Die zehn schönsten Stadien der Welt

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Die renommierte zentral-niederrheinische Zeitung „Trainer Baade“ kürte in einer ihrer letzten Ausgaben die Frischauf-Kampfbahn in Wernigerode zum schönsten Stadion der Welt. Auf den Plätzen folgt dieser eine Platz in der Somme, auf dem man mal gegen eine französische Schulmannschaft spielte, gefolgt von dem leicht zugewachsenen Platz in Den Helder (Niederlande) vor dem Platz in Hamborn hinter den Grillo-Werken. Dann dieser Platz in Mosbach, wo direkt nebenan ständig Güterzüge fahren, auf Platz 6 der Platz mit den bällefressenden Pflanzen hinter dem Nordtor, in der Nähe vom Kreisverkehr, dann das Ding, wo die Asis daneben wohnen, die immer unwissenden Quatsch ins Spiel reinrufen, aus den Fenstern gelehnt, wo aber die Kneipe noch das hält, was der Schriftzug verspricht. Dahinter das Ding neben dem Kloster, schön kompakt und klein, und wenn man ganz still ist, hört man gregorianische Choräle. Dann noch der Platz in den Rheinauen, allerdings nur, wenn kein Hochwasser ist. Und auf Platz 10 schließlich das eigene Tippkick-Feld, wenn man es denn noch im Keller findet.

So, und jetzt schreibt mal alle schön das Gleiche ab.

Was ist das für ein seltsames Phänomen? Irgendeinem Times-Redakteur war langweilig oder ihm fiel nichts ein. Jeder Popelsblogger, dem gerade nichts einfällt, weiß, dass man diese Nichtseinfalleritis am allereinfachsten mit Listen bekämpft. Die zehn größten Sünden der Weltgeschichte. Die fünf schnellsten Motorräder, die auch Jet-Skis sind. Die acht hässlichsten Fratzen des Briefmarkensammelns. Die 32,5 einflussreichsten Menschen der Kasseler Stadtgeschichte. Also setzt man sich hin, denkt sich irgendein Thema und irgendeine beliebige Zahl aus und füllt dann die entsprechend der ausgedachten Zahlen schon auf dem Papier gemachten Spiegelstriche mit Inhalten. Kritierien dafür, warum, was, wieso, braucht man keine, Hauptsache, man bekommt seine Liste voll.

Ist die Liste voll, klickt man auf „publizieren“, was im Falle des Times-Redakteur „publish“ gewesen sein könnte, und geht nach getaner Arbeit Listen-Auffüllerei nach Hause.

Drei Tage später wundert man sich, dass die ganze Welt und besonders die deutsche Welt die Liste wie wild abgeschrieben und als „Nachricht“ verkauft hat. Woraufhin man am nächsten Freitag wieder so eine Liste erstellt, diesmal mit den zehn schlechtesten Stadien der Welt. Oder hundert, falls mal die ganze Woche nichts zu tun sein sollte.

Der Abschreiber werden sich schon genug finden.

11 Kommentare

  1. „So, und jetzt schreibt mal alle schön das Gleiche ab.“

    Geht auch kopieren und einfügen?

  2. das gibt nicht viele kommentare ;)

  3. Danke Trainer, danke!

  4. Pingback: links for 2009-08-15 | Du Gehst Niemals Allein

  5. Hier sind sie Superlative ja gewöhnt, die BVB-Arena wurde gerade erst zum schönsten Stadion der Welt gewählt.

    Sagt SPON.

    Gewählt?

  6. Na gut. In einer anderen Bedeutung passt das Wort ja dann doch. Allerdings sollte man vielleicht dazu sagen, dass das Stadion von einem einzigen Menschen dazu gewählt wurde, aus den vielen anderen. Nicht von vielen Menschen.

  7. Kasseler Jungs sind wir! Hah, endlich mal eine Gelegenheit, mich als Kassel Ultra zu bewerben, hehe…

  8. Oh Gott, ich geh kaputt.

    Selbst Reinhilde B. Beckmann ist sich nicht zu blöd, die Liste-aus-Langeweile von der Times zu zitieren. Mitten in der Sportschau.

    Bitte, hört auf, mich so zu quälen mit diesem Pseudo-Nachrichten-Fakten-Gesülze.

  9. Pingback: #Link11: The Friday One | Fokus Fussball

  10. Die Erwähnung der Spitzenposition in diesem Ranking ist übrigens inzwischen fester Bestandteil jeder Stadionführung im SI-Park (natürlich mit dem Zusatz „von der berühmten englischen Zeitung The Times gewählt“ und nicht etwa „ein bestimmter Times-Redakteur hat die Meinung, dass …“).



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