Younga-Mouhanis älterer Bruder

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Der war gerade in der Bude, wo ich auch war. Ich bestellte ein Käsebrötchen. Er bestellte nix. Ich sagte: Wer sind Sie denn? Er sagte: „Ich bin der soundso (irgendein Kauderwelsch) aus Neudorf.“ Ich sagte: „Das macht nix.“ Er sagte: „Ich bin jetzt dran.“

Dann bestellte er ein Käsebrötchen. Vielleicht waren es auch zwei, eins für ihn, eins für seine Frau. Ich hab nicht genau hingehört.

Ich sagte dann: „Interessieren Sie sich für Fußball, werter Mann?“

Eine große Schwäche meinerseits, des öftern wildfremde Menschen mit dieser Frage zu belästigen.

Er sagte: „Ja natürlich, ich komm aus Afrika, ich liebe Fußball.“

Ich sag: „Aus welchem Land denn?“

Er sagt: „Aus dem Kongo!“

Es folgte eine Diskussion über die Definition über Kongo und DR Kongo, das früher mal Zaire hieß. Oder umgekehrt. Die Diskussion hielt jedenfalls länger an. Ich wollte die Diskussion dann mit einer Killerfrage für mich entscheiden:

„Wo steht denn Ihr Land in der WM-Qualifikation?“

Er behauptete: „Wir sind schon raus, das ist Scheiße.“ Wobei er scheiße mit diesem typisch weichen, französischen „s“ aussprach, wie auch typisch französische Croissants immer so ein weiches „s“ in sich tragen. De Beur, you know? Much butter.

Ich sagte: „Aha.“

Er sagte: „Ja, aber beim nächsten Mal sind wir bestimmt dabei.“

Ich sagte: „Kongo, aber nicht qualifiziert, da hör ich doch eine Nachtigall trapsen!“ (Sagte ich natürlich nicht, aber sinngemäß etwas Ähnliches).

Er sagte: „Macht nix, am Sonntag (oder Freitag?) spielt mein Bruder in Oberhausen, da haben wir alle Karten.“

Ich sagte: “?“, was ich wohl relativ unspektakulär artikulierte. Mir war auch nicht klar, wovon er jetzt sprach.

Er sagte: „Da kommt mein Bruder, der spielt bei Union Berlin, und der kommt nach Oberhausen.“

Ich sagte: „Ja, ich spiele auch bei den Montreal Canadians und ich komme übermorgen nach Liechtenstein.“

Er verstand nicht so ganz, fuhr aber fort: „Das ist mein Bruder, wir haben schon Karten. Wollen Sie auch Karten haben?“

Ich sagte: „Nein, natürlich ja.“

Er sagte: „Na, wir haben immer noch welche über. Mein Bruder hat mir extra welche besorgt.“

Ich sagte: „Nein, natürlich ja. Wie viele kann ich haben?“

Er sagte: „Wie viele Sie brauchen, sagen Sie mir, einfach, dann besorge ich Ihnen. Wir können auch zusammen fahren, wenn Sie hier um die Ecke wohnen.“

Ich sagte: „Ich wohne hier um die Ecken, aber ich habe gar keine Geld.“

Er sagte: „Ja, so ging es uns früher in Kongo auch. Aber jetzt haben wir Geld und wir haben Karten. Kommen Sie mit, wenn Sie wollen, ich lade Sie auch ein. Ist mein Bruder, der spielt.“

Ich sagte: „Nein, natürlich ja.“

Und ging nach Hause.

Ich schrieb nicht mal seine Nr. auf. Obwohl ich verdammt noch mal wirklich jede Ticket gebrauchen kann, ob nach Kongo oder nach Oberhausen. You know?

2 Kommentare

  1. Ganz ehrlich, ich würde sogar auf dem Mars noch als erstes fragen: „Interessieren Sie sich für Fußball?“ Das ist so eine Art sozialer Lebensversicherung.

  2. Wo ist die Bude? Da geh ich auch hin, interessiere mich für Fußball und würde dann auch mal zu RWO gehen ^^



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