Adler, der Adrenalinsüchtige

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„Wat is eigentlich eene Adler?“

„Die Bezeichnung Adler ist im deutschen Sprachraum eine Trivialbezeichnung für große, beeindruckende Greifvögel.“

Selten hat man einen Nationalspieler, geschweige denn Torwart so reden hören. „Mit der Nervosität ging es das gesamte Spiel über.“ Ja, hat denn die Nati keinen Sportpsychologen, der dem Adler, dem Adrenalinsüchtigen (siehe letzter Satz seines Kommentars), ein bisschen diese Nervosität hätte nehmen können — oder besser Strategien hätte vermitteln können, mit denen er sich selbst die Nervosität nimmt? Wir sind froh, dass da mal einer im Tor steht, der nicht einen martialischen Spruch nach dem anderen raushaut, sondern einfach ehrlich spricht. Und den Sieg trotzdem festhält. Torwartsein hat nämlich nix damit zu tun, möglichst aufgeblasen (Ego und Körper) aus dem Fitnessstudio zu kommen, sondern vor allem mit einem: die Bälle zu halten. Neuerdings auch damit, die Bälle ins Spiel zu bringen.

Rene Adler: Jetzt bin ich Nationalspieler, das kann mir keiner mehr nehmen. Mit der Nervosität ging es das gesamte Spiel über. Ich habe jede Sekunde des Spiels genossen. Dass wir gewonnen haben, lag an einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Ich bin überglücklich. Ich liebe solche Spiele, wenn am Ende noch einmal alles auf dein Tor zuläuft.“

Für die beknackten Wortspiele mit seinem Nachnamen kann der arme Mann natürlich nix.

„Löw lässt Adler fliegen“
„Adler hebt ab“
„Ein Adler am Firmament“
„Adler mit gutem Auge“

Wichtig ist das zu-Null, und wenn das nicht geht, dann wenigstens das ein-Tor-mehr-als-Gegentore. Das hat Adler in Zusammenarbeit mit seinen Mitspielern geschafft und da darf man dann kurzzeitig zumindest kurz abheben. Als Überschrift benutzen darf man das allerdings nicht. Hoffen wir trotzdem auf einen zumindest zweiten Torwart Robert Enke und nicht Tim Wiese oder Timo Hildebrand.

(Selten war ich vor einem einfachen Qualifikationsspiel so nervös wie heute, berechtigt sogar, eine Niederlage heute und ich hätte evtl. im Sommer 2010 nur noch auf Bulgarien oder Schweden wetten können, selbst aber nix mit dem Ausgang des Turniers zu tun. Eine schreckliche Vorstellung. Man macht sich als Deutscher ja ohnehin keine Vorstellung davon, wie es ist, (Frankreich und England können eine Bohnensuppe davon kochen), an einem Turnier nicht teilzunehmen. Ich selbst (wir selbst, wir alle) kenne diese Erfahrung ja gar nicht, es sei denn wir sind vor 1958 geboren. Ist das jemand meiner Leser?)

René Adler, eine neue Ära begann. Möglicherwieseweise.

7 Kommentare

  1. Wieso 1958?

  2. Wegen 1968… des ersten und einzigen verpassten Turniers wegen (für das man sich qualifizieren wollte).

  3. Bin Jahrgang 56. 68 war halb so wild. Es gab zwar eine ziemliche Enttäuschung nach der Albanien-Pleite, aber das war’s auch schon. Die EM hatte damals lange nicht den heutigen Stellenwert, war so eine Art Turnier zweiter Klasse. An TV-Übertragungen kann ich mich nicht erinnern. Wenn, dann hat’s Ergebnisse oder Ausschnitte in der Sportschau gegeben, aber Spiele in voller Länge gab’s damals nur mit deutscher Beteiligung.

  4. Blatter spricht Südafrika Vertrauen aus – ein bestes Indiz, dass dort im Jahr 2010 höchstens die Beachvolleyball-WM statt findet…

    http://www.spox.com/de/sport/fussball/wm/wm2010/0809/News/blatter-spricht-suedafrika-vertrauen-aus.html

    Oder bei den Schießereien in den Straßenschluchten von Johannesburg sind einem die Mannschaften letztlich egal…

  5. Ups. Der Anonymous bin ich. Sorry.

  6. Aso, ich dachte jetzt nur Weltmeisterschaften, wo es doch die WM-Quali ist.

  7. Gut fand ich auch seine Reaktion auf die Enke-Verletzung. Einerseits die – in seinem Fall glaubwürdige – Versicherung, dass es ihm zwar leid täte, vonwegen „wir kommen gut miteinander aus“ usw. Aber im gleichen Atemzug hat er eben auch ehrlich zugegeben, dass das Torwartgeschäft von solchen Ereignissen eben geprägt wird. Dass das Leid des einen automatisch zum Glück des anderen wird.



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