Daddy not so cool

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Ich verbrachte die Nacht mit einigen wichtigen Spielen aus den 1980ern, die ich damals verpasst hatte. Heute habe ich sie auf Super-8 VHS youtube noch mal nachgeholt.

Es geht jetzt nicht um die Frage, wie unglaublich langsam und beschissen und total unplanmässig der Fußball damals gewesen ist. Das war er.

Es geht auch nicht um die Frage, ob irgendein Team von damals je eine Chance gegen ein heutiges Team (Sepp Maier: Die würden wir wegputzen!; Gerd Müller: Die hätten überhaupt gar keine Chance gegen uns!) hätte, sondern um die durchaus beim Zuschauen nicht nur dann und wann von hinten herauflurchende, sondern sich über die diversen 90 Minuten lang aufdrängende Frage:

Wie können ernsthaft Menschen, die damals diesen unglaublich langsamen, frei von jeder Taktik gespielten Fußball als ihr bescheidenes bestes Können, welches sie auf dem Platz tun konnten, vor Millionen von Zuschauern demonstrierten, heutzutage in irgendwelche Fußball-Medien-Shows eingeladen und dazu befragt werden, was die aktuellen Teams auf dem Platz falsch machen?

7 Kommentare

  1. Nana! und Tach auch!
    Muss ich gut Fussballern, um Trainer sein zu dürfen? Muss ich singen können, um etwas von Mucke zu verstehen?

    Die Daddies uncool sollen ihr überhebliches Mundwerk halten, wenn es um die eigenen Leistungen geht. Aber fachlich dürfen sie sich doch noch äußern, oder?

  2. Erinnert mich gerade an eine Unterhaltung zweier unserer Zuschauer (beide zart über die 60 Jahre) während eines Spiels unserer II. Mannschaft in der Kreisliga. Wir waren etwas unter Druck und es häuften sich die Befreiungsschläge, da entfuhr es dem Einen: „Menschenskinner, schon werrer so eh hoher Ball, kenne die sich dann ned flach in de Fuß spiele?!“ , worauf der Andere antwortete: „Walter, loss doch gut sin, mir han doch frieher ned annerschd gespielt.“

  3. Kann man so stehen lassen.

    Am meisten habe ich insgesamt die Rückpassregel geliebt, die besonders im 90er-Finale technisch gekonnt, immer wieder eingesetzt wurde.

  4. Vor ein paar Jahren gab es mal als Gratis-Beilage eine DVD mit dem als „Jahrhundertspiel“ tituliertem WM-Viertelfinale von 1970, Deutschland vs England in voller Länge. Ein grausames Gekicke war das.

    Die Fachkompetenz möchte ich den meisten dieser heute als Experten agierenden Altstars nicht pauschal absprechen – aber ihr Spiel war einfach lahmrschig :-)

  5. Aber… verhält es sich nicht ebenso, wenn diese Daddies auf die ihren zurückblicken? Und ist es nicht immer so, dass der Fußball, der gerade gespielt wird, als das Nonplusultra erscheint (erscheinen muss?), der von vor 10 Jahren hingegen zum Haareraufen langsam, technisch billig und taktisch naiv wirkt?

    Ganz abgesehen davon ist eine tiefgreifende Analyse mit tatsächlich Fachkundigen ja auch nicht gerade das, was in der deutschen Fernsehberichterstattung anvisiert wird (Allgemeinplatz!), von daher bleibt es ein Große-Namen-Geklotze mit „Experten“, weil man eben immer Experten braucht, egal ob für Fußball, Wirtschaft oder den Nahen Osten. Was denn ein Experte ist und was ihn vor anderen zu einem solchen macht, ist egal.

    Peter Scholl-Latour?

  6. was ja zählt ist die individuelle klasse.

    dann könnte man diese spieler in eine heutige moderne taktik hineinarbeiten.

    zumindest die kreativen spieler würden das hinbekommen, knippser setzen sich immer durch, nur so holzfäller in der abwehr hätten es schwerer.

  7. Nicht zu vergessen die Schiedsrichter: Wer sich mal Spiele aus den Siebzigern und Achtzigern in voller Länge anschaut und auf die Referees achtet, der weiß, woher der Begriff „Halbgötter in schwarz“ kommt. Da gibt es die unfassbarsten Fehlentscheidungen, die mit einer grotesk selbstherrlichen Mimik und Gestik untermauert wurden. Mein persönlicher Favorit ist der Franzose Wurtz, der beim EM-Spiel 1980 zwischen der Bundesrepublik und den Niederlanden für ein Foul von Lothar Matthäus, das gefühlte zehn Meter vor der Strafraumgrenze stattfand (was man auch ohne Zeitlupe einwandfrei erkennen konnte), einen Strafstoß gab. Und die Älteren erinnern sich vielleicht auch noch, mit welch heiligem Zorn Manfred Amerell immer seine roten Karten zeigte. Der pure Sadismus.



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