Germany — Ecuador 4:2
Eine Welt ohne Hype ist möglich

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Die USA-Reise ist in vielen Aspekten eine außergewöhnliche Erscheinung, zumindest im deutschen Länderfußball. Eine Erscheinung, welche hier außerordentlich goutiert wird. Nun kann man und muss sowieso niemanden überreden, sich für Partien zu interessieren, welche in der Atmosphäre eines Mittags vor einem Sommerfest, dazu ohne Stammspieler durchgeführt werden.

Doch hat eine solche Reise für den Connoisseur viel zu bieten, wie die Partie Deutschlands gegen Ecuador wieder einmal bewies.

Da wäre zunächst der Umstand, dass keine Miniturniere mehr existieren, wie es der/die/das Mundialito mal war. Oder jenes Vierländerturnier in West-Berlin als Entschädigung dafür, dass die Stadt kein Austragungsort bei der EM 1988 sein konnte. Die USA-Reise ist zwar kein Turnier, aber immerhin eine wenn auch kurze Folge von Partien des selben Kaders.

Gefolgt vom Umstand, dass es selten nur noch Länderspiele der Deutschen auf neutralem Boden gibt, die nicht Teil eines großen Turniers sind. Entweder man spielt beim Gegner, zu Hause oder eben bei einem solchen Turnier. Die Partie gegen Ecuador kannte nur auf dem Papier ein Heimteam.

Was wiederum zu Punkt Drei führt: Es war eines der selten gewordenen Länderspiele ohne den ausgesprochen widerlich gewordenen Schlandismus, dessen Auswüchse inzwischen noch das Niveau jener hauptsächlich zum Konsumieren von geistigen Getränken genutzten Karnevalsparties unterschreiten. Denn für ein Freundschaftsspiel fliegen nicht mal alle vom Club der Freunde der Nationalmannschaft bis nach Florida — und von den Ecuadorianern waren auch nicht viele zu sehen.

Was direkt zum vierten angenehmen Aspekt führte: Endlich mal wieder zu erleben, dass Fußball nicht nur im Berliner Olympiastadion, in Köln, Nürnberg oder auch in Mailand, Athen, Amsterdam in immer gesichtsgleicher werdenden Arenen stattfindet, nicht nur in der TV-Traumwelt, die man aus diesen Stadien zaubert. Sondern schlicht in einem schnöden College-Stadion, welches doch glatt nur über drei Tribünen verfügt.

Und so sommerlich entspannt, ohne Schlandismus, sogar ohne „TV-Experten“, welche ohnehin meist die Bezeichnung inhaltlich nicht rechtfertigen, lief dann auch die Partie. Was darin gipfelte, dass sich Tom Bartels gar nicht mehr beruhigen konnte, dass die Ordner den Flitzer nicht sofort per Massensprint von allen Seiten zu Fall brachten und als Schwerverbrecher abführten, sondern schlicht gewähren ließen.

Wie es dem tatsächlichen Vorfall bei einem Flitzer nun mal auch angemessen ist. Sicher will niemand, dass Spiele ständig davon unterbrochen werden, wenn manche das gar als Profession betreiben, mit Werbung auf dem Shirt flitzen, wird es lästig. Das Flitzen an sich aber ist so dramatisch wie wenn vor einem Spiel die verkehrte Hymne gespielt wird: Es ist nun mal einfach ein Garnichts, egal wie schwer Bartels in sein Mikro hyperventiliert.

Vom Spielverlauf sah der Autor aufgrund aktueller Meidericher Metamorphosen leider nicht alles, um hier schlaue Sätze absondern zu können. Dieser Podolski aber, der könnte was für die A-Mannschaft sein.

Was für ein Genuss es doch war, ein Fußballspiel ohne all diesen lästigen Hype zu sehen, ob ohne Schlandis vorm Kneipen-TV, im Stadion selbst oder bei den Berichtenden.

Was wäre der Fußballkosmos nur ohne diese USA-Reisen der Nationalmannschaft?

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