In memoriam Schalkefan.de

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Ein Jahr ist es her, dass Matthias in der Weide plötzlich aus dem Leben schied. In Vergessenheit ist er natürlich nicht geraten. Sein Blog aber, all die über 1000 Texte, welche er seit 2005 verfasst hatte, muss seitdem ohne ihn auskommen. Und man sieht wieder einmal, wie wenig ersetzlich jeder Einzelne dann doch ist. Nämlich gar nicht.

Ich habe mir erlaubt, einige der aus meiner Sicht besten oder typischsten Texte aus seinem Blogtreiben zu kuratieren, denn das Blog kannte und mochte ich. Den Menschen Matthias in der Weide zu würdigen, das kann ich mir nicht anmaßen, es bei jenem Teil des Menschen, mit dem wir zu tun hatten, aber versuchen: den Blogger Schalkefan.de.

Das Folgende ist ein nur kleiner Ausschnitt aus seinem Wirken, das ja thematisch über die Grenzen des FC Schalke 04 hinausging, anderenfalls wäre er wohl kaum so Fußball-Blogosquariums-weit bekannt geworden.

Doch wie der URL unschwer verrät, war das Blog von www.schalkefan.de in erster Linie eines über jenen Club, in dessen Fanclub „Monesteria“ — nach dem lateinischen Namen seines Wohnorts Münster benannt — er Mitglied und Webmaster war.

Die Auswahl ist natürlich völlig subjektiv und jeder andere, der unterschiedliche Schwerpunkte mit Matthias‘ Blog verband, würde sicher zu einem anderen Ergebnis kommen.

Am meisten Aufmerksamkeit erhielt sein Schalker-Krisen Bullshit-Bingo, mit dem es die Ideen aus Matthias‘ Hirn bis in eine Sendung von einem Bezahlsender brachten, wo diverse Schalker Protagonisten mit diesem Bullshit-Bingo konfrontiert wurden und ein wahrer Massen-Ansturm auf sein Blog losbrach. Dieses Bingo, welches ihm von anderen Medien als Verspottung seines eigenen Clubs ausgelegt wurde. Was nicht in seinem Sinne war, wie er sich hier zu diesem „Hype“ erklärte.

Der Bezahlsender war nicht der einzige, der seine Inhalte nutzte. Zeit online lud ihn ein Mal, zwei Mal, drei Mal als Twitter-Reporter auf Schalke ein, Antenne Münster sprach mit ihm über seinen Fanclub, die ARD-Sportschau erkundigte sich nach seiner Meinung.

Auch als Fan muss schließlich das Objekt der Liebe nicht ständig beweihräuchert werden: So fand er einrahmungswürdige Worte zum Revierderby im Allgemeinen oder Kritik am Schalker Ticketverkauf im Besonderen.

Zu Anfang bloggte er so wie viele Blogger jener Zeit, mal einen Gag einstreuend, den man später bei Twitter gebracht hätte, ganz Kind der Generation C-64 eben und ins Bloggen einfach so reingeschwommen und -gewachsen. Damals waren auch noch selbst entdeckte Deppenapostrophen en vogue.

Als solcher Pixelheld der ersten Stunden wurde er auch in seinem Blog oft als Gestalter aktiv, wie mit diesem Schaubild aller Erstrundenspiele des FC Schalke im DFB-Pokal oder mit jenem Bild, das auch völlig ohne Worte auskäme.

2005 gegründet, war das noch rechzeitig für den Schalkefan, um auch bei der WM 2006 im Stadion anwesend zu sein und davon im Blog berichten zu können. Mit der Partie Trinidad & Tobago gegen Schweden zufälligerweise bei der selben Partie wie ich, was wir nicht voneinander ahnten. Anders, als sich später beim Pokalfinale 2011 dieser Umstand noch einmal wiederholen sollte. Zu diesem Anlass — des Finales, nicht der gemeinsamen Anwesenheit — hatte er die Aktion @finales04 ins Leben gerufen: Schalke-Fans berichteten über einen gemeinsamen Twitteraccount von ihren Vorbereitungen rund um jenes Pokalfinale.

Natürlich verfolgte er in erster Linie seinen Club intensiv — und häufig auch auswärts. So ist der Bericht vom Spiel in und vor allem der Reise nach Bilbao besonders in Erinnerung geblieben. Oder jener Moment, als er die Schalker Spieler auf dem Rückweg von einem Spiel beim Hamburger SV bei einem Burgerbrater erwischte.

Stationen wie Assauers Rücktritt oder Slomkas Vertragsverlängerung kommen selbstredend ebenso vor, die Personalien Özil, Neuer, Kuranyi, Rafinha oder Rangnick werden stets mit angemessener Tiefe und Fairness diskutiert. Als Mitglied des Fanclubs Monasteria erhielt er auch immer wieder die Gelegenheit, dortige Besuche von Schalke-Profis zu Exklusiv-Interviews, hier mit Joel Matip zu nutzen.

Es waren aber auch die typischen Geschichten rund ums Fanleben, die man sich in Fußballblogs erzählt, die Matthias in seinem Blog kredenzte. Eine davon firmiert unter dem Titel „Bist Du Schalke, Junge?“, eine andere ist jene, als er mal einen Hals auf Kevin-Prince Boateng hatte.

Dazu kamen die vielen Ausflüge in die nur für Außenstehende grauen Hallen der Statistiken, gar nicht mal immer zum Thema Schalke. Hier ein virtuelles Teilnehmerfeld des Europapokals der Pokalsieger, die deutsche Nationalmannschaft nach Geburtsorten oder dann doch mit Blick auf seinen Verein: alle deutschen Schalker Nationalspieler.

Und ganz besonders typisch für sein Blog — bei seiner ausgeprägten Fähigkeit zum Socializen und Dinge auf die Beine zu stellen — die vielen Aktionen voller Charme für Liebhaber des Fußballs und des Bloggens, von denen nur zwei genannt sein wollen.

Das herrliche Analogbloggen von der EM 2012, zu der die halbe Fußballbloggerschaft ihre Bierdeckel und Zettelchen einreichte. Und seine „Retter-Aktion“ für den Bundesliga-Rasen in Münster, der noch original aus dem Jahr 1963 stammte, aus der so viel Herzblut für den Fußball spricht, dass sie es bis zu einem eigenen Beitrag in der 11Freunde brachte.

11 Kommentare

  1. Danke…

    … Du hast in mir mit diesem kleinem Listing nochmal schöne Erinnerungen an einen viel zu früh von uns geggangenen „Herzblutblogger“ hervorgerufen! Gerade Deine angesprochene Kreativivität von Matthias machte seinen Blog wohl auch weit über die königsblaue Fanseele hinaus bekannt und -vorallendingen- beliebt! @schalkefan_de <Hach

  2. Danke für diese schöne Erinnerungsrede, Trainer.
    Glück auf!

  3. Das hat mich sehr berührt und ich finde es schön, dass man sich so an Matthias erinnert.

  4. So traurig der Anlass ist, so schön hast Du es hinbekommen, sein Blog zu würdigen. Vielen Dank.

  5. Schöner Beitrag zu traurigem Thema.

  6. Sehr schön,

    Ruhe in Frieden Matthias

  7. DANKE dafür!

  8. Ich bin seine Mama,
    Danke für diese Zeilen!

  9. Ich habe das gar nicht mitbekommen, weil es mir in der Zeit nicht so gut ging und ich kaum im Netz war. Jetzt bin ich im Nachhinein etwas traurig. Aber wie gut, sich mit einem solch schönen Beitrag an ihn zu erinnern.

  10. Sehr schöne Remineszenz an Matthias, desse Wirken so vielen anderen Schalke-Bloggern erst aufs Pferd geholfen hat!



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