Verlierern beim Verlieren zusehen

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Well, gestern Abend hatte ich nichts zu tun.

Was natürlich eine Lüge ist. Tatsächlich suchte ich nach einem Anlass zu prokrastinieren, ich hätte eigentlich sehr viel zu tun gehabt, aber das wären alles Dinge gewesen, die mir nicht unbedingt als Abendbeschäftigung gefallen hätten.

Man kennt das vom Prokrastinieren, da ist jede Abwechslung willkommen, da ist man nicht besonders wählerisch. Also schaltete ich zum ersten Mal seit Jahren wahllos das TV ein und siehe da: Es gab da eine Show, die einigermaßen unterhaltsam zu sein versprach.

Nun gut, es ging nicht um ernsthaften Sport, somit eigentlich nicht das, was ich bevorzuge, aber immerhin: Eine Scripted-Reality-Scheiße darf es alle 10 Jahre dann auch mal sein, ohne dass man sich dafür entschuldigen muss, es gesehen zu haben.

Dennoch hatte ich eigentlich auf ernsthaften Sport gehofft, so wie ich ihn am liebsten sehe.

Es gab dann leider nur das Finale eines Wettbewerbs, der zwar eigene Starter kennt, aber dennoch in späteren Runden das Sammelbecken der Verlierer eines anderen (!) Wettbewerbs darstellt. Zwei (!) dieser Verlierer in einem anderen (!) Wettbewerb hatten es dann auch ins Finale geschafft. Total hanebüchen gestaltet vom Drehbuchschreiber dieser Sendung.

Das Spiel an sich war durchaus toll, schon in den ersten 15 Minuten gab es drei heiße Szenen, nicht im Strafraum, sondern im Fünfmeterrraum. Ein äußerst seltenes Phänomen in dieser Scripted-Reality-Scheiße, wie ich aus Erfahrung weiß, später kam einiges an Sehenswertem hinzu, der Autor hatte gar eine Reminiszenz ans EM-Finale 2008 eingebaut, dazu ein toller Lattentreffer, tolle Torwartparaden und so weiter.

Was soll ich sagen, der Autor dieser Sportshow hatte sich dann einfallen lassen, den Ausgang des letzten Finales zu wiederholen. Eckball in letzter Minute, Tor. Soweit so schön, so weit vorhersehbar, wenn man sich schon mal ans Drehbuchschreiben oder zumindest über dieses Gedanken gemacht hat.

Ziemlich unterhaltsam, gute Show.

Ich hätte allerdings viel dafür gegeben, wenn das alles ernsthafter Sport gewesen wäre, und keine zusammengekleisterte Showkacke, in der Teams in einem ganz anderen Wettbewerb starten und dann in einem wiederum völlig anderen Wettbewerb im Finale landen. Immer dieser übertriebene Showaspekt bei den Drehbuchschreibern dieser Scripted-Reality-Kacke. Deshalb schau ich ja so selten Stories im TV.

Beim nächsten Mal schaue ich ganz sicher wieder echtem Sport zu, bei dem man in einem Wettbewerb startet und wenn man ausgeschieden ist, ist man ausgeschieden.

Der Name der Veranstaltung gestern? Irgendein Franz faselte was von „Verlierer-Cup“. Und einer dieser Verlierer gewann dann tatsächlich am Ende das Finale gegen einen anderen Verlierer, aber beide aus einem anderen Pokalwettbewerb.

Total hanebüchen, wie gesagt.

9 Kommentare

  1. Das ist das Dilemma: Die CL ist eine dämliche Show-Veranstaltung und im UEFA-Cup sind die CL-Ausscheider.

    Alles Mist. Wird Zeit den Messepokal wieder zu beleben.

  2. Ich bin ja immer noch für eine echte Europa League:
    Dann müssen Wolfsburg, Hamburg, Hannover… wenigestens keine zweistelligen Niederlagen mehr einstecken.

  3. Stecke Platini & den beteiligten Schranzen genug Kohle wohin, dann veranstalten sie diese scripted reality auch gerne sommers in Katar. Es geht schließlich um Wertschöfpung – nicht um einen Wettbewerb!

  4. Trainer, das gefällt mir. Wie so oft, klar, aber heute mal wieder ganz besonders.

  5. Ich fand den Text viel zu lang; und Chelsea FC eh schei…
    Es wird so kommen, daß nur noch der Dreck scheinbar wichtige Wettbewerbe gewinnt.

  6. Chelsea London ist ein Verein mit tiefen Wurzeln … für mich stellt sich die Frage: Was macht eine Übernahme des eigenen Teams einmal mit uns, was der Titelgewinn in einem eigenartigen Wettbewerb? Welche Gefühlswelt eröffnet sich? Im Moment sind die Meisten unter uns fernab dieser Fragen und es lässt sich lässig darüber diskutieren – dabei sind die Grenzen innerhalb scheinbar „sauberer“ Vereine und Wettbewerbe längst schon verschwommen und undeutlich geworden. Zeit für ein Glas besten Weines.

  7. Ich habe tatsächlich eine Weile gebraucht. Klasse beschrieben und auf den Punkt gebracht.
    Letztlich hat sich aber auch wieder gezeigt. Wenn man den Cup der Verlierer gewinnt ( selbst unverdient), fühlt man sich wie ein Gewinner :D
    Gruß
    Die kölsche Ziege

  8. aah, ich wusste, dass ich da nix verpasst habe.

  9. Guck, netzberg, so wie beim kommenden CL-Finale, gell?

    Die böswillige Beschreibung das Wettbewerbs als Cup der Verlierer ist übrigens insofern kompletter Blödsinn, da dort genügend Landesmeister und -vizemeister teilnehmen, wenngleich natürlich nicht die aus den starken Ligen. Dass mir die europäischen Wettbewerbe inklusive Pokal der Pokalsieger vor der Brutalokommerzialisierung wesentlich besser gefallen haben, weil dort wegen des Losglücks eben auch öfter mal ein Verein wie zB der IFK Göteborg gewinnen konnte (sogar 2x!), erwähne ich hier nur am Rande.
    Das Weiter- bzw Herunterreichen der CL-Gruppendritten in einen laufenden anderen Wettbewerb halte ich für Quatsch, wenngleich ich Chelsea den Titel gönne. Schon wegen des bööööööööösen Benficafluchs^^. Man hat ja sonst nix.



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