Alle abschaffen

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Letztens wollte der Sepper Blatt noch die Tore größer machen im Fußball. Wäre natürlich ein bißchen teuer geworden, alle Fußballtore der Welt zu erneuern. Die Fußballtorproduzentenbranche hätte sich zwar gefreut, die Freistoßexperten ebenfalls, die Torhüter weniger. Die Zuschauer, vor allem jene, die das Spiel nicht verstehen, hätten sich auch sehr gefreut. Es würden tatsächlich mehr Tore fallen. Wie ich las, die Quelle aber nicht mehr findend, sind seit der Festlegung der Regeln Ende des vorletzten Jahrhunderts die Menschen im Schnitt zehn Zentimeter größer geworden.

Da ist es natürlich schwieriger, Tore zu erzielen, wenn man nicht mehr gegen einen Torhüter mexikanischer Prägung treffen muss, sondern plötzlich Leute vor sich hat wie Stefan Brasas oder Edwin van der Sar, die die Zwei-Meter-Grenze locker überschreiten. Nichtsdestotrotz fallen noch Tore (außer in Frankreich) und es gibt sogar noch Kantersiege. Die Größe des Tores ist tatsächlich nur bei Situationen wie Freistößen oder Eins-zu-Eins-Situationen von herausragender Relevanz. Bei einem herausgespielten Tor, wie man sie zugegebenermaßen in der Bundesliga selten erlebt, spielt die Größe des Tores eine untergeordnete Rolle. Ist der finale Schütze erst ausreichend freigespielt, ist gar der Torwart mittels dieser Kombination ausgeschaltet, ist es fast völlig irrelevant, wie groß das Tor ist — so lange man nicht Frank Mill heißt.

Deshalb, weil der Kern des Fußballspiels das Spielen ist, dürfen wir dankbar sein, dass dieser Vorschlag nicht umgesetzt wurde. Für ein paar Distanzschusstore mehr sollten wir nicht die Fußballtore auf dem ganzen Planeten (sofern die Erde noch einer ist, ich bin da nicht auf dem neuesten Stand) austauschen. Das so gesparte Geld könnten wir zum Beispiel zur Bezahlung eines zweiten Schiedsrichters verwenden, der dann in der anderen Hälfte steht und das Spiel überwacht und zudem zwei Augen mehr hat als nur ein Schiedsrichter. Wie auch immer, die Idee mit den größeren Toren war eine gute Maßnahme des Blatters Sepp, um mal wieder durch die Gazetten zu geistern. Allerdings war sie auch das, was man gemeinhin als „Schnapsidee“ bezeichnet. Nicht nur ist sie undurchführbar, sie würde auch dem Spiel außer jenen genannten Weitschusstoren keine neuen Impulse geben.

Weil er aber damit nicht gut leben kann, wenn seine Vorschläge nicht umgesetzt werden, hat der Sepper Blatt sich etwas Neues ausgedacht. Das Elfmeterschießen soll abgeschafft werden. Grundsätzlich vielleicht keine schlechte Idee. Wir fiebern zwar alle mit, in Spielen mit Mannschaften, an denen uns nichts liegt, freuen wir uns sogar aufs Elfmeterschießen. Tief drinnen wissen wir aber, dass das Elfmeterschießen eine ziemlich seltsame, dem eigentlichen Spiel unverwandte Art ist, ein Spiel zu entscheiden. Insofern kann man da durchaus drüber nachdenken. Zumal die beiden WM-Finale, die durch Elfmeterschießen entschieden wurden, die wohl schlechtesten seit dem Krieg waren.

Nun gehen die Alternativvorschläge allerdings so weit, dass man sukzessive die Zahl der auf dem Feld befindlichen Spieler reduziert, bis eine Entscheidung in Form eines Torerfolgs getroffen ist. Das ist blanker Unsinn. Jeder, der schon mal selbst auf einem Fußballfeld stand, wird wissen, dass sich mit abnehmender Spielerzahl das Spiel zu einem Non-Spiel in Form von Kick and Rush entwickelt. Wo nur noch 8 Feldspieler ein Feld beackern müssen, das auf zehn Spieler ausgelegt ist, verschwindet das Mittelfeld. Je nach Konstitution der Spieler verschwindet vielleicht auch der Sturm. Es wird aber nicht wahrscheinlicher, ein Tor zu erzielen, es wird eher unwahrscheinlicher, dass sich eine Mannschaft noch aus ihrer Konserve wagt. Die Zuschauer werden gequält mit einer Form des Spiels, die mit eigentlichem Fußball mit elf Spielern nichts mehr zu tun hat. Wenn man eine Ablösung des Elfmeterschießens forciert, sollte man auch mit praktikablen Vorschlägen aufwarten können.

Ein neues Kapitel also aus dem Buche „Wie der Sepper Blatt in die Medien gelangt“. Irgendwann nur noch sechs Feldspieler auf dem Feld: hanebüchen.

Ein Kommentar

  1. Bevor man alle diese Dinge abschafft, sollte man erst noch etwas anderes abschaffen: Sepp Blatter!!!



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