Es gibt keine Ketten im Fußball

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Uli Stielikes und Horst Hrubeschs Aufatmen ist bis hierhin zu hören. Urs Siegenthaler stellt im sehr lesenswerten Interview mit der Welt fest:

„Es gibt keine Ketten im Fußball.“

Auch wenn wir alle wissen, dass es auf jedem Kreisligaplatz Ketten und gegelte Frisuren gibt, ist es fußballtaktisch eine beruhigende Erkenntnis. Das ganze Gerede um Vierer-, Dreier, gar Einerketten (im Tor) ist also überflüssig. Ich hoffe schwer, dass Siegenthaler das nicht auf Druck der Sponsoren gesagt hat, damit Frauen weiterhin dem Fußball zugewandt blieben, weil sie nun wissen, dass sie dieses Kettengerede gar nicht verstehen müssen.

Gleichzeitig hoffe ich auch, dass unsere Viererkette hinten rechtzeitig vor der WM versteht, dass sie gar keine Kette ist. Stattdessen muss jetzt wieder jeder selbst denken und kann sich auch unabhängig von seinem Nebenmann bewegen.

Weiter unten sagt Siegenthaler noch:

„Es gibt Stürmer, die stehen schon am Pfosten, wenn die Flanke von außen erst unterwegs ist. Da denke ich: Leck mich, der muß doch den Rhythmus des Flankengebers übernehmen!“

Das ist das Problem, wenn man erst so kurz im deutschen Fußball dabei ist. Jahrelang war doch Christian Ziege in der Nationalmannschaft. Wenn der geflankt hat, musste man schon am Pfosten stehen, um dann später, wenn der Ball runterkommt, 20m weiter hinters Tor gelaufen zu sein, wollte man die Flanke erreichen.

Aber auch Siegenthaler wird noch verstehen, welche Erblasten wir dank Ribbeckscher FOTOscher und Völlerscher Nominierungspraxis noch so mit uns rumschleppen.

7 Kommentare

  1. Oh ja, das Interview ist weltklasse. Großartiger Typ, der Urs (wie auch schon Urs Güntensperger ein großartiger Typ war!).

    Meine Lieblingsstelle: „Oft ist ein Dribbling eine Hilfsaktion, weil ein Spieler nicht weiß, wie es weitergeht.“ Damit rennt der Urs bei mir offene Türen ein.

  2. Ja, da hat er mal ein weises Wort gesagt.

    Nicht zu vergessen, was er anfügt: „Und danach steckt er noch tiefer im Schlamassel.“

  3. Hehe, ich denke dabei ganz konkret an Mitspieler, auf die das 100%ig zutrifft.

  4. Aber Kutten!

  5. Rhythmisierungsfähigkeit!

    Was ein Wort! Sie sollten es sich hinter die Ohren schreiben, die Deutschen, oder in ihre Turnschuhe einbauen lassen ;)

  6. In Spanien, Italien und England ließen die Kommentatoren am Mittwoch kein gutes Haar an der Leistung der deutschen Kicker.

    So urteilten spanische Medien

    „Marca“: „Japan legte den erbärmlichen Leistungsstand der Deutschen offen. Das Team von Klinsmann gibt zunehmend Anlass zur Sorge. Japan zog den Deutschen das Fell über die Ohren. Zeitweise konnte man mit dem Ausrichter der WM nur noch Mitleid haben.“

    „As“: „Die Japaner führten Deutschland zeitweise vor. Sie hätten den Sieg verdient gehabt. Zwei Standardsituationen bewahrten die Deutschen vor einer Blamage.“

    „Sport“: „Deutschland macht sich fast schon lächerlich.“

    Stimmen aus der italienischen Presse

    „La Gazzetta dello Sport“: „Deutschland humpelt gegen Japan. Ein Unentschieden zu Hause gegen Japan ist nicht gerade die beste Art in eine WM zu gehen. Aber immerhin hat Deutschland eine Niederlage verhindert, die heftige Kritik ausgelöst hätte. Dennoch, für Klinsmann ist es ein enttäuschendes Ergebnis.“

    „Il Tirreno“: „Ein enttäuschendes Deutschland quält sich gegen Japan.“

    Fazit aus England

    „Daily Mail“: „Bundestrainer Jürgen Klinsmann muss sich Sorgen machen, nachdem Japan in der wackeligen Abwehr ein ums andere Mal eine Lücke fand. Der flinke Asien-Meister war dem WM-Gastgeber mit zwei Treffern und genug Chancen für fünf Tore 75 Minuten lang überlegen. Deutschland wachte erst in der letzten Viertelstunde auf.“

    „Daily Mirror“: „Der WM-Gastgeber kam nach einem 0:2-Rückstand, was eine peinliche Niederlage bedeutet hätte, noch zu einem Unentschieden. Bundestrainer Jürgen Klinsmann weiß, dass er in den letzten Tagen vor der WM noch viel zu tun hat.“

  7. Ich bin so froh, dass Loddar das Wort noch nicht kennt.

    You have to find the right Rhythmus!



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