Schrecklicher Verdacht: Führt Sportjournalismus zum Talkmasterdasein?

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Schockierenhausen. Die Wissenschaft schlägt Alarm! Sie hat einen möglicherweise signifikanten Anstieg der Wahrscheinlichkeit beobachtet, im Laufe einer TV-Karriere zu einem inhaltslosen Talkmaster für alle Themen quer durch den Garten zu flambieren, wenn eine Person zuvor im Sportjournalismus tätig war. Bislang nur ein Anfangsverdacht, doch die Indizien lassen sich kaum von der Hand weisen.

Welche geheime Macht ist da wirksam, die aus einst lauteren Sportjournalisten nur noch hohle Phrasendrescher ohne Bezug zum Thema und ohne den Hauch von Expertise werden lässt? Zwar mitten im Scheinwerferlicht der gesamten Nation tätig, doch ohne noch das Ziel zu verfolgen, tatsächliche Erkenntnisse zu vermitteln — Hopfen und Malz scheinen in vielen Fällen gänzlich verloren gegangen zu sein.

Vom seriösen Sportjournalismus zur eitlen Gastgebermarionette für Talkrunden, dieses Schicksal erleiden immer mehr Menschen, die zuvor von Leibesertüchtigungen berichteten. Wie viele werden noch folgen? Wann wird ein Gegenmittel entdeckt?

Einige erschütternde Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart, früher alles honorige Sportreporter, heute nur noch Stichwortautomaten, denen Nachfragen zum Verständnis fremd geworden sind:

Günther Jauch

Zum ersten Mal führte er 1988 durch das aktuelle sportstudio […] hohen Bekanntheitsgrad erreichte Jauch durch die Moderation vom „Torfall von Madrid“ im Champions-League-Spiel Real Madrid gegen Borussia Dortmund am 1. April 1998.

Maybrit Illner

Nach dem Studium arbeitete Illner bis 1989 in der Sportredaktion des Fernsehens der DDR. …

Reinhold Beckmann

Beckmann wechselte noch 1990 von der ARD zu Premiere, wo er Leiter der Sportredaktion wurde. Ab 1992 war er bei Sat.1 ebenfalls als Sportchef angestellt und wurde durch die von ihm konzipierten und moderierten Sportsendungen ran und ranissimo bekannt. …

Johannes B. Kerner

Von August 1992 bis Ende 1997 moderierte Kerner das Sat.1-Fußball-Magazin ran. […] 1996 wechselte Johannes B. Kerner zum ZDF, wo er bis 2006 einer der Moderatoren der Sendung das aktuelle sportstudio war und Fußball-Länderspiele kommentierte.

Anne Will

Ab November 1999 präsentierte sie als erste Frau die bis dahin von Männern dominierte Sportschau, was sie schlagartig einem großen Publikum bekannt machte. Im Jahr 2000 moderierte sie für die ARD Sportsendungen der Olympischen Spiele aus Sydney. …

Allesamt heute mit der Rolle des Gastgebers in so genannten „Talkshows“ ausgestattet, die, wie der Name schon sagt, nichts als belanglosen „Talk“ im Sinne von „Geschwätz“ an der Oberfläche bieten.

Für einstmals inhaltlich fähige, sachlich von ernstem Sport berichtende Journalisten ein trauriger Werdegang. Es ist Zeit für Forschungsstudien, die auf die Suche nach den Gründen für diese dramatische Entwicklung gehen und hoffentlich möglichst bald Erfolg vermelden können.

Nicht nur heutige, auch alle kommenden Generationen von seriösen Sportjournalisten leben so lange in Angst, wie ein derartiges Schicksal für sie in Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann.

Allerdings existiert noch kein Ansatzpunkt für die Wissenschaft. Nach außen erwecken alle unter diesem Phänomen Leidenden den Eindruck, sie hätten bewusst und sogar willentlich den Rückzug von jeglichem Anspruch an ihre Arbeit angetreten, welchen sie zumindest als Sportreporter noch an den Tag legten.

Dass das alles nicht mit rechten Dingen zugehen kann, ist selbst dem Laien einsichtig. Wo sitzt die dunkle Macht, auf welchem Wege wirkt sie und wie ist sie zu bekämpfen?

Eine Nation verharrt in Angst um ihre jungen Burschen und Mädchen, die sie bei diesen Zuständen nicht sehenden Auges in ihr Unglück, das vielleicht zwangsläufig auf den Sportjournalismus folgt, schicken kann.

6 Kommentare

  1. Hat Herr Pilawa nicht auch als Fieldreporter beim Fußball angefangen?

  2. Ich tue mich sehr schwer damit, die Besorgnis um diese ehemals ach so erkenntnisorientierten Sportreporter für voll zu nehmen. Eventuell bin ich zu sehr mit dem modernen Fußball sozialisiert worden, aber immer dann, wenn man im Sportstudio mal richtige Themen anschneiden könnte, wird ebenjenes gewechselt. Und auch die anderen Sendungen die man zu sehen bekommt sind mehr Marketingmaschinen als Erkenntnisbringend. War das früher anders?

  3. Sieht so ‚Das Pech der späten Geburt‘ aus?

  4. Pingback: #Link11: Innovationswüste Fernsehsport | Fokus Fussball

  5. Öhm, sind die oben genannten jetzt wirklich so die Paradebeispiele für Sportjournalismus? Ich fange erst an, mir Sorgen zu machen, wenn der Trainer und Rafa Honigstein als Doppelgastgeber Montags nachts Betroffenheitstatements aufsammeln. Aber dann mache ich mir richtig Sorgen. :-)

  6. Wollen wir hoffen, dass Markus Lanz nicht den umgekehrten Weg geht.



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