Zum Inhalt springen

Schlagwort: 1. FC Heidenheim

Alle Torschützenkönige der 3. Liga

Erst seit dem Jahr 2008 existiert in Deutschland eine eingleisige 3. Liga, die anders als die zuvor drittklassigen Regionalligen eine echte Profi-Liga ist. Allerdings ist sie anders als Bundesliga und 2. Bundesliga unter dem Dach des DFB zu finden, während die beiden höheren Klassen von der DFL betrieben werden. Sportlich war ihre Einführung sicher ein Erfolg, auch, was die Zahl der Zuschauer im Stadion und mittlerweile auch immer häufiger vor den TV-Geräten und Streams angeht, ist die 3. Liga eine gelungene Änderung gewesen. Finanziell mag es zwar anders aussehen, von vielen wird diese 3. Liga auch als „Totengräberliga“ bezeichnet, weil die Einnahmen so gering, die Ausgaben aber eben auf Profi-Niveau sind. Traditionell interessiert uns hier aber die finanzielle Seite des Fußballsports nur insoweit, als ein gewisser Etat zum Überleben eben nötig ist und es leider bereits mehr als einmal vorgekommen ist, dass ein sportlich die Klasse gehalten habender Club aus monetären Gründen zwangsweise die 3. Liga verlassen musste.

die Aufsteiger der 3. Liga werden oder auch, wer dort Torschützenkönig wird, darauf kann man übrigens hervorragend eine Wette bei einem der vielen Anbieter wie z. B. Tipico platzieren und sich bei einem richtigen Tipp über einen kleinen Gewinn freuen. Zudem kann man so die 3. Liga auch dann mit Spannung verfolgen, wenn man dort eigentlich keinen Lieblingsclub hat. Apropos sportliche Seite, dafür wurde diese Liste hier ja zusammengestellt. Der Rekord an Toren in einer Saison liegt noch bei vergleichsweise bescheidenen 27 Toren von Dominik Stroh-Engel in der Saison 2013/14, damals für den SV Darmstadt 98 aktiv, für den er später sogar noch Tore in der Bundesliga erzielte. Ansonsten bleibt beim Blick auf die Torjäger festzuhalten, dass es schon zwei Spielern gelang, zweimal Torschützenkönig der 3. Liga zu werden. Das ist zum einen Anton Fink für den SV Sandhausen und für den Chemnitzer FC, zum anderen ist dies Fabian Klos, der dies beide Male für Arminia Bielefeld schaffte. Und die allermeisten dieser Clubs, die den Torjäger stellten, stiegen früher oder später dank dieser vielen Tore in die 2. Bundesliga auf, zuletzt der Karlsruher SC mit dem Torschützenköig Marvin Pourié. Wer
Hier dann also die Liste mit allen glorreichen Torjägern der noch jungen Historie dieser Liga.

Liste Torschützenkönige 3. Liga

Saison Torschützenkönig Club Tore
2008/2009 Anton Fink SpVgg Unterhaching 21
2009/2010 Regis Dorn SV Sandhausen 22
2010/2011 Domi Kumbela Eintracht Braunschweig 19
Patrick Mayer 1. FC Heidenheim 19
2011/2012 Marcel Reichwein FC Rot-Weiß Erfurt 17
2012/2013 Anton Fink Chemnitzer FC 20
Fabian Klos Arminia Bielefeld 20
2013/2014 Dominik Stroh-Engel SV Darmstadt 98 27
2014/2015 Fabian Klos Arminia Bielefeld 23
2015/2016 Justin Eilers Dynamo Dresden 23
2016/2017 Christian Beck 1. FC Magdeburg 17
2017/2018 Manuel Schäffler SV Wehen Wiesbaden 22
2018/2019 Marvin Pourié Karlsruher SC 22
2019/2020 - - -

Häufig nur wenige Tore nötig

Bemerkenswert ist auch, dass gleich viermal eine Zahl an erzielten Toren unter 20 reichte, um sich die Torjägerkrone der 3. Liga zu sichern. Dies nicht zuletzt aus dem Grund, dass die 3. Liga ja mit 20 Teams ausgetragen wird. Jeder Club absolviert also vier Spiele pro Saison mehr als die Teams in den ersten beiden Ligen. Ergo hat jeder Spieler 360 Minuten mehr Zeit, Tore zu erzielen. Womöglich liegt der oft relativ geringe Wert an Toren aber auch daran, dass die 3. Liga in aller Regel ziemlich ausgeglichen ist und es nur selten ein oder zwei Topteams gibt, die beinahe in jedem Spiel treffen. Hier kommt es auch für die Teams an der Spitze immer mal wieder zu längeren Durststrecken und somit naturgemäß auch für deren Stürmer.

Kommentare geschlossen

Alle Meister der 3. Liga

In anderen Ländern schon lange üblich, gibt es in Deutschland eine landesweite, einheitliche 3. Liga, in der auch Profifußball gespielt wird, erst seit der Saison 2008/09. Davor wurden die Aufsteiger in die 2. Bundesliga noch aus zwei geographisch aufgeteilten Regionalligen ermittelt, das war mit der Einführung dieser 3. Liga hinfällig. Seitdem steigen der Meister und der Zweitplatzierte am Ende einer Saison direkt in die 2. Bundesliga auf. Der Drittplatzierte darf eine Relegation gegen den 16. der Endtabelle der 2. Bundesliga in Hin- und Rückspiel austragen. Erstaunlicherweise bislang häufig mit dem besseren Ende für den Drittligisten.

Liste Meister 3. Liga in Deutschland

Die lange Saison mit 38 Spielen in der 3. Liga schlossen also die folgenden Clubs bislang als Meister ab, was jeweils mit dem direkten Aufstieg in die 2. Bundesliga belohnt wurde.

Saison Meister
2008/09 1. FC Union Berlin
2009/10 VfL Osnabrück
2010/11 Eintracht Braunschweig
2011/12 SV Sandhausen
2012/13 Karlsruher SC
2013/14 1. FC Heidenheim
2014/15 Arminia Bielefeld
2015/16 Dynamo Dresden
2016/17 MSV Duisburg
2017/18 1. FC Magdeburg
2018/19 VfL Osnabrück
2019/20 -

Der Kenner und auch der Laie erkennt unschwer, dass es bislang erst einen Club gab, der diesen durchaus nicht irrelevanten Titel des Meisters der 3. Liga zweimal gewinnen konnte. Das ist der VfL Osnabrück mit bislang zwei Titelgewinnen, die ihn jeweils in die 2. Bundesliga führten. Ansonsten hielten sich tatsächlich die meisten Meister der 3. Liga auch dauerhaft in der 2. Liga, Ausnahmen stellen aktuell lediglich jener „Rekordmeister“ VfL Osnabrück, Eintracht Braunschweig, der Karlsruher SC, der MSV Duisburg und der 1. FC Magdeburg dar. Doch keiner dieser Clubs versank bislang tiefer als in diese hier Thema seiende 3. Liga, was wiederum nicht bedeutet, dass dieses Schicksal nicht schnell doch diesen oder jenen Club ereilen könnte. Das wiederum macht die 3. Liga auch so spannend insbesondere für Saisonwetten auf ihren Verlauf. Hohe Quoten gibt es hier abzuräumen, wenn man denn mit seinen Tipps auf Meister, Aufsteiger oder Absteiger richtig liegt und da bietet sich natürlich auch die Nutzung des Bet at home Gutschein 2019 an, der zusätzlichen Einsatz ohne eigene Einzahlung bei derartigen Prognosen ermöglicht.

Viel Abwechslung in Liga 3

Wie diese Liga ohnehin immer wieder für einige Überraschungen gut ist. Vor allem aber bietet sie dem geneigten Fußballfan etwas, was man aus der Bundesliga heutzutage kaum noch kennt. Einen bis zum letzten Spieltag in vielen Belangen spannenden Saisonverlauf, mit wechselnden Tabellenführern, mit überraschenden Aufsteigern, ebenso aber auch überraschenden Absteigern.

Dennoch fliegt die 3. Liga bei vielen Fußballfans, die nicht zufällig Anhänger eines der teilnehmenden Clubs sind, immer noch weit unter dem Radar. Für viele existiert sie kaum, solange ihr Club nicht selbst durch die Knochenmühle der 3. Liga muss. Immerhin wird diese – anders als erste und zweite Liga in Deutschland – mit 20 Clubs ausgetragen und nicht mit 18. Das bedeutet für den geneigten Fan gleich vier Spiele in einer Saison mehr und natürlich auch zwei Heimspiele mehr. Das alles zehrt aber auch spürbar mehr an den Kräften der Spieler als eine Saison mit 18 Teams. Und naturgemäß ist der Fußball vom Niveau her merklich unter der 2. Bundesliga angesiedelt, gleichwohl nicht so weit davon entfernt, dass dieser nicht auch oft genug sehr ansehnlich daherkommt. Und so ist die 3. Liga eine sehr eigene Liga. Denn so gut wie alle in ihr wollen möglichst rasch in die 2. Bundesliga aufsteigen – und auf keinen Fall zurück in den Untiefen des Amateurfußballs der Regionalligen versinken. Doch die Kosten sind hoch, währen die Einnahmen nur rund ein Zehntel jener in der 2. Bundesliga betragen. Und so treten hier viele Teams mit dem Messer zwischen den Zähnen an, weil sie den Untergang im Nacken spüren. Für den Zuschauer fast immer ein mitreißendes und selten langweiliges Spektakel, weshalb gut zu verschmerzen ist, dass dies nicht auf dem allerhöchsten Niveau stattfindet. Zumal das Teilnehmerfeld immer mehr frühere Bundesligisten und sogar ehemalige Deutsche Meister umfasst und damit auch von den Namen her immer attraktiver wird.

Kommentare geschlossen

Filmkritik: Trainer!

„Trainer!“ heißt das neueste Werk des Regisseurs Aljoscha Pause, der schon mit „Tom meets Zizou“ zu begeistern wusste (Kritik siehe hier). Es wurde bereits vor einigen Monaten in einer kürzeren TV-Fassung im WDR gesendet. Vor wenigen Tagen zeigte das Metropol-Kino in Düsseldorf die Kinoversion in 136 Minuten Länge. Zusammen mit einer Matinee, zu der einer der Protagonisten des Films, André Schubert, geladen war, ergänzt mit Norbert Meier und 11-Freunde-Mensch Thorsten Schaar, der das Gespräch leitete, bot das einen willkommenen Anlass, diese Bildungslücke in Form des Films „Trainer!“ zu schließen.

Portraitiert werden drei im deutschen Profifußball eher weniger bekannte Trainer: André Schubert, zunächst beim FC St. Pauli, später beurlaubt, Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim sowie Stephan Schmidt beim SC Paderborn, am Ende ebenfalls beurlaubt. Dazu immer wieder Interviewschnipsel mit Jürgen Klopp, Armin Veh, Michael Oenning, Hans Meyer, DFB-Trainer-Ausbilder Frank Wormuth, Thomas Schaaf sowie dem in diesem Film unsagbar grauselig gewandeten Peter Neururer.

Erkenntnis Nr. 1: Trainer fahren allezeit Auto. Ständig zeigt der Film seine drei Protagonisten, wie sie am Steuer durch Landschaften oder Städte kutschieren. Obwohl Gunnar vom Stehblog mich bat, bei der anschließenden Diskussion die Frage zu stellen, ob die Trainertätigkeit tatsächlich zu 70% aus Autofahren bestünde, verzichtete ich darauf.

Denn gleich die erste Aussage von André Schubert im Anschluss an den Film war, dass diese Autofahrten ein dramaturgisches Mittel darstellten, um von Szene zu Szene überzuleiten. Bei 70% Autofahrzeit landet der Film ohnehin nicht, aber es sind deutlich zu viele Szenen, in denen nur gesprochen wird, wo man lieber noch mehr vom Trainingsalltag gesehen hätte. Selbst wenn Autofahren dazu gehört: für welchen Job mit wechselnden Einsatzorten gilt das nicht? Nun denn, diese kleine Schwäche macht den Film ohnehin nicht wirklich schlechter. Denn er geht hautnah an die Arbeit der Trainer heran, beim 1. FC Heidenheim sogar bis ins im Fußball immer noch so Heilige: die Kabine und die Ansprachen vor Anpfiff und in der Halbzeit.

„Wenn du gewinnst, wirst du gefeiert, wenn du verlierst, bist du der Loser. So einfach ist das.“

Frank Schmidt betont es zu Anfang einmal explizit: Dass ihm bewusst ist, wie wenige Menschen in Deutschland diesen Job ausüben können, Profitrainer im Fußball zu sein. Weshalb er ausnahmslos jeden Tag mit großer Freude zur Arbeit gehe. Freude, die im späteren Verlauf des Films nur noch sporadisch auftaucht, wenn alle in Stress gebadet um Punkte und vor allem ihren Job kämpfen müssen. Der nicht ganz unwichtige Faktor des riesigen Geldes, das man hier mit einem reinen Spiel verdient, kommt quasi überhaupt nicht zur Sprache. Und auch wenn den Trainern bewusst ist, dass sie einen Luxusjob ausüben: im Alltag ist davon nicht mehr viel über, denn dann fordert das Rad in Form des Spielplans seinen Tribut an Aufmerksamkeit.

Alle drei Trainer reden ständig vom großen Druck, der unaufhörlich vorhanden sei. Immer nur Stress durch die ganze Saison hindurch. Klar, man kann bei der Arbeit immer noch mehr machen und insbesondere in kleineren Vereinen gibt es schlicht weniger Schultern, auf die die zu erledigenden Aufgaben verteilt werden können.

Alle reden von Druck, außer Armin Veh.

Vielleicht ist seine oft aufreizend daherkommende Distanz zur Arbeit mit seinem Klub aber der richtige Umgang mit dem ständig vorhandenen Stress. Auch mal etwas nicht erledigen können, nicht alles bis zu Ende gedacht haben, dafür aber psychisch frisch zu bleiben. Besonders auskunftsfreudig zeigt sich Armin Veh im Film allerdings nicht, sein meist vom bekannten Grinsen umspielter Mund wahrt auch hier die Distanz und lässt nicht allzu tief ins Innere blicken.

Zu Anfang wird von DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth gleich klargestellt: jene Trainer, welche ausschließlich über die Motivation kommen, seien passé, die heutigen Trainer seien alle im Wortsinne Fußballlehrer. Leider zeigt der Film dafür dann aber trotz 136 Minuten Laufzeit viel zu wenig von der täglichen Trainingsarbeit, stattdessen immer wieder diese nervigen Autofahrten. Hier hätte man gerne mehr Details des Trainings gesehen, statt die Trainer über ihre Arbeit reflektieren zu hören. Zumal alle drei nicht auf den Kopf gefallen und zu spannender Reflektion in der Lage sind — am Ende aber doch mit sehr ähnlichen Erkenntnissen bezüglich ihrer Position im Fußball und im Leben aufwarten.

Dafür zeigt der Film sehr anschaulich, wie groß der Einfluss des Zufalls auf die Resultate ist. Bei fast allen erzielten Toren ist noch eine Hand des Torwarts am Ball, der Torwart oder ein Verteidiger begehen einen Fehler oder der Ball wird schlicht abgefälscht. So viel Druck und so viel Zufall — passend in Relation gesetzt.

„In welchem anderen Job gibt es das, dass die Arbeit eines Menschen jeden Tag öffentlich bewertet wird?“

Thomas Schaaf

Auch weitere weniger angenehme Seiten am Trainerleben kommen nicht zu kurz. Meist besitzen die Trainer kaum Einfluss auf die Kaderzusammenstellung. Besonders erschreckend ist aber die große Macht der Boulevardmedien auf die Stimmung rund um den Trainer. Verständlich, dass sich André Schubert im Film nach seiner Entlassung im neuen Job eine Vereinsführung wünscht, die zusammenhält, also Präsident, Manager, Spieler. Selbst der Pressesprecher des FC St. Pauli betont, dass ein Trainer tatsächlich einige Wochen länger im Amt bleibt, wenn die zuständigen Journalisten ihn mögen, der Trainer einen guten Draht zu ihnen aufgebaut hat — was für eine erschreckende Bankrotterklärung des Businesses, die man nicht unbedingt an dieser Stelle des Profifußballs erwartet hätte, beim FC St. Pauli.

Dazu gelingt es allen drei Trainern kaum ein Mal, wirklich abzuschalten. Wobei die Frage nach Henne und Ei hier nicht beantwortet wird: Können sie nicht abschalten, weil der Job es so erfordert? Oder gelingt es ihnen nicht, weil sie nicht die Typen dafür sind? Armin Veh scheint damit keine Probleme zu haben, ebenso wenig wie Hans Meyer, der aber ohnehin nur seine altbekannte Rolle des altväterlichen Erklärbärs spielt, aus der er nicht mehr herauszufinden scheint. Sein Beitrag besteht aus zwei, drei Anekdoten von früher, die insgesamt wenig Erkenntnis ermöglichen (der Trailer unten täuscht da etwas).

Auch wenn sie schließlich auf dem Platz über den Job des Trainers entscheiden, stehen die Spieler im Film eher im Hintergrund. Einzig eine Auseinandersetzung über die Spielauffassung zwischen Deniz Naki und André Schubert findet einigen Raum im Film, schließlich ebenfalls Bestandteil der Trainertätigkeit.

„Ich trainiere später Erste Liga, das ist Fakt.“

Stephan Schmidt

Klar wird aber auch: Der Job als Fußballprofi mit täglichem Training mutet doch extrem langweilig und geistig unterfordernd an. Innerhalb dieses Sports hat sich zudem eine Monokultur an Typen Mensch herausgebildet, die Folge der Professionalisierung zu sein scheint. Alle tragen die gleichen Klamotten, alle leben den selben Stil, alle fahren auch fast die gleichen Autos, haben den selben Teint — ein ein wenig abschreckender Uniformierungsdruck innerhalb einer sehr speziellen Nische, wenn auch fürs Spiel auf dem Platz eher irrelevant.

Oliver Bierhoff selbst ist übrigens an jener Agentur beteiligt, welche André Schubert als Trainer vermarktet, sprich: ihn bei anderen Vereinen positiv präsentiert. Dass es solche Agenturen überhaupt gibt, ist schon ein Aha-Moment. U. a. sind auch Bruno Labbadia und Jürgen Klopp (?) bei dieser Agentur. Unweigerlich tritt der Geruch von Nepotismus in die Nase, wenn Oliver Bierhoff Einfluss darauf nehmen kann, die Spieler welches im Profifußball tätigen Trainers für Auswahlmannschaften nominiert werden, die wiederum gleichzeitig seine Kunden sind. Diese Agenturen präsentieren die Trainer bei Vereinen insbesondere in Zeiten der Abwesenheit einer sportlichen Krise, um den Eindruck kreisender Geier zu vermeiden.

Stephan Schmidt ist ein ebenso interessanter Typ wie der hemdsärmelige Frank Schmidt, stammt aus einem Spandauer „Problembezirk“ und hat etwas Mourinho-für-Trainingsanzugträger-Haftes, strahlt eine Arroganz und Überzeugung aus, die unerschütterlich scheint. Ein ganz schwaches Bild gibt hingegen Rachid Azzouzi bei der Begründung des Rauswurfs von André Schubert ab. Noch schwächeres Verhalten legt Paderborns Präsident Dingsbums beim Rauswurf von Stephan Schmidt an den Tag. Diesen erklärt der Präsident zuerst der Presse … statt seinen Trainer persönlich zu informieren. In beiden Fällen gewinnt der Film hier aber enorm an Authentizität und genau das macht ihn so wertvoll wie einzigartig.

„Wir haben früher oft gar nicht gemerkt, dass der Trainer keine Ahnung hatte.“

Armin Veh

Weiter zeigen alle drei Trainer jene Verbissenheit, die für diesen Job wohl nötig ist, die aber auch stets das Unangenehme, leicht Anwidernde im Fußballsport darstellt: Disziplin, Gehorchen, Disziplin, Chefhörigkeit, Disziplin, der Gruppe dienen, Disziplin. Es ist nun mal ein Mannschaftssport, auch wenn alle drei Trainer betonen, dass sie nicht mehr autoritär wie frühere Trainer vorgehen. Jürgen Klopp erklärt das Funktionieren damit, dass ein Team nun mal einen Entscheider benötige, der die Richtung bestimme und zudem Fußballer es seit dem 4. oder 5. Lebensjahr gewohnt seien, derartigen Anweisungen zu folgen.

Leidenschaft ist überdeutlich bei allen Beteiligten zu erkennen — dass es ihnen Spaß macht, müssen sie aber jedes Mal immer erst explizit aussprechen, damit man es überhaupt bemerkt. Ein wenig scary, aber Arbeit bedeutet eben dann Befriedigung, wenn sie von Erfolg gekrönt ist.

Fazit: Die Dokumentation „Trainer!“ zeigt das Bild eines wirklich verrückten Berufs in vielen Facetten, von denen insbesondere die Arbeit mit den Spielern bislang so noch nicht beleuchtet wurde. Die konkrete Trainingsarbeit kommt etwas zu kurz, dafür sind die Protagonisten wohl ausgewählt. Ein verrückter Beruf ist es, ausgeübt von Menschen, die dafür prädestiniert sein müssen. Ihre Familien und ihr soziales Umfeld werden zumindest von ihnen gefühlt schwer beansprucht, in Form von Abwesenheit nämlich. (Ob dies von den von der Abwesenheit Betroffenen überhaupt genauso empfunden wird, an diese Frage wagte sich der Film allerdings nicht.)

Gut herausgestrichen wird, dass die Trainer am Ende abhängig von den Zufällen des Fußballs, Latte, Pfosten, Platzfehler, etc. und von der örtlichen Medienlandschaft sind. Womit sie am Ende eben doch extrem austauschbar werden, selbst wenn bewiesen ist, dass Trainerwechsel kaum etwas bringen. Erhellende Einblicke in ein Leben, das trotz der Dramatik und der Erfolgserlebnisse geprägt ist von viel Arbeit, die auch auf den zweiten Blick nicht nach Vergnügen aussieht. Ein Trainer ist heute jedenfalls ein Fußballlehrer. Und abzuschalten lernt man wohl erst in späteren Jahren der Karriere, so scheint es. „Trainer!“ spielt den Pass in die Gasse der bislang für Fußballinteressierte unzugänglichen Bereiche. Prädikat „äußerst sehenswert“.

Dazu der Trailer zum Film, der nicht zu viel verspricht:



9 Kommentare

„Dolly Dimples“ — Lebensabschnittspartner Fußball

Für die wenigsten Fußballer ist dieser nur ein Lebensabschnittspartner. Die wenigsten kommen davon weg. Und diese wenigen suchen wir hier. Kein klassisches „Gewinnspiel ohne Gewinne“ bei Trainer Baade, aber einer dieser Beiträge, in denen wir zusammen den Inhalt sammeln.

Enno, Gründer und Ex-Autor des hertha-blog (sowie von Welt Hertha Linke selig), hatte vor geraumer Zeit hier angefragt, ob man nicht mal Spieler zusammentragen könnte, die nach ihrer Karriere als Fußballer ungewöhnliche berufliche (oder künstlerische oder sonstige) Wege einschlugen. Seitdem also nichts mehr mit Fußball oder Berichterstattung über diesen zu tun haben, gleichwohl aber nicht in ihren angestammten Beruf zurückgekehrt oder einen solchen, schnöden ergriffen haben.

Beispiele, die wir nicht suchen, wären Peter Wynhoff, Sachbearbeiter bei der Kreisbau AG, oder Jürgen Groh, Briefträger, was sein Ausbildungsberuf war.

Wobei die Grenzen da fließend sind: Früher hatten viele Spieler einen normalen Beruf, welcher sogar im Kicker-Sonderheft aufgelistet wurde, heute ist es die Ausnahme. Allerdings befinden sich „heutige“ Spieler noch mitten in ihrer Karriere, weshalb sie auch noch nichts nach ihrer Karriere ausgewählt haben können. Definitiv ausgenommen sind alle Mitarbeiter von Fußballschulen oder sonstigem Verkaufsquatsch, ob nun als Redner, Werbefigur oder Tennishalleneröffner im Zusammenhang mit ihrer Fußballerkarriere. Keine Spielerberater, Jugendtrainer, Fanbetreuer, Scouts, Fanshopmitarbeiter, TV-Experten oder Co-Trainer. Und auch keine Manager der Nationalmannschaft.

Zwei, drei Beispiele, die vorgeben könnten, was gesucht ist, folgen hier:

Thomas Allofs Fortuna Düsseldorf, 1. FC Kaiserslautern, 1. FC Köln, Racing Straßburg Betreibt ein Unternehmen der Abfallwirtschaft.
Ioannis Amanatidis Eintracht Frankfurt, 1. FC Kaiserslautern Gründete ein Modelabel und betreibt ein Restaurant.
Peter Artner FK Austria Wien, First Vienna FC, FC Admira/Wacker, SV Austria Salzburg, Hercules Alicante, US Foggia, VSE St. Pölten Glasfabrikant mit eigener Firma.
Frank Bartenstein Kickers Offenbach Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma.
Sebastian Deisler Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC, FC Bayern München Betreibt einen Dritteweltladen in Freiburg.
Robert „Bobby“ Dekeyser FC Bayern München, 1. FC Nürnberg, 1860 München Stellt mit seiner von ihm gegründeten Firma Outdoor-Möbel her.
Thomas Eichin Borussia Mönchengladbach, 1. FC Nürnberg Geschäftsführer des Eishockeyclubs Kölner Haie.
Yves Eigenrauch FC Schalke 04 In der Öffentlichkeitsarbeit eines Kinder- und Jugendtheaters und diversen gemeinnützigen Projekten, wie dem Gelsenkirchener Wohnprojekt „Pelikan – Generationenübergreifendes Wohnen“, tätig.
Ralf Falkenmayer Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen, Eintracht Trier Mitarbeiter eines Großhandels für Parkett und Laminat.
Wolfgang Feiersinger Borussia Dortmund, Austria Salzburg, LASK Linz, PSV Salzburg Hüttenwirt der Hochwildalmhütte bei Kitzbühel.
Bernd Förster SV Waldhof Mannheim, FC Bayern München, 1. FC Saarbrücken, VfB Stuttgart Betreiber einer Autowaschanlage.
Dieter Frey FC Bayern München, SC Freiburg, Werder Bremen, 1. FC Nürnberg Lehrer für Wirtschaft und Recht an einem Nürnberger Gymnasium.
Urs Güntensperger FC Luzern, FC Lugano, FC Zürich, Eintracht Frankfurt, Lausanne-Sports, FC Basel, FC Tuggen, FC Horgen, FC Rheinach Bezirksleiter Metall bei der Würth AG.
Hans-Jürgen Gundelach Eintracht Frankfurt, FC Homburg, Werder Bremen Leitender Mitarbeiter in einem Computerhandel.
Jimmy Hartwig Kickers Offenbach, VfL Osnabrück, TSV 1860 München, Hamburger SV, 1. FC Köln, Austria Salzburg, FC Homburg Theaterschauspieler in diversen Produktionen.
Achim Haucke Alemannia Aachen Kohlenschlepper in Hamburg.
Jan Heintze Kastrup BK, PSV Eindhoven, Bayer Uerdingen, Bayer Leverkusen Jan Heintze Promotion Products.
Ronnie Hellström Hammarby IF, 1. FC Kaiserslautern, Gif Sundsvall Skandinavienleiter von Hornbach.
Peter Hidien Hamburger SV Kundendienstbetreuer bei Firma Peter Gerdau Tankschutz in Tangstedt/HH.
Udo Horsmann FC Bayern München, Stades Rennes, 1. FC Nürnberg, TSV 1860 München Möbeldesigner
Dirk Hupe Union Solingen, Arminia Bielefeld, Borussia Dortmund, Fortuna Köln Leitet Versicherungsbüro in Solingen.
Volker Ippig FC St. Pauli Lascher im Hamburger Hafen.
Manfred Kaltz Hamburger SV, Girondins Bordeaux, FC Mulhouse Vertriebsdirektor eines italienischen Mineralwasser-Konzerns, Immobilienmakler, Vermögensberater und er engagiert sich in einem Rehabilitationszentrum.
Werner Kamper VfL Osnabrück Geschäftsführer eines Betriebs für Landmaschinenbau.
Jupp Kapellmann Alemannia Aachen, 1. FC Köln, FC Bayern München, TSV 1860 München Arzt.
Rudi Kargus Wormatia Worms, Hamburger SV, 1. FC Nürnberg, Karlsruher SC, Fortuna Düsseldorf, 1. FC Köln Betätigt sich künstlerisch als Maler.
Manfred Kastl Hamburger SV, Bayer Leverkusen, VfB Stuttgart Besaß ein Hotel, das „Haus Kastl“ bis zur Insolvenz, welches er in ein Pflegeheim umwandelte, welches insolvent ging. Professioneller (?) Pokerspieler.
Dieter Kitzmann 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Frankfurt, Union Solingen Betreiber eines Tabakladens in Kaiserslautern.
Wolfgang Kneib FSV Mainz 05, Borussia Mönchengladbach, Arminia Bielefeld Innendienst der Württembergischen Versicherung AG.
Martin Kree VfL Bochum, Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund Hatte im Gegensatz zum Großteil der Branche keine Berührungsängste mit neuen Techniken und leitet jetzt eine IT-Schulungs-Schule.
Peter Kunter Eintracht Frankfurt, Freiburger FC Zahnarzt.
Marek Lesniak Pogon Stettin, Bayer Leverkusen, SG Wattenscheid 09, TSV 1860 München, KFC Uerdingen, Xamax Neuchatel, Fortuna Düsseldorf, Preußen Münster, SpVgg Velbert, SV Hilden-Nord Mitarbeiter bei einer Autoteilefirma.
Ilhan Mansiz Genclerbirligi Ankara, Kusadasispor, Samsunspor, Besiktas Istanbul, Vissel Kobe, Hertha BSC, MKE Ankaragücu Eiskunstläufer.
Erwin Markert Kickers Offenbach Besitzt ein Versicherungsbüro.
Hans-Bert Matoul Chemie Leipzig, Lokomotive Leipzig, BSG Traktor Langeln, Einheit Wenigerode Übernahm während seiner aktiven Karriere die Bäckerei seines erkrankten Vaters, ist heute diplomierter Wirtschaftswissenschaftler.
Frank Mill Rot-Weiss Essen, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, Fortuna Düsseldorf Aktiv in der Schrott- und Baubranche, u. a. (wohl) mit Mill-Container.
Thomas Miller SpVgg Unterhaching, FC Augsburg, TSV 1860 München Finanzbeamter.
Markus Münch FC Bayern München, Bayer Leverkusen, 1. FC Köln, FC Genua, Besiktas Istanbul, Borussia Mönchengladbach, Panathinaikos Züchtet Pferde und ist Galopptrainer.
Herbert Mühlenberg SC Jülich 1910, 1. FC Köln, Bayer Leverkusen, VfL Osnabrück, VfB Rheine Lehrer am Osnabrücker Gegengymnasium.
Wolfgang Mühlschwein Kickers Offenbach Ingenieur mit eigener Firma.
Arne-Larsen Ökland Bayer Leverkusen Betreibt die Pizzeria-Kette „Dolly Dimples“ in Norwegen. (Womit er so gerade noch durch den Gastwirt-Filter rutscht.)
Markus Osthoff 1. FC Saarbrücken, Eintracht Trier, MSV Duisburg, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Braunschweig Lehrer für Sport und Hauswirtschaft.
Jürgen Pahl Chemie Halle, Eintracht Frankfurt, Rizepspor Betreibt eine Obstplantage in Paraguay.
Manfed Pohlschmidt Preußen Münster, Hamburger SV, FC Schalke 04 Betreiber einer Lottoannahmestelle.
Tobias Rau Arminia Bielefeld, Eintracht Braunschweig, VfL Wolfsburg, FC Bayern München Student des Lehramts
Knut Reinhardt Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund, 1. FC Nürnberg Grundschullehrer in Dortmund.
Andreas Reinke Hamburger SV, FC St. Pauli, Iraklis Saloniki, Real Murcia, 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen Landwirt mit eigener Wurstproduktion.
Helmut Roleder VfB Stuttgart Businesstrainer.
Bodo Rudwaleit Dynamo Berlin, Stahl Eisenhüttenstadt Betreibt ein Taxiunternehmen in Berlin.
Jürgen Rynio Karlsruher SC, 1. FC Nürnberg, Borussia Dortmund, Rot-Weiss Essen, FC St. Pauli, Hannover 96 Leiter einer Einrichtung für Behinderte
Gunnar Sauer Werder Bremen, Hertha BSC, VfB Leipzig Ist Immobilienmakler in Bremen
Thorsten Schlumberger Hertha BSC, Tennis Borussia Berlin, SC Charlottenburg, Blau-Weiß 90 Berlin, BSV Brandenburg, FSV Velten, SV Wilhelmshafen Physiotherapiepraxis in Berlin.
Stefan Schmitt SGK Heidelberg, VfB Stuttgart, SV Sandhausen Zahnarzt.
Georg Schwarzenbeck FC Bayern München Inhaber eines Schreibwarengeschäfts.
Martin Spanring TSV 1860 München, Fortuna Düsseldorf, FC Schalke 04, SC Freiburg, VfB Stuttgart, Bursaspor, Freiburger FC Sportmanager im Europapark Rust.
Hans-Peter Stark Blau-Weiß 90 Berlin. Beliefert mit seinem Unternehmen die Spitzengastronomie.
Gert Trinklein Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach, Dallas Tornado Mitglied der Stadtverordnungsversammlung für die FDP in Frankfurt.
Mario Tolkmitt Bayer Leverkusen, FC Berlin, Fortuna Düsseldorf Busfahrer und Betriebsrat in Burscheid.
Horst Weyerich 1. FC Nürnberg, SpVgg Fürth, Erzieher bei der Lebenshilfe Fürth.
Reiner Wirsching 1. FC Schweinfurt 05, 1. FC Nürnberg, TSV Vestenbergsgreuth Arzt.
Roland Wohlfarth 1. FC Bocholt, MSV Duisburg, FC Bayern München, AS Saint-Etienne, VfL Bochum, VfB Leipzig, Wuppertaler SV Bauleiter einer Estrichfirma.
Andreas Zeyer SSV Ulm 1846, SC Freiburg, Hamburger SV, Karlsruher SC, VfL Bochum, SC Freiburg Diplom-Ingenieur beim Stahlbauunternehmen der Familie in Nehresheim.
Michael Zeyer SSV Ulm 1846, SC Freiburg, 1. FC Kaiserslautern, SV Waldhof Mannheim, MSV Duisburg, VfB Stuttgart, Fortuna Düsseldorf, 1. FC Heidenheim Betreiber eines Sterne-Restaurants mit dem Namen 5.

Die Liste wird um Eure (Gedächtnis-) Fünde erweitert und zur besseren Übersicht dann alphabetisch sortiert, natürlich gibt es kein richtig oder falsch. Wobei ebenso selbstredend gilt: je ausgefallener, desto Kracher.

78 Kommentare