gay friendly club

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Manchester City trägt diesen Beinamen im Untertitel. Nicht unbedingt im Untertitel, aber jedenfalls gab sich der Klub diese Bezeichnung. Wäre auch mal was für die Bundesliga. Ich habe hier schon ausschweifend über schwule Fußballer diskutiert, mit dem Resultat, dass die Kommentare jenes Beitrags überquollen vor Mutmaßungen, Anhimmelungen und gequirlter Scheiße — google sei Dank.

Leider verlässt mich gerade die Technik hier, deshalb kann ich nicht viel mehr posten als meine Feststellung, dass ich es im Jahre 2006 als geradezu lächerlich empfinde, dass jener Ausschnitt der Gesellschaft, der sich für Fußball interessiert, nicht damit klarkäme, wenn einer der Spieler der Bundesliga schwul wäre, bzw. dieser Ausschnitt das wüsste, denn schwul ist der eine oder andere Profi ganz sicher, nur weiß es keiner.

Schluss endlich mit diesem Versteckspiel, ich fordere das nicht von den Betroffenen, sondern von den diese Atmosphäre Erzeugenden. Tut mir leid, wie lächerlich ist es, weiterhin an dieser Geisteshaltung festzuhalten? Der eine oder andere Kollege/Kollegin ist homosexuell, der eine oder andere Nachbar/in ist homosexuell, nur im Fußball darf es keiner sein?

Für mich ist das absoluter Kindergarten, ein Anachronismus. Ich halte auch nicht viel von übertriebener political correctness. Aber ob ein Spieler da unten schwarz ist, gelb oder rot oder schwul: who cares? Er soll gut spielen.

Mir bewußt seiend, dass ich dieser Problematik mit diesem kurzen Beitrag nicht gerecht werde, entschuldige ich mich angesichts suboptimaler Surfumstände. Gute Nacht.

3 Kommentare

  1. Dein Anliegen ist aller Ehren Wert, Trainer Baade, doch sehr naiv, wartet der durchschnittliche Kurven-Fan doch nur auf eine Steilvorlage, einen gegnerischen Spieler mit unflätigen Beschimpfungen zu demoralisieren (ob er nun tatsächlich homophob ist oder nur mit dem Mob schreit). Sollte es einer wagen, sich zu bekennen, stünde ihm ein Spießrutenlauf bis zum Ende seiner Karriere bevor. Der einzige, der bisher ehrlich war, hat sich schließlich umgebracht. Einzige Alternative: Man spielt bis zum Karriereende auf St.Pauli und hofft, dass das Anderssein in diesem Kontext als Folklore wahrgenommen wird.

    Übertriebene Political Corectness hilft in diesem Zusammenhang natürlich wenig. So nehme auch ich mir heraus, mein Missfallen durch „Das ist doch schwul!“ zu äußern. Wenn ich in diesem moment anfange zu reflektieren, ist das homophober, als derbe rumzufluchen und nachher mit meinem schwulen Mannschaftskollegen ein Bier zu trinken.

  2. Laut einer geheimen soziologischen Untersuchung, sind alle Profifußballer schwul. Ja, wirklich alle. Der einzige Nicht-Schwule, der es jemals in die Erste Bundesliga geschafft hatte, war Oliver Reck, der sich aufgrund seiner heten-typischen Ungeschicktheit schnell den Spitznamen „Pannen-Olli“ erwarb. Ein ziemlich trauriges Kapitel also. Aber jetzt wisst ihr Luschen wenigstens, warum ihr es alle nur in die Bezirksliga geschafft habt.

  3. Du hast recht, Dülp, dass jede Gelegenheit im Fußball genutzt wird, jemanden aufgrund einer bestimmten Eigenschaft zu beschimpfen.

    Aber genau das ist ja der Punkt. Geht ein Spieler von einem Bundesligisten aus dem Westen vom Feld, nur weil die gegnerischen Fans „Ruhrpottkanacken“ rufen oder ein Bremer Spieler, weil er „Fischkopp“ genannt wird? Ging Kirsten vom Feld, weil er „Arschloch“ genannt wurde?

    Zu hoffen, dass diese Beschimpfungen aufhören, ist natürlich naiv, auch wenn ich als Zuschauer diesen Impuls noch nie hatte. Er ist aber weit verbreitet und scheint dem Menschen aufgrund einfacher gruppenpsychologischer Phänomene fast schon angeboren zu sein.

    Ich dachte eher an eine Evolution in eine Richtung, in der das Schwulsein in den Beschimpfungen allen anderen Formen der Beschimpfung emanzipiert an die Seite gestellt wird. Jemand, der eine lange Nase hat, wird sich wohl als Spieler Sprüche zu seiner langen Nase anhören müssen, jemand der X-Beine hat, wird eben damit verhöhnt und wenn es einfach nur noch so wäre, dass die gegnerischen Fans, nicht aber die eigenen Fans (und Mitspieler) jemanden diskriminieren, weil er schwul ist, wäre das doch tatsächlich eine andere Dimension.

    Zu Deiner Nutzung der Vokabel „schwul“ möchte ich zweierlei anfügen: Erstens ist es durchaus üblich, dass Wörter ihre Bedeutung ändern bzw. Bedeutungen hinzugefügt werden: Wer sagt, dass etwas cool ist, meint genauso wenig die Temperatur eines Gegenstandes, wie jemand glaubt, dass eine Party oder ein Bundesligaspiel homosexuell ist, wenn er es oder sie als schwul bezeichnet. Außerdem geht es immer darum, mit Sprache auch zu schocken, besonders der heranwachsenden Generation ist dies ein Anliegen. War einst geil ein Begriff, der wahrlich noch geschockt hat, war es danach schwul als Begriff mit Schockwirkung, so erfüllt diese Funktion heute wahrscheinlich ein Begriff, den wir beide ob unseres Alters gar nicht kennen. Um es kurz zu sagen: schwul war Neunziger Jahre, was in den Nullern die Entsprechung ist, weiß ich nicht.

    Jedenfalls ist diese Verwendung des Wortes schwul wie Du sie beschreibst etwas Anderes, als jemanden wegen seiner Sexualität zu diskriminieren, da stimme ich Dir völlig zu.



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