Ein Tag im Tor oder Krimineller Kallus

| 3 Kommentare

War wirklich sonnig an dem Sommertag. Wir spielten. Nicht mal im Verein, sondern nur so für uns. „Wie man das damals halt so machte.“ Einer muss mal ins Tor, sonst macht das ja keinen Spaß. Okay, also geh ich zwischen die beiden Naturpfosten, die aus Bäumen bestanden (Freunde der Interpretationen der Werke Kafkas erkennen den Unterschied zur Formulierung: die aus Bäumen bestehen), aber tatsächlich für unsere Spiel- und Torhüterkünste ein perfekt großes wie kleines Tor zauberten. Spannende Spiele, stundenlang. Die Sonne brannte. Machte aber nix. Weil es einfach so viel Spaß barg und auch so spannend war.

Dann kommt die Flanke von vom Torwart (in dem Moment ich) aus gesehen links, kein Problem, da geht der Torwart raus, fangen nein, aber fausten ja. Natürlich fausten.

Nur muss man fürs Fausten auch eine Faust machen und nicht die ausgestreckten Finger dem Ball entgegenrecken. Dann — plöp — fällt der Ball fast senkrecht von oben auf die Hand, trifft den Ringfinger, die Situation ist geklärt, kein Tor.

Der Ringfinger wird dick. So dick, dass man sogar, will man ja eigentlich nicht vor den anderen Leuten, den Handschuh ausziehen muss. Die Partie wird unterbrochen. „Was ist los?“ Kann man nicht drauf antworten, man ist schließlich weder Mediziner noch Sanitäter. Der Ringfinger ist dick und damit kann man nicht weiterspielen.

Die anderen gehen zu Tennis oder Badminton über, über die selbstgebastelte Schnur zwischen ebenfalls, aber anderen Bäumen. Man selbst geht nach Hause und denkt sich nicht allzu viel dabei. Eine „Verstauchung“ ist und war schließlich eine weit verbreitete Vokabel, und die ging immer noch von selber weg. Also nicht zum Arzt.

Zwei Jahrzehnte später ist der Ringfinger der — plöp — Hand immer noch um das erste Gelenk herum dicker als die übrigen Finger. Und so richtig knicken kann man ihn auch nicht, jedenfalls nicht so schnell wie die restlichen neun. Alles halb so wild, schließlich spielt man weder Handball, noch ist man serienmäßiger Torhüter. Dass er aber immer anfängt zu schmerzen, wenn sich das Wetter ändert, ist dann noch peinlicher als damals den Handschuh ausziehen zu müssen. Schließlich glaubt man nicht an so einen Quatsch wie „Wetterfühligkeit“ oder dergleichen. Unzweifelhaft aber tut der Finger weh, wenn sich das Wetter schnell ändert.

Ein paar Tage nach den zwei Jahrzehnten später spricht man mit einem Menschen, der schon immer Volleyball spielt, und sich deshalb auskennt mit von oben auf Finger plöppenden Bällen und plötzlich hält er die Erleuchtung bereit: Kallus.

Et gibt Kallus, wenn dat Wetter sich ändert. „Kallus“.

Die Konsistenz dieses Kallus-Konstrukts ist eine andere als die des übrigen Fingers, weshalb sie schneller auf Temperaturveränderungen reagiert.

Und man dachte zwei Jahrzehnte lang, man würde halluzinieren und wusste nicht, wem man sich mit solchem esoterisch angehauchten Kram von wegen „Wetterfühligkeit“ des Ringfingers anvertrauen hätte sollen.

3 Kommentare

  1. Wetterfühligkeit im Finger, nicht schlecht. Dank Fußball sind meine Fußgelenke aufgrund der vielen Bänderüberdehnungen immer noch etwas unförmig. Wetter fühlen kann ich aber damit nicht ;-)
    Gruß
    Fulano

  2. Fußball ist halt ein Sport, der einen Ewig erhalten bleibt… und sei es nur in wetterbedingten Schmerzen.

  3. Joa.
    Sommer `99, eine Glanzparade, wie man sie nur aus Zeitlupen kennt, man hört direkt die Geigen schluchzen, als der Torwart (in dem Fall ich) waagerecht in der Luft liegt.
    Der Ball ging dann eh vorbei, mein linker kleiner Finger nicht, und zwar am Pfosten. Und weil es leider dann doch keine Zeitlupe war, mit einer ziemlichen Geschwindigkeit. Aua.
    Man kühlt sowas dann ja mit Kühlpacks und geht nicht in die Unfallchirurgie oder so. Heute tut der zwar nicht weh und ist auch problemlos biegbar, aber sieht nach wie vor aus wie ein örtlich begrenzter Rachitisanfall.



Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.