Karagounis, don’t make cartoons!

| 12 Kommentare

Ah, Fußball!

Toller Fußball, feiner Fußball, wunderbarer Fußball.

Aber dann diese Pein, diese Plage. Dieser pain in the ass. Nicht der Fußball an sich. Aber was daraus wurde und wer ihn — vermeintlich — beherrscht. Sepp Blatter. Michel Platini. Jack Taylor. Franz Beckenbauer. Das sind Namen, die schon beim Zuhören weh tun, wenn man sich erinnert, was sie für den Fußball getan haben. Nämlich nichts, außer ihn zu korrumpieren.

Möglicherweise liegt es aber in der Natur der Sache, dass man als Amtsträger korrumpiert wird. Es könnte sogar sein, dass man diese Ämter nur erreichte, weil man sein Lachen an den Teufel verkaufen musste. Wir erinnern uns alle an Thommi Ohrner, der „Manni, der Libero“ war, aber als Timm Thaler in einer anderen Weihnachtsserie eben dieses Lachen an den Teufel verkaufte.

Es gibt jedenfalls zwei neue Indizien dafür, dass man als Amtsträger insbesondere im Fußball sein Lachen verkaufen musste.

Das erste kommt aus Österreich, das zweite aus der Schweiz. Lachen Sie nicht, so Sie noch können, auch in diesen Ländern wird Fußball gepflegt. Letzteres ist gar Gruppenkopf „an“ der kommenden WM, wie man dort zu sagen pflegt.

In Österreich ereignete sich kürzlich folgender Fall. Die angesehene Fußballkulturzeitschrift ballesterer veröffentlichte eine Karikatur einer ohnehin sich sehr wichtig nehmenden Person aus dem österreichischen Fußball. Das empfand diese komischerweise gar nicht so. Und erregte sich derart über eine Karikatur ihrer Person, statt sich zu daran zu erfreuen, dass sie im öffentlichen Leben so wichtig ist, dass man überhaupt Karikaturen von ihr erstellt. Dass sie sich daran nicht erfreute, demonstrierte sie per an den ballesterer per Anwalt zugestellter Unterlassungserklärung. Welche der ballesterer, wie man es richtig tut, mit einigen Modifikationen auch zeichnete. Die ganze lesenswerte wie traurige (traurig für den Amtsträger) Geschichte gibt es hier zu lesen, was man unbedingt tun sollte.

In der Schweiz gehen solche Sachen aber nicht mit ein paar Dutzend Hundert Euro ab, welche der ballesterer zahlen musste, da wird gleich vor Gericht gegangen. Der Blatter Sepp (für alle, die es immer noch nicht wissen: dass „S.“ in Joseph S. Blatter steht für „Sepp“, was eine Kurzform von Joseph ist, ein gefaketer Mittelinitial also, so wie es noch ständig bei in Eitelkeit ertrinkenden Menschen nötig ist). Der Sepp Joseph Blatter ging gleich vor Gericht, als eine Karikatur über ihn erschien und gewann sogar. Das Bezirksgericht in Zürich verbot einem Karikaturisten, seine Cartoons von „Sepp Platter“ weiter zu veröffentlichen. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, denn die Begründung lautet folgendermaßen:

Die Karikaturen seien geeignet, die berufliche und gesellschaftliche Ehre des FIFA-Präsidenten Sepp Blatter „in empfindlicher Weise herabzusetzen“.

Welchen Sinn hat dann noch eine Pressefreiheit? Näheres und wie immer Weiterführendes beim recht gut informierten Blog vom Runden Leder zu diesem Thema.

Wir stehen da, vor der Humorwand, die im Fußball aufgebaut wird und stellen fest: Eine solche, nicht mal eine Humortoleranz, gibt es bei jenen welchen nicht, welche im Fußball relevant sind. Genau deshalb laden wir ja wieder ein zum neuen Fußballweltverband, garantiert mit Humor ausgezeichnet und vor allem mit Karikaturen-Resistenz. Unfassbar, wie wenig Humor man so als Funktionär an den Tag legen kann. Noch unfassbarer, dass ein Gericht Karikaturen von Sepp Blatter verbietet. Traurig ist es in diesen Tagen, mit Humor sein Tagwerk zu verdienen. Noch trauriger ist, dass der Fußball, bei denen, die sich dafür verantwortlich halten, einen solchen nicht hat. Wie gesagt, kommen Sie zu unserem neuen Fußballverband.

12 Kommentare

  1. Mann Trainer, Du bist manchmal aber auch schwer erträglich. Platini und Beckenbauer haben nichts für den Fußball getan? Sie haben immerhin in einer Art gespielt, die vielen Menschen Freude gemacht hat. Das sollte doch mehr wert sein als Nichts. Von Beckenbauer wüsste ich auch nicht, dass er humorbefreit wäre oder gegen Karikaturen vorgeht. Was die konkreten Fälle betrifft, bin ich natürlich bei Dir.

  2. Sorry, McP, ich wusste nicht, dass Du so ein Romantiker bist. Was ich bislang von Dir gelesen habe, hatte aufrichtige Kritik immer beinhaltet, dachte ich.

    Natürlich haben sie super Fußball gespielt. So what? Das hat Marco Bode auch. Muss man deshalb den Fußball verraten?

    Franz Beckenbauers Beitrag zu seiner Zeit im FIFA-Kommitee bestand daraus, dass er für die Jugendmannschaften die Verlängerungen abschaffen wollte. Was Platini (und bei Beckenbauer weiß man es ja nich, da er ja nicht zugibt, für wen er gestimmt hat) und andere aus der Sache gemacht haben: Sorry, das hat nix mit dem zu tun, wie sie früher gespielt haben. Im Gegenteil.

  3. Beckenbauer ist übrigens der Typ, der als junger Mensch schon Studenten gedisst hat. Der Anfang der 1990er behauptete, dass man mit Computern nix anfangen könne. Platini ist der Typ, dessen Sohn jetzt von der Katar Foundation einen Job in Paris bekommt. Beckenbauer ist Gazprom-Botschafter.

    Ich verstehe nicht ganz Deine Zweifel daran, dass diese Typen, so gut sie auch gespielt haben mögen, durch und durch korrumpiert sind.

  4. In den Details bin ich ja oft Deiner Meinung, in den Verallgemeinerungen manchmal nicht. Und wenn Du über Bode geschrieben hättest, dass er Nichts für den Fußball getan hat, hätte ich auch protestiert. Ist Bode nicht auch sone Art Funktionär geworden? Aufsichtsrat in Bremen? Ich weiß es gerade nicht.

    Ich bestehe übrigens darauf, in die Schublade Fußballromantiker zu kommen oder wenigstens Nostalgiker. Wenn ich mich recht erinnere, konzentrieren sich meine Einsprüche vor allem unter Beiträge, wo Du großartige ehemalige Fußballer in den Senkel stellst. Das schmerzt halt immer so sehr, dass ich wenigstens ein „ja, aber“ loswerden muss. Wobei die Fußballer selber – außerhalb des Rasens – leider auch ohne Deine Verstärker häufig schmerzen.

    Wie auch immer bzw. zurück zum Nichts. Platini hat die Durchlässigkeit der CL-Qualifikation für kleinere Fußballligen verbessert. Vermutlich aus egoistischen Gründen. Aber für mich persönlich ist das nicht Nichts wert, weil ich diese Änderung ganz gut finde. Beckenbauer wollte auch die Dreifachbestrafung bei Torverhinderungen im eigenen Strafraum abschaffen. Aber vielleicht ließen ihm seine Diktatorenbesuche auch nicht genügend Zeit sich darum zu kümmern.

  5. In den Details bin ich ja oft Deiner Meinung, in den Verallgemeinerungen manchmal nicht.

    Was meinst Du damit genau?

    Welche Details sind ok, welche Verallgemeinerungen nicht?

  6. Welche Verallgemeinerungen überhaupt? Seh ich mich nicht schuldig drin. Hier finden Allgemeinerungen statt? Nee, nicht ernsthaft.

  7. Und was den Umstand angeht, ein großer Fußballer gewesen zu sein: das war trotz allen Fleißes ein Geschenk des Schicksals. Was man danach in anderer Funktion daraus macht hingegen nicht. Ich soll mich bedanken bei Menschen, die gut Fußball spielten? Bei aller Liebe, aber da ziehe ich meine eigenen wunderbaren Tore aus 30 Metern in den Winkel vor. Besonders die geschnibbelten.

    Was ja nur insofern Relevanz erhält, weil diese zweifellos begnadeten Menschen für den Fußball nur Schlechtes bewirkten. Dass es auch anders geht, zeigt Romario.

  8. Details: Ich lese gerne, wie und dass Du diese Cartoon-Geschichten anprangerst.
    Verallgemeinerung: Ich sehe nicht, dass alle(!), die den Fußball beherrschen, korrumpieren, ihr Lachen verkaufen und Nichts für den Fußball getan haben.

    Was die Ex-Fußballer betrifft, scheinen wir aneinander vorbei zu reden. Du schreibst zwar: „Toller Fußball, feiner Fußball, wunderbarer Fußball“, aber Du siehst kein nennenswerten Beitrag für diesen Sport von tollen, feinen und wunderbaren (Ex-)Fußballern. Bloßes Talent, den Fleiß kann man ignorieren.

    Wenn ich mich nicht täusche, hat Beckenbauer dem Fußball eine völlig neuartige Interpretation der Libero-Position gegeben. Der Wanderer zwischen den Welten, der Spielmacher aus dem Abwehrzentrum. Mich begeistert so etwas. Wenn dem Fußball etwas Neues hinzugefügt wird. Über den Fußballer Platini könnte ich auch schöne Dinge schreiben, aber Relevanz hat für Dich ja nur, was außerhalb des Rasens passiert.

    Warum eigentlich? Machst Du das in allen Lebensbereichen so? Tolles Buch, aber der Schriftsteller hat Nichts für die Literatur geleistet und als Funktionär im Schriftstellerverband bewirkt er ausschließlich Schlechtes.

    Aber auch davon ab, sehe ich nicht, dass Funktionäre nie irgendwo einen guten Beitrag geleistet haben. Man wird überall gewaltige Kritikpunkte finden, keine Frage. Aber man findet auch überall Punkte die nicht Nichts sind! Funktionäre haben die Rückpassregel reformiert. Ein großartiger Beitrag für den Fußball. Die großen Verbände sind Geldmaschinen mit vielen negativen Mechanismen. Aber ganz erhebliche Summen fließen auch in die Subventionierung des Frauen- und Kinderfußballs und allgemein in infrastrukturelle Projekte. Welt- und Europameisterschaften und Championsleague sind Highlights meiner Fußballbegeisterung trotz dass sie von korrupten Funktionären geschaffen und entwickelt wurden.

    Aber vielleicht reden wir auch hier aneinander vorbei und ich hätte zunächst fragen sollen, was für Dich ein positiver Beitrag wäre.

  9. Pingback: #Link11: Weihnachtsstress | Fokus Fussball

  10. Ich bin hier ganz bei McP, würde aber meine eigne „Fußballromantik“ als „Realismus“ bezeichnen, als brechtsche Kritik. Ich glaube, McP wäre da bei mir. – Manche Kritik hier scheint mir eher „romantisch“.

  11. Zur Abwechslung mal zur Sache: Wenn ich den Ausschnitt beim runden Leder richtig verstehe, dann ist das erst mal nur eine einstweilige Verfügung (superprovisorisch nennt das, glaube ich, das Bergvolk). So was ist leider auch in Deutschland für fast jedes noch so blödsinnige Gefühl der eigenen Angegriffenheit zu erreichen. Wenn man nicht vorher etwas dagegen unternimmt oder an Richter mit Grips, Aufmerksamkeit und entspanntem Verhältnis zur eigenen Überlastung gerät (oder fähigem Referendar). Wenn diese Verfügung tatsächlich eine mündliche Verhandlung überleben sollte, dann, ja dann können wir anfangen, die Schweiz von der Liste der rechtsstaatlich verfassten Länder zu streichen.

    Über den Geisteszustand des Herrn Blatter sagt die Geschichte deshalb natürlich nicht weniger aus.

  12. Ich finde alle Positionen wieder mal lesenswert, aber wenn ich das Wort Dreifachbestrafung lese, bekomm ich regelmäßig Magenkrämpfe… Wo wird denn eine Mannschaft dreifach bestraft? Ein Mann weniger, Spieler ein paar Spiele gesperrt und Elfmeter für das absichtliche Verhindern einer Torchance? Elfmeter heißt: Torchance wiederhergestellt. Da kann also von Strafe schonmal keine Rede sein. Und zu einem Platzverweis gehört nunmal eine Sperre. Also eine Einfachbestrafung. Wenn man sagt, dass die Strafe zu hart ist, und eine Gelbe mit Elfmeter ausreicht, dann kann man anfangen zu diskutieren, aber die Mär von der „Dreifachbestrafung“ ist einfach lächerlich!



Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.