Der Fußballmoment 2012

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Es gibt natürlich viele Kandidaten für den Fußballmoment des Jahres 2012. Die meisten davon kann wohl jeder für sich selbst runterbeten.

Drogbas Ausgleichstor, übrigens nach gegnerischem Standard, im „Finale dahoam“, die verschossenen Elfmeter von Arjen Robben gegen Chelsea und gegen Dortmund. Der Untergang des ruhmreichen FC Bayern mit 2:5 im Pokalfinale mit anschließendem Realitätsverlust von Philipp Lahm, der in seinem Team die klar bessere Mannschaft erkannt haben wollte. Die 4 Tore Schwedens, von denen das letzte sich mit einer ähnlichen Surrealität im Spielverlauf angekündigt hatte, samt des leichenblassen Jogi Löws im Interview, der schwärzer war als sein eigener Schatten. Die vielen Insolvenzen und abgewendeten Insolvenzen diverser Vereine, der Wechsel von Klaus Allofs zum Publikumsmagneten der Liga und dergleichen mehr. Angeheiterte Dortmunder, die in Mikrofone singen, ohne dies zu beherrschen, und ein jubelnder und dabei fotografierter, zum Mem gerinnender Mario Balotelli, dazu der im EM-Halbfinale an der Mittellinie per Kopf verteidigende Manuel Neuer, welcher damit Jogi Löw wohl den Job rettete, denn ein 0:3 oder 0:4 hätte Jogi Löw wohl nicht im Job als Bundestrainer erlebt.

Kurz gesagt ist die Auswahl aus einem bewegten Fußballjahr 2012 recht groß. Doch während es für 2011 noch das Sportfoto des Jahres war, mit eindeutig sportlichem Bezug, war im Jahr 2012 der Fußballmoment des Jahres jener jähes Entsetzen bewirkende Moment, als das beim relaxten Semipublic Viewing versammelte Publikum von der Aufstellung für das Halbfinale gegen Italien erfuhr.

Steffen Simon, ausgerechnet, bestätigte mit seiner immer ein wenig zu aufgeregten Stimme, dass Podolski und Kroos von Anfang an spielen würden, Jogi Löw damit von seiner Linie abwich und sich nach den Stärken des Gegners richtete. Obwohl die meisten Umsitzenden keine ausgewählten Experten des Fußballsports waren, war allen klar, was das bedeuten würde. Bange, entsetzte und auch resignierte Blicke gingen durch die Runde. Und insofern war dies kein toller Fußballmoment für Jogi Löw oder die Nationalmannschaft — auch wenn die Reaktionen hernach ebenfalls ihre besondere, erlebenswerte Qualität besaßen — aber ein tolles Beispiel dafür, wie bei so einem Anlass eben doch alle hingehen, weil sie das eigene Team gewinnen sehen wollen. Und bei einer derartigen Aufstellung mit entsprechendem Resultat ab dem Bekanntwerden der Spielernamen alle gleich belämmert in die Röhre schauen.

3 Kommentare

  1. wie wahr, wie wahr, wie wahr!!! Nur – ich hatte es nicht gleich begriffen. Da ich nur Ton hatte, glaubte ich, Kroos würde den schwachen Schweinsteiger ersetzen (das hätte ich verstanden). Erst als ich Minuten später die Aufstellung sah, gings mir genau so, wie von Dir so treffend beschrieben, Trainer.
    Und grad kommt mir der kalte Zorn wieder hoch .. diese Niete ..

  2. Traurig aber wahr. Selbst als Kölner habe ich die Aufstellung mit Poldi nicht verstanden.
    Ein weiterer allerdings schöner Fußballmoment des Jahres waren für mich die Schlussminuten mit irischem Fangesang.
    Gruß und die besten Wünsche für 2013
    Die kölsche Zieg

  3. Nach langem Nachdenken sackten mir die Fußballmomente des letzten Jahres in die Dritte Liga: immer dann, wenn Anstoß in meinem Beisein war!



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