Zum Inhalt springen

Monat: Oktober 2016

Withe müsste schießen

Aston Villa, jüngst schmachvoll aus der Premier League abgestiegen, ist und bleibt dennoch stolzer Europapokalsieger. Und zwar nicht in irgendeinem der drei gewesenen und zwei noch seienden Europapokale, sondern im Europapokal der Landesmeister. 1982 erzielt Peter Withe das einzige Tor im Finale zu Rotterdam gegen einen gewissen Manfred Müller. Der FC Bayern München hatte zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Finale verloren und dann auch noch das im bedeutendsten Wettbewerb, den ein Verein gewinnen kann. Während der FC Bayern München aber inzwischen zwei weitere Titel im Nachfolgewettbewerb folgen ließ, blieb es für Aston Villa bei jenem einen Europapokalsieg 1982.

Und weil man da so stolz drauf ist, hat man die begleitenden Worte des englischen Kommentators von damals, Brian Moore – dessen Stimme auch die meisten fußballinteressierten Deutschen kennen dürften – gleich auf den North Stand ihres Villa Parks gepappt, der nun von folgendem Schriftzug geziert wird:

„Shaw, Williams, prepared to venture down the left. There’s a good ball played in for Tony Morley. Oh, it must be! & It is!! Peter Withe!!“

Sehen wir mal angesichts der Tragweite dieses Ereignisses, dieses erzielten Tores gönnerhaft über die doppelten Ausrufezeichen am Ende hinweg, dann ist diese Maßnahme von Villa genau das, was man hier goutiert. Nicht das Festhalten an Erfolgen von Annodunnemal, sondern dass man sich etwas Einzigartiges in seiner Identität erschafft, fernab von „You‘ll never walk alone“ oder was es sonst noch an Einheitsbrei gibt.

Wie immer bei derartigen Fundstücken hat das – abgesehen von dieser Originalität – keine weitere Bewandtnis, macht Aston Villa aber ein kleines Stück weiter liebenswert. Gleichwohl man in einigen Dekaden stöhnen könnte, dass immer noch die Vergangenheit über dem Rasen prangt, während man selbst auch nicht nur in die Nähe einer Teilnahme an einem Europapokal gelangt, geschweige denn einen solchen wird gewinnen können. Wird die Zukunft zeigen.

So hat dieser Club, was Deutschland im Großen hat („Rahn müsste schießen“), für sich im Kleinen, die unvergesslich eingebrannten Worte eines Kommentators beim größten Erfolg der Landes- bzw. Verbandsgeschichte als für jedermann vor Ort bekannte Wendung, die ihn eben ein wenig eigener macht.

Achso, wie das aussieht, dieser Schriftzug am North Stand vom Villa Park? Das sieht man hier. Nicht ganz so schick, wie man sich das vorgestellt hätte, aber nun ja.

Und hier spricht Brian Moore jene für alle Villans magischen Worte:



Und was steht bei Euren Clubs so Einzigartiges im und am Stadion an Worten und legendären Sprüchen?

12 Kommentare

Hail Mary!

Oder auch: Jessesherrgottmaria! Was war das?

Der Zufall führte letztens in einer schlaflosen Nacht zum TV-Sender Eurosport. Das geschieht sonst nie, weil man hier nicht über Eurosport verfügt. Auf diesem Sender begann jedenfalls gerade eine Übertragung aus der Großen Liga Fußball, oder wie man es vor Ort nennt Major League Soccer. Die Portland Timbers empfingen in ihrem zum 102. Mal in Folge ausverkauften (Rekord in der Großen Liga Fußball) Providence Park ihren Gegner, die Colorado Rapids.

Kommentator der Partie war Marco Hagemann, bekannt und als sympathisch befunden vor allem von seinen Auftritten bei sportradio360, aber zuletzt auch bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft als angenehm dezenter und ebenso nah am Spiel Kommentierender empfunden. Das war in dieser Partie anders, doch dazu später mehr.

Die Portland Timbers sind amtierender Meister in den USA. Etwas, was nur aufgrund des Playoff-Systems nach der regulären Saison möglich wurde. Nach dem normalen Ligabetrieb waren sie in ihrer einen von zwei Conferences nämlich nur Dritter, insgesamt also fünft- oder sechstbestes Team des höchsten amerikanischen Fußballs gewesen.

Sinnhaftigkeit solcher Playoffs soll hier auch gar nicht das Thema sein. Es steht nirgendwo in Stein gemeißelt, dass man sein Ligensystem nicht zusammenklöppeln kann, wie man gerade lustig ist. Der kurze Blick über die Grenze nach Belgien sei da empfohlen. Der Hinweis, dass hier mit den Portland Timbers der amtierende Meister der USA antrat, soll auch nur verdeutlichen, dass damit das sportlich-nominell beste Team dieser Liga an den Start ging. In jedem Fall eines der Topteams.

Gegner waren wie erwähnt die Colorado Rapids, deren Position innerhalb der Liga keine weitere Rolle spielt. Ansehnlich gestaltete Vorspänne wurden geschaltet, alles sehr amerikanisch. Vorfreude weckend auf einen schönen Fußballabend, gelungen dies. Ohnehin ist man hier ja Liebhaber dieser so auffallend anders gestalteten Wappen und auch Trikots der Clubs in den USA.

Was dann nach Anpfiff folgte, verschlug aber beinahe den Atem.

Allerdings nicht vor Anmut vor der Kunst der Kicker auf dem Platz. Da ging es 90 Minuten lang rauf und runter, wie man es in jeder Hobbyliga noch nicht planloser gesehen hat. Ständige Einzelaktionen und technische Schwächen führten dazu, dass der Ball beinahe wie auf dem Schulhof alle paar Sekunden seinen Besitzer wechselte. Was dann erstaunlicherweise doch wiederum zu regelmäßigen, aber ebenso wenig planvollen Torabschlüssen führte.

Einerseits jubilierte das Fußballherz: Es fehlte nur noch ein wenig Regen, der für Matsch auf dem Rasen im Providence Park sorgen würde, und man hätte eine jener Partien, wie man sie selber etliche Male auf den nur notdürftig als Sportplätze verkleideten Sümpfen des Niederrheins geschlagen hatte. Wunderbares Hin- und Her-Gerenne, jeder darf mal an den Ball, mit dem er dann ein bisschen vor sich hinspielt oder kopflos in Zweikämpfe stürmt, bis ihm der Ball wieder abgenommen wird, woraufhin der Gegner sich in ähnlichem Gestochere versucht. Die Pässe kommen über 10 Meter nicht an und falls doch, springen sie dem Empfänger so hoch vom Fuß, dass man den Ball mit bloßem Auge vom Ruhrgebiet aus über dem Himmel von Portland schweben sehen kann. Kurzum: ein echtes Fußballfest urtümlicher Brauart.

Andererseits bleib einem fast das Herz stehen angesichts der dargebotenen Spielweise. Wie konnte das eine der besten Mannschaften des Profifußballs in den USA sein – und nicht eine Stadtauswahl, die gegen ihre Nachbarstadt antritt, etwa auf Landesliga-Niveau oder gar nur aus Spaß, ein alter Brauch, ein solches Duell auszutragen? Konnte diese ständige Enge und der geringe Raum daran liegen, dass das Spielfeld ungewöhnlich klein wirkte? (Das war erst später aufzuklären: ja, der Providence Park besitzt nur ein Spielfeld von 101×64m.) Selbst dann hätte man bei einer Partie zweier Teams auf dem höchsten Niveau eines Landes mit über 300 Millionen Einwohnern etwas anderes erwartet, als das im vorigen Absatz Beschriebene. Um nicht das berüchtigte Bild vom Unfall zu zitieren, bei dem man nicht wegsehen kann: Es war mehr als nur ein wenig Grusel dabei, dass die armen, treuen 20.000 Fans in Portland keine Wahl hatten als diesen Fußball anzusehen – er ist ja schon das Beste, was die USA zu bieten haben.

Zunächst war man noch von einer dieser typisch stürmischen Anfangsphasen ausgegangen, in der ein Team das andere überrumpeln oder auch -rollen will, bis sich die Partie auf normalen fußballerischen Level einpegelt. Doch die ersten 10 Minuten mit vier bis fünf Torabschlüssen waren keine Ausnahme, sondern die Regel. Es ging 90 Minuten lang hin und her – ohne jegliche Form von Tempodrosselung oder auch nur einer erahnten Kontrolle über das Spiel von einem der beiden Teams. So wie alle im Hobbyfußball eben immer dem Ball hinterherhecheln, bis es wieder in die andere Richtung geht. Bis der nächste Stockfehler oder Fehlpass folgt, woraufhin es wieder in die andere Richtung geht. Bis der nächste Stockfehler oder Fehlpass folgt, woraufhin es wieder in die andere Richtung geht ad lib.

Was für ein shock, ladies and gentlemen!

Wenn das der höchstklassige Fußball in den USA ist, grenzt es an ein Wunder, dass die USA jemals die Vorrunde bei einer WM überstanden haben, wenn man es arg mit ihnen meint, könnte man behaupten, sie würden sich mit diesem Niveau in Europa überhaupt niemals qualifizieren. Verständlich, dass sich Jürgen Klinsmann ständig nach in Europa sozialisierten, aber für die USA spielberechtigten Kickern umsieht. Mit diesen Kraut und Rüben, Verzeihung, mit diesen Timbers und Rapids wäre jedenfalls kein Weltpokal zu gewinnen.

Nun gibt es auch in der Bundesliga, in jeder Liga der Welt immer wieder grauenhafte Spiele. Diese sind es aber oft, weil die Teams sich neutralisieren und nichts passiert, keine Torchancen entstehen (wobei solche Partien natürlich auch besonders sehenswert sein können). Ihr grundsätzliches technisches Vermögen können aber die wenigsten Spieler über 90 Minuten verbergen. Und so wird dann auch bei schlechten Partien sichtbar, auf welchem technischen Niveau sich diese Teams bewegen. Jenes in dieser Partie zwischen den Portland Timbers und den Colorado Rapids ließ irgendeine Form von Niveau nur in äußerst geringen Dosen erahnen, sagt jemand, dessen Auge vom an sich schon schlimmen Fußball in Deutschlands 3. Liga geschult ist.

Mag auch einiges zur Entlastung vorzubringen zu sein – der Platz war eben deutlich spürbar kleiner als die Standardmaße und es ging wohl laut Marco Hagemann um ziemlich viel, also ein eventuelles Nichterreichen der Playoffs zu verhindern, eine lange Saison, müde Spieler – das war kein Niveau, mit dem man in der 2. deutschen Liga längerfristig würde mitspielen können.

Umso mehr überraschte es, dass erwähnter Marco Hagemann unablässig damit beschäftigt war, all seine Karteikarten herunterzuleiern. Und zwar ohne Pause. Auf dem Platz ging in den ersten 10 Minuten – und wie erwähnt allen weiteren – ein Feuerwerk an Torraumszenen ab. Und nach diesen ersten 10 Minuten hatte Hagemann kaum einmal Bezug zum wahnwitzig anmutenden Geschehen auf dem Rasen genommen, sondern erläuterte, welcher Spieler wo vor 3 Wochen 2 Tore erzielt hatte und was nicht alles zum ersten oder letzten Mal (Rekord! Rekord!) in der MLS geschehen sei, 3 Tore an einem Freitag bei Flutlicht von einem aus Idaho stammenden Spieler etc. Allerdings dämmerte später, dass Hagemann wohl schon einige Partien mehr aus der MLS verfolgt hatte und dieses Trommelfeuer aus Stockfehlern und Torchancen gewohnt war. Er wusste wohl: Es lohnt sich nicht, bei Ballverlust Dramatik in die Stimme zu legen – der nächste Ballverlust ist sowieso immer nur ein paar Sekunden entfernt.

Am Ende gewannen die Hausherren, die wohl über die europäischen Fanszenen ähnlichste Anhängerschaft in der MLS verfügen (“Timber Army”) durch einen Strafstoß mit 1:0. Die Fans und Spieler jubelten nach Abpfiff, einem selbst war aber immer noch ein wenig schwindelig von dieser Art Fußball, die man seit der Schulzeit so nicht mehr erlebt hatte. So ähnlich muss auch Kick and Rush in früheren Jahren in England abgelaufen sein, auch wenn es in Portland nicht allzu viele lange Bälle gab. Man fürchtete fast, weil die Spieler nicht in der Lage wären, überhaupt Pässe über 50 Meter zu schlagen.

Wie dem auch sei, wer urwüchsigen Fußball in Profi-Atmosphäre sehen will, dem seien die Übertragungen der MLS ans Herz gelegt. Hier wird man darauf jedenfalls ein Auge haben, wenn es einem wieder nach Hin und Her und planlosem Gekicke auf dem Großfeld dürstet. Und der Liebling in der MLS dürfte jetzt auch feststehen. Die Portland Timbers mit ihrem so anachronistischen Fußball erzwingenden viel zu engen Spielfeld im Stadion. Herrgo … äh Herrlich!

6 Kommentare

Das mehr oder weniger ultimative BVB-Gewinnspiel

Ja, es ist mal wieder so weit. Jemand möchte Produkte an den Mann und auch an die Frau bringen. In diesem Fall geht es um eine Doku zum BVB, die am 21. Oktober erscheinen wird. Auf nicht weniger als 6 (!) DVDs werden alle Highlights (ob auch Lowlights, weiß ich nicht) der Geschichte des BVB dargestellt, von Adi Preißler bis Max Michallek, von Günter „Kutte“ Kutowski bis Frank Mill, vom Berliner Olympiastadion („ein jeder kennt ihn“) bis zu Wembley und nicht zuletzt von Teddy de Beer bis zu Harald Schumacher. Beginnend allerdings ab 1949, Franz Jacobi kommt also nicht drin vor.

Diese 6 DVDs nennen sich ganz unbescheiden „Das Beste von Borussia Dortmund“ und was noch besser als das Beste ist, ist, dass man hier 2 Exemplare dieser Neuerscheinung gewinnen kann.

Das Spielchen läuft bis kommenden Freitag, 21.10.2016, 12h mittags, High Noon, und die Aufgabe ist so schlicht wie spannend.

Welches war Dein erstes Spiel, das Du vom BVB gesehen hast, und wie waren die Begleitumstände, sowohl die äußeren als auch die inneren?

Anforderungen an den Text gibt es ansonsten keine, außer, dass es schon mehr als drei Sätze sein sollten. Am Ende entscheidet das Los, teilnehmen kann man nur einmal pro Person. Und übrigens kann man auch teilnehmen, wenn man kein Fan des BVB ist, auch dann gilt dieselbe Aufgabenstellung.

Und so sieht der Preis aus, live und in Farbe:

Das Beste von Borussia Dortmund

Zur Verfügung gestellt von Lighthouse Home Entertainment.

Viel Spaß und ich bin gespannt, wie und wann das war, als Ihr Fan wurdet (oder auch nicht). Dann schreibt mal schön.

Achso, Ihr solltet natürlich eine gültige Email-Adresse angeben, damit man Euch im Gewinnfalle auch erreichen kann. Klar, ne?

18 Kommentare

Save the date — Fußballgolfen am 23.10. in NRW #tkfugo

Nein, das ist nicht inspiriert vom kürzlich ausgetragenen Ryder Cup und auch nicht davon, dass man im Alter nicht mehr so schnell läuft. Fußballgolfen steht hier schon länger auf der — wie sagen die jungen Leute? — „Bucketlist“. Und da das hier gerade wieder in den Sinn kam und die Saison des Fußballgolfens draußen bald endet, wird noch schnell ein #tkfugo eingestreut.

Die angedachte 18-Loch-Anlage fürs Fußballgolfen aller interessierten Twitteranten und Twittertanten befindet sich in Berrendorf westlich von Köln. Der angepeilte Termin wäre Sonntag, der 23. Oktober ab 15h (sofern noch buchbar). Da am Wochenende stets eine Anmeldung nötig ist, sollte eine jede und ein jeder hier einfach unkompliziert in den Kommentaren mitteilen, ob man gedenkt teilzunehmen. Preis pro Kopf wären 10 Euro, wobei es da auch noch Ermäßigungen gibt, je nach Teilnehmerzahl. Allerdings sollte wohl schnellstmöglich reserviert werden, damit es an jenem Sonntag noch klappt, die hiesige Twitter-Bagage mal zum Fußballgolfen zu bewegen.

Organisation, heißt, Reservierung, wird hier übernommen, den Rest in Bezug auf Anfahrt etc. erzählt hoffentlich die Webseite der Anlage: Fußballgolf-Berrendorf. Dort kann man sich auch schon jedes einzelne der 18 Löcher ansehen.

Na, wer will den einen oder anderen Putt oder in unseren Fällen dann wohl eher Bunkerschlag wagen?

(Ob man hinterher noch irgendwo in Köln einkehrt, möge die Kölner Fraktion klarmachen.)

Danke im Voraus für Eure raschen Antworten.

8 Kommentare