Wie Werbung einen schwermütig machen kann

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Ja, Leute, heute lachen wir noch, morgen sind wir alle alt. Die einen früher, die anderen später. Ich muss sagen, das ist an sich nicht traurig, aber traurig kann man werden, wenn man sieht, wie alt der eine oder andere geworden ist. Nicht nur, weil man selbst merkt, wie man altert (ganz junge Leser jetzt bitte weglesen, die sollten und sollen das erst später merken, sich noch an ihrer Jugend erfreuen, sich darum nicht kümmern müssen), sondern weil man sieht, wie sie alle von einem gehen, obwohl man sie doch (evtl., wenn man oder er oder sie Glück hatte) so mochte. Aber das Alter, das rafft uns alle dahin. Geht uns ja auch an. Morgen fängt es beim Nachbarn an, heute ist es schon bei mir.

Nein, ich bekomme keinen Cent dafür, diese virale Marketingscheiße mitzumachen. Ich möchte genau das eigentlich auch nicht.

Ich bekomme aber Hautausschlag, wenn man die Alten nicht würdigt. Mitten rein in meine Kerbe schlägt also dieses Scheißwerbevideo. Langweilig. Geht nach Hause. Kümmert Euch um Eure eigenen Alten. Und dann hoffen wir, dass Dettmar Cramer nur dem Maskenbildner zum Opfer gefallen ist.

Geht zu Opa und Oma und sagt Guten Tag, holt Eure Ostereier ab.

(Naja, okay, das ist ja auch jetzt intendiert mit dem Video. Von der beworbenen Sache distanzier ich mich natürlich.)

Nicht aber vom Schmerz, die Leute zu verlieren, wenn sie denn gehen. Den muss man dann aushalten.

11 Kommentare

  1. Ich finde das auch sehr anrührend – Video sprich Werbespot, als auch Deinen Text zum Thema. Bin da ganz bei Dir – die Gesellschaft hat leider vergessen die Alten zu würdigen und ist mittlerweile eher jugendwahnsinnig geworden. Traurig, und dumm dazu.

  2. „Nicht aber vom Schmerz, die Leute zu verlieren, wenn sie denn gehen. Den muss man dann aushalten.“

    So ist es, Trainer. Denn dass das Leben weitergehen muss, ist nur ein Spruch. Es geht einfach weiter, so als wäre nichts geschehen. Es ist ja auch nichts geschehen für den Rest der Welt, die sich munter weiter dreht, während deine eigene in Trümmern liegt. Zeit heilt keine Wunden, du lernst nur mit ihnen zu leben.

  3. Ja, man lernt mit den Wunden zu leben.

  4. Ist das schon so ein Metaebenenkunstwerbescheiß? Jedenfalls ist es ziemlich dreist gekl-, äääh, transgedingst, aber HALLO!
    Hier: http://www.youtube.com/watch?v=SmVAWKfJ4Go

  5. Schwul?
    So fanblockbeschimpfungsschwul?
    Oder eher anders?

  6. stimmt „Alte“ aufgrund ihres Alters zu würdigen ist ein Argument, ist ja auch eine besondere und einzigartige Leistung alt zu werden.

    Und wie schwul hier intendiert wird macht das ganze noch schlimmer

  7. Es geht darum, sie nicht weniger zu würdigen als andere, nur weil sie alt sind.

  8. Und darum, Schwule nicht weniger zu würdigen, weil sie schwul sind, sollte es auch gehen. Bei aller Liebe zu libertären Wortspielen, da scheint mir die „gelbe Gefahr“ minder konfliktbehaftet in der Formulierung und vermuteten Intention.

    Aber dem Charme solcher Ruhrgebietssympathen wie dem Werbevideoverlinkten Dortmunder kann ich mich auch nur schwerlich entziehen.

  9. Dettmar Cramer ist aus Dortmund? Komischerweise finde ich, dass man das gar nicht hört, zumindest so lange man es nicht weiß/wusste. Und klein isser, holla. Das war mir auch neu.

    1,61m, kleiner noch als Maradona.

    Gibt es keine berühmten Fotos von ihm, auf denen er mit anderen Menschen zu sehen ist?

    Die „’schwul‘ als Synonym für etwas Unangenehmes“-Diskussion hatten wir hier schon, wenn es so sehr stört, falle ich gerne um. Ich bin da überhaupt nicht dogmatisch und es sollte nicht mal Provokation oder „witzig“ sein. Also kommt es wech.

  10. Respekt. Für Schwule, Senioren und undogmatische Korrektur. Und für das Ruhrgebiet natürlich.

    Cramer hat noch deutlich den Zungenschlag, den ich mit den osteuropäischen Einflüssen des Ruhrgebiets verbinde. Ob Preussisch, Jiddisch oder Polnisch weiß ich nicht, aber ist im Schmelztiegel Ruhrpott ja auch irrelevant. Hat immer so etwas Spitzbübisches für mich. Trotz gefühlter 118 Jahre.

  11. „Heute zählt ja nicht, was Du gestern gewonnen hast, sondern es zählt nur, was Du morgen gewinnst.“

    Finde ich ganz groß den Satz, Spruchkalender-würdig.

    Und die Alten samt ihres Alters zu würdigen, das haben mir neun Monate Zivildienst im Altenheim gezeigt. Diese Gewissheit und die Erfahrungen trösten dann doch gehörig über das vermeintlich verlorene Jahr hinweg. Gerade weil die Alten von heute die letzten Zeugen einer Zeit sind, die wir selbst wohl nie begreifen werden.



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