt der dann sein Kind unter den Arm und haut ab? Nachdem er natürlich den Schiri noch umgehauen hat, dafür wirds wohl noch reichen. Das ist eine Farce.

  18. Ok, Henk. Vorneweg: Ich bin kein Köln-Fan, sondern für den anderen 1.FCK. Auch hege ich gar keine Sympathien für Hertha. Düsseldorf ist für mich ein weißes Blatt. Es ist mir egal, ob Fortuna oder Hertha erste Liga spielt. Ich halte mich für neutral.

    Das Spiel geht gut los, es scheint wirklich spannend zu werden. Und so Mitte der ersten Halbzeit merke ich, wie ich mich über den Schiri wundere. Bis dahin kann ich es nicht an einer auffälligen Schiri-Entscheidung festmachen, es ist die Summe von Kleinigkeiten: Er pfeift kleinlich bei Hertha und großzügig bei Fortuna – nicht dramatisch, wie gesagt. Aber so viel, dass ich als Neutraler misstrauisch werde. Ich will nämlich ein packendes Spiel sehen, bei dem der Schiedsrichter nicht aktiv eingreift. Mir ist egal, wer gewinnt.

    Aber, ich habe auch einen Punkt, an dem ich es mal konkret festmachen will. Da gibt es einen Kopftritt gegen einen Hertha-Spieler (der muss blutend behandelt werden) ohne Folgen für den Fortunen. Auf der anderen Seite bekommt Ben-Hatira gelb (das erste Mal) für ein Foul, das ich auch in der Zeitlupe nicht gesehen habe. Dass Levels sich da „tödlich getroffen“ :) am Boden wälzt, das gehört dazu. Davon lässt sich ein Top-Schiri wie Stark nicht täuschen.

    Bei mir als neutralem Zuschauer kommt da das Gefühl auf, der Schiri sucht nach Gelegenheiten, Hertha zu benachteiligen. Er verdirbt mir das Spiel.

    Später im Spiel verliert Stark jedes Schamgefühl, als er z.B. Fortuna eine echte Konterchance schenkt, nach einem so klaren Foul an Kobiaschwilli, dass sogar der foulende Fortune in Erwartung eines Pfiffs „beidreht“.

    Ich würde mich selber natürlich sofort für völlig bescheuert erklären, wenn statt der Fortuna da Lautern gespielt hätte.

  19. Danke Trainer! Kaiserslautern 1991 in Köln wäre noch nachzutragen, dann hätten wir die hässliche Fratze des Fussballs komplett…



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