Das Ende des Regenbogens liegt in Köpenick

| 5 Kommentare

Nun, um es vorwegzunehmen: nicht ganz. Es lässt sich auch dort nicht finden. Doch alle vor Ort wahrgenommenen Hinweise lassen den Verdacht recht groß werden, dass es nicht weit entfernt von Köpenick liegen kann, das Ende des Regenbogens. Denn dort befindet sich ein Stadion, innerhalb dessen vier Tribünen ein Fußballspiel mitzuerleben schon ziemlich nah daran ist, das Ende des Regenbogens ausgemacht zu haben.

Erstens sind dort drei von vier Tribünen Stehplatztribünen. Dass es ein reines Fußballstadion ist, wie man früher sagte: nach englischer Art, ist da fast müßig zu erwähnen. Reine Stehplatztribünen! Dass es so etwas überhaupt noch gibt, lässt die Geigerzähler auf der Suche nach dem Ende des Regenbogens schon enorm knistern.

Zweitens ist das Stadion frei von überkandideltem Kommerzgedöhns. Weder wird ein Eckball noch ein Zwischenstand auf den anderen Plätzen von irgendeinem Unternehmen präsentiert. Es gibt wohl einige Logen, diese fügen sich aber recht natürlich – soweit in diesem Kontext möglich – in das Gesamtgefüge ein. Nicht mal gibt es eine richtige Anzeigetafel, zumindest, wenn man im Gästeblock steht. Von Hand wird dort der Spielstand auf einer analogen Anzeige geändert.

Drittens und, wie man es bezüglich schönem Argumentationsaufbau gelernt hat, am wichtigsten: Dort geht ein Publikum ins Stadion, welches wie genau das wirkt, wovon jeder altbackene Fußballromantiker in seiner Raucherecke auf dem Schulhof in jeder großen Pause träumt. Ein Publikum, das über 90 Minuten mit dem Spiel mitgeht, ob nun die Gegengerade oder selbst die Haupttribüne, das plötzlich verstummt, wenn das Heimteam in Rückstand gerät, nachdem es doch vorher mit Leib und Meta-Bewusstsein dabei war, sein Team zu unterstützen und zu drängen.

Dass die eigene Probe aufs Exempel dann auch noch zum besten aller möglichen Fußballspieltermine, an einem Freitagabend, stattfand, brachte noch einen weiteren Pluspunkt in dieses fabelhafte Erlebnis: Es war ein Flutlichtspiel. Zum Anstoß hatte die Erde sich noch nicht so weit gedreht, dass die Sonne nicht mehr sichtbar war. Mit Verlauf der ersten Halbzeit war dies aber schließlich gegeben. Nacht fiel über das Stadion und das Flutlicht tauchte das Spiel in jene optische Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann, wenn man ein Herz oder auch nur Faible für einen derartigen Anblick besitzt.

Die 1. Bundesliga kann nur hoffen, dass dieser Hort der Schönheit möglichst bald in ihre Reihen aufsteigt.

5 Kommentare

  1. Ach Trainer!
    Dass Dir das Stadion An der Alten Försterei sehr gefallen würde, war wahrscheinlich sehr vielen, die – ob regelmäßig oder nicht – schon mal da waren, ziemlich klar.
    Dass Du es endlich mal geschafft hast, freut mich sehr, dass wir uns danach noch kurz in vorzüglicher Gesellschaft sahen, nicht minder.
    Dass Deine Eloge mich sehr anrührt, ist wohl ebenso erwartbar wie wahrhaftig.
    Danke!

  2. Ach Trainer! Wollte ich schreiben, bevor ich keanos Kommentar sah. Und ließ mich nicht davon abhalten.

    Ach Trainer, schön, dass Du wieder schreibst!

  3. Ach Trainer, schön, dass Du wieder schreibst! Wollte ich schreiben, bevor ich Heinz Kamkes Kommentar sah.
    Und ließ mich nicht davon abhalten.

    Weiter so!

  4. Sehr schöner Beiztrag! Ich muss zugeben, als ich das erste Mal in der Alten Försterei war, ging es mir danach genau so. Ich war total begeistert von dem Stadion und der Amtosphäre, davor, darin und danach.

    Ich glaube aber leider, dass bei einem Aufstieg ins „Oberhaus“, das aktuelle „Konzept“ so nicht mehr Stand halten könnte…



Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.