Cymru 0 Yr Almaen 2

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Drei Punkte in Wales sind drei Punkte in Wales. „Nicht mehr und nicht weniger.“ Natürlich nicht mehr. Drei Punkte. Nicht weniger. Natürlich nicht weniger. Wie sollten drei Punkte an und für sich auch mehr als drei Punkte sein? Oder: Wie sollten drei Punkte als solche weniger als drei Punkte sein? Das ginge vielleicht, wenn die Punkte keine unteilbaren Einheiten darstellten, so wie es auch bei Toren normalerweise der Fall ist. Normalerweise. Fußball ist schließlich kein Schach.

Gomez: 0,5 Tore. Wales ebenfalls 0,5 Tore. Remis also. Wenn es nicht den Capitano gäbe. Das wiederum ist italienisch. Niemand weiß, wie man von Kalifornien kommend für einen Sachsen, der in Bayern sein Geld verdiente, auf eine italienische Bezeichnung kommt, als Schwabe. Gomez 0,5, Wales 0,5, Capitano 1. Das Ergebnis ist klar: Gewonnen hat der Capitano. Wieso jetzt insgesamt nur zwei Tore gezählt, aber drei Punkte vergeben wurden, und dann auch noch alle für Deutschland, muss nicht weiter erläutert werden. Drei Punkte, nicht mehr und nicht weniger.

Weniger hingegen ist ein ehemaliger Prinz geworden. Er ist schon kein Prinz mehr, der Lack des Prinzenkrönchens ist verschlissen, er ist nur noch Hofnarr. Leider ist er auch dafür noch zu grün, weshalb er nur Hofnarrenanwärter ist. Das wissen unglücklicherweise die wenigsten, und auch er selbst scheint es immer wieder zu vergessen. Auf der Hofnarrenanwärterschule hat man ihm erzählt, dass Hofnarren große Stars seien oder aber zumindest werden könnten, wenn sie immer tun, was Hofnarren zu bestimmten Anlässen tun sollten. Also zum Beispiel dem freien Spieltrieb nachgeben, wie man es von Hofnarren so kennt. Dann laufen die Hofnarren auf dem Hof herum und niemand kann vorausahnen, welche Richtung sie in der nächsten Sekunde einschlagen werden. Das gefällt den Lehrern auf der Hofnarrenanwärterschule. Normalerweise.

Anderen gefällt das eher weniger — nicht mehr, nicht weniger, sondern weniger — weil sie entweder Capitanos sind oder aber etwas erreichen wollen, von dem der Hofnarr nicht ahnt, dass es das geben könnte: Mehr Klasse, mehr Qualität und mehr Können als man zur Zeit schon hat. Mehr — nicht weniger, nicht mehr — sondern mehr.

Wenn man den Hofnarren darauf hinweist, kann dieser schon mal ungehalten werden. Er ist sich seines Status als Hofnarr(enanwärter ja nur!) nicht immer bewusst, und so gefällt es ihm nicht und er wird gar säuerlich, wenn man von diesen Dingen spricht, die man erreichen wollte, die man aber nicht erreichen kann als Hofnarr(enanwärter ja nur!), weil sie auf der Hofnarrenanwärterschule nicht gelehrt werden und weil, das ist ja die Krux mit den Hofnarrenanwärtern, diese sowieso nicht zuhören, wenn etwas gelehrt wird. Erstens ist man ja schon Hofnarr(enanwärter) und zweitens gehört es für Hofnarren zum guten Ton, nicht zuzuhören, sondern allerlei Schabernack zu betreiben.

Drei Punkte. Capitano 1, Gomez 0,5, Hofnarr 0. Eher weniger.

16 Kommentare

  1. Treffender kann man das gestrige Treiben nicht beschreiben.

  2. „Niemand weiß, wie man von Kalifornien kommend für einen Sachsen, der in Bayern sein Geld verdiente, auf eine italienische Bezeichnung kommt, als Schwabe.“

    vielleicht weil er bei Inter gespielt hat?

  3. Das allerdings wäre eine naheliegende Erklärung.

  4. Einen hast Du ncoh vergessen:

    Enke 0.
    Aber die 0 ist als positiv anzusehen.

  5. Ich kann es ja nicht unter die meisten Beiträge schreiben. Aber hier muss es einfach sein: Was für ein klasse Text, lieber Trainer!

    Oder um es anders zu formulieren: Es gibt Menschen, die schaffen es, aus Scheiße Gold zu machen. Und es gibt den Trainer, der es schafft, aus einem Spiel gegen Wales einen unglaublich guten Text zu produzieren.

    Staunend grüßt
    Enno

  6. Einspruch: 0,5 Tore Gomez bitte ich zu ersetzen durch 1 Tor Williams, trotz aller Sympathien die Herr Gomez in diesem Blog zu genießen scheint.
    In einigen Gazetten war zu lesen, Mario Gomez hätte dieses Tor „erzwungen!“ Wie bitte? Ein halbwegs talentierter Fußballer stoppt den Ball nach so einer Hereingabe oder befördert ihn zumindest ins Toraus. Okay, ich geb’s ja zu: Ganz toll, wie er sich auf dem Boden liegend, den Ball geholt hat, blitzschnell wieder auf den Beinen war und in die Mitte gepasst hat. Kompliment! Aber eine Frage sei gestattet: Warum fällt er in dieser Situation denn überhaupt erst hin?
    Ach ja und noch was (sozusagen zur Eröffnung des Gomes-Bashings): Wetten dass die Hereingabe, die Williams völlig unbedrängt und ohne Not ins eigene Tor gedrückt hat, von Gomez nicht verwertet worden wäre….

  7. Ja, Enno, so ist es. Ich bin mir jetzt nur nicht sicher, wie ich des Trainers erneuten Streich werten soll: Punkt- oder Kantersieg? Ich neige zu letzerem. Wie auch immer: Die Punkte aus der Klappergass‘ gehen an den Trainer.

    Udo, ich nehme die Wette an. Und jetzt?

  8. Ich habe mich auch immer gewundert, warum Ballack plötzlich ständig „Capitano“ genannt wird. Bis ich’s rausfand: Ich gehöre zu den 0,56 % der Deutschen, die sich bisher standhaft geweigert haben, den Fußball-Märchen-Film von der WM 2006 zu gucken…

  9. Pingback: Spielfeldrand - Das Magazin » DailySoccer 02/04/2009

  10. Hm?
    „Meet the new Unaussprechliche. Same as the old Unaussprechliche“?

  11. Hallo,
    habe das Spiel „nur“ im Radio verfolgen können (was eigentlich nur bei der BuLi-Konferenz ganz abwechslungsreich ist, aber so ein einzelnes Spiel…puhhh). Der eine Kommentator war Armin Lehmann. Aber kann mir jemand sagen wer der andere war? Der war sehr amüsant. Hackte dauernd auf Schweinsteiger rum. Der Bayern-Star sei heute indisponiert, wirke fahrig und unkonzentriert, es scheint so als hätte er wichtigeres im Kopf, kurz um: er spiele zu lässig, gebe sich einfach keine Mühe und scheine das Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen. Das lustige daran war, dass der Reporter das gesamte Spiel über konsequent „Sebastian“ Schweinsteiger sagte. Soviel zum Thema indisponiert, unkonzentriert und Mühe geben…

  12. @Thor: Manchmal isses Jens-Jörg Rieck. Glaube ich. Keine Ahnung, ob der gestern auch am Mikro war.

  13. Es war Henry Vogt ;)

  14. „Er ist schon kein Prinz mehr, der Lack des Prinzenkrönchens ist verschlissen, er ist nur noch Hofnarr. Leider ist er auch dafür noch zu grün, weshalb er nur Hofnarrenanwärter ist.“

    In der Tat. Und welch ein Jammer, wo er doch so ein grandioser Springinsfeld war!
    Als ich ihn dereinst sah – mit Freunden und Meiderich auf Auswärtstour, wohlgemerkt – wurde mir bewusst, der Typ hat es.
    Nun bin ich doch sehr gespannt, wie er sich in Köln wieder / zurück / entwickeln wird. Tatsächlich halte ich aber Meister Daum für einen der Trainer, die solch einen Jungen wieder auf den „richtigen Pfad“ führen können.

  15. @Huge: danke!
    Werde ihn zukünftig aber lieber Berti Vogts nennen. Geht besser über die Lippen :-)

  16. Pingback: Spielfeldrand - Das Magazin » Blog Archive » DailySoccer 02/04/2009



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