Ich erinnere nichts.

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Es soll mal eine Zeit gegeben haben, in der so knappe 11 Monate vor einer Weltmeisterschaft (fast) jeder Spieler um seinen Stammplatz, ja sogar überhaupt um seine Nominierung für den Kader der Nationalmannschaft kämpfen sollte.

Es gab damals keine „Freundschaftsspiele“ – auch wenn es ohnehin keine Pflichtspiele gab – sondern nur echte Herausforderungen, eine große Chance sich zu präsentieren, aber auch die Verpflichtung, sich zu präsentieren, weil sonst der Nächste schon hinten dran lauern würde. Ausreden wie schlecht geschlafen, Pech in der Meisterschaft oder abgebrochene Beziehungen respektive Zehennägel zählten nicht, in jedem Spiel sollte man zeigen, dass man willens war, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein und dass der Trainer nicht an einem vorbei käme.

Davon ist keine Erinnerung übrig geblieben, nur in dem, was früher Bücher waren und heute youtube ist, kann man es noch nachlesen oder -sehen.

Heute ist alles wie immer. Ein Qualifikationsspiel gegen einen von den hinteren Tabellenränge bedeutet, dass man ein Gurkenspiel abliefert, in welchem man irgendwie zwei Tore reinlügt, Glück hat, dass der Fußballgott die Zwerge seltenst gegen uns mal ein Tor schießen lässt und ansonsten zusieht, wie man von dieser „strapaziösen“ (Was ist an einem vierstündigen Flug strapaziöser als an einem zweistündigen?) Reise in dieses finstere Land voller Ölbarone und ohne Torjäger (Wir haben es gehört, Tom Bartels, zwei Erwähnungen hätten auch gereicht.) so schnell und unverletzt wie möglich wieder nach Hause kommt.

Klar sieht man danach noch Vieles, „was man verbessern kann“, denn man hat ja gar nicht versucht, das Beste zu geben. Sondern in typischer, phlegmatischer Manier die drei Punkte einzusacken. Ohne Spektakel, ohne Nominierungsdruck und ohne zu gefallen.

Manche nennen das clever oder routiniert, ich nenne das Verrat am eigenen Löw. Also er an sich selbst. All das Gewäsch ist von jenem von Klinsmann kaum mehr zu unterscheiden, und dass auch bei Klinsmann viele Würfel schon gefallen waren, egal wie sehr sich ein Spieler „präsentiert hatte“, weiß man ja inzwischen. So ist es auch bei Löw. Die meisten Würfel sind schon gefallen, wozu noch anstrengen und vor allem: Wozu noch ein Spektakel aufziehen, gar begeisternden Fußball spielen, den Gegner beherrschen, wenn es doch auch so geht, mit den Füßen auf der Kopflehne des Vordermanns, der leeren Chipstüte im Gang und nur einem halben Auge auf dem Spiel.

Wozu noch?

Weil man den Schalter nicht umlegen kann, wenn es nötig ist, nur weil man das will, man aber nicht weiß, wie es ist, den Schalter umzulegen. So jedenfalls wird das nichts. Viertelfinale 2010, Löw geht, wer kommt?

15 Kommentare

  1. Tja, wir sind halt auf den erwartet schweren Gegner getroffen, der hinten sehr kompakt stand und nach vorne immer wieder mit Nadelstichen versuchte unsere Abwehr in Verlegenheit zu bringen. Zudem fehlte die Laufbereitschaft und das Passpiel war suboptimal blablub…
    Nein, es war furchtbar. Typisch Nutellageneration. Was will man erwarten? Die haben halt alle keinen Bock mehr. Die sind so gestopft und gehypt, dass die die Nationalmannschaft ohnehin nur als lästig empfunden wird.

    Deswegen empfinde ich diese Mannschaft mittlerweile auch als lästig. Ich weiß nicht einmal mehr wer da spielt. Wer ist eigentlich Schäfer und wo kickt der sonst?. Früher undenkbar.

    Ich lege den Schalter nicht mehr um. Ich wechsele den TV Kanal

  2. Das liegt nicht an scheinbar satten Nutella-Spielern. Und an den Aserbeidschanis lags natürlich auch nicht.

    Ich hab schon den Eindruck, dass Schäfer, Tasci und Co. alles geben, wenn sie Nationalmannschaft spielen. Unser Trainer hat recht, wenn er das Übel im Yogi festmacht. Der wirkt ja vor dem Spiel schon so wie ein Kleinstadtbeau, der am Ende des Sonntagsausflugs gerade im Biergarten angekommen ist.

  3. Trainer, ich werde Dich verklagen wegen dieser Überschrift. Das ist ein übler Fall von Körperverletzung!

  4. Vielleicht reicht es ja nichtmal zur Qualifikation.

  5. SLogan: Was ist denn an der Überschrift Körperverletzung? Jetzt bitte nicht behaupten, das wäre ein Anglizismus, es ist keiner.

  6. Kulturpessimismus hat seine Daseinsberechtigung. Dann sollte man nur selbst Leistung bringen. Der „nächste“ im 2. Absatz ist ein Substantiv- also der „Nächste“. Ansonsten- weitermachen.

  7. Zur Sache selbst: Interessanter als das Spiel fand ich das Interview von Ballack im kicker. Er hat Poldi dort auf sehr elegante Art in seine Schranken verwiesen und einen selbstbewussten Komentar zur K(evin)-Frage abgegeben.

  8. Word! Also bzgl. deines Posts, Trainer.

  9. Manueller Trackback:

    „Trainer Baade in einem lesenswerten Kommentar zum mittwochabendlichen Spiel von Jogis Jungs.“

  10. Ach Leute, ernsthaft? Immer dieser nostalgische Kappes.

    Als ob Deutsche Nationalmannschaften früher immer leicht und flockig durch die Qualifikationen geglitten wären. Es gab sie schon immer, diese 1:0/2:0-Siege in Malta (da auch mal 0:0), Zypern, oder speziell in und gegen Albanien, etc.
    Oder diesmal eben gegen Aserbaidschan.

    Also tut nicht immer so, als ob früher alles besser war. Das ist wirklich Bullshit, wenn man sich mal die Qualis zu den Turnieren seit 1960 anschaut.

    Aber da traut man halt lieber dem eigenen, selektiven Gedächtnis.

  11. wer – außer dir, Hirngabel – hat denn gesagt, dass früher alles besser war?
    Aber wir haben ja angeblich den besten Bundestrainer aller Zeiten, oder nicht? Und was spielt die Mannschaft unter Yogi? Scheiße. Da kannst Du noch so viel Nebel drum rum werfen ..

  12. Tja, moldo, dann muss ich wohl den Blogbeitrag, der mit „Es soll Zeiten gegeben haben…“ und die Kommentare a la „Früher undenkbar.“ komplett falsch verstanden haben.

    Da bitte ich natürlich um Entschuldigung.

    Könntest Du mir dann bitte vielleicht erklären, was die Bedeutung des Eintrags und der breiten Zustimmung stattdessen ist?

    PS: Zur Erklärung meines Kommentars. Ich habe nicht geschrieben, dass wir „den besten Bundestrainer aller Zeiten haben“, sondern lediglich, dass es eben solche Scheissspiele wie gegen AZE in so gut wie jeder verdammten Qualifikation gab.

  13. Ja, Du hast da was komplett falsch verstanden. „Früher undenkbar“ hat keiner außer dir gesagt, Hirngabel. Und „Es soll Zeiten ..“ – so fangen doch Märchen an, oder nicht?

    Worum geht’s? Es geht um den Bundestrainer: “.. in jedem Spiel sollte man zeigen, dass .. der Trainer nicht an einem vorbei käme.“

  14. „Früher undenkbar“ hat keiner außer dir gesagt

    Hmm, okay. Ausser vielleicht Heinz im ersten Kommentar.

  15. Pingback: Die lasche Einstellung unserer Fussball-Nationalspieler, da hat Trainer Baade Recht! | granad sein Block!



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