Dass sich die Bonzen biegen

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[Lange, psychologisch fundierte Herleitung], und deshalb sind zwei Dinge klar: Blatter ist nur dort oben und so lange schon dort oben, weil er derart geschickt und ohne größere Gewissensbisse lügen kann. Es ist ihm im Laufe der Zeit in Fleisch und Blut übergegangen, es ist Teil des Spiels, er spielt gut, wenigstens spielte er mal gut und noch immer fehlt ihm dabei das Unrechtsbewusstsein.

Zweitens: Wer ihn beerben wird, wird nur mit geringer Wahrscheinlichkeit schlechter in dieser Disziplin sein, sonst hätte er nicht all die Kandidaten ausgestochen, die ebenso gerne an der Spitze stünden. Und wenn dieser Nachfolger doch kein guter Lügner sein sollte, dann ist die Gefahr groß, dass er im Laufe seiner Amtszeit zu einem solchen wird oder aber seine Amtszeit nicht besonders lange dauern wird.

Schlechte Zeiten für Lügner, Heuchler und Betrüger sind allerdings noch lange nicht angebrochen. Denn die besten und tätigsten unter ihnen lassen sich schlecht verhören. Es sind – die Chefs.

„Geschäftsführer, Portfolio-Manager, Politiker, Top-Athleten scheinen physiologisch besser aufs Lügen vorbereitet zu sein“, sagt Dana Carney, Sozialpsychologin an der Columbia University, die 2009 eine Studie dazu veröffentlicht hat, „was dazu führen könnte, dass sie öfter lügen.“

Das tun sie in der Tat, wie ein europäischer Forscherverbund um Aldert Vrij in der Übersichtsstudie „Gute Lügner“ feststellt: „Für Menschen, die weit oben in der machiavellistischen Rangordnung stehen, ist Lügen ein normaler und akzeptabler Weg, ihre Ziele zu erreichen.“

Es gebe „keinen Zweifel“, sagt Dana Carney, „der Typ an der Stirnseite des Tisches, der Ihre Konferenz leitet, sich zurücklehnt, Arme hinterm Kopf, wird Risiken eingehen. Er wird sich nicht schlecht fühlen, wenn er Sie belügt …“

(Im Übrigen auch sonst recht lesenswert, der SPON-Beitrag, der hier beginnt, hat aber nichts mit Sport zu tun. Wobei die Hinleitung zu Blatter und diesem Beitrag von Jens Weinreich heute natürlich sehr, sehr viel mit Sport zu tun hat. Zumindest mit dem Sport, so zu lügen, dass andere es nicht merken. Ist schließlich auch eine Form von Wettkampf, wenn nicht sogar die Mutter aller Wettkämpfe.)

3 Kommentare

  1. sie sind physiologisch besser aufs lügen vorbereitet??? da ist aber was durcheinandergeraten, oder?

  2. Vielleicht dachte man an die sprichwörtliche „dicke Haut“, linksaussen?

  3. „Macht entsteht wenn man lügt. Lügen im großen Stil, und nach Ihrer Pfeife tanzt die Welt“



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