„Die solln ma endlich richtig Deutsch lernen“

| 25 Kommentare

Stimmt natürlich, kein Einspruch an dieser Stelle.

Gleichzeitig ist es allerdings erstaunlich, dass im Ruhrgebiet aufgewachsene Deutsche, die ja nun zu 85% bereits mit Türken in ihrem Umfeld aufgewachsen sind, im Jahr 2010 immer noch keinen blassen Schimmer von der Aussprache türkischer Namen, geschweige denn von der türkischen Sprache selbst haben.

So ist es wie der Beck’s-Trinker weiß in Stadien Usus, die Nachnamen der Spieler zu rufen, nachdem der Stadionsprecher den Vornamen serviert hat. Und letztens spielte ein Spieler mit dem Nachnamen „Yilmaz“ in einem Stadion, als neben mir tausende Leute oder zumindest die Dutzend direkt um mich herum laut und vernehmlich riefen: „Jilmatz“.

„-matz“ wie in Matze Knop.

Also eine deutsche Aussprache für eine türkische Schreibweise benutzten, wo doch gerade dieser eine Buchstabe noch der augen- und ohrenfälligste Unterschied in der Aussprache des gemeinsamen Alphabets ist.

20 Jahre lang, 25 Jahre lang, 30 Jahre lang, 35 Jahre lang, 40 Jahre lang, 45 Jahre lang, 50 Jahre lang begegnen diese Menschen anderen Menschen mit türkischen Nachnamen und wissen nicht das Basalste des Basalen über deren Aussprache.

Respekt!

25 Kommentare

  1. Und wie sprechen deutsche Reporter und VfB-Stuttgart-Fans den Nachnamen des deutschen Nationalspielers Serdar Taşçı aus (ich hoffe, die Sonderzeichen sind sichtbar)? „Taski“! Ist aber falsch – es müsste „Taschtsche“ heißen.

    Ich erinnere mich noch dunkel an irgendein Europapokalspiel des HSV in den Achtzigern. Bei den Hamburgern wirkte damals Mirosław Okoński mit – und der wurde von Marcel Reif vollkommen korrekt „Okoinski“ genannt (mit „oi“ wie in „Boiler“). Nach der Pause sprach er ihn dann „Okonski“ aus – mit der Begründung, es hätten sich zahlreiche Zuschauer beschwert.

  2. „Respekt!“

    Oder eben nicht Respekt… Aber der Ruhrgebietler meints ja nicht bös, wir wissen es dann nur nicht besser.

    Meine Vermutung ist, es handelt sich um fehlendes öffentliches Interesse, denn die deutschen Medien sind mit Namen und Aussprache ja sehr korrekt. Teilweise dann auch wieder zu penetrant… aber es wirkt.

    P.S.: Nach 28 Jahren Duisburg würde ich bei mir auch höchstens von einem groben Gefühl fürs Türkische sprechen. Geschrieben sieht mans ja doch hauptsächlich in der Dönerbude.

  3. Wenigstens gibt es in Deutschland das Bemühen oder zumindestens die grundsätzliche Fähigkeit fremde Namen korrekt auszusprechen. Franzosen oder Engländer scheinen da weniger Interesse an sowas zu haben und ob es eine ähnliche Diskussion um die korrekte Aussprache eines Grafite auch in anderen Ländern gibt wage ich zu bezweifeln.

  4. Einerseits: Türkisch hat eine 1:1-Entsprechung von Buchstaben zu Aussprache, und ein Deutscher muss ö und ü nicht lernen. Die Ausspracheregeln kann man in zwei Minuten erklären.

    Andererseits: Aufnahme fremder Namen in die Sprache des Einwanderungslandes läuft anders. Gerade im Ruhrgebiet wurden die polnischen Namen germanisch glattgebügelt, Wojtecki wird nicht Woitetzki, sondern Woitekki.

    Nochmal andererseits: Nicht nur dem Bildungsbürger ist die „korrekte“ Aussprache hugenottischer (de Maiziere) und italienischer Namen geläufig.

    Fazit: Migration ist kompliziert, und manche Migranten haben es nicht leicht.

  5. Serdar Taşçı – das ist wirklich interessant.
    Warum hat der Spieler eigentlich nie die korrekte Aussprache seines Namens in Interviews erwähnt?

    Um die richtige Sprechweise des Spielers Grafite wurde ja ziemlich viel Aufhebens gemacht.

    Sonderzeichen werden sowieso ganz gerne unterschlagen.

  6. Ich halt’s da mit mettskillz: Wir müssen uns beileibe nicht schämen, dass die Aussprache mancher Namen noch ausbaufähig ist. Wenigstens ist überhaupt so etwas wie Bemühen zu erkennen.

  7. Bis „Huntelaar“ regelmäßig richtig ausgesprochen wird, werden auch noch ein paar Jährchen vergehen…

    Ich erinner mich, als irgendein Kommentator „Saaaaalik“ statt „Saglik“ sagte, da beschwerten sich auch einige in Foren Aktive: „Seid wann heißt der denn so?“

  8. Taşçı ist schon einmal richtig mies, aber erst Hoffenheims Isländer schießt den Vogel ab, Gylfi Sigurðsson. Ein Forum liefert die passende Aussprache:

    Vorname: ganz einfach „Gilfi“
    Nachname: in etwa „Schichurthsson“ -> das S am Anfang ist ne Mischung zwischen s und sch, das g wird zum ch (ähnlich wie in „ach“) und das Eth (ð) wird wie das th in engl. „that“ ausgesprochen.

    Was ist das nur für ein Land, dass die Sprachkultur seiner zukünftigen EU-Mitbürger ignoriert.

  9. Interessant, dass Tascis extra rausgegoogelte Sonderzeichen nicht dargestellt werden können. Hat mit Sicherheit der Herr Sarrazin abgeschafft.

  10. Andrööösen

  11. Ich hab sie jetzt bei Dir, ste, wie auch bei Lizas Welt und Stadtneurotiker von Hand nachgetragen, zu finden sind sie hier: http://unicode.e-workers.de/tuerkisch.php, trägt man das reine Zeichen ein, wird es offensichtlich nicht akzeptiert.

    Ich meinte mit meinem Beitrag aber eben nicht die Geschichte um Andrösen oder einen Namen aus Island oder einen aus Indonesien, sondern eine um einen Namen, dem jeder x-te in seiner eigenen Schulklasse schon begegnet ist (oder eben Variationen davon).

    Zur Diskussion um die Aussprache durch Kommentatoren hatte sternburg mal einen guten Link zu – ich glaube – Seitenwahl.de, in dem der Autor sich gelungen darüber beschwert, dass deutsche Fußball-Kommentatoren mehr Zeit für die richtige Aussprache der Namen aufwenden als irgendwas zur Taktik oder Strategie der Mannschaften abzusondern. Dem würde ich zustimmen und finde es – mittlerweile – auch nicht mehr allzu tragisch, wenn Name x oder y nicht korrekt ausgesprochen wird.

    Aber wenn ein Zuschauer auf der Tribüne nicht weiß, wie sein Nachbar ausgesprochen wird, finde ich das nach eben oben besagten Jahren des Nebeinanderlebens schon bemerkenswert und eben eigentlich nicht akzeptabel. Auch wenn Akzeptanz oder Toleranz nicht unbedingt auf Interesse am Anderen beruhen müssen.

    Irgendwie blind muss man dann aber schon sein, siehe erz‘ Kommentar.

  12. @ste
    Ist es nicht ein wenig viel verlangt, alle sprachlichen Besonderheiten der EU-Länder zu kennen? Ich bemühe mich gerne um die korrekte Aussprache des Isländischen oder Litauischen. Ich habe bis jetzt aber weder einen Isländer oder Latauer persönlich getroffen, um aus kundigem Mund die korrekte Aussprache zu erlernen.

    Mich stört viel mehr, daß in nahezu sämtlichen Veröffentlichungen (auch auf Trikots usw.) Namen wie Taşçı oder Gómez falsch geschrieben werden.

    Ja, und türkische Allerweltsnamen sollte man schon richtig aussprechen können. (Allerdings habe ich lange gebraucht, um Uğur korrekt ohne g wiederzugeben.)

  13. @Trainer
    Bei diesem Edelexemplar von Zuschauer möchte man mit Sicherheit direkt eine Mischung aus Ignoranz und Dummheit attestieren, aber ich halte den Gedanken für gefährlich zu kurz gedacht. Sind wir denn besser, wenn wir die französische Hauptstadt konstant und seit hunderten von Jahren [Paris] statt [Pari] aussprechen? Seit Dekaden und Säkula sind wir Nachbarn und haben diese Unart doch nicht abgelegt.

    (Und wer jetzt relativieren möchte, dass zwischen der Hauptstadt und dem Vornamen ein großer Unterschied besteht, der hat noch nie mit einem Franzosen gesprochen. Beleidige sie persönlich, gut, aber beleidige NIEMALS ihre Nation.)

    @Stadtneurotiker

    Eine Unart des Internets. Da von Land zu Land die Sonderzeichen unterschiedlich und infolgedessen nicht auf jeder Tastatur aufgeführt sind, lässt man sie einfach weg. Wir folgen im Netz sowieso andauernd dem dominierendem Englischen, irgendwie also nur konsequent. Erst fehlen sie in den Presseberichten, dann auf dem vereinseigenem Internetauftritt und irgendwann auch auf der Trikotbeflockung. Irgendwie sicher eine Frage der Sorgfalt, irgendwie aber eben auch nur konsequent, da wiederhole ich mich gerne.

    Ich persönlich kämpfe für Fàbregas und Arsène, ignoriere dagegen mit Freude den Spitznamen der katalanischen Superhelden. Wo das endet, weiß man spätestens, wenn Lothar Matthäus sich zu Wort meldet. BARKA!

  14. Ein vielleicht nicht ganz optimales Beispiel zu den türkischen Namen.

    Über den Fußball habe ich einen Iraker kennengelernt; auf Vereinsebene habe ich gegen, in der Auswahl mit ihm gespielt. Mit Vornamen hieß er Sirvan, ohne irgendein Sonderzeichen. Seltsamerweise wurde er von Semihs und Muhammeds innerhalb der Auswahl [Serwan] gerufen, während die Janniks und Marcs [Sirwan] gesagt haben. Der Coach wandelte zwischen beiden, ebenso seine Mitspieler im Verein. Das Besondere: Auch er selbst gab sich mal so, mal so aus, obwohl [Sirwan] korrekt gewesen wäre.

    Die Kernaussage: Vielleicht ist es manchen auch einfach nur scheissegal. Hauptsache, sie werden überhaupt gerufen (und nicht beschimpft).

  15. Treno, watt textest Du hier?

  16. Deutsche sind wirklich vorbildlich, was die korrekte Aussprache angeht, also wer z.B. mal in einem frankophonen Land war, weiß was ich meine. Da wird brutal alles so ausgesprochen, wie die Buchstabenkombination auf französisch heißen würde.

    In Deutschland dagegen wurde aus dem polnischen Skispringer auf einmal „Mauisch“ und über die Aussprache von Grafitsch wurden glaube ich Diplomarbeiten vergeben. Das Bemühen ist wirklich da.

    Wenns falsch ist, ist es wirklich allermeistens Unwissen, und da bliebe höchstens die Frage, ob man sich für türkisches weniger interessiert und warum.

  17. Ein paar von uns machen sich im Stadion regelmäßig einen Spaß daraus, den Namen Tasci bei der Bekanntgabe der Aufstellungen im Stadion lautstark und – sofern wir’s richtig können – korrekt zu rufen.

    Was zu mitleidigen irritierten Blicken führt.

  18. Auf vielfachen Wunsch einer Einzelperson: Der vom Trainer erwähnte Kommentar auf Seitenwahl.de ist von Christian Heimanns und hier erhältlich.

    Musste ich aber auch erstmal suchmaschien. War jedoch nicht so* schwer.

    Im Übrigen bin ich hier voll und ganz des Trainers Meinung. Falls das jemanden interessiert.

    [*Nein, liebe Kinder, dass dies kein beleidigter „let-me-google-that-for-you“-Link ist, ist kein Zufall]

  19. Danke außerordentlich für den Link.

  20. Heute beim VfL Bochum, die Stehtribüne der Heimfans ruft den Namen von Mahir Sa?l?k, des in Paderborn geborenen Schützen des einsnull, „Saalik“. Auf der Anzeigetafel stand „Saglik“.

  21. Dann haben sie ja alles richtig gemacht. ;-)

    Wird in Nürnberg eigentlich richtigerweise Gündoan, also ohne g gerufen?

    Was mir persönlich auch auf die nerven geht ist falsch Aussprache von Namen aus BeNeLux. Jeder Reporter sollte mittlerweile wissen, dass Herr de Roeck aus Augsburg (mehr oder weniger) de Ruck gesprochen wird und Erwin Koen ehemals (Aachen, Paderborn, Wehen) eben nicht Kön.

  22. Da müsste aber schon ein Roeck durch die vereinigte Kommentatorenschaft gehen.

  23. Ich bin auf ihre Seit gestoßen, als ich nach der richtigen Aussprache des Namen Yilmaz gesucht habe, um eben bei der Begrüßung nicht “ Jlimatz“ sagen zu müssen, weil ich es nunmal nicht besser weiß – abr leider konnte ich auch hir die Antwort darauf nicht finen – wie schade! dabei finde ich, das gehört zusammen, wenn man sich darüber beklagt, das andre twas nicht wissen/können, sollte man doch bestrebt sein, es ihnen nah zu bringen, egal wer, egal wem.. – aber nur meckern, statt es als Aufgabe zu begreifen und sich verantwortlich zu zeigen war ja schon immer leichter!



Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.