About „überflüssig“ aka „unnötig“

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Ich weiß, in letzter Zeit reden wir hier zu viel, zu häufig über den Sprachsalat, der eigentlich ohnehin keinen interessiert. Sprachsalat ist kein Fußball und Fußball ist Fußball in its Reinkultur. Was gibt es Schöneres als Fußball zu spielen? Fußball ist ein toller Sport, der tollste Sport, den es überhaupt gibt, gerade wegen seiner Anti-Favoriten-Durchlässigkeit, wegen der Möglichkeit, dass auch der letzte Legastheniker Nationalspieler werden kann, wenn er nur genug rennt, schwitzt, weint oder kämpft. Springt.

Dennoch müssen wir uns heute mal wieder nicht mit dem Spiel als solchen beschäftigen, sondern mit dem Sprachsalat, der um ihn herum fabriziert wird, und heute insbesondere mit der Gurke, die in diesem Salat häufig auftritt: das „überflüssig“.

Das Wort ist so sehr wie es selbst. So sehr, dass man es kaum erwähnen dürfte.

Ein überflüssiges Gegentor. Ein überflüssiger Handelfmeter, ein überflüssiger Freistoß, eine überflüssige Gelbe Karte, eine überflüssige Niederlage, eine überflüssige Rote, eine überflüssige …

Herrgotnochemalsakra.

Welche von all diesen Aktionen ist nicht überflüssig? Ich kann es nicht mehr hören. Jedes Gegentor ist überflüssig, jede Niederlage ist überflüssig, jeder Freistoß ist überflüssig, jede Aktion, die irgendetwas Negatives für das eigene Team heraufbeschwört, ist überflüssig. Warum in aller Herrgotts Namen muss man dann dieses überflüssige (argh!) Adjektiv noch hinzufügen?! (Und doppelte Satzzeichen gehören eigentlich ohnehin verboten, man sollte also meinen überflüssigen (argh) Ärger allzu deutlich erkennen können.)

Ein überflüssiges Gegentor. Ein überflüssiger Fehler. Ein überflüssiges Wort. Bitte, verschont mich von jetzt an davon. Ein völlig überflüssiges, unnötiges Gegentor. Ja, Kruzitürken, welches Gegentor ist denn nicht überflüssig oder unnötig?

13 Kommentare

  1. du schaust nur auf das ergebnis, mit überflüssig meinen die aber den prozess des zustandekommens. ist schon ein unterschied, finde ich. es gibt niederlagen, „da konnte man nichts machen“ und dann gibts niederlagen, da hat man den sieg verschenkt – überflüssigerweise… also aus der innensicht erlebe ich das auch schon mal so

  2. Die Frage ist ja, was überfließt und wohin und wer das so sieht. Dem Trainer, so sehe ich es, fließt die Geduld über das ertragbare Maß.
    Wohin Tore, Karten und Fouls allerdings überfließen sollen, da sie doch so starre Gebilde und wirklich nichts flüssiges haben, das erschließt sich mir nun wirklich nicht. Abschaffen!

  3. Ausgerechnet überflüssig.

  4. Manfred, den Kopf auf den Nagel getroffen!
    Die beiden Wörter sollten mit einer 5 Euro Strafe (meinetwegen für das Phrasenschwein) heute bei der Übertragung Bayern – Franken belegt werden.

    Wer zählt freiwillig?

  5. T. Strunz kennt aber zwischen „überflüssig“ und „unnötig“ noch einen Unterschied. Glaube Sonntag wars, sinngemäß etwa so: Die Diskussion über X (Tor, Torwart, Buddahs, Dreierkette) war unnötig aber nicht überflüssig…Aha!
    Stimmt getoppt wird „überflüssig“ nur von „ausgerechnet“…

  6. Der Trainer labert und schreibt in seinem Wahn regelmäßig irgendwelche feinsinnigen Beiträge hinzurotzen wiedermal Mist. Wie bereits der erste Kommentator, Laudator, Wurstator, Vorredner – wie auch immer – bereits anmerkte, gibt es Situationen (hier: im Sport) die in Folge von „Nicht-TUN“ entstehen. Dem entgegen stehen Situation in Folge von „Nicht-KÖNNEN“. „Nicht-KÖNNEN“ beschreibt dabei Situationen, in denen ein Spieler nicht die Fähigkeiten bzw. Möglichkeiten hat, eine Situation zu meistern (bspw. schneller sprinten als das persönliche physikalisch/anatomische Maximum) und „Nicht-TUN“ beschreibt Situationen, in denen ein Spieler es aus „irgendwelchen“ Gründen nicht tut, obwohl er es könnte (bspw. ein Schritt zum Gegenspieler machen). Letzters wiegt sehr viel schwerer an Schuld, weil eben jene Situation unter Aufwand viel geringerer Mittel verhindert hätte werden können. In solchen Situationen von überflüssig zu sprechen finde ich vollkommen ok bzw. zumindest nicht derart schlimm, dass Baade ein solches Fass aufmacht. Dieser Beitrag ist überflüssig.

  7. keine überflüssige gelbe karte: ballack, wm-halbfinale 2002.
    kein überflüssiges tor: jenes, welche eine niederlage in ein desaster wandelt und den ungeliebten trainer den job kostet.

  8. Überflüssiger als überflüssig ist ausgerechnet nur noch das Phrasenschwein;-). Und die gelbe Karte für Ballack war sowas von ü (aus Ballacks und noch einiger anderer Sicht), wie zB auch das 0:6 gegen Jena aus der Henning Bürgers. Um das mal eben aufzudröseln: die Karte gegen Ballack mag ja gerechtfertigt gewesen sein, aber ü war sie dennoch. Und der feinsinnige, ja: doppelbödige Humor am Ende von rics Beitrag hat was.

  9. Wo bleibt bloß der Beitrag von Christoph Rohde? Der könnte doch hier das erste mal was zum Thema schreiben

  10. na, das hättest Du nicht gedacht, das ausgerechnet der weiß, wann er überflüssig ist, du anon ;-)

  11. Redundante Elemente = Teile einer für eine Wirkung hinreichenden Faktorenkonjugation, wenn nach deren intentionaler Separierung die übrigen Konjugationsglieder immer noch für die gleiche Wirkung hinreichend sind. D. h., hätte Subotic die Flanke nicht verpasst, hätte Kovac noch immer dasselbe 0-4 provoziert.

  12. Daa ist eeeeer! Und ausgerechnet der ana nennt mich anon ;-)

  13. Ich wollte Euch doch nur zufrieden stellen. Außerdem verknuse ich das Pokalaus in der DDR besser, wenn ich ärgerliche Diskurse mit noch ärgerlicheren Statements durchsetze…



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