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Schlagwort: Reinhold Beckmann

Bela vs Beckmann

Gerade geht das Transkript der Kommentatorenleistung von good old Béla Réthy beim Champions-League-Finale durchs Blogosquarium.

Ein alter Hut, möchte man da anmerken.

Von der Partie Brasilien — Kroatien bei der WM 2006 liegt hier schon länger das Transkript von Reinhold Beckmanns damaliger Kommentatorenleistung herum. Zugegebenermaßen nicht so nett aufbereitet. Aber getz mal ehrlich: Liest sich solche Transkripte irgendjemand auch nur ansatzweise durch? Okay, Beckmanns Spruch über (den wahren) Ronaldo ist ganz gelungen, aber sonst?

Beckmann bei der Arbeit Teil 1

Beckmann bei der Arbeit Teil 2

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Auges Abschiedsspiel

Erst genießen, wie Auge tatsächlich in einem Wagen des damaligen Bayernsponsors über die Ehrenrunde gefahren wird. Dabei nach Weißbier und Zigarette verlangt, Beides erhält, Uli Köhler hat ihm eine mitgebracht, und qualmend durchs Olympiastadion gefahren wird.



(Ja, Jörg Dahlmanns gekünsteltes Lachen ist schwer zu ertragen.)

Und dann lauschen, was Auge im Interview in der Kabine zu sagen hat.

(Vorsicht! Der Interviewer ist Reinhold Beckmann, der natürlich dem Anlass entsprechend, ein Großer des deutschen Fußballs beendet seine Karriere, mit belegter Stimme die Fragen stellt. (Allerdings am Ende auch mit einem Weißbier mit Auge anstößt.))

Das Interview ist zünftig. Und zünftig bedeutet in Bayern natürlich, dass man in der Kabine mit dem Weißbier weitermacht.



(Auges einzige Freunde aus dem Fußball sind interessanterweise Ditmar Jakobs, Norbert Nachtweih und Dieter Hoeneß.)

Sowie diesen Beitrag, der den privaten Klaus Augenthaler ins Licht rückt. Schön natürlich das Weißbierglas immer dabei, auch wenn er mit den Kindern am Tisch sitzt.



Der wackere Auge wird heute 55.

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Anno gar nicht mal so tuck

„Diese Beckmänner, all diese Wichtigtuer, gehen uns Profis doch schon lange auf den Keks.“

Eike Immel, damals Manchester City, kurz bevor er als England-Experte für die EM 1996 vom ZDF eingekauft wurde. Beckmann war zu jener Zeit bei Sat1.

Das Traurige ist, dass wer als Spieler mit dem Resultat der Arbeit all der Beckmänner aufgewachsen ist, es schwierig haben wird, es sich anders als verbeckmannt überhaupt vorzustellen. Weshalb er dagegen nicht rebellieren wird und es bleibt wie es ist.

Aber, ach, das ist ja auch nichts Neues mehr. Ein tiefes Gefühl der Resignation macht sich breit, mit gleichzeitig aufkommendem Zweifel, ob es nicht müßig ist, darüber überhaupt Resignation zu empfinden. Im Stadion wird das Spiel immer noch so dargeboten, wie es ist. Was schnell zur Frage führen könnte, ob jene Zuschauer, die letztens noch neben mir zu Beginn (!) der zweiten Halbzeit in Scharen aufsprangen und nach Hause liefen, weil das Heimteam deutlich zurücklag, nicht doch mit Zusammenfassungen à la Beckmann besser bedient wären. Aber das wäre dann schon wieder ein anderes Thema und viel zu weit führend für diesen kleinen Beitrag, der nur Eike Immels Zitat festhalten wollte.

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Österrichs – Gary Linekers Freunde 1:2

„… und schon gar nicht von Österreich!“ — hatte zwar niemand gesagt, erst Recht nicht wie einst durch die Kabine gebrüllt. Offensichtlich dachte aber die Mehrzahl der deutschen Spieler so. Als ob gegen Österreich ohnehin nichts anbrennen könne.

Anders wäre nicht zu erklären, warum die deutsche Mannschaft dann doch wieder ein Phänomen von den Toten auferstehen lassen musste, welches man schon lange beerdigt glaubte. Und welches nebenbei erwähnt ebenso lange dafür verantwortlich war, wieso man im europäischen Fußball den Deutschen jeden erdenklichen Misserfolg gönnte. Nach langer Zeit musste mal wieder ein „tyskmål“ her, wie die Norweger ein Tor nennen, das nach 90 Minuten einen unverdienten Sieg beschert, weil man plötzlich wie aus dem Nichts ein Tor erzielt. Und nichts, das war es, was die deutsche Mannschaft insbesondere in der zweiten Halbzeit aufs Feld zu werfen hatte.

Sie konnten einem dann fast schon leid tun, die Österreicher, wie sie Angriff um Angriff aufs deutsche Tor rollen ließen, und man dennoch ahnte, dass heute einer dieser Tage sein würde, die man früher noch jedes Mal benötigt hatte, als die Achse Jeremies-Nowotny sich von unverdientem Sieg zum unverdientem Sieg rumpelte und die eigenen Tore einem gewissen sehr jungen Miroslav Klose zu verdanken hatte.

Begeistert hatten sie in ihrem EM-Final-Stadion, von diesem Trauma sprach übrigens komischerweise niemand, alle Augen auf Gomez‘ Geschichte, die Fahnen geschwenkt, rot-weiß-rot, wie man es heute gar nicht mehr anders kennt. Die Fahnenindustrie muss den Ultras sehr dankbar sein, dass man heutzutage schon zu jedem Popels-Qualifikationsspiel Fahnen in 50.000-facher Ausführung bestellt, nur um zwei Minuten damit rumzuwedeln und sie dann in den Orkus zu werfen. Nachhaltig ist das nicht gerade.

Wie auch das Strohfeuer der österreichischen Angriffsbemühungen wenig nachhaltig war. Sie pusteten und pusteten, doch das deutsche Haus war aus Stein gebaut und am Ende kam Schweinchen Schlau in Person von Mario Gomez und zeigte den österreichischen Teilzweitwölfen die lange Nase. 2:1, alle Flüche und Traumata ausradiert, so gut wie für Polen qualifiziert und die Österreicher noch dazu aus dem Rennen geschossen. Einen Verlierer aus deutscher Sicht gab’s allerdings doch noch: Werder Bremen. Muss tatenlos zusehen, wie nach Carlos Alberto der nächste vermeintliche Topeinkauf alles daran setzt, seinen Marktwert zu vernichten.

Ein Wort zu Mehmet Scholl, das böse klingt und gar nicht so gemeint ist. Mehmet Scholl ist der Mario Barth der Fußballexperten: Alle finden ihn lustig, aber er ist es gar nicht. Man darf nicht übersehen, dass Scholl vor allem deshalb so positiv heraussticht, weil die übrigen Experten und solche, die es vorgeben zu sein, noch viel, viel schlimmer sind. Leider gilt auch für Scholl, das, was man den anderen unterstellt: Auf korrekt sitzende Pointen wartet man vergeblich. Einzig, dass Scholl meist recht lässig — für einen älteren Herrn — gekleidet ist und er flapsig, viel zu flapsig für einen älteren Herrn, formuliert, macht ihn ein wenig erträglicher als die übrigen.

Bliebe noch Arne Friedrich zu erwähnen: Wo Arne Friedrich ist, ist unten. Sein Tor gegen Argentinien bei der WM war offensichtlich das berühmte Korn, das ein Huhn auch mal findet. Davor führte er Hertha BSC in die 2. Liga und ist mit Wolfsburg am selben Ziel wohl nur gescheitert, weil er die komplette Hinrunde lang verletzt war. Nun also das zweite Eigentor in der Nationalmannschaft. Sicher erinnert sich jeder an sein erstes, das er gegen eine ähnliche Fußballmacht wie Österreich erzielte. Kein Wunder, dass Reinhold Beckmann sich da dessen Namen partout nicht merken möchte und ihn beharrlich ein knappes Dutzend Mal Arne Friedrichs nennt.

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Neues aus Leverkusen Düsseldorf

Janus hat wieder seine vierteljährliche Rückschau zu Bits gebracht. Darin geht es nicht allein um die Winterpausen-Transfers der 3. Liga und um – man höre und staune – Siege der Fortuna über Teams der unteren Tabellenhälfte, gegen die Fortuna ansonsten gerne strauchelt. Auch wer sich mehr für die erste Liga interessiert, wird dieses Mal bedient:

Allerlei Ränkespiele und Marketing-Machenschaften rund um den Umzug von Bayer Leverkusen in die LTU-Arena. Was dabei alles in die Wege geleitet wird, um das Stadion zu füllen und wie selbst die in Düsseldorf ansässigen Medien mitmachen, ist schon bemerkens- und janus eine Vielzahl von Zeilen wert. Und das Schönste ist: Reinhold Beckmann kommt ebenfalls drin vor, wenn auch nur als toter Mann.

Leverkusen eröffnete seine Heimspielsaison in der Arena Ende Januar mit dem DFB-Pokal-Spiel gegen Cottbus (3:1). Offiziell waren es 16.000 Zuschauer, sozusagen alle Dauerkartenbesitzer. Die inoffizielle Zählung, nämlich die Anzahl der elektronischen Pings an den Drehkreuzen, soll sogar nur 14.000 Zuschauer ausgewiesen haben, aber das ist natürlich nur so ein Insider, den ich niemals offiziell schreiben würde. Ein Anhänger der Leverkusener versuchte dies im Fortuna-Forum dergestalt zu erklären, dass der Gegner halt keinen interessieren würde, und außerdem sei ja noch diese unfassbare Anreise von 40 km zu einem Heimspiel zu berücksichtigen, ein Argument, über das zumindest ich persönlich herzlich lachen kann. Rosinenpicker Bundesliga halt.

Aber irgendwie scheint man in der Bayer-Führungsetage dieselben Gedanken gehabt zu haben. Denn nach dem Spiel gegen Cottbus lief die Werbemaschinerie der Chemiker richtig zu Hochform auf. Meterhohe Plakate in ganz Düsseldorf werben für die Bayer-Heimspiele, es wurden und werden reichlich Freikarten an Düsseldorfer Schulen verteilt, der einheimische Boulevard titelte: „Eine lange Durststrecke geht zu Ende – endlich wieder Bundesliga in Düsseldorf“, der derzeit verletzte Nationalspieler Bernd Schneider erschien in der Düsseldorfer Altstadt in einem Brauerei-Ausschank, um Autogramme zu schreiben, und wahrscheinlich musste man noch dankbar sein, dass während der Anwesenheit des Leverkusener Trosses dort nicht eine Stunde lang Kölsch ausgeschenkt werden musste. Als „Sahnehäubchen“ gab es noch das Interview mit dem Bayer-Sportbeauftragten Meinolf Sprink, der mal locker von sich gab, natürlich versuche man, in Düsseldorf Fans abzuwerben und Sponsoren mit besonderen Angeboten die Marke Bayer 04 schmackhaft zu machen. Alles übrigens Aktionen, die dem bekennenden Ignoranten der Sportart, die er von Zeit zu Zeit zu moderieren oder kommentieren pflegt, Reinhold Beckmann nämlich, zu der Wertung „Ein Riesen-Erfolg für Bayer“ veranlassten. Okay, dessen Kopf ist in Bezug auf Fußball schon längst eine tote Telefonleitung: da klingelt nix mehr. Insoweit nicht überraschend.

Insgesamt mal wieder die Kleinigkeit von 5.833 Wörtern, wohlgemerkt gilt bei janus anders als z. B. beim oben rechts verlinkten Toni Schumacher: Quantität ist immer auch Qualität.

Zu einem der von janus zitierten Plakate mit dem Aufdruck „Werkself“ geht es hier und dann aber auf zu janus‘ vollem Beitrag.

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‚Wort‘ des Jahres 2008: „Durch die Unterhose!“

Man kennt diese — früher nannte ich das fälschlicherweise „rauchig“, richtig aber ist „kehlig“ — man kennt diese kehlige Stimme von Bela Rhethy, und ein jeder, der bei der EM zugegen war (also vor dem heimischen oder kneipischen Fernsehschirm zugegen war), hat auch die tolle Demonstration der Tatsache miterlebt, dass Bela Rhethy nun mal ein eher weniger geeigneter Radioreporter wäre, wenn denn das Bild mal wieder ausfiele.

(Wir erinnern uns.)

Insgesamt, die Meinungen teilen sich wie bei jedem, der nicht an der Spitze der Sympathieskala liegt, ist Bela Rhethy aber nun auch nicht gerade jemand, den man mit Schimpf und Schande vom Hof jagen müsste, nur weil er mal dann und wann ein wenig zu statistikselig ist und uns damit volldröhnt, in welcher Kapelle von Sao Paulo der linke Außenverteidiger des Gegners zu welchen Psalmen geheiratet hat. Er ist halt Bela Rhethy, und liegt damit selbstredend immer noch weit vor JBK und Reinhold Beckmann (die ja übrigens beide, Gottseidank, nicht mehr kommentieren), aber er ist eben auch keine Ikone.

Bela Rhethy also.

Jedes Jahr suchen findige Menschen im Fußball neuerdings einen Spruch des Jahres. Einen Spruch des Jahres. Einen Spruch des Jahres. Inzwischen reicht es nicht mehr, im Mannschaftssport Fußball, bei dem man die Rollen eines Mittelstürmers wohl kaum mit denen eines Außenverteidigers geschweige denn denen eines Torhüters vergleichen kann, einen „Spieler des Jahres“ zu wählen. Diese Vergleiche finden aber immerhin noch innerhalb ein- und derselben Sportart statt. Dann gibt es da aber auch noch den „Sportler des Jahres“, aber selbst das ist nicht genug. Es reicht nicht mal mehr, Wahlen von Sportlern einzuführen, deren Leistungen so vergleichbar sind wie Juristerei und Archäologie, wie Pepsi und Smacks oder wie Frank Zappa und DJ Bobo, Wahlen zur „Sportlerin des Jahres“, bei denen eine Schwimmerin gegen eine Bogenschützin antritt oder gar eine Spielerin eines Mannschaftssports gegen eine Schachspielerin.

Das alles ist nicht mehr genug, inzwischen muss auch noch der „Spruch des Jahres“ gewählt werden in unserem, manchmal gar nicht so schönen Lieblingssportbereich: im Fußball.

Und diese Wahl hat letztens Peppi „Josef“ Hickersberger, damals Trainer der österreichischen Nationalelf, mit einer Aussage gewonnen, die ungefähr so lautete:

„Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deshalb war das Training nach 10 Minuten zu Ende.“

Meine Wahl wäre auf einen ganz anderen Spruch gefallen, der allerdings auch im Rahmen der Europameisterschaft 2008 fiel, und zwar von besagtem Bela Rhethy:

„Durch die Unterhose!“

gröhlte er fast schon panisch ins Mikrofon, während wir, nichtsahnend noch an unserem Weizenbier kauend ins Erstaunen gerieten, wieso der Mann am Mikro so ausflippt bei einem normalen Zweikampf von Philipp Lahm mit einem Gegner an der eigenen Eckfahne, der doch, man weiß doch, man kennt doch, Lahm, sicher in Kürze mit Ballbesitz für Deutschland und dem nächsten Angriffsversuch enden würde.

„Durch die Unterhose!“

und man hätte es eigentlich ahnen müssen, es am Tonfall erkennen, am hysterischen Klang, der gar nicht so gewollt reißerisch, sondern ehrlich, leicht bestürzt, stärker schon entsetzt wirkte und wir ahnten trotzdem noch nicht, was passieren würde.

„Durch die Unterhose!“

und mit der damals vorhandenen Verzögerung von ca. 5 Sekunden sahen wir es dann, was „durch die Unterhose“ passierte: die Türkei hatte durch die Unterhose von Jens Lehmann hindurch ausgeglichen, ganz kurz vor Schluss und Aus war es erstmal mit dem Gefühl, sicher im Finale zu sein. Und meine Wahl gewönne der Spruch nicht wegen seiner sprachlichen Fragwürdigkeit (hätte die Unterhose nicht eigentlich Hosenträger sein müssen?), sondern wegen seiner — selten genug — unbestreitbaren Authentizität in dieser besonderen, weil zeitverzögerten Situation.

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Nur ein paar hätten wir ja wohlwollend verziehen

Manchmal lohnt es sich, olle Kamellen rauszukramen, besonders wenn sie vor der Zeit der großen Bloggerei stattfanden: Reinhold Beckmann bei der SZ, und zwar im Jahre 2003.

„Wichtige Szenen wie Platzverweise, Fouls oder Abseitsentscheidungen waren oft nicht zu sehen.“

So äußert er sich über die Berichterstattung des Fußballs vor seiner Zeit. Schon damals lesen wir also, was nach Beckmanns Ansicht die Rezeption eines Fußballspieles definiert: mit gnadenloser Schärfe zu urteilen, wer wo einen Fehler begangen hat oder haben könnte. „Platzverweise, Fouls oder Abseitsentscheidungen.“ Beckmann offenbart, dass er niemals an die Schaltregel der deutschen Fußballberichterstattung gedurft hätte. Mit der Schönheit und — in den Augen jener, die sehen können — auch Ästhetik des Spiels hat er nichts am Hut. Stattdessen: Zentimeterdiskussionen führen, wie sie heute bei zweifelhaften Abseitsentscheidungen zum Halse heraushängender Abusus sind. Den Schiedsrichter geißeln oder sich in Konjunktiven verlieren, weil eine vom Platzwart gezogene Strafraummarkierung nicht hundertprozentig den Maßstäben des Pariser Urmeters respektive denen einer Wasserwaage entspricht. Das hat nur sehr wenig damit zu tun, über Fußball zu berichten. Sicher ist es Teil der Berichterstattung, gerade die herausragenden Szenen zu erörtern. Sich dabei aber einzig auf die strittigen zu beschränken, weil man das jetzt kann, weil man die technischen Möglichkeiten dazu hat, wird all den anderen zu berichtenden Komponenten des Spiels nicht gerecht.

Viele junge Menschen, die heute aufwachsen, empfinden es dank Beckmann wahrscheinlich geradezu als dem Fußball immament, dass man sich x Superzeitlupen anschaut, einen Schiedsrichterlehrwart im TV interviewt und den gerade ins Studio schneienden Trainer der benachteiligten Mannschaft direkt mit der Frage nach dieser einen Szene zu konfrontieren. Und finden es genauso normal, nicht über Spielaufteilung, über Entstehungsgeschichte eines Spielzugs oder Fehler im Stellungsspiel informiert zu werden. Dank Beckmann.

Wir sind es nicht nur leid, dass ständig über diese Dinge diskutiert wird, es ignoriert ebenso den Aspekt, dass Fußball ein von Menschen für Menschen geschaffenes Spiel ist, dem Fehler aller Beteiligten immanent sind, und immer noch ist auch der Schiedsrichter ein Mensch. Das ist keine neue Erkenntnis, beides nicht, doch verstellt es den Blick darauf, was eigentlich tatsächlich, innerhalb des Spiels passiert. Wenn man seinen Fokus komplett auf den Schäferhündischen Reflex legt, anderen Fehler nachzuweisen, hat man offensichtlich wenig damit zu tun, sich für Fußball zu interessieren. Man ist nur ein schlechterer Mensch von Sezuan.

„Die Leute wollen weniger Nebensächlichkeiten, etwa den in Super-Slowmotion explodierenden Trainer oder die ausgeleuchtete neue Garderobe der Spielerfrauen. Sie wollen ein Fußballspiel sehen.“

Eine Spielerfrauengarderobe wollte abgesehen von den Frauen, die Fußball wegen der hübschen Kerle schauen (und ohne hier über empirische Daten zu verfügen, darf man annehmen, dass diese Zahl in den letzten Jahren immer geringer geworden ist, prozentual), ohnehin noch nie jemand sehen, ob vor oder nach seiner Zeit. Wir wollen Fußball sehen.

Wie gesagt, lesenswert, unser alter Schlawiner und Kabelschlepper ätzend herablassend behandelnder (achso nee, das war Kerner) Beckmann. Der Rest ist genauso schlecht. Das Tor der Woche und das Tor des Tages sind da noch die geringsten Übel.

Wir wollen Fußball sehen bzw. hören und zwar Fußball.

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Beckmann hört auf

Ja, richtig gelesen. Jedenfalls, da, wo es (uns) wehtut, hört er auf und geht er nicht mehr hin, wie es sich doch für einen Fußballer gehörte: Am Mikrofon drunten in der grünen Au, bzw. eben droben in der Au über dem Grünen: als Kommentator.

Ich habe nicht den klosesten Schimmer, warum ich hier monatelang durch alle Fußballblogs dieser Republik surfe, sogar immer noch althergebrachte Frikandelmedien lese, solche, die die Rolläden vor ihrer Kommentarfunktion ab 19h runterlassen, und erst heute durch Zufall davon erfahre: Es ist schon seit Dezember 2007 beschlossene Sache, dass uns Reinhold R. (das R. steht für Reinhold) Beckmann bei der EM als Kommentator erspart bleibt.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, denn so schlecht wie erhofft war es dann gar nicht, könnte die Mitschrift seiner Kommentatorenleistung hier auf diesem Sender einen kleinen Beitrag zu seiner Entscheidung geliefert haben:

So kam heraus, dass Reinhold Beckmann künftig keine Länderspiele mehr kommentieren möchte. Den Entschluss, sagt Beckmann, habe er bereits nach der WM 2006 gefasst.

Vielleicht hat er eingesehen, dass Beckmann-Sprüche einfach nicht springen können, oder besser gesagt: dass seine Einschätzungen und vorgefertigten Ansichten dessen, wie das Spiel drunten in der Au sich zu entwickeln habe, nicht springen können.

Mit seinem Gerede von der Stange war er für so etwas wie eine WM wohl genau der Richtige und er wäre es auch für eine EM noch, bekanntermaßen jene Anlässe, zu denen auch die Nichtfußballinteressierten Fußball schauen, sofern sie keine ausgemachten Fußballhasser sind. Resultat dessen ist, dass es wichtiger erscheint, wie der Friseur oder die Frisur von David Beckham heißt oder welche Aktionen die WAGs der deutschen Spieler sich einfallen lassen haben, um ihre schwachen Halben dort auf dem Platz zu unterstützen.

Wer aber wirklich Fußball schauen und genießen möchte, dem ist solcher Gossip um das Spiel herum gleich, der möchte in das Spiel eintauchen und eben gerade nicht davon abgelenkt werden. Da im Netz noch nirgendwo — außer bei ominösen Umfrage-Ergebnissen, bei denen keiner weiß, wie die Frage überhaupt formuliert war — etwas Positives über Beckmann und seine Kommentatorenleistung vernommen wurde, darf man mit Fug und Recht feststellen: Heute ist ein guter Tag für Fußballliebhaber.

Auch wenn dieser Tag schon im Dezember war, er bleibt gut.

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Ich bringe ihn um

Morgen bringe ich ihn um.

Wer den Loriot-Sketch nicht kennt, dem sei er ans Herz gelegt. Von hier aus. Von Beckmanns Sprecherkabine aus eher nicht, denn dort gibt es keinen Humor. Dort gibt es nur vorgefertigte Schablonen, dort gibt es nur Emotionen, Emotionen, emotions, nein, erwarten Sie nicht zu viel. Dort gibt es keinen Fußballkommentar, ob mit oder ohne Humor. Es gibt ihn nicht.

Sollte er noch einmal ein Spiel kommentieren, das ich schaue, werde ich ihm eine Axt an den Kopf werfen, auf dass das zugefrorene Meer in ihm schmilze, das verhindert, dass er das Spiel, welches ist, sehen und kommentieren kann, und nicht jenes, welches er gerne sähe oder welches sich doch eigentlich, gemäß seinen Vorstellungen, entwickeln müsste.

Morgen bringe ich ihn um.

(Falls hier irgendjemand das passende, von Beckmann kommentierte Spiel vermisst, das in den letzten Wochen ja gar nicht stattgefunden haben kann: Haben Sie je Wien bei Nacht gesehen? Haben Sie das schon erlebt? Oder anders gesagt: Ist es relevant, um welches Beckmannsche Spiel es hier geht? Man schämt sich ein wenig, aber man wünscht sich fast Faßbender zurück. Der war inhaltlich nicht besser, aber er blieb bei dem, weswegen wir eingeschaltet hatten: beim Fußballspiel.)

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Malik Fathi im Glück

Malik Fathi war bei der WM im Glück. Er nahm zwar nicht selbst teil. Er musste aber laut Selbstauskunft das WM-Spiel Brasilien gegen Kroatien nicht wie wir alle mit dem meist debil vor sich hin brabbelnden Reinhold Beckmann als Kommentator vor dem Fernseher ertragen. Er sah das Spiel mit seinen eigenen Augen im Stadion. Da werden wir doch noch nachträglich mal eben neidisch.

Was ich nicht wusste, aber diesem Interview entnahm: Fathi — obwohl Halbtürke — spricht kein Türkisch. Sofort muss ich da an den Voll-, nicht nur Halbitaliener, aus meinem Team denken, der, weil hier aufgewachsen, zwar perfektes Deutsch spricht, aber kaum einen Satz Italienisch beherrscht. Schade, wenn Eltern aus welchen Gründen auch immer die Chance zur Zweisprachigkeit ihres Kindes ungenutzt verstreichen lassen. Irgendwann ist das Fenster zu — und zwar ziemlich früh.

Zweisprachig aufgewachsene Menschen haben nachweislich andere Hirnstrukturen als einsprachig Aufgewachsene. Sofern sie beide Sprachen perfekt beherrschen, ist das ein erstrebenswertes Ziel. Es gibt aber auch Fälle, in denen bedauernswerte Zeitgenossen keine ihrer beiden Mutter-/Vatersprachen richtig beherrschen, sondern in beiden Sprachen als nicht perfekt auffallen. Dann doch lieber in einer Sprache perfekt sein als in beiden Sprachen schlecht. So wie Andy Brehme zum Beispiel. Achnee, der kann ja nur eine. Achnee, nicht mal das.

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