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Schlagwort: Tim Wiese

Une soirée à Brême
Deutschland — Frankreich 1:2

Ein neuer Beitrag aus der Reihe „EM 2012″, die hier unter dem Motto „Noch ist Polen nicht verloren“ firmiert, der ersten Zeile der polnischen Nationalhymne. Und Recht hat sie, schließlich hat die EM noch gar nicht angefangen.

Ein Rückblick ganz der Reihe nach, wie es so war, am Mittwoch Jeh-roh-meh Boateng beim Nachdenken zuzuschauen, Franck Ribéry beim Divenmarkieren und Tim Wiese dabei, von seinen Heimfans gefeiert zu werden. Achja, und, ein beinahe in Vergessenheit geratenes Gefühl: Nicht nur in Ansätzen graupiger, man möchte fast sagen ein wenig fischiger Fußball von der deutschen Nationalmannschaft. Fangen wir vorne an.

Bahnhof Brême

[photopress:bahnhof_bremen_1.jpg,full,alignright]In Bremen ist man so stolz auf sein Werder, dass man die Werder-Fahnen schon im Bahnhof zur Begrüßung der Anreisenden aufhängt. Eine wieder mal äußerst ignorante Angelegenheit, nicht gegenüber den französischen Fußballfans, die, wie wir gleich sehen werden, in rauen Mengen anreisten, sondern gegenüber all jenen Bahnreisenden, die sich nicht für Fußball interessieren.

[photopress:werder_fahnen_1.jpg,full,alignleft] Mir ist das immer so ein wenig unangenehm, wenn man in eigentlich neutralem Setting die Menschen mit Fußballthemen bombardiert, ob nun in der Werbung, hier im Bahnhof oder meinetwegen, wenn Politiker Reden schwingen. Es gibt auch noch Menschen, die nichts mit dem Ausdruck „Werder Bremen“ anfangen können, und man sollte etwas mehr Rücksicht auf diese wenn auch kleiner werdende Randgruppe nehmen.

Bei Werder-Fahnen allein bleibt es im Bahnhof Bremen aber nicht. Denn was ein echter Marketender im Jahre 2012 ist, der lässt sich natürlich nicht lumpen, nicht nur die Brötchen mit Werder-Logo offiziell zu lizensieren, sondern gleich den Laden mit, in dem die Brötchen verkauft werden.

Nur echt mit dem Zusatz „offiziell“:

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Alemania — Uruguay 2:1

Gestern fanden zwei wichtige Partien statt, die ein Merkmal teilten. Beiden fehlte die ansonsten üblich gewordene 90-minütige Dauerbeschallung durch Ultras. Im einen Fall, dem 8:0-Sieg der Sportfreunde Hamborn 07 gegen TuRa 88 Duisburg, wodurch Hamborn 07 aus der (Las)Landesliga in die NRW-Liga Niederrheinliga aufstieg, in Ermangelung von Menschen, die Ultras sein wollen. Im anderen Fall, dem 2:1-Sieg von Deutschland über Uruguay, in Ermangelung von Fußballfans.

Sehr angenehm waren deshalb auch beide Partien von der akustischen Seite her zu genießen. Sieht man mal von der Totenstille in Sinsheim ab, wenn nicht gerade eine Torchance zu erleben war. Ein altes Problem der Nationalmannschaftskulisse, das sich natürlich noch einmal potenziert, wenn man auch noch geographisch ins Zwanzigersche Niemandsland ausweicht.

Bedauerlich für den hier Zählenden: Der Ausfall von Bastian Schweinsteiger. Nicht dass diese 3 Partien in der Endabrechnung am Ende der Nationalmannschaftskarriere noch die entscheidenden sein werden, die fehlen. Zwar ist schon der nächste Kandidat für einen Rekordnationalspieler im Einsatz, Mario Götze nämlich, nur der selige Uwe Seeler war jünger oder so, doch weiß man ja, wie schnell Nationalmannschaftskarrieren zu Zeiten von Jogi Löw beendet werden. Und das sogar, ohne dass es der Betroffene je erfährt.

Schönste Einstellung des Spiels: Wie Lukas Podolski und Tim Wiese in der ersten Halbzeit auf der Bank nebeneinander Späßchen machen und danach die Grinsekatzen geben. Podolskis Haare sind zu kurz für eine Packung Gel, derer zwei Tim Wiese gleich täglich benötigt. Herrlich Kölsche Lebenslust, die so besonders typisch für die Stadt Köln ist, wenn sie von zwei Jungspunden aus den Vororten (Bergheim, Bergisch Gladbach) der großen Stadt zelebriert wird. Schön auch, dass Podolski sich so gut mit seiner Rolle als Reservist anfreunden kann. Da freut sich die Frau, wenn der Ehemann nicht so frustriert von der Arbeit kommt.

Oliver Kahn hingegen, keine Kölsche Lebensart, eher ein mittlerweile trauriges Kapitel. Bei der von KMH vollmundig als „Analyse“ angekündigten Besprechung des Tores von André Schürrle zum 2:0 fällt ihm nicht mehr ein, als dass dieser Schuss „so gewollt war“. Ein Profi, ein Bundesligaprofi wie Schürrle, der könne das, das sei kein Glücksschuss gewesen. Worin sich die „Analyse“ des Tores dann auch erschöpfte. Mit Erkenntnissen, zu denen jeder Kreisligazuschauer in der Liga ist, ist Oliver Kahn als Experte dann mit seinen paar Hunderttausend auch deutlich unterbezahlt.

Das Geld muss der Sender wohl in die aberwitzig teuren Ergebnisdarstellungen investieren. Besser gesagt, in den darum zu führenden Prozess gegen die anliefernde Partei. Denn bei der Übertragung endete das Spiel seltsamerweise mit 1. Nicht mit zwei zu eins oder zwei zu null, sondern mit 1. Denn wenn man 2-1 schreibt, dann ergibt das 1. Ein Fußballergebnis — in jedem Blogger wohnt ein sehr, sehr großer Klugscheißer — wird mit einem Doppelpunkt dargestellt. Deshalb spricht man auch zwei zu eins. Wenn alle beim Sender so große Fußball-Experten wie Oliver Kahn sind, erstaunt dieser Fehler allerdings nicht.

Achja, Fußball gespielt wurde auch. Beste Platzbedingungen, herrliches Wetter und dann auch noch eine schöne Partie. Das sah schon ziemlich durchdacht aus, mit reifer Spielanlage ausgestattet und vor allem mit gutem Zug zum Tor, was Hamborn 07 gestern zeigte.

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Knigge war kein Österreicher

Wenn man mal über den Brenner fährt und falsch abbiegt, kann es passieren, dass man in einem Land ankommt, in dem man mit Fußball im letzten Jahrzehnt nix anzufangen wusste. Und bevor jetzt wieder die Meldungen in den Kommentaren erfolgen: Ja, Österreich ist eine Nation mit Fußballhistorie, mit der Betonung auf war. Offensichtlich scheint sich das just in diesen Momenten zu ändern, da der schweizer Nachbar den absteigenden Ast erwischt hat; nach vielen Qualifikationen für große Turniere, bei denen die Österreicher stets zuschauen mussten.

Umso überraschender, dass diese fußballfernen Österreicher mit einer interessanten statistischen Kleinigkeit zu ihren Nationalspielern aufwarten, die man beim DFB vergebens sucht.

Die Zahl der erhaltenen Tore pro jeweiligem Torwart.

Da steht dann zum Beispiel:
Jürgen Macho, 21 Spiele, 18 Gegentore oder
Helge Payer, 20 Spiele, 24 Gegentore.

Das ist nicht nett und hätte man nicht nur, da sie derartige Laien sind, sondern auch, weil Österreicher doch als so ausgemacht höflich gelten, nicht von ihnen erwartet. In Deutschland stehen die erhaltenen Gegentore pro Mannschaft zwar in der Tabelle, und meist gehen sie dann aufs Konto nur eines Torhüters. In den persönlichen Statistiken eines Torwächters fehlt diese Angabe dann aber immer.

Schauen wir nach, wie die Werte für die deutschen Torhüter wären, so man sie zählte:

Manuel Neuer, 13 Spiele, 7 Gegentore*
Tim Wiese, 3 Spiele, 5 Gegentore
René Adler, 9 Spiele, 5 Gegentore
Hans-Jörg Butt 4 Spiele, 4 Gegentore
Timo Hildebrand, 7 Spiele, 9 Gegentore

Und weil die alle so insgesamt wenige Spiele haben, und die Zahlen auch aufgrund der vielen Einsätze gerade in Test- und nicht Qualifikations- oder Turnierspielen wenig aussagekräftig sind, hier aber die Zeit knapp ist, kann das ja mal jemand für Lehmann und Kahn zusammentragen. Oder Maier und Schumacher. Ist allerdings ausnahmsweise kein Gewinnspiel, schließlich ist heute Abend Länderspiel. Das sollte ausreichen, um den täglichen Spielbedarf zu decken.

Unstete deutsche Torhüter.

Unhöfliche Österreicher.

(*Plus ein Bloemfontein-Tor.)

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Eckbälle? Keine Zeit!

Falls sich jemand wundern sollte, warum die Standards der deutschen Mannschaft so beschissen sind/sein werden, so derart unstrukturiert, ohne Plan und vor allem ohne Ergebnis, obwohl doch jedes Kind weiß, dass ca. 30% aller Tore nach Standards fallen (außer bei den Deutschen), hier eine unvollständige Auswahl der Tweets von dfb_team der letzten Tage.

Nationalmannschaft geht auf Mini-Safari http://bit.ly/aPqs6m
7:13 PM Jun 25th via API

Besuch von den Liebsten. Thomas Müller läßt seine Freundin mit dem Quad fahren und setzt sich hinten auf die Sitzbank.
1:32 PM Jun 25th via web

Die Spieler haben frei. Einige haben Besuch von ihren Frauen.
1:52 PM Jun 24th via web

Kinoabend im Velmore: Mertesacker und Trochowski schauen den Thriller „Motel“.
9:58 PM Jun 21st via TweetDeck

Kino-Abend im Velmore: Mertesacker, Wiese, Klose und Trochowski schauen sich Mel Gibson in Payback an.
8:59 PM Jun 19th via web

Freier Nachmittag: Mertesacker und Trochowski spielen Tischtennis, Wiese fährt im Kraftraum Rad.
4:42 PM Jun 19th via TweetDeck

Quad-Racing auf dem Hotelgelände: Müller und Gomez lassen es auf dem Parkplatz richtig stauben.
3:56 PM Jun 19th via web

Freier Nachmittag für die Mannschaft.
3:20 PM Jun 19th via web

Trochowski und Mertesacker gehen gerade ins eingerichtete Hotelkino. Heute im Programm: Inglorious Bastards
9:33 PM Jun 16th via web

Jo, Jungs, hängt einfach ein bisschen ab, hängt ein bisschen rum, geht Löwen gucken, aber bereitet Euch bloß nicht auf eigene Eckbälle vor. Geschweige denn Freistöße.

Dass da einer bei wäre, der das von selbst initiierte, hätte man sich angesichts so Namen wie Kießling oder Gomez ja dann eigentlich doch erhofft. Und man hätte sich auch erhofft, dass die Jungs dahinfahren, um das Turnier zu gewinnen, und nicht um Quad zu fahren oder Videos im Kinosaal zu gucken. Aber man ist halt auch naiv, zu.

(Und: ja, außerdem heißt der Film „Inglorious Basterds“, aber darum ging es nicht.)

Mal sehen, wer die 500. Ecke in Folge ohne Torerfolg treten wird, ich tippe auf Schweinsteiger.

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Der — endgültige — deutsche WM-Kader für Südafrika ist raus

Irgendwann letzte Woche sickerte der hiesigen Redaktion der WM-Kader für die WM 2010 in Südafrika zu. Entscheidend dafür war eine glorreiche aus-dem-Briefkasten-Rettungsaktion des Trainer Baades, weil der riesige Umschlag, in dem das schon lange vor der Zeit bestellte Panini-Album zerfetzt zu werden drohte, beim Rausziehen beinahe noch zerfetzter geworden wäre, als es eh schon war.

War es dann aber nicht.

Der endgültige Kader des „DFB“ für die WM 2010 in Südafrika sieht folgendermaßen aus:

Tor:

Rene Adler (ohne Accent)
Tim Wiese

Abwehr

Per Mertesacker
Philipp „Ich heirate nach der WM“ Lahm
Heiko Westermann
Serdar Tasci
Arne Friedrich

Mittelfeld

Simon Rolfes
Michael Ballack
Mesut Özil
Thomas Hitzlsperger
Bastian Schweinsteiger
Piotr Trochowski

Angriff

Stefan Kießling
Lukas Podolski
Miroslav Klose
Mario Gomez

Wer da jetzt beim Zusammenzählen nicht auf 23 kommt, und noch dazu der Auffassung sein könnte, dass Simon Rolfes es vielleicht gar nicht fittigermaßen bis nach Südafrika schaffen würde, der liegt richtig. Denn wie Panini immer weiß, nimmt jedes Team nie mehr als 2 Torhüter oder mehr als insgesamt 17 Spieler mit — sonst müsste man ja auf das Verbandswappen verzichten. Da tät man dann doch lieber auf Maskottchen „Paule“ verzichten als auf das schicke Wappen.

Und was so eine Einheit ist, die muss sich dann eben auch mal zusammenschweißen lassen, kurz vor der WM. Und wenn man nicht mehr wechseln kann, dann geht man halt mal über 120 Minuten steil, so ist das doch gedacht von den Panini-Leuten.

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Wie? Was? Ich habe nicht ganz verstanden. Panini sitzt eigentlich in Italien? Zetermordio.

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Robat … und der Porzellanladen

Robat.

Reingefallen!

Robat — fängt auch mit Rob … an, hört aber nicht mit …ben auf.

Robat Enke. Das ist jetzt nicht mal lautmalerisch. Es gibt kaum einen Menschen der sprechenden Medien, der diesen amen* Menschen nicht als „Robat Enke“ ausspricht. Das mag für seine fußballerischen Leistungen völlig egal sein, wir wollten hier ohnehin wieder weg vom vermaledeit überall stattfindenden Sprachgeklugscheiße und wieder hin zum Fußball.

Robat Enke also soll die Nr. 1 werden. „Ein Torwartproblem hatten wir noch nie in Deutschland“, sagte gestern erst wieder Geog Koch in der Pause des Spiels MSV Duisbug – Fotuna Düsseldof.

Ob nun Wiese das Zeug dazu hätte oder nicht, hier würde man meinen: ja, ist eigentlich auch egal. Denn das, was Jogi Löw mittlerweile an völlig unnötigen Problemen aufs Tapet zaubert, übersteigt nicht nur langsam, sondern relativ schnell die Schwelle dessen, was noch gut ist.

Wo es 2005 noch nur 2 Torhüter waren, die um 1 Platz kämpften, sind es bei Jogi Löw 2009 gleich 4. Wo es 2005 noch nur 2,5 enttäuschte Nationalspieler waren (Kuranyi und Wörns und Kahn, der allerdings nur halb zählt, weil er ja immerhin dann doch im Mannschaftsbus mitfahren durfte), züchtet Löw sich gleich ein ganzes halbes Dutzend an Alternativen, die auf diese Art keine mehr sind. Frings raus, Jones raus, Kuranyi raus (nicht dass man an dieser Stelle der Meinung wäre, Kuranyi solle nicht raus sein, aber…), nun Wiese auf seltsame Art raus, nachdem man ihn zuvor eindeutig mit ins Kalkül gezogen hatte.

Was man „Grinsmann“ während seiner Zeit beim DFB von ohnehin zweifelhaften Seiten aus vorwarf — seine entschiedene Art, sein „Aufräumen“ — kann man Jogi Löw leider nicht vorwerfen. Es ist ja im Prinzip nichts anderes als das, was Klinsmann bei den Bayern hinterlassen hat, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Während er in der Nationalelf als eisenharter Entscheider ging, der seine Linie durchzog, und seinem Nachfolger jetzt leider nur das Gegenteil gelingt, trat er bei Bayern als relatives Gegenteil auf und ließ den dortigen Entscheidern – zumindest scheinbar – nur noch die Wahl, wiederum aufs Gegenteil zu vertrauen, auf den holländischen Mann mit dem selben Spitznamen wie der aktuelle schweizer Nationaltrainer. Auf einen, der sich gegen alle Widerstände durchsetzt, somit auf jemanden, der schon am 4. Spieltag den Mut hat, Rensing aufs verdiente Altenteil abzuschieben, während Klinsmann sich das erst im Viertelfinale der Champions League traute.

Hier geht es aber um Löw, und der Mann beginnt eine echte Sorgenkomponente auf der „oad* to 2010″ zu werden. Dass ein Trainer ein vermeintliches Leistungsprinzip ausruft, sei mal wirklich als Bananengarten dahin gestellt: Wer glaubt denn ernsthaft, dass ein Trainer seine Spieler danach aussucht, welche Statistikwerte dieser in irgendeiner selbstgefälschten Datenbank aufweist, welche Fitnesswerte ein Spieler hat oder wie viele Follower er bei twitter hat? Abgesehen davon, dass ein Trainer auch nur ein Mensch ist, und somit zwangsläufig solchen Faktoren wie „Sympathie“ für oder weniger für einen Spieler sowie „gegenseitige Chemie“, die stimmen muss, unterliegt, sollte man einem Trainer auch im Jahr 2010 insoweit eben freie Hand lassen, dass er das am besten zusammen passende Team auswählt und eben nicht nach reinem „Leistungsprinzip“ vorgeht. Zumal bei solchen Konstellationen wie Innenverteidiger plus Innenverteidiger oder Innenverteidigerinnen plus Torwart oder offensiver Zögling plus defenisver Fahrensmann doch gar nicht klar sein kann, was einem die im Verein und den nun mal sehr wenigen Länderspielen gewonnenen „Leistungsdaten“ darüber verraten, was diese oder andere Konstellationen dann in ihrer spezifischen Konstellation an Leistung hervorbrächten. Da müsste man ja schon quasi endlose Testspiele durchführen, um das final beantworten zu können.

Das wird von niemandem mit Verstand erwartet und das erwartet auch niemand mit Verstand von Jogi Löw. Warum er dann aber nachgerade ständig und vor allem ohne jegliche Not Baustellen eröffnet, wo gar keine zu finden wären, wenn man keine aufmachte, bleibt unerklärlich. 4 Torhüter bis kurz vor der WM (es sind nur noch 9 (!) Monate) im Rennen zu halten, ist geradezu fahrlässig, wenn man, statt jetzt schon einen bitter enttäuschen zu müssen, ihn stattdessen in einer eventuellen Notlage mit einer Berufung eher positiv motivieren könnte.

Das ganze Geschreibsel war jetzt aber nur Vorgeplänkel dazu, dass man schließlich festhalten muss: Enke, Adler, Neuer, Wiese. Das ist tatsächlich Jacke wie Hose, der eine spielt häufiger international, der andere macht die besseren Interviews, der nächste ist weniger stinkstiefelig. Keiner sticht heraus und es ist auch nicht abzusehen, dass sich das in den nächsten neun Monaten ändern wird. Sollte es keine mit dem Boulevard abgemachten geheimen Angriffspakte geben, dass man die T-Frage neuerdings immer möglichst lange am Köcheln halten möge, auf dass es was zu schreiben gäbe, gibt es keinen Grund, warum man 4 Leute ins Rennen beruft, um dann schon vor dem Ende einen verprellen zu müssen, während die Abwehr und die Frage in dieser Frage noch lange nicht im Klaren sind, wer denn jetzt die Nr. 1 ist (und dieser dann angesichts der Auswahl der Torhüter wenigstens in den Länderspielen „internationale Praxis“ zu geben).

Es hätte nichts bis gar nichts dagegen gesprochen, Roba*t Enke schon von Anfang an zur Nr. 1 zu erklären und dann wirklich nur im Notfall und weil man ja auch bei einem langen Turnier (ich bitte Sie, maximal 7 Spiele!) mal einen Ersatz brauchen könnte, eine Nr. 2 zu züchten. Dass kein Lagerkoller aufkommen wird und die Nr. 3 nicht rebellieren wird, dafür sorgt ja schon der Playstation- und Tischtennisplatten-Minister Bierhoff. Dass das bezogen auf die Torhüterposition alles nur eine Übergangsphase ist und wir uns in keiner Torwartära befinden, war von vorneherein klar. Und dass man nach einem großen Turnier wie der WM 2010 in Südafrika noch mal eine andere Meinung haben darf als vorher, hat Jogi Löw ja (immerhin) nach der EM 2008 im Land der Löcher im Käse und des Schmähs bewiesen.

Vollkommen unverständlich also, wieso hier überhaupt Fragen gestellt und Hoffnungen geschürt werden, die schon per FIFA-Definition (3 aus 23) nicht erfüllt werden können.

Man kommt nicht umhin, anzunehmen, dass Jogi Löw ein Konfliktvermeider ist oder wahlweise einer, der sich nicht entscheiden respektive festlegen mag. Was im Endeffekt auf das selbe Phänomen hinausläuft, nämlich die Weigerung, innerliche Konflikte aka Unentschlossenheiten mit sich bis zu einem vernehmbaren Ende auszutragen.

Mag man hier auch klingen wie Günte* Netzer oder anderes Stammtischgebrabbel: Das ständige Ausladen von irgendwann mal dazu Gehörenden wirkt allmählich weniger wie ein Ausprobieren der vorhandenen Optionen als wie das Lavieren eines äußerst unentschlossenen Elefanten im vorsüdafrikanischen Porzellanladen.

Scherben bringen Glück, aber mit Glück allein hat noch selten einer aus dem wenig verbliebenen heilen Rest etwas Brauchbares zusammengekittet.

* Hier ein stummes „r“ denken.

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Auf der nach oben offenen Beleidigungsskala

Letztens hat mich jemand sehr schwer beleidigt. Er rief „Scheiß Trainer Baade“.

Das saß.

Es schmerzte.

Der Schmerz wollte kaum aufhören und zusätzlich zum allgegenwärtigen Weltschmerz gesellte sich nun auch noch der Schmerz über diese üble Beleidigung hinzu. Kaum auszuhalten.

Das war aber noch nicht alles.

Um meinen Schmerz zu verarbeiten oder ihm zumindest Zeit zu geben, ein bisschen zu sacken und dann nicht mehr ganz so präsent zu sein, entschloss ich mich zu einem Spaziergang am Hafen. Das Wasser, die Schiffe, das Tuten der Schiffe, das geschäftige Treiben sollten mich ablenken. Doch es kam nur noch schlimmer.

Ein Hund lief auf mich zu, schnüffelte an mir herum und von Weitem hörte ich den vermeintlichen Besitzer rufen:

„Pfui, Bello!“

Das saß erst recht.

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Fabulöser Florian Fromlowitz

All jene, die Anhänger des „wahren“, „einzigen“, „wirklichen“ HSVs sind, also desjenigen Clubs, dessen Spieler natürlich in roten Trikots auflaufen, weil die Vereinsfarben schwarz-weiß-grün sind, werden das nicht ganz so unterhaltsam finden wie der Rest der Liga und der übrigen Meute.

Das Eigentor von Florian Fromlowitz im heutigen Heimspiel gegen den VfL Bochum war aber fabulös: Nach einer eigentlich ungefährlichen Flanke eines schizophrenen Mannes, der je nach Jahreszeit und Sonnenschattenwurf entweder den Vornamen Slawomir oder Paul trägt, was ihm den passenden Nachnamen Freier einbrachte, klatschte Fromlowitz mit großer Übersicht, Straf- und Raum- und Luftbeherrschung und vor allem Luft-Boden-Abwehrfaust- bzw. Patschehändchen-Koordination den Ball ins eigene Tor. So gekonnt, dass sogar der nachrückende, nicht näher benannte noch bekannte Bochumer Spieler beim Versuch, das Tor mittels Rumstocherei noch auf sein eigenes Datensheet zu verbuchen, zu spät kam.

Sind Gegentore für Torhüter schon undankbar, Eigentore ohnehin (man denke an Kahns schönes Eigentor im Länderspiel gegen Israel oder an jenes noch schönere im ersten Spiel Erich „Count“ Ribbecks als Bundestrainer in der Türkei), so sind Eigentore, die nicht mal aufgrund höherer (Latte) oder nebenstehender (Pfosten (links oder rechts)) Mächte zustande kommen, besonders angenehm:

Dieser Ball wäre nicht mal im Entferntesten (wörtlich) im Tor gelandet, wenn Fromlowitz einfach zugeguckt hätte, wie er seine Bahn macht und dann Richtung Eckfahne verschwindet.

Man muss nicht immer Nationaltorwart sein, um auch später noch im Jahrzehnte-Rückblick Erwähnung zu finden. Die einfache Alternative ist es, einen formidablen Wiese zu bauen. Wie Florian Fromlowitz es dann auch tat.

Es wird hoffentlich trotzdem niemand die Fähigkeiten jener Torhüter in Zweifel ziehen, die direkt aus dem Bodybuildingstudio von Gerry Ehrmann in die übrigen Proficlubs schlüpfen.

Und hier noch der Link zur betreffenden Szene.

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Adler, der Adrenalinsüchtige

„Wat is eigentlich eene Adler?“

„Die Bezeichnung Adler ist im deutschen Sprachraum eine Trivialbezeichnung für große, beeindruckende Greifvögel.“

Selten hat man einen Nationalspieler, geschweige denn Torwart so reden hören. „Mit der Nervosität ging es das gesamte Spiel über.“ Ja, hat denn die Nati keinen Sportpsychologen, der dem Adler, dem Adrenalinsüchtigen (siehe letzter Satz seines Kommentars), ein bisschen diese Nervosität hätte nehmen können — oder besser Strategien hätte vermitteln können, mit denen er sich selbst die Nervosität nimmt? Wir sind froh, dass da mal einer im Tor steht, der nicht einen martialischen Spruch nach dem anderen raushaut, sondern einfach ehrlich spricht. Und den Sieg trotzdem festhält. Torwartsein hat nämlich nix damit zu tun, möglichst aufgeblasen (Ego und Körper) aus dem Fitnessstudio zu kommen, sondern vor allem mit einem: die Bälle zu halten. Neuerdings auch damit, die Bälle ins Spiel zu bringen.

Rene Adler: Jetzt bin ich Nationalspieler, das kann mir keiner mehr nehmen. Mit der Nervosität ging es das gesamte Spiel über. Ich habe jede Sekunde des Spiels genossen. Dass wir gewonnen haben, lag an einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Ich bin überglücklich. Ich liebe solche Spiele, wenn am Ende noch einmal alles auf dein Tor zuläuft.“

Für die beknackten Wortspiele mit seinem Nachnamen kann der arme Mann natürlich nix.

„Löw lässt Adler fliegen“
„Adler hebt ab“
„Ein Adler am Firmament“
„Adler mit gutem Auge“

Wichtig ist das zu-Null, und wenn das nicht geht, dann wenigstens das ein-Tor-mehr-als-Gegentore. Das hat Adler in Zusammenarbeit mit seinen Mitspielern geschafft und da darf man dann kurzzeitig zumindest kurz abheben. Als Überschrift benutzen darf man das allerdings nicht. Hoffen wir trotzdem auf einen zumindest zweiten Torwart Robert Enke und nicht Tim Wiese oder Timo Hildebrand.

(Selten war ich vor einem einfachen Qualifikationsspiel so nervös wie heute, berechtigt sogar, eine Niederlage heute und ich hätte evtl. im Sommer 2010 nur noch auf Bulgarien oder Schweden wetten können, selbst aber nix mit dem Ausgang des Turniers zu tun. Eine schreckliche Vorstellung. Man macht sich als Deutscher ja ohnehin keine Vorstellung davon, wie es ist, (Frankreich und England können eine Bohnensuppe davon kochen), an einem Turnier nicht teilzunehmen. Ich selbst (wir selbst, wir alle) kenne diese Erfahrung ja gar nicht, es sei denn wir sind vor 1958 geboren. Ist das jemand meiner Leser?)

René Adler, eine neue Ära begann. Möglicherwieseweise.

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Tim Wiese zur EM!

Solche Fehler macht man nur einmal im Jahr. Mit Tim Wiese könnte also bei der EM gar nichts mehr schief gehen. Schade nur, dass er menschlich nicht ins Nationalteam passt. So muss er trotz zu seiner kommenden fehlerfreien Phase von nicht unter acht Monaten am Tag der Verkündung des Kaders auf der Zugspitze vergeblich darauf warten, dass sein Name fällt.

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Darth Vander

Oh mein Gott!

Ich bin kein Werder-Fan. Ich bin aber einer dieser Leute, die für deutsche Mannschaften sind, wenn diese im Europapokal spielen. Mit Grausen musste ich vorhin feststellen, dass Tim Wiese für die Torwächterposition bei Werder Bremen ausfällt. Das an sich würde mich nicht so interessieren, hieße der Ersatzmann nicht Christian Vander. Nun bekomme ich langsam Hemmungen, Spieler zu dissen, die deutlich jünger sind als ich und in ihrer Karriere noch kein Bein auf den Boden bekommen haben. Dennoch:

Was Christian Vander einst beim VfL Bochum in der Bundesliga an Torhüterqualitäten zeigte, dürfte kaum reichen, um in der Champions League zu bestehen. Nun bleibt einem nur, zwei Dinge zu hoffen:

Erstens, dass die Torwarttrainingsabteilung bei Werder Bremen so gut ist, dass sie diesen Mann auf ein höheres Niveau gehoben hat, oder

zweitens, dass Olympiakos Piräus von Werder Bremen über 90 Minuten so weit vom Tor entfernt gehalten wird, dass Christian Vander kein Unheil anrichten respektive seiner Karriere weiteren Schaden zufügen kann.

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Jetzt geht’s los

„S04-Torwart Neuer patzt beim 2:2 gegen Kopenhagen“, schreiben die Agenturen und wir denken daran, dass der junge Torwart gerade mal eine halbe Bundesligasaison hinter sich hat und bereits ins Nationalmannschaftstor geschrieben wurde. Davor hat der Fußballgott aber noch das eine oder andere zu durchschreitende Tief gestellt. Ein einziger Patzer ist noch kein Tief, aber über den zurückrollenden Ball zu treten kann im jungen Alter durchaus Spuren hinterlassen. Und dass Neuer so ein Mann ohne rearview mirror wie Tim Wiese wäre, ist nicht anzunehmen.

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