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Schlagwort: Strategie

Es geht immer noch schlimmer

Fußball ist … Vieles.

Immer auch ein bisschen Soziologie, zumindest hätten manche das gerne, es ist auch viel Psychologie, es ist Architektur, es ist Strategie, es ist natürlich ein Sport, aber es ist auch ein bisschen Mode. Die kam hier in letzer Zeit zu kurz, die Fußball-relevante Mode, deshalb heute dieses unschlagbare Thema mit einem noch unschlagbareren Link.

Die Rede ist vom Motiv, das Claudia Effenberg für ihre „Kollektion“ bei trigema namens Claudia-Effenberg-Kollektion, dort allerdings mit Deppenleerzeichen, gewählt hat.

Noch nicht klicken! Erst kurz überlegen, welches es wohl sein könnte.

Und dann — klicken.

[Bearbeitet aus Gründen.]

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Gar nicht so neu: Besondere Lebens-Ereignisse im Stadion begehen

Christoph Daum hat es vorgemacht, viele namenlose Fans sind gefolgt: Daum ließ sich am Mittelkreis des Stadions „seines“ Vereins“ (zu dieser heißen Luft siehe auch beim effzeh.) mit seiner Frau trauen, auf Schalke gibt es extra eine Kapelle (die jetzt zu 15% der Stadt gehört), in der man Selbiges wohl auch tun kann. Beim HSV gibt es den Fan-Friedhof, nun gut, das ist nicht ganz das, was man unter „Lebens-Ereignisse“ versteht, aber was tut man nicht alles, um in der Champions League mitspielen zu können. Man will sich ja nicht vorwerfen lassen, nicht alles für den Erfolg getan zu haben.

Andere wiederum verkaufen Anteile ihres Vereins an Firmen und verbrämen das dann in typischem Neudeutsch als „strategische Partnerschaft“, wobei die Strategie auf der einen Seite darin besteht, Geld zu überweisen, und auf der anderen Seite, das überwiesene Geld auszugeben, eine äußerst nachhaltige Strategie also.

Wer keine „strategischen Partner“, sondern einfach nur Partner hat, gibt das Geld, das noch gar nicht überwiesen wurde, aus, und muss danach Mark und Bein verkaufen oder auf neue, innovative Wege kommen, den vorletzten Cent aus seinem Fan zu pressen. Sei es über versch(r)obene Anstoßzeiten, die den Ball unaufhörlich rollen lassen, oder durch in den Kabinen buchbare Kindergeburtstage, verkauft Babys schon zahlungspflichtige Mitgliedschaften, versteigert einen Platz auf der Trainerbank oder man zwingt Menschen auf Sitzplätze, die lieber stehen würden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und es wird gepresst, wo gepresst werden kann.

Nun denkt man gerne, dass das alles modernes Kröpp-Zeugs sei und dass diese Wünsche, Hochzeit, Geburt, Tod, das alles im Verein zu erleben, sozusagen künstlich erzeugt werden. Doch weit gefehlt: Die Idee, besondere Lebens-Ereignisse im Stadion zu begehen, ist schon viel, viel älter als man denkt.

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Unaufhörlich dröhnt der Reinicke

Auch wenn man gerne einwenden darf, was es den italienischen Mannschaften aktuell bezogen auf ihre Erfolgsbilanz denn brächte, was sie da täglich üben, gehört man hier nicht zu der Sorte, die sich darüber wundert, dass z. B. die Nationalmannschaft vor der WM 2006 keine Zeit hatte, Freistoß- oder Eckstoßvarianten einzustudieren*, weil sie so viel Zeit dafür aufwenden musste, die taktischen Defizite aufzuholen. Wenn es stimmt, was in der Zeitung steht, wessen man sich nicht sicher sein kann, denn bekanntlich ist nicht alles wahr, was in der Zeitung stimmt.

Bevor ich den FC Bayern verlassen habe, sagte mir Felix Magath: Brazzo, in Italien werden sie dich zur Taktik zwingen. Und so war das auch. Hier wird ganz anders gearbeitet. Taktische Dinge werden täglich trainiert, mal 30 Minuten lang, mal bis zu zwei Stunden. Das war für mich neu.

Man kann es natürlich auch einfach mit Otto Rehhagel halten, dem man nachsagt(e), dass er „im Training immer 8 gegen 8 spielen“ lasse, aber dennoch seine Spiele gewönne, wodurch er u. a. Europameister wurde. Hier ist man trotzdem der Auffassung — ja: ganz unpopulistisch — dass 2h Training am Tag einfach viel zu wenig sind, egal, wie viel jemand dafür verdient, wenn es sein Beruf ist. Weil die Möglichkeiten, das Spiel zu beeinflussen und den Ablauf zu automatisieren, so groß, man möchte fast sagen: unendlich sind.

Der alte Konflikt der Wissenschaft „Umwelt vs Anlage“ schlägt sich im Fußball wohl im Zwiespalt „System vs Intuition“ nieder. Dass man sich ausgerechnet in jenem Land, in dem man bei Rot nicht über die Fußgängerampel geht und dafür im restlichen Europa ausgelacht wird, eher der Intuition verschreibt, ist nur dann überraschend, wenn man unterschlägt, dass die „Intuition“ immer nur jenen zugestanden wird, die gleichzeitig auch „Führungsspieler“ sind/sein sollen. Ein Konstrukt, bei dessen Nennung spanische Fußballtätige immer aus der Wäsche schauen, als spräche man von Dörfern in Böhmen.

* Dass sie allerdings Zeit hatte, zwanglos durch Berlin zu flanieren, Tischtennis und Kicker zu spielen oder auf dem Zimmer rumzujuxen, steht noch mal auf einem anderen Blatt.

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Der letzte Sargnagel

Hatte ich letztens schon von einer Zeitenwende gesprochen, so ist der Abschied der Bayern von der Spitze nun endgültig besiegelt. Paul Breitner ist als Berater engagiert worden. Er soll „Meinungen einholen“ über zu verpflichtende Spieler und auch ansonsten „ab und zu“ beraten.

Da Paul Breitner ein ausgewiesener Fachmann ist, der immer alles besser weiß, bislang aber noch nie irgendwo irgendetwas besser gemacht hat und er zudem ein Dampfplauderer der Marke „Udo Lattek“ ohne Detailkenntnisse ist, wird er mit seinen Tipps hoffentlich zu weiteren Kracherverpflichtungen wie Dos Santos, Karimi oder Rau beitragen und dafür sorgen, dass die Mannschaft weiterhin kein Gerippe noch eine Idee, was sie überhaupt spielen soll, hat.

Als Fingerzeig, wohin die Reise bei den Bayern geht, war schon die Rückholaktion von Hitzfeld ausreichend, mit der Verpflichtung des nicht minder gedanklich erstarrten Breitner ist die Richtung nun endgültig klar: Auf zu alten Ufern, denn neue können wir uns nicht vorstellen.

Auch wenn es eine häufig angewendete Strategie beim Umgang mit seinen Kritikern ist, diese ins Boot zu holen und ihnen Verantwortung zu geben: Der ewige Nörgler Paul Breitner als Berater ist ein klassisches Eigentor. Nicht ohne Grund war er jahrzehntelang eben nicht bei den Bayern in Verantwortung. Nun wird er für weitere Unruhe und für eine Meinung mehr am uneinigen Tisch der Bayern sorgen.

Die Altherrenriege wird immer größer, nur zurückholen können diese die alten Zeiten nicht mehr.

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Fummeln bis der Ball weg ist

Hach ja, der Guardian mal wieder. Ich habe heute etwas Nettes fotografiert, rechtlich gesehen bin ich damit zumindest in einer Grauzone, aber so lange kein Hahn kräht, wird mir auch kein Gras aus den Taschen wachsen.

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Eine detaillierte Auflistung aller Parameter dreier Auftritte von Arsenal-Verteidigern. Bemerkenswert ist nicht so sehr die geringe Zahl an Fehlpässen; etwas, was wir von Verteidigern so natürlich erwarten, da sie viel seltener in eine Situation kommen, in der ein riskanter Pass überhaupt sinnvollerweise zu wagen wäre.

Was mir aber jedes Mal graue Haare bereitet, ist, wenn Spieler nicht verstehen, dass Fußball ein Spiel ist. Das kann man natürlich in zweierlei Hinsicht interpretieren. Einerseits bedeutet es, dass man ein bißchen rumdödeln kann. Andererseits bedeutet es, auch wenn es „nur“ Fußball ist, dass es bestimmte Regeln gibt, die bei der Ausübung des Spieles „Fußball“ zu beachten sinnvoll wäre. Dazu gehört in erster Linie: Verteidiger sollten nicht dribbeln. Warum sollten sie das nicht tun? Nun, ganz einfach, weil das Risiko, bei einem Dribbling den Ball zu verlieren, so immens hoch ist und die Gefahr für das eigene Tor durch einen Ballverlust so kurz vor dem eigenen Tor ebenso immens hoch ist. Das ist die ganz einfache Antwort. Und so sollte kein Verteidiger jemals — in der Nähe des eigenen Tores — dribbeln. Das ist eine der Grundregeln, mit denen man Fußball spielen sollte.

Leider gibt es viele Kleingeister, die das nicht verstehen. Was heißt verstehen, man müsste es ihnen erstmal erklären. Mir erscheint diese Tatsache allerdings so dermaßen simpel und aus jeder Perspektive einsichtig, dass ich mich sehr ärgern muss, wenn jemand das nicht von selbst versteht. Wie dem auch sei, es gibt gerade im unterklassigen Bereich sehr, sehr viele Fußballer, die überhaupt nichts vom Spiel verstehen, sei ihre Ballbehandlung noch so gut. Und so passiert es immer wieder, dass ich richtig sauer werde, weil Leute als letzter Mann, als quasi letzter Mann oder einfach nur in der Nähe des eigenen Tores anfangen, zu dribbeln. Das ist schlimm und da kann man zurecht sauer werden.

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Damit es etwas deutlicher wird, habe ich den entscheidenden Abschnitt hier links noch mal etwas größer dargestellt. Drei Weltklasseverteidiger werden je 90 Minuten beobachtet und wie viele Dribblings legen sie in diesen insgesamt 270 Minuten hin? Richtig, gar keines. Und das ist auch gut so, denn hinten wäre ein Dribbling ohnehin viel zu gefährlich, und vorne, ja, vorne spielt man inzwischen auch so, besonders bei Arsenal, dass man es gar nicht erst nötig hat, ein Dribbling durchzuführen.

So etwas aber dem eigenen Pöbel klarzumachen, ist nahezu unmöglich. Genauso wie wir uns eigentlich darauf geeinigt hatten, Eckbälle nur noch kurz oder flach vors Tor zu spielen, weil alles andere so ausgesprochen erfolglos war in den letzten 9 Jahren. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass sich jeder dran hält, obwohl der Gegner doch nichts anderes erwartet als eine hohe Flanke. Klar. Es gibt Situationen, in denen es sinnvoll ist, vom eigentlichen Plan abzuweichen. Aber meistens weichen die Jungs von allen Plänen ab, weil sie gar keinen Bock haben, sich an irgendwelche Pläne zu halten oder anders gesagt: weil sie sich meist gar nicht so weit erinnern können, dass man überhaupt irgendetwas abgesprochen hätte.

Um jetzt nicht zu sehr den eigentlichen Faden zu verlieren, kehre ich zurück zu den 0 Dribblings in 270 Minuten und muss sagen: Was gibt es da überhaupt zu diskutieren? Nichts natürlich. Das Problem bleibt, ob beim Zuschauer oder beim unterklassig spielenden Fußballspieler, dass er einfach nicht versteht, dass Dribblings im gesamten Fußball eigentlich überflüssig sind, und als Verteidiger erst recht. Für den gemeinen Zuschauer und den debilen Selbstspieler ist das Dribbling das Wesen des Fußballs. Und ich sage noch mal: Fußball ist ein Spiel. Man muss den Ball spielen, nicht sich selbst.

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Es gibt keine Ketten im Fußball

Uli Stielikes und Horst Hrubeschs Aufatmen ist bis hierhin zu hören. Urs Siegenthaler stellt im sehr lesenswerten Interview mit der Welt fest:

„Es gibt keine Ketten im Fußball.“

Auch wenn wir alle wissen, dass es auf jedem Kreisligaplatz Ketten und gegelte Frisuren gibt, ist es fußballtaktisch eine beruhigende Erkenntnis. Das ganze Gerede um Vierer-, Dreier, gar Einerketten (im Tor) ist also überflüssig. Ich hoffe schwer, dass Siegenthaler das nicht auf Druck der Sponsoren gesagt hat, damit Frauen weiterhin dem Fußball zugewandt blieben, weil sie nun wissen, dass sie dieses Kettengerede gar nicht verstehen müssen.

Gleichzeitig hoffe ich auch, dass unsere Viererkette hinten rechtzeitig vor der WM versteht, dass sie gar keine Kette ist. Stattdessen muss jetzt wieder jeder selbst denken und kann sich auch unabhängig von seinem Nebenmann bewegen.

Weiter unten sagt Siegenthaler noch:

„Es gibt Stürmer, die stehen schon am Pfosten, wenn die Flanke von außen erst unterwegs ist. Da denke ich: Leck mich, der muß doch den Rhythmus des Flankengebers übernehmen!“

Das ist das Problem, wenn man erst so kurz im deutschen Fußball dabei ist. Jahrelang war doch Christian Ziege in der Nationalmannschaft. Wenn der geflankt hat, musste man schon am Pfosten stehen, um dann später, wenn der Ball runterkommt, 20m weiter hinters Tor gelaufen zu sein, wollte man die Flanke erreichen.

Aber auch Siegenthaler wird noch verstehen, welche Erblasten wir dank Ribbeckscher FOTOscher und Völlerscher Nominierungspraxis noch so mit uns rumschleppen.

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Strategie ist alles

Lothar Matthäus, gerne auch mal als Lothar Matthaus oder wenn’s ganz arg kommt als Lothar Mattahus bezeichnet, hat damals, als er noch jung nicht so weise alt war, ein Spiel rausgegeben. Zur WM 1998 gab’s das Spiel mit dem Untertitel „Strategie ist alles“ [Link leider tot].

Da hat Lothar natürlich recht. Es war schon eine tolle Strategie von ihm, im Viertelfinale einen Grottenpass auf Christian Wörns zu spielen, so dass dieser genötigt war, rotwördig zu foulen, vom Platz zu gehen und die gesamten Prügel der Nation einzustecken. Eigentlich war Lothar die Wurst, aber das hat dank Lothars ausgebuffter Strategie („ist alles“) kaum einer gemerkt.

Wie viel von dem Kaufpreis des Spiels an eines seiner zahlreichen Not leidenden Ex-Mädchen geht, ist unklar.

Ein Nationalmannschaftskollege von etwas früher, Guido Buchwald, überrascht hingegen durch ein erstaunliches Geständnis. „Mein ganz privater Spaß“ [Link leider tot] heißt bei ihm das Brettspiel, auf dessen Cover er sein hübsches Antlitz pinnen ließ.

Unter ganz privatem Spaß stelle ich mir aber was anderes vor als ein Brettspiel.

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