Der König ist tot

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Ein Mensch, der Fußball spielt, weil es seine Leidenschaft ist, und es damit bis in ein Finale einer Weltmeisterschaft bringt. Ein Mensch, der Fußball spielt, weil es seine Leidenschaft ist, und der, so die Legende, das auch im Urlaub nicht lassen kann. Ein Mensch, der dem deutschen Fußball, dem wir anhängen, immer einen gewissen spielerischen Glanz verlieh, der gerne mal eine schmockte, der gerne Playstation spielte und der sich sonst aus allem raushielt: ein Anti-Star im Star-Business Fußball.

Liebenswert war er, sympathisch, und das nicht nur als Floskel, denn wahrscheinlich war wenig von dem, was uns über die Medien erreichte, inszeniert, sieht man von der Hobbyfußball-Klamotte mit den englischen Urlaubern ab. Ein Fußballer, kein Star.

Wann hat man sowas zuletzt gesehen? Natürlich, bei seiner Einwechslung in Düsseldorf hat man das zuletzt gesehen, aber woanders und an welchen anderen Orten sieht man so etwas noch? Ein Fußballer, der Fußball spielt, weil er das Spiel liebt, während viele andere den Zweikampf, die Parade oder die Grätsche lieben. Er liebte das Spiel und wir liebten ihn, obwohl es so sehr schwer fällt, jemanden zu lieben, der außer dem Spielen keinen Anlass dazu bietet. Außer dem Spielen keinen Anlass, und das ist, was es so einfach machte, den Mann mit der Non-Frisur und ohne Titel zu lieben.

Von nun an müssen wir quasi passiv lieben, er spielt nicht mehr, nicht mehr dort jedenfalls, wo ihn die Kameras einfangen und in unsere Sportschau oder zu 101greatgoals.com transportieren. Er spielt nur noch im Privaten, ab jetzt.

Die Lücke ist so wenig spürbar, weil er so wenig Star war, aber sie wird spürbarer werden, wenn die nächste Saison beginnt und die Tore Erzielenden wieder wie von der Tarantel gestochen auf die nächste Kamera zustürmen werden.

Wir lieben Fußball, und ich kenne niemanden, der Bernd Schneider nicht mag. Ein großer Spieler, im Wortsinne, geht von uns. Ein ins Reich der Privatheit. „Schade“ wäre zu wenig, es ist ein Trauerspiel und wir sind ganz verzweifelt, ob es so etwas, ob es so jemanden jemals wieder geben wird.

10 Kommentare

  1. Ok… ich hätte auch nicht widerstehen können… die hits für die überschrift mußtest du einfach mitnehmen. dennoch ist es nicht ordentlich. es ist verwerflich… der schnix jedoch, er hätte uns ins wm-finale 2006 schiessen können. doch er schoss eben keine tore.

  2. Ich nehme gar keine Hits mit. Mit so einer Überschrift ist man so sehr unter ferner liefen, dass man davon nicht profitiert. Kann ich gerne nachträglich per GA beweisen.

    Thematisch allerdings passte es.

    Ja, die große vergebene Chance von Bernd Schneider im WM-Halbfinale. Wir drehen uns alle im noch nicht gemachten Grabe um.

  3. Wir lieben Fußball, und ich kenne niemanden, der Bernd Schneider nicht mag.

    Doch, mich.

  4. Ich habe vom Tod vom Michael Jackson wie vom Karriereende von Bernd Schneider gestern innerhalb der gleichen 5 Minuten erfahren und ich gebe zu, daß mich letzteres ein kleines bißchen mehr bewegt hat. Und dabei habe ich nichts gegen „Jacko“ und finde zwar, daß „Schnix“ ein Klassespieler war, war aber nicht unbedingt ein Fan von ihm (wohl wg. falschem Verein…).
    Man lernt ja nie aus, was die eigenen kauzigen Prioritäten angeht.

  5. Also ich bin vollkommen bei Dir, Trainer! Mir wird der stille Sympath mit Liebe fürs Spiel ebenfalls fehlen, auch wenn ich es nicht mit der Pillentruppe halte. Ähnlich war mein Empfinden bei Mehmet Scholl, dessen Verein mir noch ferner lag, der sich aber immerhin anständig gen Kegelbahn verabschieden konnte. In diesem Sinne: Alles Gute, Schnix!

  6. Ist nicht so leicht zu beantworten.

    Natürlich ist Bernd Schneider ein toller Spieler, und er ist sicher auch kein größerer Arsch als alle anderen, aber bei allen anderen wird auch nicht so getan als ob sie liebenswertesten Sportsfreunde der Welt seien.
    Auf Schalke hat er einst Lincoln 90 Minuten lang zugequatscht, bis der am Ende nach ihm schlug und Schneider tat, als müsse man sich um sein Leben sorgen. Lincoln darf nicht schlagen und Schneider darf reden soviel er will, keine Frage. Wenn danach aber Schneider in einem Interview sagt, dass er nichts schlimmes gesagt hätte, weil er ja selbst seiner Tocher böse Formulierungen verbieten würde, kommt mir doch das Würgen.

    Ist wohl eine persönliche Sache. Schneider ist irgendwie ein gefühlter Werderaner, die sind mir alle zu normal und zu korrekt. Zu „leise“ vielleicht. Mir ist bewusst, dass sehr viele Leute solche eher „leisen“ Spieler als besonders sympathisch empfinden. Unter der Woche wird sich dann aber in der Regel über die „lauteren“ Spieler unterhalten und nicht darüber, wie sympathisch zurückhaltend Bernd Schneider oder Frank Baumann am letzten Samstag wieder waren.

    Übrigens finde ich, dass der Vergleich mit Scholl hinkt. Scholl ist witzig, Schneider ist Schneider.

  7. Eher langweilig als sympathisch.

    Das scheint für viele aber keinen Unterschied zu machen.

  8. „gefühlter Werderaner“??

    Gehts noch?

  9. Gefühlter Werderaner – eines der schönsten Schimpfwörter, die ich seit langem gehört habe.



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