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Monat: August 2016

Fortuna Sittard und der musische Maler

Es gab zwei Konzerte in meinem Leben, die mich besonders enttäuscht zurückließen. Das eine war jenes von Tocotronic in Dortmund, wo die Menschen auf der Bühne nichts Besseres zu liefern hatten als Publikumsbeschimpfung und Verächtlichmachen des Ruhrgebiets. Gnadenlos peinlich und schlecht, auch wenn es musikalisch gut war. Aber Tocotronic ist so etwas wie der „Soundtrack of my life“, und da hätte ich dann doch irgendwie mehr als nur an jenem Abend schlechtgelaunte Fuzzis erhofft.

Das andere war jenes von Funny van Dannen. Ich hatte kein besonderes Faible für ihn, auch wenn ich viele Songs von ihm kannte. Irgendjemand war mit Zahnschmerzen ausgefallen, sodass ich mehr oder weniger zufällig in den Genuss seines Konzertes im Ringlokschuppen in Mülheim kam. Natürlich mag man seine Texte, sie sind hintersinnig und amüsant. Auf Liedermacher stehe ich eigentlich nicht so, weshalb er vielleicht von vorneherein schlechte Karten bei mir hatte, aber ich hätte mich gerne positiv begeistern lassen.

Leider spielte er die Songs 1:1 so, wie man sie von seinen Alben kennt, was, wie ich erst kürzlich erfuhr, daran liegen könnte, dass alle seine Songs live aufgenommen werden, also eben bei Konzerten. Es gibt keine Variationen, keine Arbeit im Studio, er singt und spielt einfach und das ist dann auch das, was man auf einem Konzert hört.

Allerdings war es so, dass er zwischen den Songs genau so viele Worte für sein Publikum bereithielt:

Gar keines. Er redete nicht ein Jota, keine Einleitung zum nächsten Song, kein Hallo Mülheim, keine Erklärung, was er wie bei welchem Song gemeint oder gedacht hat. Die Songs an sich kamen gut an, es herrschte gute Stimmung, allein ich fühlte mich ein wenig nicht abgeholt.

Mundfaul, etwas, oder auch davon überzeugt, dass seine Songs schon für sich sprechen würden. Mag sein, ich war ein wenig beleidigt, jetzt geh ich schon extra hier hin, um Funny van Dannen am Mikro zu sehen und hören, und er redet kein einziges Wort.

Eigentlich war er damit bei mir in Ungnade gefallen, was ihn natürlich herzlich wenig kümmern sollte, doch dann trat er letzte Woche beim „Montalk“ auf, einer einstündigen Talksendung auf WDR2 mit wechselnd unterhaltsamen Gästen.

Dort, und jetzt kommt erst der Teil, der hier fürs Blog relevant wird, verriet er, dass er das Abi drei Monate vor Erreichen geschmissen habe. Vornehmlich, weil er Stress mit fast allen Lehrern hatte, weil er sie korrigierte und ihnen erzählte, was sie falsch machen. Und von Fortuna Sittard gekauft hätte werden sollen. Aufgewachsen in Selfkant, bis 1963 nach dem Krieg den Niederlanden zugehörig, waren es von seiner Heimat bis nach Sittard nur wenige Meter. Fortuna Sittard war damals Zweitligist in Holland, wolle Funny van Dannen für 3.000 Gulden kaufen, doch der Heimatverein van Dannens verlangte 11.000 Mark.

Er trainierte längere Zeit dort mit, durfte aber wegen des noch nicht abgeschlossenen Wechsels nicht spielen. Er war wohl Libero, und er sagt noch heute, dass das eigentlich etwas gewesen wäre, was er gerne gemacht hätte, Profifußballer sein. Wenn er heute den grünen Rasen und das Flutlicht sieht, bekommt er immer noch dieses Sichangezogenfühlen von diesem Ambiente.

Was man hier nur allzu gut nachempfinden kann.

Was machte Funny van Dannen aber, nachdem sich die beiden Vereine nicht über diese aus heutiger Warte lächerlich niedrige Ablösesumme einigen konnten? Er gab das Fußballspielen auf. Unfassbar, einfach so. Er zog nach Berlin, wurde eben jener Funny van Dannen, der er damals noch nicht war, wurde Maler und nicht zuletzt Lyriker und Musiker. Rocko Schamoni vermittelte ihm dann irgendwann den Kontakt zu Campino, welcher mehrere seiner Texte für seine Songs verwendete. Am bekanntesten sicher „Niemals zu den Bayern gehen“ und Funny van Dannen erklärt auch in Interviews, dass es darin nicht um Bayern-Hass ginge, sondern darum, dass junge Spieler ihre vielleicht hoffnungsvolle Karriere nicht mit einem unbedachten Wechsel wegwerfen mögen. So wie er selbst es quasi, ungefähr, getan hat.

In vielen Interviews liest man dann immer wieder von seiner immer noch existierenden Liebe zum Fußball und ja, damit hat er dann seinen maulfaulen Auftritt im Ringlokschuppen wieder wettgemacht. Ein Musiker, Maler, der Fußball liebt und fast Profi geworden wäre. Wo gibt es sowas sonst noch? Ein Hoch auf Funny van Dannen und aufs Flutlicht generell.

Einige Interviews mit viel Fußballbezug gibt es hier:

„Muss mich für den FC schämen“ (Welt)
„Das Dunkle des Dschungels“ (11Freunde)
„Ich war nie so ein Brecher“ (Frederik Jötten)

Aus letzterem Link stammt dann auch diese Antwort:

„Funny van Dannen, in einigen Ihrer Lieder outen Sie sich als Fußball-Fan. Träumten Sie selbst einmal von einer Fußball-Karriere?

Würde ich immer noch jeder Karriere vorziehen, sofort.“

Applaus!

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Magisches Meiderich

Ja, okay, „Magisches Meiderich“ hatte ich als Titel vorgeschlagen. Heraus kam dann dabei das „Herzblut der Zebras“. Mag auch sein.

Ich hoffe, Ihr habt alle das aktuelle Heft von 11Freunde gekauft, denn da steht dieser Text von mir drin.


Magisches Meiderich

Und nicht zu vergessen, der alte Uersfeld schreibt darin auch sehr lesenswert über den Weltuntergang, den BVB und überhaupt.

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In voller Länge

Kleines Nebenprodukt endloser Stunden an Recherche: Eine Webseite mit Videos etlicher Spiele „in voller Länge“, wie der Name der Seite schon sagt. Ob Gladbach 1980 im UEFA-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt, das legendäre Viertelfinale 1994 Brasilien — Holland oder das 6:6 des FC Schalke 04 mit dem dreifachen Torschützen Olaf Thon im DFB-Pokalhalbfinale gegen den FC Bayern München — fast alles ist dabei, was das Herz begehrt, aber sich noch nie traute, in voller Länge anzusehen. Das kann man jetzt nachholen, an einsamen, trüben und kalten Sommertagen, wie sie in unseren Zeiten üblich zu sein scheinen.

Und: Das Angebot wächst ständig weiter. Immer mal wieder also reinschauen, wenn man entweder gerade ein wenig Wissenshunger bezüglich vergangener herausragender Partien oder schlicht Langeweile hat. Viel Spaß bei und mit: In voller Länge.

In voller Länge

(Mein persönlicher Favorit: Das 1:0 der Färöer gegen Österreich mit einem zunehmend verzweifelnden Kommentator der Alpenrepublik.)

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Und die europäische Bierreise geht an …

Markus73!

Herzlichen Glückwunsch zum Sieg im EM-Tippspiel hier im Blog. Im Finale mit dem Hail-Mary-Tipp auf Portugal noch im letzten Schritt an PommesBratzek vorbeigezogen, das nennt man wohl kaltblütiges Zocken.

Die „Bierreise“ mit den verschiedenen europäischen Bieren ist unterwegs, dürfte in den nächsten Tagen ankommen. Vielen Dank allen fürs Mitspielen und wir sehen uns dann diesbezüglich wieder beim nächsten großen Turnier. Womit eigentlich nicht der Confed-Cup 2017 gemeint ist, aber wer weiß.

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Von Maxl Morlock bis Mario Götze — alle deutschen WM-Tore von 1954 bis Maracana

Hat jemals jemand schon mal die (west-) deutschen Tore der WM 1954 abgesehen vom Finale gekannt? Hier sind sie!

Kaum zu glauben, dass es von allen diesen Toren seit der WM 1954 bewegte Bilder gibt und die Öffentlich-Rechtlichen mit ihrer völlig öffentlich-unrechtlichen Bücherverbrennungspolitik sie noch nie zeigten – obwohl sie doch über diese Bilder verfügen müssten. Oder auch nicht, wie auch immer.

Hier alle deutschen Tore bei WM seit inklusive 1954. Äußerst faszinierend. Auch, wie viele Tore dann doch eher reingewürgt oder Resultat von schlimmen Fehlern der Defensive waren. Und ebenso: Was für teils herrliche Treffer dabei waren, die bislang niemand nie gesehen hatte.



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