Der wohldompteurisierte Zirkus lädt aus

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Angenommen die Menschheit hätte etwas erschaffen, was zahlreiche individuelle Ausprägungen der Menschheit enorm in ihre Bann zöge. So sehr, dass sie dafür weiteste Anfahrtswege in Kauf nähme, auf Treffen mit der Familie, kulturelle Veranstaltungen und noch viel mehr verzichteten, nur um dabei sein zu können, wengistens fernvisuell, wenn dieses Etwas zum Tanz bittet. Dieses Etwas wäre so fesselnd und mitreißend in seiner Art — gewiß, nicht bei jeder seiner Zelebrationen, aber allermeistens — dass ganze neue Kulturen drum herum gebaut würden, ohne dass der Mensch dafür einen Architekten dieser neuen Kulturen benötigte.

Dann wäre es wohl eine typisch menschliche Vorgehensweise, wenn man dieses Etwas möglichst schnell zum Gefangenen machte, nachts, an einem dunklen Orte, ohne es bei der Jagd ernsthaft zu verletzen, ihm heimlich die Klauen stutzte, und von nun an Eintritt nähme, von allen Gebannten, um es allwöchentlich, wohldompteurisiert im Zirkus tanzen zu lassen. Der Abgrund, an dem es tanzte, wäre kein echter mehr, der Bann des Publikums von der Zuckerwatte verklebt, so fest verklebt, dass keiner mehr ver- oder aufstünde, obwohl der alle Perserjahre mal vorkommende Absturz in den Graben Teil der ganzen Inszenierung wäre, fest eingeplant wie die Gitterstäbe, hinter denen es bis zum nächsten Abend verwahrt würde, rund geschliffen wären, auf dass es sich nicht zufällig verletzte.

Nicht typisch menschlich wäre es hingegen, nicht zu bemerken, dass der Graben nicht mehr echt ist, in den das Etwas fällt. Außer von Kindern.

Ein Kommentar

  1. Gerne gelesen. – Mir fiel dann irgendwann ein: Golden Goal. Tja, das könnense haben, die güldenen Kulturbanausen!



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