„Tor des Jahres“ — alle auf einen Klick-Blick

[Update April 2013] Dass ein Schwede mit bosnischen Wurzeln in einem Freundschaftsspiel in Schweden gegen England das Tor des Jahres in Deutschland erzielen kann, bleibt eines dieser Geheimnisse des professionellen Sportjournalismus. Ein fantastisches Tor erzielte Ibrahimovic mit seinem Fallrückzieher natürlich unbestritten, aber die Frage, was das bei den deutschen Toren des Jahres zu suchen hat, bleibt offen — vielleicht mal bei der Sportschau nachfragen.

[Update 29. Januar 2012] Heute gibt es dann den Neuzugang für 2012 2011: Señor Raúl. Ein schön anzusehender Lupfer beim hohen Sieg gegen den 1. FC Köln. Was der FC Schalke übrigens auch ohne Raúl schafft, wie gestern gesehen.

[Update 24. Januar 2011]

Ein Schuss aus 60 Metern. Kreativ. Gab es erst seit 2007 nicht mehr.

[Update 7. April 2009]

Ich hab dann mal eine nur wenig Voraussicht benötigende Änderung vorgenommen, siehe Ende der Liste. Sollte ich mich getäuscht haben, werde ich mich damit bestrafen, selbst so ein Tor wie das von Grafite erzielen zu müssen und es so lange zu versuchen, bis es klappt — allerdings ohne Gegenspieler. Schwer genug.

Aber ich werde mich ohnehin nicht täuschen.

Und wie profan Ballacks Tor von 2008 plötzlich wirkt …

Aus aktuellem Anlass, da Diego mit seinem Tor aus 60m Entfernung gegen Alemannia Aachen gerade Tor des Monats wurde, ein Überblick über die bisherigen Schützen des „Tor des Jahres“ seit der Einführung dieser Wahl im Jahr 1971.

1971 Ulrik Le Fevre
1972 Günter Netzer und Gerd Müller
1973 Günter Netzer
1974 Erwin Kostedde
1975 Klaus Fischer
1976 Gerd Müller
1977 Klaus Fischer
1978 Rainer Bonhof
1979 Harald Nickel
1980 Karl-Heinz Rummenigge
1981 Karl-Heinz Rummenigge
1982 Klaus Fischer
1983 Jürgen Wilhelm
1984 Daniel Simmes
1985 Pierre Littbarski
1986 Stefan Kohn
1987 Jürgen Klinsmann
1988 Jürgen Wegmann
1989 Klaus Augenthaler
1990 Lothar Matthäus
1991 Andreas Müller
1992 Lothar Matthäus
1993 Augustine „Jay-Jay“ Okocha
1994 Bernd Schuster (ab 0:53)
1995 Jean-Pierre Papin
1996 Oliver Bierhoff
1997 Lars Ricken
1998 Olaf Marschall
1999 Giovane Elber (ab 1:08)
2000 Alex Alves
2001 Kurt Meyer
2002 Benjamin Lauth
2003 Nia Künzer (ab 1:23)
2004 Klemen Lavric
2005 Kasper Bögelund
2006 Oliver Neuville
2007 Diego
2008 Michael Ballack
2009 Grafite
2010 Michael Stahl
2011 Raúl
2012 Zlatan Ibrahimovic

Mit Nia Künzer immerhin schon eine Frau als Gewinnerin dabei, sowie mit Jürgen Wilhelm und dem damals 80-jährigen Kurt Meyer auch zwei Amateure. Rekordsieger bleibt Klaus Fischer mit 3 Toren, vor Günter Netzer, Gerd Müller, Lothar Matthäus und Karl-Heinz Rummenigge mit je 2 Toren des Jahres.

In den meisten Fällen braucht man nur auf die Jahreszahl und den Namen zu schauen, schon ist klar, welches Tor es gewesen sein muss. Beispiele:

Lothar Matthäus 1990
Nia Künzer 2003
Lars Ricken 1997
Klaus Fischer 1982
Oliver Bierhoff 1996

Was an dem wurschtigen, glücklich abgefälschten, kraftlosen, unplatzierten Torschuss Bierhoffs von 1996, der dem armen tschechischen Torhüter durch die plötzlich nur noch mit der Konsistenz unaufgeblasener Luftballons funktionierenden Hände glitt, Tor-des-Jahres-würdig gewesen sein soll (außer eben seiner Wirkung), wird sich uns nie erschließen. Klaus Fischers Tor von 1982 begeistert da schon eher, so wie alle seine Tore des Jahres es vermögen.

Ich persönlich hätte auch diesmal eher auf Christoph Preuß‘ Fallrückzieher gesetzt als auf diese dann doch irgendwie gar nicht so schwierigen Tore der Marke Augenthaler 1989, Alves 2000 oder eben Diego 2007, aber ich bin ja auch nicht die Masse.






43 Kommentare

  • War das Bernd Schuster Tor von 1994 nicht auch so eines aus der Kategorie „wenn ich nicht mehr laufen kann schieß ich halt aus 50m“?

  • Easyfunk sagt:

    Boah, Trainer! Fettes Konditionsprogramm, das du hier auftischt. Da haben wir ja alle erstmal zu tun.

  • Blavont sagt:

    Kann es sein, dass du dich 84 beim Simmes vertan hast, weil es das 70er Video ist?

  • Ja, natürlich, ich korrigiere das, Danke für den Hinweis.

    @Stefan, Du hast recht. So war es.

  • kurtspaeter sagt:

    Mensch Trainer, da haste Dich in Mühen gestürzt.

    Ich bin trotzdem irritiert und vielleicht kann mir jemand weiterhelfen. Ich habe 1984 das erste und einzige Mal bei dieser Wahl mitgevotet, bzw damals hieß es noch „eine Postkarte zur Abstimmung einsenden.“ Und ich war mir bis eben sicher, das ich Daniel Simmes gewählt hatte. Nun kann ich mich aber erinnern, daß ich damals total enttäuscht vor dem Fernseher hockte, weil meine Wahl nur auf Platz 3 ins Ziel kam.
    Welches Tor hab ich bloß gewählt?

  • Da Spielföhrrrer sagt:

    Hia wärd nächt gevotet, hia wärd abgestämmt!

  • sternburg sagt:

    Große Fleißarbeit, für den autoren wie für den Rezipenten. Ein dankeschön von Herzen, auch an diesen einen besonders rührigen Clipersteller.

    Subjektive Wahrnehmung: Kann es sein, daß so bis Mitte der 80er Einkontakt-Tore (Fallrückzieher etc.) vorherrschen, und erst später von diesen dem Fussball eher fremden 60-meter-Zirkusnummern verdrängt werden (auf einer zwar anderen Ebene, aber ähnlich durch Sensationslust eine Wahl sinnlos gemacht übrigens bei Kurt Meyer)?

    Dafür scheint durch die ganze Zeit hindurch der bedeutende Augenblick gewisse Einflüsse bei der wahl zu haben. Bierhoff ist da nur ein krasser Ausrutscher. Beispiel dafür, daß das nicht per se schlecht sein muss: Ricken 97, das hätte ich damals auch gewählt, obwohl es sicher bessere Kandidaten gab (ist aber trotzdem auch ein sehr geiles Tor). Außerdem kann sich bei diesem Auschnitt vergewissert werden, daß Marcel Reif wirklich früher besser war, und es nicht nur an einem selber liegt, daß er einem mittlerweile so unglaublich nervt. Allein das lohnt doch.

    @Kurt: Durfte man das den damals bei euch noch: einen Dortmunder wählen?

  • kurtspaeter sagt:

    @Sternburg: Mit 7 Jahren waren meine Aversionen noch nicht so groß…

  • Felix sagt:

    Respekt!
    Bei einem Tor war ich sogar live dabei! Das Tor des jahres 2000 von Alex Alves wurde direkt nach dem Anstoss von der Mittellinier aus in einer Bogenlampfe ins Tor geknallt. Schade, dass es davon kein Video gibt.

  • Ach, das gibt es sicher irgendwo, ich hab es nur nicht gefunden. Ein Tor aus dem Jahr 2000 ist doch ziemlich sicher irgendwo in Umlauf. Wer es findet: gerne einen Hinweis an mich, das gilt natürlich auch für die anderen noch fehlenden Tore.

  • Olli sagt:

    Nette Auflistung, danke :)

  • Saffti sagt:

    Ein herrliches Betthupferl, dieses Video „Greatest Bundesliga-Goals Of The Seventies“. Überall ein Abwehrverhalten wie jüngst Bielefeld bei ausgesuchten Auswärtsspielen (klasse vor allem das allerletzte Tor – und das vor der Entdeckung der Wettmafia in Singapur), Eintracht Braunschweig in der 1. Liga und vor allem: Die Torschützen jubeln einfach nur und grüßen nicht Frau, Freundin, Mutter, Tochter oder formulieren mit ihren Inszenierungen nicht irgendwelche Forderungen nach dem Weltfrieden oder der Unabhängigkeit des Saarlands. Klasse!

  • Markus sagt:

    Erstmal: Klasse Idee! War richtig schön, die genialen Tore – gerade die aus 70er‘n, die waren irgendwie noch schöner, oder? – anzuschaun!
    Das TdJ 1995, ist das vielleicht falsch verlinkt? Boris Becker erzählt da was von unserm Kaiser und Papin, aber ein Tor hat’s nicht.

  • der muecker sagt:

    zum Tor 1994 – Bernd Schuster hab ich einen Link gefunden
    http://www.youtube.com/watch?v.....re=related
    so ab 0:53 min gehts los. sind aber auch sonst noch ein paar nette dabei.

  • Oh, Danke sehr. Ist eingebunden, und da waren ja auch noch drei andere fehlende dabei.

  • Ja, der gute alte Waldemar Hartmann, da geht ihm einer ab, dass einer aus München das Tor des Jahres schoss und dann noch mit so einer überwältigenden Mehrheit der Stimmen:

    „Mit einer Stimmenanzahl, die es in der Geschichte des Tor des Jahres in der Sportschau noch nie gegeben hat auf Platz 1, vom TSV 1860 München: Benjamin Lauth. Neunundachtzigkommaacht Prozent der Stimmen und Benny, wie sie ihn zu Hause in Bayern nennen, sitzt jetzt auf dem Schlierseer Hof auf Heimaturlaub, hallo Benjamin.“

    So, da ist dann also auch noch das Tor des Jahres 2002 von Benny Lauth endlich nachgetragen. Kennt diesen Lauth irgendjemand? War wohl so ein One-Hit-Wonder.

    Sehr schöne Arbeit in dem Video, wie Hartmann und Lauthmann vertauscht werden.

    Ja geh, schaut’s Euch aan!

  • kajokrazer sagt:

    Frage: warum kommt bei tor des Jahres 1995 Jean Pierre Papin, Boris Becker?

  • Manfred sagt:

    http://www.youtube.com/watch?v=bv7InVefo74
    Hier sind alle, die noch fehlen, bei.
    Und die von 83 und 86 sind es sowas von wert.

  • Schnellinger sagt:

    Bei Jay-Jays Tor des Jahres war ich natürlich im Stadion zugegen und hab gefühlte 3 Minuten lang gebrüllt „Zieh doch endlich ab Maaaan!“. Was ein Glück hat er sich doch Zeit gelassen :-)
    Über meine Anwesenheit bei Augenthalers Weitschuß gegen Uli Stein möchte ich aber lieber nicht sprechen….

  • Ein Mann, der gleich zwei Tore des Jahre live erlebt hat. Sichel!

  • Huge sagt:

    Eine herrliches Instrument, sich vom Lernen abzuhalten. Danke.

  • Jannik sagt:

    2005 und 2006 dürfte es ziemlich leicht gewesen sein, sogar gleich zwei hintereinander live im Stadion erlebt zu haben.

  • Ja? 2006 war doch ein Testspiel? Wer geht denn zu Testspielen ins Stadion? Etwa Menschen, die dann auch über Fußball bloggen?

  • Jannik sagt:

    Ich war damals im Urlaub (geh‘ aber andernfalls auch zu Testspielen). Laut torfabrik.de waren 26.700 Zuschauer im Borussia-Park. Von denen dürften dann einige unter den 6.000 auf Schalke gewesen sein. Ich nicht, aber einige.;)

  • In dem Video sieht Neuville eigentlich auch eher wie ein Pappaufsteller aus. Sehr merkwürdig, dass er dann doch echt ist.

  • dr. socrates sagt:

    So habe ich das diesejährige Tor erlebt:
    Nachdem eigentlich unser Team schon in der Halbzeit hätte führen dürfen (bzw. können, obwohl die Hertha die klarste Chance hatte) kamen die Berliner minimal energischer aus der Pause. Plötzlich sind alle Feldspieler in unserer Hälfte und dem BSC-Spieler verspringt der Ball. Und Du denkst: Mensch Mike, schneller hin, hau doch das Ding weg. Und Stahl trifft die Pille wunderbar. Du verfolgst die Flugbahn des Balles, schaust kurz, ob vielleicht vorne noch ein Stürmer herumlungert, erkennst plötzlich, dass der Keeper irgendwie komisch weit draußen steht, Dein Hirn registriert, dass der Torhüter niemals an den Ball kommen wird und Du zitterst, ob der auch wirklich ins Tor geht. Und dann liegt der Ball im Netz und irgendwie scheinen alle Koblenzer Fans eine Nanosekunde verblüfft zu schweigen, ob der Aktion die sie gerade gesehen haben und dann bricht ein ohrenbetäubender Jubel los. Unfassbar, unbegreiflich, unnachahmlich………

    Gruß Doc

  • sternburg sagt:

    :)

    Ja, der Anfang des 2006-Videos ist der absolute Oberknaller. Und die beiden „besten“ Kommentare sind ausnahmsweise auch wirklich sehr schön.

  • McP sagt:

    Huch. Ich dachte 2006 muss man auch nur auf die Jahreszahl schauen, um zu wissen, welches Tor gemeint war. War dann aber ein anderes. Wie konnte das denn passieren?

  • Stefano sagt:

    Jaahaa Trainer, bei Neuville hab` ich mich regelrecht erschreckt, daß er sich dann doch bewegte! Sehr surreal, die ganze Vorstellung. Auch noch mit scheinbar verlegenem Handschlag.

    Vielen Dank für die Sammlung, Trainer! Kanste ja jedes Jahr rausholen, dann können wir auch wieder die Videos aktualisieren. Dann freuen sich auch andere dran. Oder die Selben, Hauptsache freuen!

  • Latze sagt:

    Link zum Grafite-Tor 2009 funzt nicht mehr (via DFL), hier ein anderer:

    http://www.youtube.com/watch?v.....re=related

  • Latze sagt:

    …und ganz viele andere Links sind auch inzwischen tot – schade um des Trainers Sucharbeit :-(

  • Manfred sagt:

    @ Latze: alle Tore bis 1995 kannst du am Stück sehen, Link weiter oben von mir. Ne komplette Sammlung ist mir bisher nicht untergekommen.

  • Manfred sagt:

    So, der Rest vom Schützenfest. Okay, 1996-2009, aber alle dabei:
    http://www.youtube.com/watch?v=TJoFRA9ujDM

    Leider elend lang wegen x Zeitlupen, dafür mit deutlich kontemplativerer Mucke :D

  • NORTHEND sagt:

    Patriot wie ich bin, labe ich mich am Clip von 2004 und Klemen Lavric. Nicht zuletzt wegen der genialen Beastie Boys im Hintergrund!

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