Wir leben Abneigung

| 15 Kommentare

Guten Tag, mein Name ist VfL Bochum. Ich habe eine neue Freundin. Genauer gesagt habe ich meine Liebe zu einer alten, beinahe abgelegten Freundin erneuert. Ich finde, die Öffentlichkeit sollte das wissen. Deshalb habe ich Schals drucken lassen. Auf der einen Hälfte des Schals mein Gesicht, auf der anderen jenes meiner Freundin. Man kann diese Schals jetzt kaufen. Und jeder kann öffentlich sehen, dass ich ein „Nein“ nicht verstehen mag.

Denn wie es guter Brauch wäre, müsste meine neue, alte Freundin diese Freundschaftsschals eigentlich ebenfalls drucken, vor allem aber kaufen, anlegen und leben. Leider habe ich nicht ganz verstanden, dass die Liebe auf der anderen Seite längst erloschen ist, was die ganze Angelegenheit ein wenig peinlich aussehen lässt. Vielleicht merke ich es in den nächsten Tagen ja noch, denn allzu schwer ist eigentlich nicht zu verstehen, was die andere Seite verlautbaren lässt. Der VfL Bochum erklärte dem Pottblog:

Der FC Bayern München wird den Fanfreundschaftsschal nicht anbieten, weil das ganze Projekt ausschließlich auf unsere Initiative zurückzuführen ist.

Bis dahin blamiere ich mich aber weiterhin fröhlich mit einer nur einseitig gelebten Liebe. Was bei Abneigung noch gut funktioniert, die Einseitigkeit, hat bei Liebe den leicht schalen Beigeschmack dessen, dass ich ein begriffsstutziger, verlassener Mann bin — es aber nicht mal merke.

So blöd kann man eigentlich selbst in Bochum nicht sein. Und siehe da, wenn man genauer hinschaut, taucht ein ganz anderer Grund auf, welcher die Schals gut verkaufbar macht:

Da wir hier in Bochum auch in Konkurrenz zu den beiden großen Reviervereinen stehen, wollten auch viele VfL-Fans mit dem Freundschaftsschal zum Champions League-Finale gegen den BVB „Flagge zeigen“ und sich wieder offen zur Fanfreundschaft VfL Bochum 1848 & FC Bayern München bekennen.

Um Flagge zu zeigen gegen den BVB verkauft man in Bochum also Fanfreundschaftsschals mit dem Wappen des FC Bayern. Gibt es diese einfältig gestalteten Anti-Sticker jeglicher Couleur nicht mehr, früher gerne vor den Stadien und an Hauptbahnhöfen zu erwerben?

15 Kommentare

  1. Yup, ein schaler Beigeschmack ist nicht zu leugnen. Hat auch mal eine von den Blitzbirnen da erläutert, warum die da Armdrücken machen auf dem Schal?

  2. Pingback: Wembley calling! | Fokus Fussball

  3. Es mag sein das der Schal und die damit verbundene Freundschaft auf offizieller Seite des FC Bayern nicht gelebt wird, auf Fanebene gibt es die Freundschaft jedoch sehr wohl und auch sehr intensiv von beiden Seiten.
    Zum Spiel des VfL gg. Köln z.B. waren weit über 100 Bayern-Fans zugegen und sind im Anschluss zum Spiel nach Dortmund gefahren.
    Ein wenig mehr Willen sich zu informieren wäre schön, so blöd das nicht zu tun kann ja selbst ein Blogschreiber nicht sein.

  4. Ja, und eine ganze Abordnung von Bayernfans war auch vor dem Spiel in Dortmund in Bochum im Biergarten, und alles das, was Du schreibst, ist ebenso richtig.

    Und es bleibt dennoch über, dass der FC Bayern diese Schals nicht verkauft, oder? Und die Begründung seitens des VfL Bochum, dass man sich mittels dieses Schals gegen den BVB positionieren möchte, ebenfalls, bzw. vor allem.

  5. Diese ganze Freundschaftsschal-Nummer war in den 90er Jahren schon mal sehr modern. Damals pflegte jeder Bundesligaclub eine „innige Fanfreundschaft“ zu einem anderen Verein und verkaufte die entsprechenden Schals (auch damals: Bochum-Bayern, ohnehin Schalke-Nürnberg, aber auch Gladbach-Duisburg oder HSV-Dortmund).

    Dortmund übrigens war seinerzeit extrem peinlich, denn es gab in meiner Erinnerung kaum einen Club, zu denen sie damals angeblich keine Fan-Freundschaft hegten.

    Neben den HSV-BVB-Schals wurden im damaligen Westfalenstadion auch gerne und zahlreich Schals getragen, die freundschaftliche Verbindungen zu 1860, Freiburg, Essen, ich glaube auch Bremen und natürlich jeder Menge internationaler Clubs dokumentierten sollten.

  6. Hier, guckt mal die Störche, wie die das machen!

  7. @Heidi Mohr: Eben, Freundschaft ist Kacke; außer mit die Guten!

  8. Hübsch peinlich auch der „Schal der Freundschaften“ beim damaligen 1. FC Dynamo Dresden mit dem FC Liverpool (90er Jahre). Der ließ sich verdammt gut verkaufen … immerhin hat Deutschland insgesamt und damit Dresden insbesondere viele Liverpool-Liebhaber. Nur: von dieser Freundschaft wusste ganz Sachsen – nur dem gemeinen Liverpooler blieb dies verborgen. So ist das eben mit Peinlichkeiten.

  9. Hallo Trainer,

    so wie ich den Pottblog-Artikel verstehe, ist doch alles im grünen, ähh blau-roten Bereich. Es ist halt ein Fanartikel für eine Minderheit der Fans beider Vereine, welche dies lebt.

    Ich habe in den 80ern und 90ern als Bayern-Fan im östlichen Ruhrgebiet das Verhältnis beider Clubs sehr positiv erlebt (im Gegensatz zu den größeren Clubs der Nachbarschaft). Auch deshalb mag ich den VfL bis heute, auch wenn ich nicht mehr in der Region wohne. Ich finde es toll, wenn die Fanfreundschaft wieder ein wenig auflebt.

    Zudem gibt es mit Hermann Gerland ja auch einen echten Kult-Bochumer im Trainerstab des FCB.

    Stefan

  10. Ist es wirklich nötig, so einen Kommentar rauszuhauen in Unkenntnis der tatsächlichen Begebenheiten? Es gibt kaum eine angenehmere Auswärtsfahrt als VfL-Fan. Komischerweise wissen die meisten Bayern-Fans dort auch um die Fanfreundschaft der beiden Fanlager. Und das betrifft beileibe nicht nur die Schickeria und ihre Dunstkreise. Vor dem DFB-Pokal-Spiel gegen den FCB konnte man auch aus einschlägigen Fankneipen gemeinsame Gesänge hören. Das Ganze wirkt zumindest auf die Leute, die häufiger mal ins Stadion gehen, kein Stück aufgesetzt. Klar hat der ein oder andere Fan auch ein Problem mit der Fanfreundschaft. Das geht dann aber eher von Bochumer Seite aus und nicht von der Münchner. Nur aus der Tatsache, dass der FCB (der mit Teilen seiner Fanschar ja auch mal auf Kriegsfuß steht, man lese nach beim ClubNr.12….) offiziell nix macht, soll „die Liebe auf der anderen Seite erloschen sein“?
    Ich finde es im Gegenteil eher bemerkenswert, dass der VfL auf die Wünsche seiner Fans eingeht, auch wenn das Echo so langweilig vorhersehbar aus der üblichen Bayern-Hass-Ecke kommen musste.

  11. Boju1848, wen meinst Du mit „übliche Bayern-Hass-Ecke“? Da siehst Du allerdings Gespenster. Ich bin ganz sicher kein Sympathisant, aber auch kein Hasser. Hass sollte man zu Hause mit seiner Frau im Wohnzimmer ausleben, aber doch nicht in Fußballblogs.

    Ansonsten sehe ich ein, dass Ihr Bochumer das jetzt in größeren Teilen so seht, dass da überhaupt nix erloschen ist. Und nur der Schal ist einseitig (wird ja bei Bayern nicht verkauft), die Liebe aber weiterhin zweiseitig. Okay, kommt von außen nicht so rüber, wenn man solch eine Meldung liest (wobei ich oben anmerkte, dass mir durchaus die verbliebenen Bande bekannt sind). Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, was hiermit geschehen ist.

    Der zweite Aspekt geht dabei aber noch unter: Sich einen Bayern-Schal zu drucken, weil man sich vom BVB distanzieren will und das auch noch von offizieller Vereinsseite zu kommunizieren:

    Gibt es diese einfältig gestalteten Anti-Sticker jeglicher Couleur nicht mehr, früher gerne vor den Stadien und an Hauptbahnhöfen zu erwerben?

  12. Ob man das mit Dortmund so hoch hängen sollte wie es im Pottblog oder hier gemacht wurde, ist dann auch die Frage. Ist mit Sicherheit das schwächste Argument für den Verkauf des Schals. So einer Rechtfertigung hätte es überhaupt nicht gebraucht. Wobei ja auf dem Schal selbst nix gegen Dortmund steht;-). So Schals gibt es ja nun auch zur Genüge (vermutlich aber nicht hochoffiziell von den Clubs selbst….).

  13. Genau, sollte man wirklich nicht so hoch hängen, seine Abneigung. Aber da es der Verein höchst selbst verlautbarte: siehe Titel dieses Textes. Insofern gerne die Frage zurück, wer hier die Hasskappe trägt.

  14. @Trainer Berti – ähh Baade: Wie steht es eigentlich um die Fanfreundschaft VFL – MSV? fragt ein Außerpottlicher.

    Nichts desto trotz klingt das „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ vom VFL bisschen armselig. Haben die nix zu feiern?

  15. „Der zweite Aspekt geht dabei aber noch unter: Sich einen Bayern-Schal zu drucken, weil man sich vom BVB distanzieren will und das auch noch von offizieller Vereinsseite zu kommunizieren:

    Gibt es diese einfältig gestalteten Anti-Sticker jeglicher Couleur nicht mehr, früher gerne vor den Stadien und an Hauptbahnhöfen zu erwerben?“

    Lieber Trainer Baade,

    ich stimme dir 100 prozentig zu, dass es absolut einfältig ist, nur aus Ablehnung des einen Vereines derartig Farbe zu dessen Gegner zu bekennen.

    Jedoch, finde ich, hast du dir diesbezüglich die Nadel im Heuhaufen ausgepickt. Ein Gros deutscher Bürger, selbst Fußballfremde, drücken aus Prinzip dem BVB die Daumen und nicht nur ein bisschen, nein das leben sie aus mit größten Emotionen, einfach weil sie doch ach-so-sehr Anti-Bayern sind. Mit dem BVB an sich hat dies wenig zu tun. Gibt es Einfältigeres?

    Ich jedenfalls empfinde diesen hipster-liken-Dortmund-Hype, nur weil sie gegen Bayern spielen, als Spitze der Einfältigkeit.



Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.