Immer noch unheilbar

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Wenn man sich die Frage stellt, warum Mario Gomez in der Nationalmannschaft so unbeliebt ist, darf man einen Aspekt nicht vergessen. Weil an jeder Ecke an die eine vergebene Torchance gegen Österreich immer und immer wieder erinnert wird, als könnte man diesen Geist nicht endlich mal ruhen lassen.

Dass dabei die Realität verdreht wird, macht es sicher nicht entscheidend schlimmer, aber auch nicht gerade besser. (Hervorhebungen von hier). Alle Beiträge aus den letzten Tagen:

Der Spiegel schreibt:

„Seit er bei der Europameisterschaft 2008 gegen Österreich einen Ball aus kurzer Distanz über das Tor schoss, hat er einen schweren Stand im Nationaltrikot.“

Sport1:

„Fünf Meter vor dem Tor stolpert Gomez den Ball in bester Slapstick-Manier über das Gehäuse.“

Morgenweb:

„Bei der EM 2008 gegen Österreich in Wien säbelte er den Ball übers leere Tor […]“

Es wird nicht richtiger, indem man es gedankenlos ständig wiederholt. Gomez schoss bei der EM 2008 keinen Ball aus kurzer Distanz übers Tor. Inzwischen gibt es zwar einige, denen das wieder eingefallen ist, aber längst noch nicht allen.

Wie es wirklich war, sieht man z. B. hier (mit ein bisschen Diskussion dazu).

Die Erinnerung an diese eine Situation ständig wachzuhalten — glaubt jemand ernsthaft, eine einzige, wie wurschtig auch immer vergebene Torchance kann der Grund für jahrelange Pfiffe sein? Nein, das behaupten die Autoren nicht. Warum aber muss das Ganze dann stets falsch wiedergekäut werden?

Man kann das alles wohl nur im Geiste von Heinrich Lübke ertragen, der nach dem Wembleytor 1966 Folgendes von sich gab:

„Ich habe im Fernsehen genau gesehen, wie der Ball im Netz zappelte.“

Dann wird es auch so gewesen sein.

5 Kommentare

  1. Wissen die Leute eigentlich noch, wer dieser Lübke war?

  2. Lübke? Aber selbstverständlich.

    Bei Gomez fällt mir das schon schwerer. Ich halte das mit dem Nicht-Tor gegen Österreich übrigens für Blödsinn. Gomez wirkt so, als würde ihm alles zufliegen. So jemand ist selten beliebt.

    Ich jedenfalls kann seine fabelhafte Trefferquote nicht erklären und ich kann mich (mit einer Ausnahme) auch an keine einzige irgendwie bemerkenswerte, atemberaubende Aktion von ihm erinnern. Gomez ist da, wo der Ball hinfällt und macht ihn rein. Ende der Geschichte.

    Das wird wohl völliger Unfug sein und ohne eine gewisse Technik und physische Qualitäten kommt man bestimmt nicht dahin, wo Gomez ist bzw. war. Allein, mein Auge sieht das nicht. Und es wird wohl nicht das einzige Auge sein.

    Hinzu kommt noch, dass sein medial verbreitetes Abbild, mit Verlaub, ausgesprochen unsympathisch rüber kommt. Ganz anders z.B. als der auf dem Platz – anders als Gomez -tatsächlich ausgesprochen unsympathisch handelnde Thomas Müller. Aber das sieht man als Fernsehzuschauer nicht so eng.

    Wer viel macht kann viel falsch machen. Wer sich viele Chancen erspielt, der wird auch einige verhühnern. Die Aktion gegen Österreich war übel, aber der öffentliche Gegenwind hätte auch andere Anknüpfungspunkte gefunden. Dieser ist nur besonders schön.

  3. Oh, ja – da habe ich noch am nächsten Tag jeden korrigiert mit dem Nicht-Tor der EM.
    Alles nicht so einfach mit dem Ruf. Neulich gegen Argentinien, musste sich Gomez ja anpupen lassen, weil Torhüter und Verteidiger so dreist waren, seine Schüssen zu parieren bwz. zu blocken. Toni Kroos schiebt den Ball von der Strafraumgrenze *neben* das Tor und alle schwärmen von seiner Schusstechnik.

    Anderes Thema, ähnliche Baustelle: Özil. Der leitet in einigen Länderspielen die einzigen Torschüsse ein, spielt wunderschöne Steilpässe und verzieht knapp aus kurzer Distanz.
    Dafür wird er beim Wechsel gnadenlos ausgebuht.

    Kroos Gewaltschüsse am Tor vorbei gelten jedoch als heroisches Meisterwerk. Und weil er die Ecke zum Sieg-Tor schlägt, ist er der Held des Spiels.

  4. Die Rezeption von Kroos finde ich fast noch interessanter als die von Gomez. Da ist ein deutscher Spieler aus meiner Sicht der beste der WM, mit unfassbarer Sicherheit im Spielaufbau und trotzdem lese ich ständig negative Meinungen zu ihm. Ja, das ständige Erwähnen der Schusstechnik nervt und er schießt tatsächlich obwohl die Technik wirklich gut ist auch oft genug vorbei – aber das überdeckt doch nicht, was das für ein wahnsinniger Spieler ist.

    Gomez und die eine vergebene Chance halte ich auch für Quatsch. Gomez ist einfach, trotz meines Erachtens besserer Technik, weniger vielseitig als Klose. Noch dazu strahlt er eine Art von unsympathischer Arroganz aus, die ich nicht ab kann; ich denke viele andere auch nicht. Dabei bin ich mir noch nicht mal sicher, dass er tatsächlich so ist. Er wirkt aber so. Ich glaube, dass es Gomez in der Rezeption sehr schadet, Konkurrent bzw. jetzt möglicher Nachfolger von Klose zu sein.

  5. ich denke nicht, dass die negative Wahrnehmung von Gomez an der einen vergebenen Chance liegt. Gefühlt würde ich sagen, dass Gomez in der Nationalmannschaft grundsätzlich unglückliche Auftritte hatte. Wenn man sich die Trefferausbeute anschaut kann dass allerdings nicht ganz stimmen.
    Dennoch kommt mir Gomez oft wie ein Fremkörper im Team vor. Ein Klose hat da einfach besser reingepasst.



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