Category Archives: Aus Liebe zum Spiel

Wo man zockt, da lass dich nieder

Heute: Lesung bei Bochum TOTAL

Nicht vergessen: Heute um 20.15h liest ein gewisser Trainer Baade Auszüge aus seinem Programm „Drama Queens in kurzen Hosen“. Bei Bochum TOTAL, dort auf der „Wortschatzbühne“. Da das Ganze kostenlos zu haben ist, spricht nichts dagegen, sich diese vergnüglichen Minuten mit nicht nur den Wörtern, sondern auch der Stimme von Trainer Baade zu geben.

Das ganze Programmheft gibt es hier als pdf.

Mehr zum Leseprogramm findet sich hier.

Donnerstag, 3.7.2014, 20.15h in Bochum.

… ist unser Leben

Eine der wenigen Versionen, bei denen man wohl tatsächlich die Spieler, in dem Fall die Nationalspieler vor der WM 1974 singen hört. Und natürlich hört, wie schief sie singen. Von wegen Hymnenmitsingzwang und so …



… aber zum Glück zählt ab morgen ja auf dem Platz und nicht am Mikro, frei von allen „Flüchen“, „Kapitänsbindenstreits“, „Nichtabgeklatschthabens“, „Mitsing- und Migrantendiskussionen“ und sonstigem Kram, den sich Menschen recht entfernt vom Spiel ausdenken, um nicht über das Spiel selbst sprechen zu müssen.

Die Zukunft der Fußballkultur ist weiblich (Umfrage und Buch)

panaManga“ ist der Twitter- und der Künstlername einer Fußballinteressierten aus Berlin, die auch in Sachen Illustration und Gestaltung unterwegs ist. Sie bittet alle Freundinnen und Freunde der Fußballkultur um Antworten auf ein paar Fragen. Dies soll ihr dabei helfen, zu entscheiden, ob sie selbst in Sachen Fußballkultur produktiv werden soll. Dauert keine fünf Minuten und hilft ihr sicher. Hier geht’s zur kurzen Befragung.

*

bring-mich-zum-rasenEbenfalls in Berlin lebt Stefanie Fiebrig alias rudelbildung. Sie betreibt das Union-Berlin-Blog „textilvergehen“ samt regelmäßigem Podcast. Und hat jetzt mal eben ein 288 Seiten starkes Fußballbuch mit 26 Geschichten vom Spielfeldrand geschrieben. „Bring mich zum Rasen“ wird im August im Schwarzkopf-&-Schwarzkopf-Verlag erscheinen, anschauen und auch vorbestellen kann man es sich hier schon mal bei amazon. Und darf Stefanie Fiebrig in der Reihe der auch als Print publiziert Habenden Fußballschreiberlinge begrüßen.

Dazu wird rudelbildung auch auf Bühnen aktiv werden und eine Lesung mit Texten aus diesem Buch veranstalten. Die erste davon wird die Zuhörer in ihrer Heimatstadt Berlin beglücken. Andere Termine könnten vielleicht folgen, wenn ausreichend Menschen Interesse bekunden. Ich hoffe auf einen Termin in NRW, möglichst sogar in der altbekannten Scharnierstadt zwischen den beiden Flüssen Rhein und Ruhr, so dass sowohl Ruhris als auch Rheinländer anreisen können. Man wird sehen, was da noch kommt.

Wie gesagt, die Zukunft der Fußballkultur ist weiblich.

World-Cup-Quiz in 8bit

WM-Zeit heißt wieder, dass allerlei Schrott in schwarz-rot-gold auf den Markt geworfen wird, dass es etliche Werbespots mit manchmal sehr bemühtem Fußballbezug gibt, aber auch, dass das eine oder andere Spielchen aufpoppt, mit dem man etwas mehr Freude hat als mit der Grillzange mit schwarz-rot-goldenem Griff.

Zum Beispiel beim World-Cup-Quiz von 8bit-football, wo in altbekannter 8bit-Grafik 32 WM-Spieler dargestellt und zu erraten sind, jeweils plus dazugehörigem Land.

Transferbombe! Köln verpflichtet Angela Merkel

Okay, die Schlagzeile stimmt zwar nicht. In einem anderen Land ist Vergleichbares aber gerade Realität geworden.

Die „Sport Boys“ — die Experten wissen natürlich, dass es sich um einen Profi-Club aus Warnes, Santa Cruz in Bolivien handelt — verpflichteten gerade den Präsidenten ihres Landes, den 54-jährigen Evo Morales, für den Kader der kommenden Saison.

Eingesetzt werden soll er jeweils 20 Minuten pro Partie, sofern es ihm sein Terminplan erlaubt, zugegen zu sein. Klingt wie ein Karnevalsscherz, der so nur in Köln umsetzbar wäre. Wenn nicht alles täuscht, handelt es sich aber hierbei nicht um einen Scherz. Und bei den „Sport Boys“ tatsächlich um einen Proficlub der ersten Liga.

Sowie bei Evo Morales um einen echten Fußballer:

The president is said to be fit and very excited with the prospect of playing.

Angst, dass er im Zweifel zurückzieht, müssen die „Sport Boys“ auch nicht haben:

In 2006 he suffered a broken nose in a clash with a goalkeeper.

Der FIFA zeigte er übrigens auch schon mal, was eine Harke ist, als er aus Protest gegen die Entscheidung, keine Spiele mehr in großer Höhe austragen zu dürfen, an einer Partie teilnahm, die in 6.000 Metern Höhe vonstatten ging. Wie man sich erinnert, wurde der Bann der FIFA später aufgeweicht. Die „Sport Boys“ spekulieren auf Morales‘ Durchsetzungskraft auf dem Platz, ist anzunehmen.

Sein Spitzname auf dem Fußballplatz war leider nicht in Erfahrung zu bringen. „Acker“ lautet er wohl nicht, wahrscheinlich „el loco“.

Der Podolski trifft kein Scheunentor

Das folgende Video ist wahrscheinlich eh schon längst viral und jeder kennt es, wie das so ist mit diesen Videos. Aber dieses hier besitzt ja durchaus noch eine Komponente mehr als nur der nächste tolle Freistoß-Trick (welche hier übrigens jedes Mal außerordentlich goutiert werden) oder ein famoses Jubelvideo (welche hier übrigens gar nicht goutiert werden) zu sein.

Hier geht es um das, was Kathrin Müller-Hohenstein letztens ansprach, als sie angesichts ihrer Degradierung aus dem normalen WM-Studio ins Lager der Deutschen hinein für die WM 2014 erwähnte, dass es zur Zeit „allgemein zu viel Häme“ gebe.

Es gibt nicht mehr oder weniger Häme als in allen anderen Zeiten des modernen Menschen. Es gibt nur mehrere Gründe dafür, warum diese plötzlich so sichtbar wird. Einer davon ist übrigens, als klassischer Sender ständig Witzchen und Tweets von irgendwelchen Fuzzis (wie mir) zu zitieren. Andere dieser Gründe werden später diskutiert.

Nun ist der Umgang, den Arsenal London (haha), Per Mertesacker und Lukas Podolski im folgenden Video mit negativen Tweets zeigen, nicht unbedingt auf dem Mist der Beteiligten gewachsen. Die Vorgehensweise bietet aber eine Blaupause, wie sich dies in Zukunft entwickeln könnte und wie sich auch Mimosen im deutschen Fußball übertrieben kritischen Anwürfen gegenüber stellen könnten. Wobei sich hier so viele Meta-Ebenen entwickeln, dass man die nicht mehr alle in diesen Text hineinbekommt. Zumindest nicht, bevor der Leser nicht das Video gesehen hat.



Ich sag mal so: Gefällt mir.

Via OlympiqueMarcel.

Terrorist statt Tottenham

Zugegeben, ein klein wenig ist die Überschrift zurechtgedeichselt, denn die Rede ist im Folgenden nicht von echten Terroristen. Sondern von der „Generation Terrorists“. Das ist keine neue Generation Mensch, so heißt das erste Album der Manic Street Preachers. Was diese Band mit Fußball zu tun hat, erfährt man sogleich.

Immer wieder schauen wir hier bekanntlich auf die konkreten Verbindungen von Musikern zu Fußball, wobei „konkret“ meint, mehr als nur einen WM-Song geschrieben oder als Promi mal einen WM-Tipp abgegeben zu haben. So ähnlich wie bei — ähm — Campino eben, der da wirklich ganz ausgeprägter Liverpool-Fan und auch ein bisschen Fortune ist. Und dies auch lebt, indem er schon mal eine Mark pro verkaufter Platte der Fortuna überlässt, auf dass diese damit einen neuen Spieler kaufe. Was trotz aller Verschlagerung seiner Songs in den letzten Jahren durchaus bemerkenswert ist, in Bezug auf den Fußball.

Aber doch sind hier eher jene Verbindungen gesucht, wie sie bislang gefunden wurden:

Gleichzeitig kann man dabei auch mal illustrieren, wie so eine Internet-Safari abläuft, neudeutsch heißt das wohl „Wilfing“. Es begann mit diesem Tweet von RealTimeWWII, der von deutschen Bombenangriffen auf britische kulturelle und touristische Ziele im Jahr 1942 berichtet. Dabei stieß ich auf das mir bislang unbekannte „Baedeker Blitz“ getaufte Vorgehen der deutschen Luftwaffe, für einen kurzen Zeitraum auch kleinere Städte in England ohne besondere Industrieeinrichtugen zu bombardieren. Die Liste der Städte umfasst Exeter, Bath, Norwich, York und Canterbury. Die einzige Stadt von diesen fünfen, die ich selbst schon mal besuchte, ist Canterbury. Also schaute ich auf deren Wikipedia-Beitrag, ob dort vielleicht zu erfahren war, welche und wie viele Gebäude zerstört worden waren. Mir kam Canterbury bei meinem Besuch nicht gerade wie eine erst kürzlich wieder aufgebaute Stadt vor, im Gegenteil wie ein Ausflug ins architektonisch intakte Mittelalter, nicht umsonst ist die Stadt auch Teil des UNESCO-Welterbes.

Auf der Wiki-Seite zu Canterbury befand sich die Liste berühmter Persönlichkeiten dieser Stadt, welche man dann auch mal so durchstöbert. Ian Fleming stammt aus Canterbury, aha, aber keine Fußballer. Orlando Bloom, soso, und auch ein Mann mit Namen Alexander Minto Hughes mit dem Alias „Judge Dread“. Diesen verwechselte ich mit Judge Dredd, was ich wiederum nur als Filmtitel kannte. Kurz nachgeschaut, nein, Judge Dredd ist einer der erfolgreichsten Comic-Helden in Großbritannien. Dieser wurde zwar 1995 mit Sylvester Stallone verfilmt, da hatte der Film jedoch nur wenig mit der Vorlage zu tun. Großer Fan dieser Comicreihe war aber, erfährt man, Richey Edwards, Gitarrist und Texter der Manic Street Preachers.

In einem seiner Songs nahm Richey Edwards Bezug auf den Comic, genauer bei Judge Yr‘Self, der auch auf dem Soundtrack des Judge-Dredd-Films erscheinen sollte. Daraufhin bedankten sich die Macher von Judge Dredd damit, dass sie in einer Folge einen Charakter sich „4 RALE“ auf die Stirn lasern ließen. Eine unmissverständliche Anspielung auf eine absurde Aktion Richey Edwards‘. Dieser hatte auf einen Reporter, der den Manic Street Preachers vorwarf, gar keine richtigen(TM) Punks zu sein, mit der Aktion reagiert, sich vor dessen Augen in großen Lettern „4 REAL“ mit einer Rasierklinge in den Arm zu ritzen. Selbstverletztendes Verhalten in dieser Intensität ist allerdings alles andere als heroisch oder gar cool, sondern krank. Bevor man jetzt die Frage diskutiert, warum so viele Künstler krank sind, also die Henne-Ei-Frage aufwirft, ob sie nicht vielleicht künstlerischen Ausdruck rauslassen, weil sie krank sind, geht es dann doch weiter mit der Geschichte in Bezug auf Musiker und Fußball.

Jene Band nämlich, die Manic Street Preachers, verfügt über zweierlei Bezug zum Fußball: Ihr späterer Bassist Nicky Wire war nicht nur Spieler der walisischen Schülernationalmannschaft im Fußball, er war sogar ihr Kapitän. Im Alter von 16 Jahren hatte er Angebote von Arsenal und Tottenham zu einem Probetraining zu kommen. Aber ach, das Knie, das Knie, das heilt ja nie, zog er sich vorher eine Verletzung zu und aus war’s mit dem Fußball. Stattdessen wurde er Teilen der Welt eben als Songwriter und Musiker der Manic Street Preachers bekannt.

Zweiter Bezug zum Fußball ist jener, dass die Manic Street Preachers bei manchen Konzerten tatsächlich Mitglieder der Chelsea Headhunters, einer Firm, einer Gruppe von Hooligans des FC Chelsea (oder fußballhipstergemäß Chelsea F.C.) also, die Aufgabe als Ordner bei manchen ihrer Konzerte übertrugen. Von größeren Problemen deswegen ist nichts zu lesen, das kann aber im Detail durchaus anders gewesen sein. Wie dieser Kontakt zustande kam, ist auch nicht bekannt.

Spannend, wie eine Knieverletzung die Weichen im Leben verändern kann. Glücklich, wer sich eine solche Alternative zusammenbastelt.

Traurige Schlussnotiz jedoch: Richey Edwards, der so charismatische Texter, der 1995 urplötzlich verschwand und nicht mehr aufzufinden war, wurde 2008 schließlich für tot erklärt. Was ich bislang nicht wusste: Er war nicht einfach aus einem Hotel verschwunden und wie vom Erdboden verschluckt, was ja ohne die noch folgende Information einfach ein sehr geheimnisvoller Vorgang zu sein schein, der zu seinem verschrobenen Wesen passte. Nein, man fand damals auch sein Auto neben der 47 Meter hohen Severn-Brücke über den Bristol-Kanal, einem neuralgischen Punkt für Suizidwillige. Eine Leiche wurde allerdings nie entdeckt, weshalb er bzw. sein Konto bis er im Jahr 2008 schließlich offiziell für „vermutlich tot“ (presumed dead) erklärt wurde, weiterhin 25% der Tantiemen der Manic Street Preachers erhielt.

Die Manic Street Preachers aber machten auch nach seinem Ableben weiter, wie man weiß, und statt Tottenham oder Arsenal wurde es dann eben eine andere Karriere als Profi. Als Profi-Musiker.

Kleiner Schlenker zurück zur Verbindung zum Fußball: Aufgrund dieser Vorgeschichte erstaunt es nicht, dass man die Manic Street Preachers letztens in die englische TV-Sendung „Soccer AM“ einlud, bei der jeden Samstag Vormittag ein bisschen Fußball-Comedy und Fußball-Talk getrieben werden. Nicht alles auf der Insel ist gut oder gar besser, definitiv aber der Humor.

Hier der Auftritt der Manic Street Preachers bei Soccer AM, mit dem Ex-Kapitän der Schülernationalmannschaft von Wales, Nicky Wire mit seinen Bandkollegen. Das ist dann doch einfach eine andere Kategorie als jene im vorigen Beitrag …

Feuchter Traum Panini-Album vom eigenen Team

Der feuchte Traum eines jeden Hobbyfußballers geht gerade in Bremen in Erfüllung. Dort bastelte sich die Mannschaft „Interruptus Connection“, Teilnehmer der Bremer Wilden Liga, ein Panini-Album von der eigenen Mannschaft selbst. Famose Idee und offenbar auch in der Umsetzung gelungen.

Jetzt müsste man das nur noch als Geschäftsidee allen Millionen anderen Hobbyteams der Welt ermöglichen, und schon müsste man nie wieder arbeiten, könnte stattdessen faul im Sessel seine Panini-Sammelbildchen durchgehen und noch mal durchgehen und noch mal. Wenn man mit dem Zählen der Geldscheine fertig ist, versteht sich.

Denn solch ein Panini-Album vom eigenen Team, da sabbern doch alle Hobbyfußballer schon allein beim Hören der Idee.

Zur Umsetzung geht’s hier.

In memoriam Schalkefan.de

Ein Jahr ist es her, dass Matthias in der Weide plötzlich aus dem Leben schied. In Vergessenheit ist er natürlich nicht geraten. Sein Blog aber, all die über 1000 Texte, welche er seit 2005 verfasst hatte, muss seitdem ohne ihn auskommen. Und man sieht wieder einmal, wie wenig ersetzlich jeder Einzelne dann doch ist. Nämlich gar nicht.

Ich habe mir erlaubt, einige der aus meiner Sicht besten oder typischsten Texte aus seinem Blogtreiben zu kuratieren, denn das Blog kannte und mochte ich. Den Menschen Matthias in der Weide zu würdigen, das kann ich mir nicht anmaßen, es bei jenem Teil des Menschen, mit dem wir zu tun hatten, aber versuchen: den Blogger Schalkefan.de.

Das Folgende ist ein nur kleiner Ausschnitt aus seinem Wirken, das ja thematisch über die Grenzen des FC Schalke 04 hinausging, anderenfalls wäre er wohl kaum so Fußball-Blogosquariums-weit bekannt geworden.

Doch wie der URL unschwer verrät, war das Blog von www.schalkefan.de in erster Linie eines über jenen Club, in dessen Fanclub „Monesteria“ — nach dem lateinischen Namen seines Wohnorts Münster benannt — er Mitglied und Webmaster war.

Die Auswahl ist natürlich völlig subjektiv und jeder andere, der unterschiedliche Schwerpunkte mit Matthias‘ Blog verband, würde sicher zu einem anderen Ergebnis kommen.

Am meisten Aufmerksamkeit erhielt sein Schalker-Krisen Bullshit-Bingo, mit dem es die Ideen aus Matthias‘ Hirn bis in eine Sendung von einem Bezahlsender brachten, wo diverse Schalker Protagonisten mit diesem Bullshit-Bingo konfrontiert wurden und ein wahrer Massen-Ansturm auf sein Blog losbrach. Dieses Bingo, welches ihm von anderen Medien als Verspottung seines eigenen Clubs ausgelegt wurde. Was nicht in seinem Sinne war, wie er sich hier zu diesem „Hype“ erklärte.

Der Bezahlsender war nicht der einzige, der seine Inhalte nutzte. Zeit online lud ihn ein Mal, zwei Mal, drei Mal als Twitter-Reporter auf Schalke ein, Antenne Münster sprach mit ihm über seinen Fanclub, die ARD-Sportschau erkundigte sich nach seiner Meinung.

Auch als Fan muss schließlich das Objekt der Liebe nicht ständig beweihräuchert werden: So fand er einrahmungswürdige Worte zum Revierderby im Allgemeinen oder Kritik am Schalker Ticketverkauf im Besonderen.

Zu Anfang bloggte er so wie viele Blogger jener Zeit, mal einen Gag einstreuend, den man später bei Twitter gebracht hätte, ganz Kind der Generation C-64 eben und ins Bloggen einfach so reingeschwommen und -gewachsen. Damals waren auch noch selbst entdeckte Deppenapostrophen en vogue.

Als solcher Pixelheld der ersten Stunden wurde er auch in seinem Blog oft als Gestalter aktiv, wie mit diesem Schaubild aller Erstrundenspiele des FC Schalke im DFB-Pokal oder mit jenem Bild, das auch völlig ohne Worte auskäme.

2005 gegründet, war das noch rechzeitig für den Schalkefan, um auch bei der WM 2006 im Stadion anwesend zu sein und davon im Blog berichten zu können. Mit der Partie Trinidad & Tobago gegen Schweden zufälligerweise bei der selben Partie wie ich, was wir nicht voneinander ahnten. Anders, als sich später beim Pokalfinale 2011 dieser Umstand noch einmal wiederholen sollte. Zu diesem Anlass — des Finales, nicht der gemeinsamen Anwesenheit — hatte er die Aktion @finales04 ins Leben gerufen: Schalke-Fans berichteten über einen gemeinsamen Twitteraccount von ihren Vorbereitungen rund um jenes Pokalfinale.

Natürlich verfolgte er in erster Linie seinen Club intensiv — und häufig auch auswärts. So ist der Bericht vom Spiel in und vor allem der Reise nach Bilbao besonders in Erinnerung geblieben. Oder jener Moment, als er die Schalker Spieler auf dem Rückweg von einem Spiel beim Hamburger SV bei einem Burgerbrater erwischte.

Stationen wie Assauers Rücktritt oder Slomkas Vertragsverlängerung kommen selbstredend ebenso vor, die Personalien Özil, Neuer, Kuranyi, Rafinha oder Rangnick werden stets mit angemessener Tiefe und Fairness diskutiert. Als Mitglied des Fanclubs Monasteria erhielt er auch immer wieder die Gelegenheit, dortige Besuche von Schalke-Profis zu Exklusiv-Interviews, hier mit Joel Matip zu nutzen.

Es waren aber auch die typischen Geschichten rund ums Fanleben, die man sich in Fußballblogs erzählt, die Matthias in seinem Blog kredenzte. Eine davon firmiert unter dem Titel „Bist Du Schalke, Junge?“, eine andere ist jene, als er mal einen Hals auf Kevin-Prince Boateng hatte.

Dazu kamen die vielen Ausflüge in die nur für Außenstehende grauen Hallen der Statistiken, gar nicht mal immer zum Thema Schalke. Hier ein virtuelles Teilnehmerfeld des Europapokals der Pokalsieger, die deutsche Nationalmannschaft nach Geburtsorten oder dann doch mit Blick auf seinen Verein: alle deutschen Schalker Nationalspieler.

Und ganz besonders typisch für sein Blog — bei seiner ausgeprägten Fähigkeit zum Socializen und Dinge auf die Beine zu stellen — die vielen Aktionen voller Charme für Liebhaber des Fußballs und des Bloggens, von denen nur zwei genannt sein wollen.

Das herrliche Analogbloggen von der EM 2012, zu der die halbe Fußballbloggerschaft ihre Bierdeckel und Zettelchen einreichte. Und seine „Retter-Aktion“ für den Bundesliga-Rasen in Münster, der noch original aus dem Jahr 1963 stammte, aus der so viel Herzblut für den Fußball spricht, dass sie es bis zu einem eigenen Beitrag in der 11Freunde brachte.

Familienmensch Matthäus

Eine dem Betrachter aus der Gegenwart völlig unbekannte Seite seines Wesens präsentiert ein Loddamaddäus in diesem Video: Loddar, der Familienmensch.

Treu, und so weiter, vor allem beim Shoppen.



„Als Kapitän von Inter Mailand und der deutschen Nationalmannschaft ist Lothar Matthäus täglich Stress-Situationen ausgesetzt — wie kaum ein anderer.“

Sogar vorgelesen, ohne dabei laut zu lachen.

Das Ganze stammt laut youtube-Begleittext aus der Doku „Inter special“ über die drei Deutschen bei Inter Mailand im Jahr 1990: Lothar Matthäus, Andy Brehme und Jürgen Klinsmann. Wenn diese im selben Stil so weitergeht wie dieser Ausschnitt, könnte Loriot bald einpacken. Ach, hat er schon? Na, dann.

Da ist ja immerhin der Epilog mit Brehme in Bestform. Wo ist der Rest?



Save the date: WM-Quiz in Düsseldorf

Nach dem großen Erfolg mit der Lesung von „Drama Queens in kurzen Hosen“ an diesem Ort geht es im WM-Jahr noch einmal in die Kassette in Düsseldorf. Diesmal wird keine Literatur vorgelesen, sondern knallharte Quizfragen rund um die WM.

Passenderweise liegt der Termin genau einen Abend vor dem Eröffnungsspiel der WM 2014, welches seltsamerweise an einem Donnerstag stattfindet. So wird noch niemand der vollen Ladung an Fußball überdrüssig sein, sondern kann bei diesem feinen Quiz seine Lust auf die WM noch ein wenig anheizen.

Beginn ist um 20h und knappe 2h später weiß man, welches das Siegerteam sein wird. Preise gibt’s auch, weitere Infos und Anfahrt auf der Seite des Veranstalters: Die Kassette.

11.6. 2014, 20h: Quizzette mit der Sonderausgabe zur WM. Fragen von yours truly.

Die Weltkarte der Fußballpins

Ein weiteres vom Aussterben bedrohtes Phänomen rund um den Fußball erhält auf der folgenden Seite eine Art Mausoleum: Fußballpins. Zum Anstecken. Pins, die das Wappen eines Vereins oder hier eben eines Verbandes zeigen und die man sammeln kann und sich früher des Öfteren sogar tatsächlich ansteckte, wennn man seine Zugehörigkeit zu irgendwas mit Fußball kund tun wollte.

Dem geübten Beobachter wird auffallen, dass hier gar nicht die Pins dargestellt werden, sondern nur die Wappen. Aber sei’s drum. Hier also die Weltkarte der Fußballpins, mit den Wappen von fast allen Fußballverbänden der Welt. Selbst Kap Verde und San Marino sind dabei. Viele Perlen des Designs, wenn man ein bisschen stöbert. Das DFB-Wappen gehört nicht gerade dazu, aber sicher jenes von Israel oder jenes von Vanuatu (wenn man es denn findet).

Schwarz-weiß-Studie von Bernard Dietz

Ein sehr merkwürdiges Video mit Bernard Dietz als Fußballer in Nahaufnahme und als Kaufmann in seinem Sportladen aus dem Jahr 1978.



Man rätselt noch, was dieses Video vom „Archivo DiFilm“ in echtem 78er-Stil einem sagen soll, für das die Vokabel „obskur“ erfunden wurde.

Ein Höhepunkt des abgelaufenen Sportjahres

Ein, wenn nicht gar der Höhepunkt des abgelaufenen Sportjahres steht an.

Wir unterbrechen die kurze Umbauphase hier im Blog für einen wichtigen Hinweis auf eine Herzensangelegenheit. Das Sportbloggernetzwerk wählt wieder den besten Beitrag des abgelaufenen Jahres. Dieses Mal gibt es auch eine Extraseite für diese Veranstaltung, welche Stadioncheck zusammengeklöppelt hat, durstig, in der Nacht, aber immer im Dienste der Sache, die da heißt: Sportbloggen.

Zu erreichen ist diese Abstimmung mit den 11 Favoriten, übers Jahr vom Sportbloggernetzwerk gesammelt und schließlich durch eine hochkarätige Jury auf 11 Nominierte geschrumpft, auf dieser neuen Webpräsenz. Stimmen Sie ab, denn die Abstimmung läuft nur eine Woche und dann ist es doch schneller wieder später als man gucken kann. Und gute Werke sind es natürlich auch alle, die nicht zwangsläufig schon die Runde durchs Blogosquarium gemacht haben.

Zur Abstimmung.

Fußball-Bundesliga, das große Geschäft

Weihnachtszeit, man kehrt an alte Stätten früheren Siechtums zurück. Dabei entdeckt man auf dem Dachboden schon mal das eine oder andere Zeugnis vergangener Zeitvertreibe.

Solche Funde beweisen, dass in der Bundesliga schon immer alles so war, wie es in der Gegenwart ist, und immer so sein wird.



Das Einzige, was sich im Laufe der Zeit ändert, sind die Zahlen, die man in die Verträge reinmalt.

Anthony Yeboahs Geständnis: Geburtsjahr gefälscht

Anders als man vermuten könnte, hat Anthony Yeboah sich allerdings nicht jünger gemacht, um länger eine Karriere im Profifußball gestalten zu können, als es die reine Alterszahl dann erlaubt hätte.

Im Jahr 2012 gab Anthony Yeboah zu, dass er in Wirklichkeit zwei Jahre jünger ist als sein früher stets angegebenes Geburtsjahr von 1964. Tatsächlich war er erst 1966 auf die Welt gekommen.

Sein Motiv war, dass er schon in jüngeren Jahren in der ersten Mannschaft eines Klubs in Ghana spielen konnte, als es ihm sonst erlaubt gewesen sei.

Damit bestätigt er zwar Klischees, dass man in weniger entwickelten Ländern bei diesen Angaben auf einfache Weise pfuschen kann und das auch tut. Immerhin hat er aber noch zu Lebzeiten aufgeklärt, dass es so war und was seine Motivation war. Falls das an den Lesern ebenso vorbeigegangen sein sollte wie am Autor, ist diese Lücke nun wenigstens geschlossen. Der Mann war in Wirklichkeit immer viel jünger als er aussah.

Somit ist auch jene Maßnahme überflüssig geworden, welche Yeboahs einstiger Nationaltrainer Otto Pfister zur Klärung dessen umstrittenen Alters damals empfahl:

„Da hilft nur eins: Bein aufsägen und Jahresringe zählen.“

Gewinnspiel: Zwei Tore in der Verlängerung aufholen

Heute endlich wieder eine neue Folge der beliebten Reihe „Gewinnspiel ohne Gewinne“, bei dem es nur um den sportlichen Ehrgeiz geht, die aufgeworfene Frage möglichst umfassend zu beantworten.

Einem Amerikaner Fußball schmackhaft zu machen, sollte man vielleicht nicht unbedingt bei Fortuna Düsseldorf versuchen. Verstehn‘S mich nicht falsch: das ist ein tolles Stadion mit super Stimmung. Aber die Rede ist hier nicht von 2013, der Versuch liegt schon einige Jährchen zurück. Der Herr kannte Fußball aber ohnehin schon vorher und hatte sein Urteil für sich bereits seit geraumer Zeit gefällt und war wohl eher aus Höflichkeit dann doch mit ins Stadion gekommen.

Das Kernproblem des Fußballs lautet seiner Auffassung nach:

„Wenn eine Mannschaft 0:2 hinten liegt, ist das Spiel eigentlich immer entschieden.“

In vielen Fällen mag das zutreffen. Das 5:3 in Schweden der deutschen Mannschaft war der erste Sieg nach einem 0:2-Rückstand in einem Pflichtspiel seit 1954 (!), seit jenem 3:2 gegen Ungarn nämlich. 50 Jahre sind dann schon mal gut zwei Drittel eines Menschenlebens.

Noch dramatischer wird der Fall, wenn man statt insgesamt 90 Minuten nur noch 30 Minuten oder in unserem Fall, siehe unten, zwangsläufig sogar weniger Zeit hat, einen Zwei-Tore-Rückstand wenigstens zu egalisieren. Wenn man nämlich von der Verlängerung spricht.

Von einer der ganz wenigen Verlängerungen im hochklassigen Fußball, in der es einer Mannschaft gelang, in der Verlängerung einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen, spricht übrigens heinzkamke in wunderbarer, feinster Detailarbeit (das kann man gar nicht genug loben, so gelungen ist dies) zusammengestellter Worte in seinen Fünf Zeilen, die der Fußball schrieb (XLVII).

Die Rede ist von jener Partie, welche auch die Leser von Trainer Baade jüngst zu einer ihrer beiden liebsten Partien aller Zeiten gewählt hatten. Es geht um das WM-Halbfinale 1982 zwischen Deutschland und Frankreich.

Drüben bei angedacht warf wiederum Gunnar vom Stehblog die Frage auf, in welchen anderen relevanten Partien es dieses Phänomen schon mal gegeben habe. Hier fiel kein Beispiel ein (nein, im „Jahrhundertspiel“ gab es nie einen Zwei-Tore-Rückstand), weshalb Hilfe mal wieder sehr willkommen wäre:

In welcher Partie gelang es einem Team, in der Verlängerung einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen?