Schießt ein Tor für uns

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Früher gab es das nicht.

Den Fangesang „Verein xy, schieß ein Tor für uns!“, der mich mit seiner sinnlich-flehenden Art immer wieder verwirrt, weil es so etwas in einer immer noch testosterongetränkten Fankurve eigentlich nicht geben dürfte.

Das Flehende an dem Gesang wirkt, als solle der Fußballgott beschworen werden.

Das Sinnliche daran ist so fremd in einem Fußballstadion, dass es mich wie gesagt immer wieder umwirft.

Die Komponente, dass hier die sonst üblichen Verhältnisse in einem Stadion umgekehrt werden, darf ebenfalls nicht übersehen werden. Normalerweise feuert der Fan seinen Klub, seine Stadt, sein Land an. Aber er tritt nicht in der Rolle eines Ansprüche Erhebenden an seine Heroen auf dem Rasen auf.

Hier, mit diesem Gesang, ist genau das der Fall. Der Zweck des Toreschießens wird den Spielenden entrissen, nicht derjenige, der selbst spielt, soll möglichst gewinnen und sich daran erfreuen. Derjenige, der zuschaut, soll erlöst und belohnt werden, und der Spielende wird vom Zusehenden dazu aufgerufen, diese Erlösung zu bewirken.

Interessante Umdrehung.

5 Kommentare

  1. Uh, so weit haben meine Gedanken nicht gereicht, aber mir ist genau das selbe aufgefallen! Ich war wegen eines Auslandsaufenthaltes 1 1/2 Jahre nicht mehr im Weserstadion und dann komme ich wieder und die Ostkurve singt etwas, mir vollkommen, neues. Ebenfalls dieses „schießt ein Tor, für uns“.

  2. „Echte“ Fußballfans verstehen sich eben nciht als Kunden sondern als Teil des Ganzen. Daher finde ich diesen (sehr schönen mMn) Anfeuerungsruf auch passend zu diesem Selbstverständnis. Fans im Stadion sind eben nicht nur einfache Zuschauer demnach.

    Daher sehe ich auch nicht wirklich eine Umkehrung.

  3. In Bochum gehört diese Weise auch zum Repertoire. Ich fand den Chant auch immer merkwürdig entrückt und man neigt dazu ihn mitzusingen und erst nach einer weile zu bemerken, dass man mitsingt. Ausserdem habe ich den Verdacht, dass er auf Zuschauer
    und Spieler eine gewisse sedierende Wirkung hat. Ich verbinde jedenfalls eher endloses Mittelfeldquergeschiebe als mitreissende Offensivaktionen mit diesem Gesang. Na ja
    solange es den Gegner auch einschläfert…

  4. Oh Trainer, danke für diesen Gedanken. Wie oft habe ich schon versucht Stadiongästen zu erklären, daß man mit dem Erwerb eines Tickets für eine Fußballveranstaltung keinen Anspruch auf ein gutes Spiel hat.

  5. Man hat eigentlich überhaupt keinen Anspruch auf irgendetwas, nur, weil man sich selbst Fan von irgendetwas nennt. Das ist eines der großen Dilemmata der meist jugendlichen Fanszene, die von sich behauptet, Bewahrer von irgendetwas zu sein oder irgendetwas „orginär“ darzustellen. Das ist so lächerlich, als wenn ich mich als Fan der DB mit DB-Fähnchen und DB-Trikot an einen Bahnhof stelle, die einfahrenden Züge bejubele und dann erwarte, dass ich mitentscheiden darf, zu welcher Uhrzeit und zu welchem Tarif die Züge verkehren dürfen. Lächerlich.



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