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Schlagwort: Sportdirektor

Warum Sammer eine Fehlbesetzung ist

In diesem Bericht bei Sport1.de [Link leider tot] wird es deutlich. So ist dort zu lesen:

„Während des rund einstündigen Vortrags ließ Sammer immer wieder Beispiele aus seiner Vergangenheit und seiner Familie mit einfließen.“

Und damit hat er sich endgültig disqualifiziert, jedenfalls meiner Auffassung nach. Jeder, der schon mal versucht hat, in einem Universitätsseminar an einer deutschen, wahrscheinlich an jeder x-beliebigen Universität, in einem Seminar eine fachliche Diskussion zu führen, kommt an der großen, großen Fraktion der „Ich habe aber erlebt“, „Bei mir ist es so“ und „Mein Sohn sagt ja auch“-Sager nicht vorbei. Womit im selben Moment jegliche wissenschaftlich-fachliche Diskussion im Keime erstickt ist, weil selbst an Universitäten die meisten Studenten sich nicht auf anderem Level unterhalten wollen als sie es mit dem Besitzer der Bude an der Ecke tun wollen: anekdotenhaft, Einzelfälle als exemplarisch heranziehend, ohne dass damit irgendetwas bewiesen wäre und vor allem: sich nicht wirklich mit Dingen wie Statistik, geschweige denn Wissenschaftstheorie auseinandersetzend.

Sammers Kinder haben Bewegungsdefizite – so what? Ist das eine Beobachtung, für die man einen Sportdirektor des DFB einstellen und hoch dotieren muss? Sicher nicht. Was weiß Sammer denn ansonsten über die Bewegungsdefizite oder die Realität des Alltags der Kinder, über die er spricht? Offensichtlich nicht viel, sonst würde er statt den Beispielen seiner persönlichen Realität harte Zahlen auf den Tisch legen.

Das Schlimme ist ja nicht, dass der unwissenschaftliche Unakademiker Matthias Sammer solch anekdotenhafte Arbeit leistet. Das Schlimme ist, dass es Leute beim DFB gibt, die so etwas als „neu“ und „innnovativ“ empfinden, dass einer sieht, dass seine eigenen Kinder zu wenig Motorik besitzen, um Bundesligaprofis zu werden und sich dann dennoch lieber für einen Trinkhallenschwafler von der Ecke entschieden, anstatt die tatsächlichen fachlichen Qualifikationen (für diese Tätigkeit) als maßgeblich zu erachten.

Ein bißchen was von der D-Jugend-Mannschaft hier um die Ecke erzählen kann ich übrigens auch. Ich habe gesehen, dass der kleine Claus eine schlechte Koordination beim Sprung zum Kopfball hat. Mit dieser Erkenntnis werde ich mich demnächst auch mal beim DFB vorstellen.

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Schneider Meck-meck-meck

Christian Ziege wird also neuer Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach. Dass Peter Pander unhaltbar geworden war, Pfiffen die Spatzen zuletzt schon von den hohen Dächern des Borussiaparks und man musste kein Hellseher sein, um Panders Entlaubung vorherzusehen. Wie Horst Köppel schon vor längerer Zeit sagte, gehöre an diese Position jemand, der weiß, was eine Mannschaft und der Trainer brauchen. Deshalb nun Christian Ziege statt Peter Pander. Panders Makel war es (neben der Erfolglosigkeit seiner Mannschaft), dass er „nur“ Bankkaufmann war, während Christian Ziege immerhin Trainer der B-Jugend von Borussia Mönchengladbach war, und das auch in Guy-Roux’schen Ausmaßen seit Juni 2006, somit nicht mal ein komplettes Jahr.

Wie man weiß, sind die Wünsche und die Konfliktherde einer Mannschaft von 16- und 17-Jährigen vollkommen identisch mit jenen von jungen Erwachsenen bzw. Familienvätern wie Neuville oder Keller. Man kann davon ausgehen, dass auch im Profiteam ständig darum gestritten wird, wer das coolste neue Handy hat, welche Frisur angesagt ist und was man gegen die „5″ in Mathe tun könnte, ohne sich großartig anstrengen zu müssen.

Des Weiteren spielen die B-Jugendlichen auch ständig in einer Liga vor 60.000 Zuschauern vor Ort und Millionen an den Fernsehern oder Livestreams und stehen vor allem jederzeit im Blickpunkt der überregionalen Presse. Deshalb ist die Wahl von Christian Ziege logisch, nachvollziehbar und die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt. Schließlich gibt man am besten in einer Notlage (hier: allerärgste Abstiegsgefahr) unerfahrenen Leuten das Szepter in die Hand, auf dass sie im Falle ihres Scheiterns auf ihre Unerfahrenheit verweisen können und somit nicht gänzlich verbrannt sind. Oder wie war das noch mit Thomas Doll?

Jedenfalls freue ich mich, dass die Wahl von Borussia Mönchengladbach auf Christian Ziege gefallen ist. Der hat nicht nur eine meist gut gepflegte Webseite und kann geradeaus sprechen (und scheinbar auch denken), sondern ist auch ein Garant dafür, dass es bei Borussias Transferpolitik weiter drunter und drüber gehen wird. Wo käme man da hin, wenn man bei Borussia Mönchengladbach plötzlich vernünftig einkaufen würde und eine homogene Mannschaft stellen könnte?

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