De Mission

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Es geht nicht mehr ohne. Jedes Spiel kann nicht mehr einfach nur gewonnen werden, Titel schon gar nicht. Wo man eigentlich erwarten würde, dass dies eine Selbstverständlichkeit ist, nicht mehr als ein Forumsbeitrag von jenem einen, der schon immer mit nicht allzu neuen Erkenntnissen zu glänzen wusste.

„Ich wünsche mir einen Sieg am Samstag, 3:1.“

Als würde das irgendjemanden interessieren, eine solche Selbstverständlichkeit, den Kern auszusprechen, dessetwegen man doch überhaupt auf den Platz respektive ins Stadion geht. Wenn man nicht gewinnen will, wieso sollte man sich dann überhaupt aus dem Bett bemühen und nicht weiter seinen Tagträumen nachhängen. Kein Fragezeichen.

Ein Spiel, meist das nächste, braucht einen Hashtake, einen Namen, eine Bezeichnung. Und gerne darf es dann eine „Mission“ sein. Aus sprachlicher Armut geboren, derjenigen, die sich bemühen, die Massen zu mobilisieren, „hinter die Mannschaft“ zu bringen. Eine Mission, dabei nennt der Duden diesen Ausdruck „bildungsbürgerlich“ für das, was etwas profaner nur ein Auftrag ist. Und auch wenn sie inzwischen überall angekommen ist, die Fußlümmelei, sogar in bildungsbürgerlichen Vierteln hört man die Menschen bei Toren von Polen gegen Panama bei einer WM in der Ferne schreien. Die WM in der Ferne und die Gärten der Bildungsbürgerlichen auch, mit den überdimensionierten TV-Bildschirmen, die Landesfähnchen auf den gereichten Häppchen auf die Kontrahenten der gerade laufenden WM-Partie abgestimmt. Da passt diese Erhöhung nicht zu dem Umstand, dass jeder auch dann gewinnen wollen würde, auf dem Rasen und im Garten, wenn die Aufgabe keinen eigenen Namen erhalten hätte.

Eine Mission, aber möglichst keine Impossible, sondern eine Aufgabe, die man mit heiligem Ernst durchzuführen hat, wenigstens zu verfolgen. Eine Aufblähung dessen, was es ohnehin ist. Nichts beschreibt klarer die Leere dieses Sprechs mit Motti und Missionen als der Umstand, dass sich nur einen Tag später niemand mehr an den konkreten Namen der Mission erinnert, falls man failt, wie man in Berlin sagen würde, nachdem man getryt hat Hashtake. Nichts drin, was nicht auch schon vorher drin war, in der Mission, die so simpel ist, wie Fußball simpel ist und jeder Sport, der im direkten Duell ausgetragen wird, in seinem Ziel simpel ist. Gewinnen heißt die „Mission“, schon immer, egal, wie man sie nennt.

Drum gebe man der Mission als solcher, dem nächsten Motto, dem nächsten Slogan endlich endlich das, was sie verdient: die De-.

3 Kommentare

  1. Ausgezeichnete Bestandsaufnahme! /zieht den Hut

  2. Handballer (u.ä.) haben es da deutlich einfacher:
    http://25malrendsburg.de/wp-content/uploads/2014/08/tibor_1000px.jpg

    In einer Zeit, in der die Art und Weise, wie eine Mannschaft Fußball spielen soll (und noch vieles mehr, wie wir ja wissen), als Philosophie bezeichnet wird, wundert mich nur noch wenig.

  3. Sehr gute Sichtweise die ich auch kompett teile.



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