Der beste Vereinssong im deutschen Fußball

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Zu einer Zeit vor recht Kurzem begab es sich, dass der Herr, in diesem Fall der Hausherr, sich mal wieder auf den weiten Weg ins Dorf an der Düssel machte. Dort traf er — wie es grundsätzlich nicht anders zu erwarten war — auf eine Herde reichlich unbeleckter Schafe. Unbeleckt in Fragen des Musikgeschmacks. In Fragen des Biergeschmacks waren sie das ohnehin, aber das war auch im Vorfeld von keinem Experten bezweifelt worden. Die Unbelecktheit in Fragen des Musikgeschmacks aber überraschte dann doch, nicht allein die Laien.

So wurde in dieser Runde von Schafen die These vertreten, dass der nachweislich beste, authentischste und auch schönste von allen Vereinssongs — der „Zebra-Twist“ nämlich — da etwa „albern“ sei und nach einem „Karnevalslied“ klänge. Nun entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn ausgerecht Bewohner des Dorfes an der Düssel irgendeinem in anderen Regionen erstellten Musikwerk vorwerfen, dass es nach „Karneval“ klänge und dies aus ihrer — kurzsichtig, wie man in Dörfern zu denken pflegt — Sicht selbstverständlich als Kritik verstanden wissen wollten.

Beklagenswerterweise ist aber nicht allein der Vorwurf des „Karnevalslieds“ vollkommen hanebüchen, es mangelte auch an jeglichem historischen Bewusstsein dafür, welche Authentizität, Graziosität und vor allem Originalität der heute bekanntlich zu weltweitem Ruhm gelangte „Zebra-Twist“ besitzt.

Da im Dorf an der Düssel große Unkenntnis ob dieser Tatsache vorherrschte und das Selbe auch für andere Dörfer zu befürchten steht, sei hier noch mal kurz eingeweisen, warum (und weshalb) der „Zebra-Twist“ bei anerkannten Experten als der grandioseste Fußballsong im Machtbereich des DFB gilt. Für ihn sprechen die folgenden Argumente in loser, unsortierter, deshalb aber umso überzeugenderer Reihenfolge:

  • Der Song erlebte seine Premiere in der ersten Bundesliga-Saison im Jahr 1964
  • Es ist ein Twist
  • Es ist ein Zebratwist
  • Er nimmt in seinem Text wirklich Bezug auf ein imaginiertes Spielgeschehen auf dem Platz und salbadert nicht von Heimat, regionaler Verbundenheit oder allgemein von überschwurbelter Emotionalität, die in ihrer überschwurbelten Emotionalität heutzutage Standard zu sein scheint, aber nicht nur im Grunde nicht zu ertragen ist
  • Der Song ist seit seinem Entstehen unverändert, man könnte dazu die Vokabel von der Tradition einwerfen, dies ist aber überflüssig, weil der Song vollkommen modern klingt und ist — und das zu jeder Zeit!
  • Er ist weder in schunkelbarem Hymnen-Slomo-Rhythmus noch in von schnauzbärtigen Altrockern als „fetzig“ tituliertem Tempo gehalten, noch nimmt er Anleihen an Schlagern, welche in Punk-Verkleidung die Zugehörigkeit zu anderen Musikstilen weismachen wollen
  • Es geht im Refrain von C über F zu G, und dann tatsächlich wieder zurück zu C, während es in der Strophe sogar von E über a-moll zu D, G und einem auch heute noch wohlklingenden G7 geht („…festgerannt…“)
  • Der Song ist von 1964, stammt also aus einer Zeit, in der alle anderen Vereine außer Eintracht Frankfurt — ein Club, der nicht ohne Grund eine Fan-Freundschaft mit dem im Zebra-Twist besungenen MSV pflegt(e) — noch nicht einmal daran dachten, irgendeine Art von Musik außer Herbergsvater- oder noch schlimmeren Liedern mit ihrem Verein zu verknüpfen
  • Man kann zum mitreißenden Rhythmus wunderbar mit einem Schal wedeln, auch im Sommer
  • „St. Pauli“ wird einmal im Verlauf des Zebra-Twists im Hintergrund gerufen, lange bevor dieser Club irgendeine Art von irgendetwas erlangt hatte, eine sehr weitsichtige Vorgehensweise beim Texten also
  • Eine Hupe kommt mehrfach zum Einsatz, lange bevor die Beatles auf diese naheliegende wie bahnbrechende Idee kamen
  • Der offizielle Twitter-Account von Coldplay nannte den Zebra-Twist als Argument, warum der MSV Duisburg der Lieblings-Fußballverein von Coldplay in Deutschland ist


Weiter die Grandiosität des besten aller Vereinssongs Leugnende mögen nun vortreten, im günstigsten Falle mit Argumenten jenseits von reinem „Geschmack“ bewaffnet, warum der über alle Maßen authentische und auch musikalisch über jeden Zweifel erhabene „Zebra-Twist“ nicht der beste Fußballvereinssong in Deutschland in den Grenzen von 1990 sein solle.

Es werden sich natürlich keine Argumente finden, weshalb man die Kommentare eigentlich auch schließen könnte.

Alle Freshmen in Bezug auf die Vereinssongszene mögen den Link in dem Video im Tweet anklicken.

8 Kommentare

  1. Alles richtig… Den Teil mit Coldplay aber bitte nach hinten… zu den Backupfolien

  2. Zuerst: Die Outfitter-Werbung ist bei mir (Win7, FF) fies verschoben, so dass ich den ersten Absatz kaum lesen kann.

    Ansonsten: Wir führen. Verdient und unstrittig. Welcher Fußballverein hat schon eine Vereinshymne von einem Polizeichor?

  3. Tatsächlich ein besonderes Vereinslied. Alemannia Aachen hat auch so was zu bieten, aus dem Jahr 1967: http://www.youtube.com/watch?v=l2B5ZNSZ5u8
    Stammt natürlich aus dem Karnevalsmilieu. Das Lied kann man gerade nach derben Niederlagen aus voller Brust singen, ist zum Teil in heimischem Dialekt gehalten und mit einer wohltuenden Portion Selbstironie:

    Spielt am Sonntag unser Fußballklub,
    treffe sich der Fränz än ouch deä Jupp.
    Met Fahne, Trommele, Tröete än Hipp-Hipp-hurra,
    treckt alles dörch de Süesch noh Alemannia.
    Doch das Spiel, wie kann es anders sein,
    das gewinnt der andere Verein.
    Und beim Apfiff säät et Fränzje an der Jupp:
    „Dat is än blievv deä selve Klömpchensklub!“

    Wir brauchen keinen Seeler, keinen Brülls,
    denn wir kaufen alle Spieler bei Marl-Hüls,
    und wenn wir auch verlieren, nur das eine bleibt besteh´n:
    Alemannia Aachen wird nicht untergeh´n!

  4. Das ist ärgerlich, alibamboo, aber für mich nicht nachzubilden. Habe Dir gemailt.

    Das Aachener Lied kannte ich noch nicht, Danke, Gundula.

  5. Der Zebratwist ist einer der wenigen Gründe, auf den MSV neidisch zu sein, genaugenommen der einzige ;-)

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