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Alles, wozu die Fußball liebende FIFA jemanden zwingt

Korruption im Weltsport ist eine sehr deutsche Angelegenheit

… eine sehr deutsche Angelegenheit — und, wer hätte das gedacht, der Franz, jüngst erst Gazprom-Botschafter geworden, spielt dort auch eine ganz andere Rolle als die des unwissenden Märchenonkels. Schon in den 1970ern war er bei Konstrukten jenes Mannes involviert, der die Korruption in der FIFA und im Weltsport aus der Taufe gehoben hat. Um das zu erfahren, müsste man etwas tiefer in die aktuellen Beiträge von Jens Weinreich einsteigen, weshalb der gleich folgende Link nur den Einstieg in die jüngsten Werke von Jens Weinreich ermöglichen soll. Tiefer zu graben wäre wie gesagt angezeigt. Außerdem kann man Jens Weinreich in seiner Arbeit auch finanziell unterstützen, wie und wo das möglich ist, ist auf seinem Blog oben rechts erläutert.

Korruption im Weltsport ist eine sehr deutsche Angelegenheit.

It’s the end of the world (as we know it)

Wenn man sich einmal drauf verlässt, geht’s natürlich schief. Nicht die Tatsache, dass die Autoren der Titelzeile sich jüngst getrennt haben, ist hier gemeint. Der Haken auf der Lebensleistungsliste beim Punkt „R.E.M. live sehen“ ist ohnehin schon seit jenem Sommer 1995 am Dürener Badesee gesetzt (zusammen mit den „Cranberries“, örx), sondern die Geldmachwut der der FIFA angehörenden UEFA. Um nichts Anderes kann es doch bei der Änderung der Modi der Europameisterschaft gehen als um noch mehr Geld und noch mehr Aufmerksamkeit und darauf folgend wiederum Geld.



Nun ist Geld zu verdienen und Aufmerksamkeit für die Sportart des Verbands zu erzeugen ja nichts per se Schlechtes, zumindest Letzteres ist der eigentliche Zweck einer solchen Einrichtung. Doch wie man dabei immer mehr den Ausverkauf des Länderfußballs in Richtung Vereinsfußball mitmacht, ist am Ende des Tages dann ein schönes Eigentor.

Ja, ich bin persönlich beleidigt und entsetzt. Gräme mich und denke darüber nach, den Fußball als Passiver an den Nagel zu hängen, wenn die Szenarien, die allesaussersport skizziert, eintreten sollten.

Ich hatte vor Kurzem noch irgendwo aufgeschnappt, dass die UEFA den Umfang der Qualifikationsgruppen für die zukünftigen Europameisterschaften, bei der die Teilnehmerzahl von 16 auf 24 (von 53) erhöht worden ist, nicht verändern würde. Einzig, dass nun eben die ersten beiden Teams einer 6er- oder 5er-Gruppe automatisch qualifiziert sein würden und statt wie früher die Zweitplatzierten jetzt die Drittplatzierten untereinander Playoffs austragen würden, um auf die 23 oder 22 benötigten Qualifikanten zu kommen.

Während es durchaus Gründe gibt, zu begrüßen, dass endlich einmal Finnland, endlich wieder Wales und endlich einmal ein richtiger Kleiner an einem großen Turnier teilnehmen können, ist die Möglichkeit, dass einer der Großen wie England, Frankreich, Italien oder vielleicht Kroatien in der Qualifikation scheitert, damit fast bei Null, was den Trend (Wiedereinführung der Relegation, Setzen bei Playoffs) zur Ausschaltung dessen, was den Fußball abgrenzenderweise so spannend macht, des Zufalls nämlich, weiter verstärkt. Und ein Zuschauen unattraktiver macht, sofern man nicht der Auffassung ist, allein ein Finale FC Barcelona gegen Manchester United respektive Deutschland gegen Spanien sei sehenswert und genügte den eigenen Ansprüchen daran, mittels Identifikation mit künstlich aufgebauten Stars die eigene, nicht existente Großartigkeit auszuleben. Auch wenn Europameisterschaften anders als Champions Ligen nicht jährlich stattfinden und somit die Gefahr des Sättigungseffekts nicht allzu groß ist: Eine Veranstaltung mit immer weniger sportlichen Überraschungen wird, nein ist auch immer weniger sportlich interessant.

Nun liest man bei allesaussersport die aktuellen Pläne, welche hoffentlich nicht so heiß gegessen werden, wie sie die Ohren beim Lesen machen:

Der vorgeschlagene Modus sieht in einer knapp ein Jahr dauernden Gruppenphase 13 Vierer-Gruppen vor. Die 13 Gruppensieger plus Gastgeber (= 14) qualifizieren sich. Die 10 anderen Qualifikanten werden in zwei Playoff-Runden aus den verbliebenen 39 Teams ausgesiebt.

Die qualifizierten Gruppensieger sollen als Beschäftigungstherapie ein Turnier mit 16 Mannschaften ausspielen (13 plus Gastgeber plus zwei Wild Cards). Um was dabei gespielt wird, abgesehen von der Goldenen Ananas, ist nicht klar.

Das ist in so vielerlei Hinsicht zum Mageninhalte Ausstoßen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Wo man aufhören soll, hingegen schon. Ist das jetzt eine Alterserscheinung von mir, da das Blog ins 6. Jahr geht und ich einfach gerne jeden Tag mein Wiener Schnitzel haben, „keine Experimente!“ mehr sehen möchte und ohnehin jeder Veränderung ablehnend begegne? Oder habe ich meinen gesunden Fußballmenschenverstand noch behalten und sehe darin eine vollkommen den Sitten des europäischen Fußballs ferne Abwandlung („ein Mini-Turnier mit Wild Cards!!einhundertelf!!millemillionsdemillesabords!!!“), die durch nichts außer die zu erzielende Kohle zu rechtfertigen ist und dabei den Geist des Fußballs zerstört?

Anders gefragt: Wenn solche Sperenzken die Regel werden, habe ich keine Lust mehr auf das „Premium Produkt“. Gleichzeitig lese ich gerade verstärkt Bücher über die Historie bestimmter Fußballklubs. Und in beinahe jedem Gespräch mit ehemaligen Größen eines Vereins äußern sich diese dergestalt, dass der heutige Fußballstil nicht mehr ihre Sache sei, sie mögen es einfach nicht mehr so wie früher, als man mehr A, B und vor allem C hatte und erlebte, welches ja durch kein Geld der Welt aufzuwiegen sei. Dabei spielt es allerdings keine Rolle, in welcher konkreten Ära der Ehemalige gespielt hat. Jeder findet nur den Fußball aus Zeiten seiner eigenen, frühen Adoleszenz gut. Alles, was danach kommt, ist aus der Sicht der Ehemaligen Murks und nicht mehr des Ansehens wert.

Ich weiß also gerade nicht, wo mir der Kopf steht: Werde ich einfach nur einer dieser nörgelnden alten Menschen, die mit Veränderungen nicht mehr klarkommen? Oder ist dieser angedachte Qualifikationsmodus, der hoffentlich nur ein Alptraum bleibt, aber niemals Realität wird, nicht doch tatsächlich totaler Mist, Scheißdreck und Käse?

Mich von R.E.M. zu lösen, ist mir schließlich auch kinderleicht gelungen, nachdem sie ganz wie die ewig gleichen Paarungen in der Champions League ebenfalls immer wieder die selben Songs, nur in anderen Tonarten geschrieben haben. R.E.M. haben sich folgerichtig aufgelöst. Es ist zur Stunde nicht bekannt, für wann die UEFA dies für sich und ihre Europameisterschaft plant. Wenn man sich die verlautbarten zukünftigen Qualifikationsrunden und Turniermodi anschaut, darf man allerdings annehmen: Sehr bald.

Weiße Elefanten am russischen Horizont

Ganz groß zwischen Kimme und Korn ist ja zur Zeit Katar, wo man 6 Stadien in eine einzige Stadt bauen möchte, in welcher schon zu Länderspielen zwischen der am meisten gehypten Nationalmannschaft des bekannten Teil des Universums, Brasilien, und dessen Testspielgegnern gerade mal schlappe 6.000 Zuschauer erscheinen.

Der große Vorteil Russlands ist wohl, dass im Schatten dieser skandalösen WM-Ausrichter-Auswahl die Entscheidung für Russland beinahe fußballaffin wirkt. Erste Europapokalgewinner aus diesem Land, die nicht Dynamo Kiew heißen, gibt es bereits seit einigen Jahren und der russische Fußball macht den Eindruck, als wachse die Begeisterung und erlange er wie auch in Mitteleuropa immer besseren Zugang zur Mitte der Gesellschaft (nicht dass das per se wünschenswert wäre).

Dass der Hooliganismus in den Regionen, die jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs liegen, genau jene 20 Jahre nachholen möchte, die er unter der Knute stand und sich nicht rühren konnte und deshalb noch in einer (was man so liest) viel dramatischeren Form vorliegt, als er hier je existierte, ändert nichts daran, dass man dort über das Geld verfügt, Stadien zu bauen so schön wie russische Prinzessinnen.

Weshalb man das auch unbedingt tun möchte, ganz gleich, wie sinnlos verprasst diese Gelder sind, die für — man muss sich das immer wieder vergegenwärtigen — eine effektive Nutzungsdauer von 360 Minuten gebaut werden. Also ungefähr 1 Million Euro Baukosten pro Minute Nutzungszeit. Zählt man An- und Abfahrt und derlei Brimborium am Spieltag hinzu, sind es immer noch nur 4 ganze Tage.

4 mickrige, einzelne Gelegenheiten.

Da ist die Frage nach den Schulen, Kindergärten, Teddybären und Schulbüchern doch viel weniger polemisch als sie beim ersten Gong noch klang.

Weil man es (sich leisten) kann, baut man nun also laut dieser Aufstellung bei SPON zur WM 2018 in Russland nicht weniger als 13 der als Ausrichtungsort vorgesehenen 16 Stadien neu. Von welchen 9 wiederum an Orten entstehen sollen, an denen man zur Zeit nur über Zweitligaklubs verfügt. Zwar sind es bis 2018 noch Glückszahl Jahre hin, da kann natürlich der eine oder andere Klub, insbesondere wenn man das möchte, auch noch aufsteigen — nur darauf bauen kann man nicht.

Was aber wäre so schlimm daran, einigen Zweitligisten ein schickes Stadion zu bauen? Immerhin würden diese dann anders als in Korea oder Südafrika überhaupt genutzt. — Ganz einfach: Es mag für die Zweite Bundesliga sinnvoll sein, über solche Riesen zu verfügen. Die Zweite Bundesliga, in der man in Frankfurt in einem WM-Stadion spielt, in Berlin bis vor wenigen Monaten dasselbe tat, und die Ränge trotzdem entsprechend ihres Umfangs gefüllt werden.

Die russische 2. Liga hingegen besuchen im Schnitt 5.243 Zuschauer pro Partie, wobei der bestbesuchte Verein knapp über 14.000 Zuschauern erreicht. Die zwei letzten der Zuschauertabelle schaffen es nicht mal auf durchschnittlich 2.000 Besucher.

Offensichtlich benötigen nicht gerade diese russischen Zweitliga-Städte 9 Stadien mit einer Kapazität von über 40.000 Zuschauern, aber die Frage der Nachnutzung zählt bei diesen Projekten nun mal nicht. Und wenn, dann nur auf dem Papier in einer schöngerechneten (der Gedanke als Sohn des Wunsches) Version im Vorhinein.

Im Einzelnen sind dies folgende für die WM 2018 als Ausrichtungsort eingeplanten Städte Russlands:

  • Kaliningrad mit dem FC Balitka Kaliningrad
  • Jaroslawl mit dem FC Schinnik
  • Nischni Nowgorod mit dem FC Wolga und dem FC Nischni
  • Saransk mit dem FC Mordowia
  • Samara mit dem FC Krylja Sowetow Samara
  • Jekaterinburg mit dem FC Ural Swerdlowsk
  • Wolgograd mit dem SC Rotor Wolgograd, der zur Zeit wegen Finanzproblemen nirgendwo spielt
  • Krasnodar mit dem FC Kuban und dem FC Krasnodar
  • Sotschi mit zur Zeit keinem Verein von Belang

Das alles ist ein eher kleiner Skandal im Skandal-Feuerwerk der wohl korrupten Vergabe beider kommender Weltmeisterschaften, deshalb aber nicht weniger erwähnenswert.

Ähnlich lief es zwar bereits 2002 ab. Damals allerdings aus einer ganz anders aufgestellten Volkswirtschaft heraus. Was man als ordentlicher Blogger jetzt nachprüfen müsste. Wenn man es hier einfach behauptet, hat wenigstens jemand Grund, zu widersprechen.

Dem ansonsten völlig unsinnigen Bau von 9 Stadien mit einer Kapazität von über 40.000 Zuschauern für eine Liga mit einem Zuschauerschnitt von 5.000, in einem Land, das trotz aller wirtschaftlichen Fortschritte beim Pro-Kopf-Einkommen auf Platz 71 der Welt liegt (und bei der Jugendarbeitslosigkeit auf Platz 174), kann ja wohl keiner bei Trost widersprechen.

For the swank, for the pomp.

Fußball gehört allen

Oliver Fritsch hat seinen Kampf aufgeschrieben. Dessen Ende ist bekannt, der Weg vielleicht nicht so.

Dann kam ich der Bitte des Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbands nach, ihn anzurufen. Er teilte mir dasselbe mit. Er deutete an, mir meine Trainerlizenz zu entziehen, falls wir weitermachen.

„Die Herrn Fritsch bereits vor langer Zeit angebotene ehrenamtliche Mitarbeit bei der Erstellung der Internet-Auftritte der Verbände lehnt er ab, wenig überraschend, denn ihm geht es ums Geld!“ Das schrieb der DFB damals über mich, es ist nur ein Beispiel. Es stimmt nicht mal, mir hatte niemand etwas angeboten.

Wir haben ein Stück Freiheit fürs Internet erkämpft. Hartplatzhelden ist eine Orchidee. Fußball gehört allen.

Bei brandeins weiterlesen.

Dass sich die Bonzen biegen

[Lange, psychologisch fundierte Herleitung], und deshalb sind zwei Dinge klar: Blatter ist nur dort oben und so lange schon dort oben, weil er derart geschickt und ohne größere Gewissensbisse lügen kann. Es ist ihm im Laufe der Zeit in Fleisch und Blut übergegangen, es ist Teil des Spiels, er spielt gut, wenigstens spielte er mal gut und noch immer fehlt ihm dabei das Unrechtsbewusstsein.

Zweitens: Wer ihn beerben wird, wird nur mit geringer Wahrscheinlichkeit schlechter in dieser Disziplin sein, sonst hätte er nicht all die Kandidaten ausgestochen, die ebenso gerne an der Spitze stünden. Und wenn dieser Nachfolger doch kein guter Lügner sein sollte, dann ist die Gefahr groß, dass er im Laufe seiner Amtszeit zu einem solchen wird oder aber seine Amtszeit nicht besonders lange dauern wird.

Schlechte Zeiten für Lügner, Heuchler und Betrüger sind allerdings noch lange nicht angebrochen. Denn die besten und tätigsten unter ihnen lassen sich schlecht verhören. Es sind – die Chefs.

„Geschäftsführer, Portfolio-Manager, Politiker, Top-Athleten scheinen physiologisch besser aufs Lügen vorbereitet zu sein“, sagt Dana Carney, Sozialpsychologin an der Columbia University, die 2009 eine Studie dazu veröffentlicht hat, „was dazu führen könnte, dass sie öfter lügen.“

Das tun sie in der Tat, wie ein europäischer Forscherverbund um Aldert Vrij in der Übersichtsstudie „Gute Lügner“ feststellt: „Für Menschen, die weit oben in der machiavellistischen Rangordnung stehen, ist Lügen ein normaler und akzeptabler Weg, ihre Ziele zu erreichen.“

Es gebe „keinen Zweifel“, sagt Dana Carney, „der Typ an der Stirnseite des Tisches, der Ihre Konferenz leitet, sich zurücklehnt, Arme hinterm Kopf, wird Risiken eingehen. Er wird sich nicht schlecht fühlen, wenn er Sie belügt …“

(Im Übrigen auch sonst recht lesenswert, der SPON-Beitrag, der hier beginnt, hat aber nichts mit Sport zu tun. Wobei die Hinleitung zu Blatter und diesem Beitrag von Jens Weinreich heute natürlich sehr, sehr viel mit Sport zu tun hat. Zumindest mit dem Sport, so zu lügen, dass andere es nicht merken. Ist schließlich auch eine Form von Wettkampf, wenn nicht sogar die Mutter aller Wettkämpfe.)

Warum eine WM in Afrika nur in Südafrika stattfinden konnte

Hatten wir damals das hier als Grund angegeben, wissen wir jetzt: Südafrika ist (laut einigen Quellen) der einzige afrikanische Staat, der überhaupt Anti-Diskriminierungsgesetze in Bezug auf Homosexuelle in seinen Büchern hat.

In vielen anderen afrikanischen Staaten steht Homosexualität unter Strafe, in manchen wird diese sogar mit dem Tod geahndet. Undenkbar natürlich, dass die FIFA die WM in einem Land hätte austragen lassen können, in dem Homosexualität verboten ist.

Les jeux sont faits

An vielen Stellen sprudeln Wut und Enttäuschung aus dem Hals, als hätte man der Fans Seele verraten. Hat man ja auch: Plastikspiele im Nirgendwo. Wobei das Nirgendwo sogar erst noch gebaut werden muss. Verständlicherweise und mehr als zu Recht sprudelt deshalb die Wut. Eine WM hat in Katar bei der Masse an in Frage kommenden sonstigen Ausrichterkandidaten nichts zu suchen. Auch im Jahr 2306 nicht.

Hier ist man nicht mal mehr wütend, nachdem man eine Nacht drüber geschlafen hat, denn die dunkle Vorahnung ließ sich schon länger nicht mehr gänzlich aus dem vegetativen Nervensystem fernhalten, dass es auf Katar hinauslaufen könnte. Russland und Katar, das waren die beiden Alpträume, insbesondere Letzteres, der liebhabenden Fußballwelt. Jetzt ist der Alptraum Wirklichkeit geworden.

Wie gesagt, keine Wut mehr — oder vielleicht noch keine Wut? Fühlt sich eher wie eine ganz große Enttäuschung an. Und Pädagogen-Geschwätz hin oder her: eine Ent-Täuschung bedeutet eben immer auch, dass man die Täuschung enttarnt hat, womit ihr Wirken vorbei ist. Wütend ist man dann in erster Linie auf sich selbst, dass man so naiv war, der Täuschung zu erliegen.

Hatte man irgendwo noch ein Fünkchen Hoffnung, dass selbst die FIFA nicht die Chuzpe hätte, einen derartigen Alptraum eines Turniers in einem erweiterten Dorf („WMchen in Connecticut gefällig?“ — ja, damals konnte doch keiner glauben, dass das Ganze mehr als ein Marketing-Gag sein sollte!) ohne jeglichen Hauch von Fußballkultur in Auftrag zu geben, dann ist das der Täuschung Erliegen nun vorbei. Die Maske ist endgültig gefallen, und die Fratze, die uns dahinter angrinst, ist wahrlich unheimlich.

Weshalb diese Ur-Katastrophe (für den Fußball) auch ihr Gutes hat: Niemand, auch von den weniger an den Hintergründen im Fußball Interessierten, gibt sich jetzt noch Illusionen hin, dass auch nur ein Jota des fürchterlichen FIFA-Sprechs etwas mit der Realität zu tun haben könnte.

Wir hier wussten das sicher eh schon mehrheitlich, doch wenn man sich die Kommentarfülle in den klassischen (auch ausländischen) Medien zum Thema anschaut, dann wussten es offensichtlich viele nicht. Die es jetzt ebenfalls nicht mehr übersehen können.

Ein guter Tag also für den Fußball. Auch wenn er äußerst bitter schmeckt.

WM-Schnellgericht

Was vielleicht Assoziationen zu einem Hamburger oder einer Pizza aus der handelsüblichen nahegelegenen Pizzeria hervorruft, hat tatsächlich einen böseren Hintergrund. Der Flitzer, der beim Halbfinale Deutschland gegen Spanien aufs Spiel flitzte, anständigerweise angezogen und ohne wackelnden Pimmel übers Feld laufend, von einem Rollstuhlfahrerplatz aus, muss sich nun vor einem solchen wie im Titel genannt verantworten.

Richtig gelesen:

Ein WM-Schnellgericht.

Es verwundert kaum, dass ausgerechnet eine Veranstaltung der FIFA die Wieder-Einführung von Begriffen und Institutionen nötig macht, die man eigentlich nur aus Kriegszeiten kennt. Ein Schnellgericht, das möglichst schnell aburteilen soll, kann und darf, ist wohl nicht das, wofür Nelson Mandela 27 Jahre lang auf Robben Island, bei dessen Besuch Sepp Blatter noch die Tränen kamen, im Gefängnis saß und danach trotzdem noch seine Nation in irgendwie sowas wie Freiheit (so lange die FIFA noch nicht da war) geführt hat.

Ein WM-Schnellgericht für den Herrn Flitzer. Wohl bekomm’s.

Puskás-Preis eingeführt und gleich auch mal vergeben

Neuerdings gibt es von der FIFA die Verleihung des „Puskás-Preises“, welcher nichts anderes als die internationale Entsprechung zum deutschen „Tor des Jahres“ ist. Da auch schon die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres nicht von der FIFA selbst durchgeführt wird (sondern von France Football) und weil man weiterhin nicht die nationalen Fußballer des Jahres auswählen und prämieren darf, muss man sich ganz im Geiste des Alfredo Pöge („Für Sie immer noch Doktor Alfredo Pöge!“) seine eigenen Wahlen und Auszeichnungen schaffen, auf dass man immer mal wieder irgendwo erwähnt wird und die Welt sich erinnert, dass man wichtig ist.

Das schönste Tor des Jahres wählt die FIFA nun also ebenfalls, als hätte es noch eines goldenen Schuhs und eines weißen Bergtrikots für den jüngsten Neustar unter den Linksfüßern sowie dem dazugehörigen schlecht gestylten Joghurtbecher (man schaue sich dieses Ungetüm an „Trophäe“ nur bei guter Magenlage an) bedurft.

Interessant sind dabei die von den auf dem Planeten Jupiter sitzenden FIFA-Oberen herübertelegrafierten einschränkenden Kriterien für diese Wahl. So liest man unter Punkt 3 bei den Einschränkungen, welche Tore nicht zur Wahl stehen dürfen:

3) […] dass es sich bei dem Tor weder um einen Glückstreffer noch um die unmittelbare Folge eines Missgeschicks seitens des gegnerischen Teams handelte

Gewonnen hat diesen Puskas-Preis dann allerdings ein Weitschuss-Tor von Cristiano Ronaldo aus über 30m.

Natürlich glauben wir gerne, dass das kein Glückstreffer war, wenn er den selben Weitschuss von genau der selben Stelle bitte — sagen wir, weil er es ist — 10x exakt so reproduziere. Und natürlich war es auch kein Missgeschick, dass der gegnerische Torwart den Ball nicht parierte. Er hatte ja nur 30m Flugbahn lang Zeit, unten auf dem Boden in die Richtung der nötigen Position zu laufen, um den Ball mit einem kleinen Hüpfer über die Latte zu lenken, statt, wie er es tat, sich spektakulär durch die Luft zu werfen, dabei aber den Ball zu verfehlen.

Einen seltsamen Sinn für Humor haben sie, diese Jupiteraner.

Neues vom Fön: Lost his marbles?

Ah, herrlich. Endlich spricht mal einer dem (hier: im Wortsinne) Fußvolk aus der kochenden Seele. Wer’s noch nicht gelesen hat, kann ja mal raten, auf wen Fergusons folgende Worte gemünzt sind, wobei die Auswahl da nicht allzu groß ist.

„Ich weiß nicht, ob er vielleicht zu alt ist. Aber er hat in der Vergangenheit so viele lächerliche Kommentare abgegeben, dass er ernsthaft Gefahr läuft, seine Glaubwürdigkeit und Seriösität zu verlieren.“

Ja, so schwer ist das ja nicht. Wer ist alt, redet wirres Zeug und könnte dem Sir im Besonderen Anlass gegeben haben, etwas zornig auf ihn zu werden?

Natürlich sind wir alle mit Ferguson einer Meinung, schließlich ist der Adressat nachweislich zu alt zum Autofahren. Und das mit dem Blödsinn, da wissen wir gar nicht so genau, ob das jemals besser war, auch in jüngeren Jahren.

Und dass Ferguson a) selbst nicht viel jünger ist und b) sehr spezielle eigene Interessen hat, die sich von denen des übrigen Fußvolks unterscheiden, hat ausnahmsweise mit den Beweggründen für seine Aussage nichts zu tun. Jedenfalls nicht in dem Moment, in dem wir tief drinnen dieses Touché genießen.

Das schönste Tor aller Zeiten

Welches das war, will die FIFA auf ihrer Seite wissen. Und da es für „im Auge des Betrachters“ nun mal keine harten Kriterien gibt, kann man da wunderbar und stundenlang drüber sinnieren und doch zu keiner verbindlichen Entscheidung kommen. Sehr einfach zu erlangender Content. Ich frage jetzt nicht, welches Tor das schönste aller Zeiten war, denn ein humoriger User namens bembelboy hat die Antwort, der man nicht widersprechen kann, schon gegeben. Nicht Maradona, nicht Helmut Rahn, nicht Zinedine Zidane oder gar Oliver Bierhoff, sondern … lest selbst:

Ohne mich selbst großartig loben zu wollen bin ich der Meinung, dass mein Freistoß im Training des FC Ober-Roßbach im Jahr 1999 einer der schönsten Treffer überhaupt war. Der Ball schlug dermaßen im Winkel ein…das gab es seitdem nie wieder. Außerdem war es auch mein einziger Freistoßtreffer.

Rekordhalter Luxemburg

Nein, nicht das, was einem sofort in den Kopf schießt: meiste Niederlagen in Folge, meiste Spiele ohne eigenes Tor in Folge, höchste Niederlagen, längste Niederlagen, peinlichste Niederlagen, schmerzhafteste Niederlagen oder einfach nur Niederlagen.

Es ist wirklich ein positiver Rekord, den Luxemburg im Weltfußball hält: Luxemburg ist — zusammen mit Portugal und Irland — im Besitz des Rekordes für Teilnahmen an der WM-Qualifikation: 18 Mal nahm Luxemburg seit 1934 (1930 gab es keine Qualifikation) an der WM-Qualifikation teil, inklusive der noch kommenden für 2010.

Gleich inbegriffen ist natürlich der Rekord der häufigsten Versuche, sich zu qualifizieren, ohne es zu schaffen, aber davon spricht die FIFA-Seite mit den Zahlen zur WM-Quali nicht. Eher schon von den lediglich zwei Niederlagen, die Deutschland in seinen 64 WM-Qualispielen erlitt. Eine davon war das 0:1 zu Hause gegen Portugal noch unter dem Dummschwätzer.

Welche aber war die zweite? Auf Anhieb fällt sie mir nicht ein, weiß es jemand, ohne zu googlen? Wenn ja, dann wäre ich beeindruckt und würde diesem weisen, großen Meister meine Ehrerbietung zukommen lassen (natürlich nur virtuell).

Nolookpass wusste die Antwort schon, bevor ich gefragt hatte.

Niederlande und Belgien als WM-Ausrichter 2018

Nee, klar. Da versucht wieder jemand die Qualifikation durch die Hintertür, der es sportlich auf lange Sicht nicht mehr schaffen wird. Nicht dass wir dann wieder von einer Initiative lesen müssen, die kurz vor Beginn einen freiwiligen Verzicht Belgiens fordert …

China will sich übrigens auch bewerben. Das wäre dann wohl das erste Mal, dass ein Gastgeber in der Vorrunde ausscheidet, wenn sich bis dahin nicht ein bisschen was tut im chinesischen Fußball. Allerdings könnte man da ja den einen oder anderen Plan von ganz oben entwickeln, der ganze Horden von jungen Männern ihre komplette Jugend lang nur Fußball trainieren lässt. Zeit wäre ja noch genug.

Ich sag aber trotzdem: diese Einzelkinder werden nie so gut spielen wie Kinder, die schon in ganz jungen Jahren selbst zum Spielball ihrer älteren Geschwister wurden und wissen, wie es ist, wenn man durch die Gegend gekickt wird.

Mexiko ist laut SPON auch wieder in der Kandidatenriege, und drei Mal ist schließlich mexikanisches Recht. Man könnte die WM dann allerdings doch besser in den USA austragen, da wäre die Infrastruktur entwickelter, die Sicherheit größer und die Zuschauer trotzdem mexikanisch.

Australien hingegen wäre tatsächlich reizvoll, dieser Kontinent hat den Fußball ja gerade bei der WM 2006 und auch schon der Qualifikation dazu für sich entdeckt. Schade nur, dass Australien kärgliche 18.000.000, China hingegen 1.300.000.000 Einwohner hat, die es fürs Säckel der FIFA „for the good of the game“ zu akquirieren gilt.

So ist wohl jetzt schon klar, wo der Pfeffer respektive das Heu wachsen wird.

And the winner is …

Brasilien.

Brasilien wird die WM 2014 austragen. Dafür bedurfte es nicht einmal eines Martin „Ich tat es für mein Land“ Sonneborn, der Briefumschläge (oder waren es Präsentkörbe, wohl nicht, die passen ja nicht durch Türschlitze) unter Türen hindurchschob. Kein Wunder, wenn es keinen Gegenkandidaten gibt.

Gegenargumente gibt es allerdings schon: Korruption, Kriminalität, hungernde Bevölkerung. Ach, das gilt auch für Südafrika? Na dann.

Getz ma wieder Aktionismus

Bei SPON lesen wir in den ansonsten nicht sehr weit reichenden Kurzpässen:

Beginnend mit dem Endspiel der U21-Europameisterschaft morgen, werden künftig alle Partien sofort abgebrochen, wenn Fans die Spieler mit rassistischen Gesängen beleidigen. Das teilte die Uefa heute mit.

Ich bin gespannt, wie lange das durchgehalten wird, wenn es nicht mehr ein im Endeffekt wirklich nur für die UEFA bedeutendes Turnier ist, sondern wenn es auch um reguläre Profiligaspiele geht.

Theoretisch müsste man dann 98% aller (Profi-)Spiele abbrechen, deshalb halte ich es für unwahrscheinlich, dass diese Regelung durchgehalten werden kann. Nette Idee, wird aber wieder nicht umgesetzt werden. So wie so viele andere Regeln, die zwar irgendwann mit großem Getöse eingeführt, dann aber selten auch nach dem Turnier, bei dem sie eingeführt wurden, konsequent angewendet wurden [1]: eine Minute Nachspielzeit pro Einwechslung und Tor, Rot für Grätschen von hinten, verletzte Spieler werden außerhalb des Spielfeldes behandelt, die Liste scheint fast endlos zu sein. Aber Konsequenz — ach, wo wären wir, wenn man Regeln konsequent umsetzte? Jedenfalls nicht auf dem Planeten Fußball.

[1] Natürlich darf man hier nicht UEFAs mit FIFAs vergleichen. Der UEFA traue ich da durchaus noch mehr Konsequenz zu. Sicher bin ich mir aber nicht.

Der Spion, der aus der Kälte kam (Der Dummschwätzer (XIX))

Von Dschordsch Doppel-W Busch denkt ja alle Welt, dass er doof wäre. Ob er es ist, weiß ich nicht. Und ein paar gesammelte Versprecher, Verleser oder Anekdoten gibt es doch über jeden, dessen Job es nun mal ist, alle Nase lang eine Rede zu halten. Zugegeben, über Schröder (obwohl auch er kein guter Redner war) oder Merkel gibt es bei Weitem nicht so viele Anekdoten und Stilblüten wie z. B. von Edmund „Schroiber“ [1] oder über eben jenen Dschordsch Doppel-W Busch. Irgendwie muss also schon etwas dran sein an den eher gering ausgeprägten rhetorischen Fähigkeiten des Sohnes von Busch sr. Gleichzeitig ist er aber berüchtigt dafür, äußerst gut mit dem Telefon umgehen zu können. Nein, wir sprechen jetzt nicht davon, die richtigen Tasten zu drücken und es anschließen zu können.

Busch jr. macht — angeblich — seine Politik mit dem Telefon. Steht jemand seinen Vorstellungen, seiner Politik im Wege, laufen seine Telefonkabel heiß und er bearbeitet den jeweiligen Kontrahenten so lange am Telefon, bis er die gewünschten Ergebnisse erzielt hat. Dass Busch selbst auch mal etwas mit Sport zu tun hatte, ist in den letzten Jahren vielleicht etwas untergegangen. Als berufsmäßiger Alkoholiker, der die ersten 40 Jahre seines Lebens nur nach Strich und Faden gesoffen hat, hatte er das Glück, aus betuchtem Hause zu stammen und erwarb mit den so zufällig angespülten Millionen einen fünfprozentigen Anteil an den Texas Rangers, einer Baseball-Mannschaft [2] aus, der Leser ahnt es schon, Texas.

Wer denkt, dass in der hiesigen Sportszene keine Drähte zur Politik heiß laufen, der täuscht sich leider. Wir erinnern uns mit einer gehörigen Portion Amüsement, und zu selben Anteilen (hier das Substantiv zu „hanebüchen“ einfügen) an das seltsame Schauspiel, das uns nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 präsentiert wurde: Ein arroganter [3] Schröder attackiert im Fernsehen „die Medien“ und posaunt zudem, dass die ebenfalls anwesende Frau Merkel niemals Kanzlerin werden würde, schließlich, das können ja alle sehen, habe die SPD entgegen der Prognosen und entgegen des Wirkens „der Medien“ die Wahl gewonnen. Wie wir inzwischen wissen, kam dann doch alles ganz anders als man (für man hier gleich Schröder) dachte: Merkel ist Kanzlerin und Schröder ist jetzt quasi Schalker, von Berufs wegen.

Dass genau das aber auch anders hätte kommen können, wenn die Strippenzieher des vermeintlichen Strippenziehers (hier: der Dummschwätzer) der Nation etwas erfolgreicher an jenen gezogen hätten, lesen wir dort: Fedor Radman war nämlich damals der Spion, der aus der Kälte kam [Link leider tot].

[1] Zitat aus einer RTL-II-Zuschauerbefragung vor der Wahl 2005.

[2] Baseball ist eine Variante von Brennball.

[3] Viele dachten auch: angetrunkener. Inzwischen ahnt man — die Augen stechen so raus — es könnte Captagon gewesen sein.

Schwarze Berge

Die meisten slawischen Wörter geben einem Sprecher einer germanischen Sprache nicht den Hauch einer Chance, zu erahnen, was sie bedeuten könnten.

Nehmen wir das in Montenegro gesprochene serbisch: Was könnte zum Beispiel nogomet bedeuten? Nun, das ist ganz leicht: Fußball natürlich. Sprečavanje bedeutet Behinderung, izabrani sudija ist der Schiedsrichter und ruka, klar, ist die Hand.

Nicht ganz so schwierig stellt sich das beim Wort Montenegro dar. Schließlich kennen wir alle jene Montes, die die Epo-Kuriere herauf- und herabfahren, und Negros kennen wir wohl auch ein paar, wenn wir mal amerikanische Filme geschaut haben oder damals Fan von Eintracht Braunschweig waren.

Diese schwarzen Berge sind seit heute das 208. Mitglied der FIFA. Zur Feier des Tages überreichte Dejan Savicevic in seiner Funktion als Präsident des montenegrinischen Fußballverbands der FIFA die Fahne von Montenegro. Die sieht übrigens so aus und erinnert nur ganz leicht an die Fahne des nebenan liegenden Albanien. Dass die Auswahl der knapp 600.000 Montenegriner aber jemals die Qualifikation für ein FIFA-Turnier überstehen wird, halte ich für ähnlich wahrscheinlich wie das Ausbleiben eines deutschen Sieges gegen San Marino[1]. Überhaupt können mit Montenegros Beitritt nur noch 15,3846 Prozent der FIFA-Mitgliedsländer an einer WM teilnehmen. Vorher waren es mit 15,4589 Prozent deutlich mehr, so dass es sogar Österreich ein paar Mal geschafft hat.

[1] Nach Löw’scher Wahrscheinlichkeitsrechnung.