Pernikeluistisch

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Vor vielen Jahren erlebte ich einmal unvorhergesehene Probleme an meinem Raumschiff und musste notlanden — eigentlich war nur die schnelle Durchreise vorgesehen — auf einem wildfremden, fernen Planeten.

Ich überstand die rumpelnde Landung zwar bis auf den Schreck unbeschadet, aber mein Gefährt war hinüber und die Reparatur würde selbst bei einer Werkstatt auf meinem Heimatplaneten mit genauer Kenntnis meines Modells von Raumfähre sicher eine ganze Woche dauern. Wie lange das hier, am Arsch der Galaxis, dauern könnte, das konnte ich nur ahnen, richtete mich aber auf einen längeren, erzwungenen Aufenthalt auf diesem Planeten ein.

Ein Umstand, der mir recht schnell ein wenig Erleichterung verschaffte, war die Tatsache, dass man hier auch Fußball spielte. Kein Wunder also, dass ich gleich an jenem Ort, an dem ich unfreiwillig gelandet war, die Einheimischen fragte, wie es hier so zuginge. Rasch stellte sich heraus, der lokale Klub war doch recht erfolgreich in der planetaren Liga. Wo denn eine Werkstatt sei, die mir helfen könne, fragte ich, scheinbar warm geworden mit den dortigen Wesen durch die Fachsimpelei über Fußball.

Nein, nein, nein, beschied man mir mit panisch aufgerissenen Augen, dorthin, wo sich eine solche Werkstatt befinde, könne man mich unmöglich schicken, denn dort sei es gar fürchterlich, die Einwohner alle hässlich und dumm, noch dazu verroht in ihren Sitten und am Ende es nicht mal wert, dass man sich auch nur mit ihnen unterhalte.

Zunächst dachte ich an einen Scherz, schließlich war meine Notlage zu offensichtlich, aber wen ich auch fragte, ich erhielt nur entsetzte Antworten, dass es in dieser Nachbarstadt fürchterlich zuginge. Ungebildet, gewalttätig, niederträchtig und verachtenswert, lautete das einhellige Urteil. Mein Einwand, dass sie so schlechte Wesen nicht sein könnten, schließlich spielten sie auch Fußball, wurde gar nicht erst zur Kenntnis genommen, die Litanei, wie grausam und abstoßend und vor allem grausam abstoßend alle dortigen Bewohner seien, wurde mir von Kindern und Alten, von Weibchen wie Männchen vorgebracht.

Als ich mich dann alleine auf den Weg machte — mein Schiff musste schließlich repariert werden — wunderte ich mich bei Eingang in die Stadt, die mich keinen Unterschied zur ersten Stadt erkennen ließ. Genauso gepflegt oder ungepflegt, genauso modern oder unmodern, genauso einladend oder ausladend wie jene Stadt, aus der ich gerade kam, schien mir diese zweite Stadt zu sein.

Als sich die ersten Türen der Bewohner öffneten, sprachen die Wesen zu meinem Erstaunen in der gleichen Sprache, mit dem gleichen Akzent zu mir, und höflich waren sie wie jene in der ersten Stadt. Es gab nichts, worin sie sich nicht glichen, und der Weg zur Werkstatt wurde mir sogar schon in ubernetter Weise erklärt, als ich noch gar nichts von meiner Fußballleidenschaft erwähnt hatte. Als dann das Thema doch auf diese unsere gemeinsame Leidenschaft kam, hielten plötzlich alle inne, nur in einem Nebensatz hatte ich erwähnt, dass ich auch direkt nach meiner Notlandung schon über Fußball gesprochen hatte. Ja, mit den Bewohnern der von mir zuerst gesehenen Stadt, entgegnete ich einer zögerlichen Nachfrage.

Von da an machte man mir aufgebrachte Vorhaltungen, wie entsetzlich die Wesen in jener ersten Stadt seien, hässlich, von Zorn und Niedertracht durchdrungen, ganz und gar verachtenswürdig, auf keinen Fall dürfe man je mit ihnen in Kontakt treten, denn allein ihre Existenz verseuche schon die Atmosphäre auf diesem Planeten und überhaupt sei jede Notlandung in der Galaxie besser als in ausgerechnet dieser Stadt zu landen.

Meinen Einwand, dass ich nicht den geringsten Unterschied zwischen dieser und der ersten Stadt feststellen könne, dass man mir auch dort freundlich begegnet sei, ließ niemand gelten, es müsse sich um einen Irrtum halten, ich sei vielleicht zu kurz dort gewesen, um ihre Niedertracht am eigenen Leib zu erleben, und als ich noch erwähnte, dass man mir nicht den Weg in diese zweite Stadt hatte zeigen wollen, riefen die Umstehenden triumphierend, dass sie es ja gesagt hätten, so etwas würde nur dort geschehen und ob das nicht Beweis ihrer Niedertracht genug sei.

Dem Mechaniker gegenüber sprach ich vorsichtshalber kein Wort über meinen Besuch in der ersten Stadt, wohl aber von meiner Fußballliebhaberschaft, woraufhin wir, gesellig plaudernd, einige Tage zusammen verbrachten, bis er mein Gefährt wieder soweit hinbekommen hatte, dass es einigermaßen raumtüchtig war. Die Termine in der Heimat waren nun eh schon hinfällig, da kam es auf eine etwas langsamere Reisegeschwindigkeit auch nicht mehr an.

Als ich den Motor der Maschine zündete und durchs Fenster noch dem Mechaniker zuwinkte, sah ich kurz in meinem Raumkarten nach, bei was für einem merkwürdigen Völkchen ich dort gelandet war, und weil sie sich so merkwürdig, ihrer sonstigen an den Tag gelegten Intelligenz überhaupt nicht würdig, gerierten, ist es mir bis heute im Gedächtnis geblieben, welcher Name eines Planeten auf der Anzeige aufleuchtete. In dicken Lettern stand dort geschrieben:

12 Kommentare

  1. „Willkommen im Ruhrgebiet“

  2. Oder, da es ja ein fremder Planet war:
    „Willkommen in Franken“

  3. Gelsenmund und Dortkirchen oder Frankbach und Offenfurt.
    Okay, Nürth und Fürnberg gingen auch noch.

  4. Düsseldorf und Köln
    (wobei die Ausführungen der Bewohner da natürlich mit diesem unglaublichen rheinischen Frohnaturell vorgetragen werden)

  5. Erinnert mich an die inzestuösen Kannibalen mit sodomistischen Neigungen aus Halle. War ja klar, dass die über uns Gerüchte und Lügen verbreiten.

  6. Bei „Ungebildet, gewalttätig, niederträchtig und verachtenswert“ denkt man als Düsseldorfer ja zwangsläufig schon fast automatisch an Köln. Aber nein, selbst auf der falschen Rheinseite dürften die Werkstätten haben. Also ist Fürth richtig.

  7. Pingback: Philipp Lahm in der Politik und Hannover 96 in der Euro League | Fokus Fussball

  8. Fürth isses nich.

    Und selbst wenn: Die sollten mal nicht so angeben, die Fürther.

    Noch viel ungebildeter, gewalttätiger, niederträchtiger und verachtenswerter sind nämlich die Stellinger!

  9. Schon mal über Grünwald und Giesing nachgedacht?

  10. Schon mal über Grünwald und Giesing nachgedacht? Denn: es gibt nur eine echte Münchner Mannschaft: Unterhaching!

  11. Stellingen musste ich zugegebenermaßen erstmal googeln…bezweifle jedenfalls, dass der Trainer einen DMC-12 fuhr, der nirgendwo in Giesing/Stellingen/… hätte repariert werden können. Nein, nein. Fürth.

  12. Glaube dem Trainer geht es nicht um einen speziellen Ort. Die Austauschbarkeit ist ja bei den vielen Feindschaften gerade der Willkür der Hassenden geschuldet. Jeder hat halt sein persönliches Halle.oder eben dresden^^



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