Dein Bundesliga-Moment

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Ja, „Dein Bundesliga-Moment“ aus 50 Jahren ist gefragt.

Damit sind wir dann endgültig im profanenen Wald- und Wiesenjournalismus angelangt. Die Verknüpfung von den Leserinnen und Lesern, den Fans, den Liebhabern mit ihrem Objekt der Liebe, ganz nach dem Motto „Wo waren Sie, als Michael Kutzop den Ball an den Pfosten schoss?“ — „Ich brutzelte mir gerade eine Currywurst, weil ich nach dem vielen Bier vor dem TV Hunger bekommen hatte, die Currywurst dampfte und vernebelte die Sicht auf das TV-Gerät, aber an der Art des Aufschreis meiner Frau konnte ich erkennen, dass etwas sehr Dramatisches passiert sein musste.“ — „Vielen Dank Herr Budenbender aus Bergisch Gladbach.“ wollen wir auch hier heute verfahren, bzw. das gestern bei Twitter begonnenen Spielchen fortführen.

Was war Dein Bundesliga-Moment* in 50 Jahren Existenz dieses Unterhaltungsbetriebs?

(Oder zwei oder drei Momente, ganz wie Belieben.)

Meiner war definitiv der von Jean-Marie Pfaff gehaltene, von Manfred Kaltz getretene Elfmeter in der 96. Minute beim 2:2 des FC Bayern gegen den Hamburger SV, aber auch das schöne Spiel BVB gegen Bayern mit den zig Gelben und Roten Karten, in jenen Jahren, als an vorderster Front ein gewisser Stefan Effenberg Fußball zum Kampfsport fehluminterpretierte. Und das 6:0 des VfL Bochum gegen den FC St. Pauli bei strahlendem Sonnenschein und damit (ich glaube) den Einzug in den UEFA-Pokal festmachend war ebenfalls toll.

Gestern haben schon einige mitgemacht und ihre Momente der Bundesligageschichte genannt, ich habe mir erlaubt, diese in die Kommentare zu legen oder stellen, natürlich Vieles dabei, was jeder kennt, aber nicht ad hoc erinnert, wie zum Beispiel … ach, seht und antwortet selbst.

* Kann auch ein gesamtes Spiel, eine Anekdote aus dem Zuschauerbereich oder ein einzelnes Tor, Foul, Spielabbruch, Grätsche oder Münzwurf sein, wie auch immer.

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  1. Unvergessen, wir wir damals im Freundeskreis (darunter ein Bochum- und ein Frankfurt-Fan) am Radio die Abstiegskonferenz am letzten Spieltag der Saison 1998/99 verfolgt haben. Als Günther Koch sich dann „vom Abgrund“ meldete…

  2. Das mit Kutzop lassen wir dann doch eher mal raus und schieben es in Hirnregionen, die sich besser zum Vergessen eignen.

    Schlage stattdessen jene Partie vor, in der Wynton Rufer per Elfmeter zum 1:1 gegen Bayern ausglich und die 2:1-Führung erzielte, woraufhin die Partie insgesamt 4:1 für Werder endete — der Grundstein für die Meisterschaft 1993 war gelegt. Okay, so zwei schnöde Elfmeter sind jetzt nicht das Gelbe vom Ei, ein verdienter 4:1-Heimsieg über die Bayern aber schon.

  3. Anno 2001 war ich ein Jungspund, der den FC Bayern verehrte. Es war der letzte Spieltag und ich war mit meinem Vater zu Hause. Wir machten uns beide gerade startklar für das Fest meiner Fußballmannschaft zum Saisonabschluss, doch während er gerade kreuz und quer durch die Wohnung lief, um irgendein verlegtes Kleidungsstück zu finden, hatte ich eine Pause eingelegt, kniete auf der Couch, hatte die Fernbedienung in der Hand und starrte auf den Fernseher, wo ich die letzten Minuten in der Bundesliga mitverfolgte. Nicht in bewegten Bildern, sondern per Videotext, denn Pay-TV war nicht. Das ganze Drama, das sich dort abspielen sollte, konzentrierte sich also aus meiner Sicht auf zwei kleine Zahlen, die das aktuelle Ergebnis abbildeten. Schalkes Sieg war durch, bei Hamburg-Bayern standen immer noch zwei Nullen in Lila, es wurde also noch gespielt. Ich wartete darauf, dass endlich abgepfiffen wird, die Nullen weiß und damit die Bayern Meister werden.

    Dann wurde aber aus der ersten Null eine Eins, Barbarez, 90. Minute. Mein Vater eilte mal wieder vorbei, blieb kurz stehen, lachte laut und lief weiter, für ihn spielte es keine allzu große Rolle. Ich aber weiß heute noch, welchen Schock diese Eins bei mir auslöste. Nach kurzer Zeit kam er zurück und sagte, dass wir gehen müssten, wir waren spät dran. Ich sagte nichts und starrte weiter auf den Bildschirm, jeden Moment würde vor meinen Augen das Zwischenergebnis zum Endresultat werden, und alles wäre aus. Kurz darauf passierte es dann auch, die Zahlen waren nicht mehr lila, sondern weiß, doch ich bemerkte gar nicht, dass beim Endergebnis auch bei den Bayern eine Eins stand. Ich war am Ende, warf die Fernbedienung weg und lief in Richtung Flur, als ich plötzlich hinter mir hörte, wie mein Vater einen Laut der Verwunderung ausstieß. Ich drehte mich um, sah ihn an, er lachte wieder und deutete in Richtung Fernseher, ich sah das Ergebnis, rechnete Eins und Eins zusammen, Bayern war Meister, ich jubelte laut wie selten, fiel ihm um den Hals, ich fand es unfassbar. Werd ich nie vergessen.

  4. Na gut, Trainer. Wobei ich aber der Meinung bin, dass nur ein paar herausgestrichene Momente der Bundesliga-Geschichte insgesamt gar nicht gerecht werden können. Sie hat doch viel zu viele Momente zu bieten.

    Und ausgerechnet den Kaltz-Elfmeter greifst du als deinen Moment heraus. Nun ja, bekanntlich entschied dieser Elfmeter die Saison für meinen HSV nicht. Wir wurden trotzdem Meister, weil am letzten Spieltag Wolfgang Rolff im Parkstadion alleine vor Walter Junghans die Nerven behielt. Auf Schalke, die eine Woche zuvor bei dem am Ende nur viertplatzierten Pfaff-Team gewannen und dadurch tatsächlich mit ihrem Wundermann noch die Relegation erreichten. Welche sie aber nicht vor dem Abstieg bewahren konnte.

    So war für mich dann aber in der Folgesaison ganz sicher ein Moment einprägend. Ein Moment, der mich zu einem der ganz selten getroffenen Vorsätze veranlasste, den ich, und das wundert nicht, mittlerweile vergaß, wie mir meine Nase verrät, wenn ich den Arm hebe und unter den Achseln rieche.

    Was war passiert?

    Wir schreiben die Saison 83/84. Es war eine schwierige Saison für den HSV. Wir hatten uns an die Meisterschaften gewöhnt, die letzen beide Jahre den Titel geholt. Wir hatten den Europacup gewonnen. Wir waren ganz oben. Trotzdem singen wir heute natürlich noch nichts von „thirty years of hurt“. Aber es gingen dann Hrubesch und Bastrup. Die waren eigentlich nicht zu ersetzen, die sind im Grunde bis heute nicht ersetzt. Schatzschneider und Wuttke sollten es richten, naja, auch menschlich ganz andere Typen, die nun für den Angler und den Dänen, wie gesagt, naja.

    Es lief dann auch nicht wirklich gut, zumindest nicht so, wie gewohnt. Frühes Aus im Europacup gegen Bukarest, zur Winterpause nur Platz fünf. Doch wir blieben trotz allem dran, der Abstand wurde nicht größer. Sieben Spiele vor Ende fehlten auf Platz vier hinter Gladbach, dem VfB und Bayern nur zwei Punkte. „Das packen wir noch“, war ich mir sicher, zumal Gladbach und Bayern noch in den Volkspark mussten und am letzten Spieltag der VfB wartete. Die Stimmung ging eindeutig Richtung Titelhattrick. Wir schlugen Gladbach, ausgerechnet durch die Sorgenkinder Wuttke und Schatzschneider, nach Rückstand 2:1, gewannen in Bielefeld und Köln, ließen auch den Bayern (2:1) durch zwei frühe Tore von Jimmy Hartwig und Kaltz keine Chance.

    Drei Spiele vor Ende die Tabelle:

    1. VfB 45:17
    2. HSV 44:18
    3. Gladbach 42:20
    4. Bayern 42:20
    5. Werder 41:21

    Der nächste Spieltag wurde historisch. 53 Tore, der Rekord wird wohl nicht mehr erreicht. Gladbach, Bayern und Werder gewannen ihre Spiele hoch, wir mussten zum Club, der schon als Absteiger feststand. Wir lagen zurück, aber nur für Sekunden, 6:1 am Ende, auf Kurs. Weil der VfB, unfassbar, zuhause gegen den sicheren Relegations-16., die Frankfurter Eintracht, ein frühes 2:0 in der letzten Minute durch Frankfurts Joker Uwe Müller wieder hergab, 2:2.

    1. VfB 46:18 +46
    2. HSV 46:18 +40
    3. Bayern 44:20 +42
    4. Gladbach 44:20 +29
    5. Werder 43.21 +33

    Noch zwei Spiele. Es war klar, wir fahren am letzten Spieltag nach Stuttgart und holen die Schale im Neckarstadion. Wir hatten vorher nur das Heimspiel gegen Frankfurt, die sich auf die Relegation konzentrierten, während der VfB zu Werder musste. Einen kurzen Moment hoffte ich, Punktverlust für VfB? Wird sogar ein Remis in Stuttgart reichen? Hatte ich schnell verworfen. Werder. Nein, die werden uns nicht helfen. Wir regeln das selbst, Sieg in Stuttgart und die Schale bleibt zuhause.

    Jo… Ich kann mich sehr gut erinnern, an den Nachmittag des 19.05.84. Zeitgleich zum 33. Spieltag stand ich selbst auf dem Platz. Ich war in bester Stimmung, wir hatten unser Spiel gewonnen, die Bundesliga nicht so sehr im Fokus, das Endspiel war ja erst eine Woche später. Ok, freute mich drauf, im Clubraum die Sportschau anzusehen, doch dann… Ich erfuhr es unter der Dusche. Wenn die Spezies einem etwas erzählen, erkennt man natürlich sofort, ob es ein Scherz ist oder nicht. „HSV hat verloren, VfB gewonnen.“ Im ersten Reflex schoss ich ein „Wie hoch?“ entgegen, um dann auszurechnen „Wir müssen 5:0 in Stuttgart gewinnen.“, während mir das Shampoo aus der Hand fiel. An ein 5:0 mochte selbst ich nicht glauben.

    Geschenkt, dass sich sämtliche Werder-Spieler kurz vor Schluss beim Stand von 1:1 nach einem von Burdenski abgewehrten Freistoß nicht bewegen mochten und der alte Haudegen Hermann Ohlicher unbedrängt zum VfB-Sieg abstauben konnte. Wir haben es selbst vergeigt. Zwei Gegentore von Ralf Falkenmeyer, darunter ein Konter in der letzten Sekunde, es war vorbei. Nicht erklärbar. So hatte es schon leichte Züge eines Freundschaftsspieles, als eine Woche später das Endspiel ausgetragen wurde, was gar kein Endspiel mehr war. Zumindest behielten wir unseren Stolz, gewannen das Spiel und damit die Vize-Meisterschaft. Trotzdem hatte ich mir vorgenommen, nie wieder zu duschen.

    Ich gestehe, dass ich nicht gezählt habe, wie häufig dieser Vorsatz von mir bereits verletzt wurde, als ich fast 23 Jahre später einen weiteren von vielen einprägenden Momenten erleben durfte.

    Die Jahre mit dem HSV waren ebenso turbulent wie die Saison 06/07. Unter Thomas Doll wurde in der Vorsaison noch Platz drei, und damit die Champions-League-Qualifikation geschafft, doch die Kaderplanung in der Sommerpause war mehr als mäßig, der Abgang von Abwehrchef van Buyten wurde nicht kompensiert und aus mir bis heute unerfindlichen Gründen verlängerte man den Vertrag des so wichtigten Sergej Barbarez nicht, holte stattdessen Sanogo und Ljuboja. In der CL-Qualifikation reichten noch zwei Remis gegen Osasuna, trotz der gespielten Verletzung von Boularouz beim Aufwärmen vor dem Hinspiel, um seinen Wechsel zu Chelsea nicht zu gefährden. Aber das ist eine andere Geschichte.

    In der Liga reichten zwölf Unentschieden nach 19 Spielen nicht, da dem nur ein Sieg gegenüberstand, zudem das Erstrunden-Aus im Pokal bei den Stuttgarter Kickers. Die Champions-League-Saison begann mies und blieb konstant, im ersten Spiel gegen Arsenal schon nach wenigen Minuten Rot gegen Keeper Kirschstein und ein Elfmeter-Gegentor, die Mannschaft erholte sich in der kompletten Gruppenphase nicht mehr. Erst im letzten Spiel die einzigen Punkte, bei einer unwirklichen Stimmung im Volkspark, als gegen ZSKA Moskau nach schweren Abwehrpatzern tief in der zweiten Hälfte eine weitere Niederlage drohte und in der verzweifelt aggressiven Stimmung Atouba die Nerven verlor und seinen Finger ausfuhr, zum Ende aber doch couragiert das 3:2 gelang und dieser Sieg fast wie der Gewinn der Champions League gefeiert wurde.

    So ging es auf einem Abstiegsplatz in die Rückrunde, die auch nicht mehr Zuversicht aufkommen ließ, nur weil ein neuer Offensivspieler aus Moskau verpflichtet wurde. Der einen Tag nach seiner Ankunft in Hamburg sogleich in der Startelf stand. An einem Mittwochabend, dem letzten Tag im Januar 2007, als sich eigentlich nur Irre aufmachen konnten, lange Autobahnkilometer zu einem Heimspiel gegen Energie Cottbus zurückzulegen. Bei einem Sturm, der selbst Nordlichter nicht mehr als steife Brise bezeichnen mochten und einem Niederschlag, der sicher den einen oder anderen ohne Unwetter-Training im wahrsten Sinne des Wortes hätte niederschlagen können. Aber was sollten wir tun? Wir hatten Karten und wollten das Spiel sehen.

    Ein Spiel, das dem Wetter entsprach, auch wenn es sich zum Anpfiff etwas beruhigte. Wir gingen früh in Führung, durch einen Elfmeter unseres Juampi, dieses aufrichtigen, ja, man muss es sagen, Weltstars, der für Juve spielte, für Barca, für Belo Horizonte und für River Plate, Kapitän der Albiceleste bei der WM 2006, der im Viertelfinale als fünfter Schütze nicht mehr gegen Jens Lehmann antreten musste, der mit Villareal im Halbfinale der Champions League stand. Aber leider häufig verletzt war. Zu häufig. Auch beim HSV, 24 Bundesliga-, drei CL-Spiele in zwei Jahren, bis es einfach nicht mehr ging: Juan Pablo Sorin. Für sein Abschiedsspiel im Mineirao-Stadion von Belo Horizonte verlangte er keinen Eintritt, warb stattdessen um Lebensmittel-Spenden und sammelte so 90 Tonnen Essbares für sozial Schwache. Kurz nach seinem Führungstreffer gegen Cottbus glichen die Gäste aus, und das wars. Nichts ging mehr.

    Aber es gab diesen Neuen beim HSV. Dem auch nicht viel gelang, und doch war er anders. Er rannte, er rackerte, er grätschte. Meist erfolglos zwar, der Eindruck indes war nachhaltig. Selbst unglaublichen Fantasiepässen setzte er willensstark nach. „Halt durch, Junge“, mochte man ihm zurufen, wenn er nach langen vergeblichen Sprints abgekämpft wieder in die Formation zurücklief. Wie so häufig auch in den zweieinhalb Jahren danach. Denn er hielt, was er im ersten Spiel versprach. Das erste Spiel eines Mannes, der sein Herzblut auf dem Rasen nie verbergen konnte: Ivica Olic.

    Sein erstes Spiel sollte zugleich das letzte von Thomas Doll werden, Huub Stevens übernahm, führte den HSV zusammen mit Olic noch auf Platz sieben und über den UI-Cup in die Europa-League.

  5. Mein erstes Spiel live im Stadion. Mein Bruder mit seinen 11 Jahren war damals glühender MSV-Anhänger (keine Ahnung warum, wahrscheinlich fand er die gestreiften Trikots einfach toll – heute interessiert ihn Fussball kaum noch). Zum Geburtstag bekam er eine riesige MSV-Fahne geschenkt und da der MSV zufälligerweise wenige Tage später ein Auswärtsspiel in der Bundesligastadt hatte, die unserem Wohnort noch am nächsten war, gab`s dazu noch eine Eintrittkarte. Zum Glück wurde daraus ein Ausflug meines Vaters mit seinen beiden Söhnen – ich durfte mitkommen!
    Das Spiel: Werder – MSV in der Saison 1977/78.
    Es war Alles so unfassbar groß:
    Der lange Weg nach Bremen (über 100 km – damals eine Weltreise), diese Menschenmassen (gerade nochmal bei fussballdaten.de nachgesehen: 12000 Zuschauer) und die Fahne war wahrscheinlich auch nicht so riesig.
    Und trotzdem… unvergessen.
    Ach ja, Werder hat 4:2 gewonnen und ich weiß nicht mehr, ob mein Bruder damals sehr traurig war, aber ich habe ihn auf der Rückfahrt bestimmt mächtig geärgert und seitdem bin ich grün-weiß.

  6. Danke, Cesar Luis, jener Rekordspieltag mit 53 Toren war hier auch schon mal Thema, allerdings weniger elaboriert.

    Danke auch grün-weißer Bernd.

  7. Bin da bei Arne, diese Schlusskonferenz, diese ständig sich ändernden Konstellationen – das war die Drama-Queen aller Spieltage die ich miterlebte. Wenn ich mich recht erinnere, hat ich zum Radio auch noch das verschlüsselte Premiere mitlaufen, wo man so schemenhaft erkennen konnte, ob das Spiel gerade nach links oder rechts rollt.

  8. Stan (einer der ‚anderen‘ Spitznamen, btw) Libuda Live zu sehen und das dann beim sowohl ersten als auch letzten Bundesligaspiel, dem ich je beigewohnt habe, hier:
    http://www.weltfussball.de/spielbericht/bundesliga-1973-1974-fc-schalke-04-msv-duisburg/
    Keine Ahnung, wer dieser Ivan Horvath ist, der da Schalkes Trainer hat sein sollen damals, es war auch ein Scheißspiel aus Schalker Sicht. Mein Begleiter -ein MSV-Fan- hatte Spaß, immerhin.

  9. Mein Moment war definitiv die Sekundenbruchteile im Mai 96 als Markus Münch den Ball zum 1:1 gegen Kaiserlautern über die Linie drückte. Ich war 11 und in meiner ersten (kompletten) Stadionsaison. Ich hatte meine Mama bequatscht, dass wir in der nächsten Saison eine Dauerkarte kaufen, allerdings schloss die zweite Liga aus. Und dann spielt Bayer04 absolut unterirdisch und plötzlich ist die Dauerkarte ganz weit weg. Das wäre für mich damals fast schlimmer als der Abstieg gewesen. Aber dann schießt Holger Fach, damals von Peter Hermann(!) als echter Libero aufgeboten, relativ schlecht auf unsere Kurve, ich gleich hinterm Tor, aber der Meistertorwart Andi Reinke klatscht ab und Markus München drückt ihn rein. 10 Minuten absolute Anspannung und dann Extase. Inklusive Autokorso neben Mama auf dem Beifahrersitz. Unvergesslich und meine endgültige Infizierung mit dem Fußballvirus. Danach folgten dann bisher knapp 20 Jahre intensives Fanleben mit extremen Höhen und Tiefen. Aber das war mein Moment.

  10. Mein Erlebnis aus 50 Jahren Bundesliga ist ein Tor. In der Saison 95/96 am 33. Spieltag. 90. Minute des Spiels Schalke 04 gegen den FC Bayern München im Jahr 1996 im alten Parkstadion.
    Der Kopfball ins Glück von Andreas Müller. Der Kopfball in den europäischen Wettbewerb. Der Kopfball in den UEFA-Cup, der die Eurofighter hervorbringen sollte.

    Selten habe ich in den späteren Jahren eine solche Explosion von Emotionen bei einem Tor erlebt.

  11. Momente: Waldstadion anfangs der Neunziger. Kleine Träume wurden wahr. Jahrhundertflüge ins NIX … Aber stark, mit erste Saison Nikolov, und die Abschiedsspiele von Yeboah und Zeugen.

  12. Pingback: Linkelf: The elderly rose from the dead oder Sommerpause ist wann anders | Fokus Fussball

  13. Bundesliga war in jungen Jahren für mich immer Radio am Samstagnachmittag. Im Gedächtnis wird mir immer der 25. Spieltag 80/81 bleiben: Bayern, als amtierender Meister, war schon 3 Punkte hinter dem HSV, dem Rivalen jener Zeit. Und jetzt mußte Bayern nach Hamburg – eine Niederlage, so die einhellige Meinung, würde die Meisterschaft entscheiden. Bayern lag dann 2:0 hinten, und der Moderator des BR versuchte schon den Abgesang, dann erzielte Rummenigge so 20 Minuten vor Schluß den Anschlußtreffer. Dann die Schlußkonferenz, und quasi mit dem letzten Angriff von Bayern, die Konferenz auch gerade beim Bayern-Spiel, macht Breitner aus dem Gewühl heraus (was sich im Radio immer besonders dramatisch anhört) den Ausgleich. Cooler Moment. In den Spieltagen danach holte Bayern dann Punkt um Punkt auf, und war dann tatsächlich schon einen Spieltag vor dem Ende Meister.

    Es gab in den Konferenzen natürlich noch andere geniale Momente, aber aus jüngeren Jahhren darf natürlich einerseits die „Abstiegskonferenz“ 98/99 nicht fehlen (3 Tage nach dem Bayern-ManU in Barcelona, als ich eigentlich vom Fußball vorübergehend genug hatte), als der Club dem Klassenerhalt in letzter Moment von der Schipppe sprang.

    Und dann 2001. Ich war mit meinem kleinen Sohn (1,5 Jahre) allein in der Wohnung, das Radio war aus, ich spielte mit ihm und hatte dabei den Videotext(ARD) im Auge. In der 90. Minute dann: 1:0 für Bayern! Von Barbarez. Eigentor? Check beim ZDF: 1:0 für Hamburg. Was isn‘ los? Also doch Radio an, und die Sache war klar: der erste Satz den ich vernahm, war „da haben die Bayernspieler auf der Bank ihre Gesichter in den Händen vergraben…“ Mist. Der Reporter plapperte vor sich hin, bis ich plötzlich „Freistoß im Strafraum!“ vernahm. Dann dauerte es eine gefühlte Stunde bis es zur Ausführung kam, währendder mich mein Sohn verwundert beobachtete. Als dann „Andersson – Tor! Tor!“ aus dem Radio kam, und ich in den Extase-Modus verfiel, ging auch über das Gesicht meines Sohnes ein Strahlen. Heute ist er auch Bayern-Fan (und spielt selbst Fußball, allerdings nicht für Bayern…), was solche Dinge wie das CL-Finale 2013 noch schöner macht.

  14. 33. Minute, Berlin, Mai 2007, DFB-Pokalfinale – Meira mit gestrecktem Bein tritt Mintal ins Krankenhaus. Ausgerechnet Mintal, die lebende Club-Legende Mintal, der nach ewig langer Verletzung endlich wieder am Platz war, der kurz zuvor das emotional ekstatische 1:1 erzielte. Mintal wurde direkt ins Krankenhaus gefahren, während seine konsternierten Kollegen ein Finale zu bestreiten hatten. – Und dann wird der „Club“ doch noch Pokalsieger und am Rande steht Mintal mit dickem Fuß und jubelt mit. Man hätte mitheulen können – und hat es auch reichlich.

  15. Wenn wir tatsächlich von einem Moment sprechen (und ich zur Abwechslung einfach mal versuche, nicht von uralten Zeiten zu erzählen): 2007, als Hitzlsperger Pardos Ecke abnahm. Alternativ Hildebrands Abwehraktion gegen Dabrowski eine Woche zuvor. Stuttgarter (vielleicht nicht nur die) werden in beiden Fällen wissen, wovon ich rede.

  16. Mein Bundesliga-Moment ist aus heutiger Sichtweise betrachtet ein völlig unwichtiges Tor, aber trotzdem fällt es mir als Erstes ein.

    März 1999, Bökelberg, nasskalter Samstag, die Borussia taumelt dem ersten Abstieg entgegen. Im Spiel gegen 1860 aber bäumt sich die Mannschaft noch einmal auf, geht in der 1.Halbzeit in Führung. In der 2.Halbzeit werden die Sechziger immer stärker. Eine Viertelstunde vor Schluss grätscht Zeljko Sopic den Ball kurz vor der Seitenlinie nach vorne. Der 19jährige Sebastian Deisler nimmt den Ball an der Mittellinie auf, läuft diagonal bis zum Strafraum, macht noch eine Körpertauschung und haut den Ball dann oben links (aus Sicht des Schützen) in den Winkel.
    Die Nordkurve flippt völlig aus – das ist der Anfang vom Klassenerhalt und ein neuer Superstar der Borussia ist geboren!

    Es blieb ein Strohfeuer, am Ende stieg die Borussia sang- und klanglos zum ersten Mal aus der Bundesliga ab und Sebastian Deisler wechselte zur Hertha. Aber dieses Tor ist bis heute mein magischer Moment.

  17. Klar musste ich grad erst nochmal genau nachgucken, aber es soll ja nicht nur in meiner Erinnerung, sondern auch historisch verbreift korrekt sein. Vorletzter Spieltag 97/98, Gladbach ist so gut wie abgestiegen (17. mit 32 Punkten, davor Köln und der KSC mit 35 Punkten), spielt daheim gegen Rostock, während Köln beim letzten Bielefeld spielt. Zur Hlabzeit führt Gladbach 2-1, aber auch Köln liegt in Bielefeld mit 1-0 vorne. Das Spiel am Bökleberg ist dann hochemotional, es fällt der Ausgleich, doch dann erzielt Pflipsen die ernuete Führung für Gladbach. Ein Rostocker sieht rot, deren Trainer Lienen versucht dem Schiri die Karte aus der Hand zu schlagen. Und dann – damals gab es keine App die einen im sekundentakt mit den Ergebnissen der anderen Plätze versorgt hätte, und die Anzeigetafel hinkte immer hinterher, aber es gab ja einige Leute mit „Weltempfängern“, und Ergebnisse verbreiteten sich wie Lauffeuer – in dem ganzen Trubelk zwischen Führung, Platzverweise und Tohuwabou aufd em Platz, springt (in meiner Erinnerung) ein Großteil ders Unterrangs der Tribüne auf (ich stand gegenüber auf der Ostgerade) und skandiert „Bielefeld, Bieledeld“! Alle wussten der FC liegt nun hinten, und die Rettung am letzten Spieltag war wieder ein Stück näher. Gladbach schoß in der letzten Minute noch zwei Tore, und es mag im Nachhinen altklug klingen, aber ich persönlich hatte danack keinen Zweifel mehr am Klassenerhalt am letzten Spieltag in Wolfsburg (was ja auch zum leidwesen des KSC gelang). Aber wenn ich an diese „Bielefeld“-Rufe denke bekomme ich immer noch Gänsehaut.

  18. Nach etwas Überlegen ist mir doch etwas eingefallen, das etwas persönlicher ist.

    Ich hole etwas aus. Ende 2007 spielte Hansa in der Bundesliga mal wieder gegen den Abstieg, aber es gab schon lange schwelende Spannungen zwischen aktiver Fanszene und dem Vorstand. Die abgebrochene Zusammenarbeit mit den Suptras, besonders nach den Vorfällen in Stendal und Essen war Anfang des Jahres vorläufiger Höhepunkt.
    Zu dieser Zeit (an Fanvertreter im Vorstand, wie heute war noch nicht zu denken), gab es eigentlich nur eine Person, die den Draht zu den Fans nie hat abreißen lassen und immer ein offenes Ohr hatte. Wolfgang Holz war ein Engel für den ganzen Verein, sein Herzstück, die Jugend wurde von ihm nicht nur finanziell immer unterstützt. Und auch im eingangs erwähnten Konflikt hat er bis kurz vor seinem Tod immer vermitteln wollen.
    Sein Tod am 19.11.07 war deshalb nicht nur für seine Familie und Freunde eine Tragödie, sondern auch für all jene, die dankbar für seine Unterstützung und sein wundervolles Wesen waren.

    Das nachfolgende Heimspiel fand am Freitagabend 30. November gegen Hannover 96 statt, ich erinnere mich weil ich vor dem Spiel eine Cohiba für den Geburtstag meines alten Herren am nächsten Tag gekauft hatte.
    Die Fanszene hatte ein würdiges Gedenken vorbereitet, eine Art Blockfahne in Form eines Hansa-Trikots mit der Rückennumer 1 und dem Namen „Holz“, den Hintergrund bildeten schwarzen Pappen, die während der Schweigeminute hochgehalten wurden. Später gab es dazu noch eine Wunderkerzen-Choreo (Findet man auch bei Youtube, aber nur mit Musik unterlegt, die ich irgendwie nicht passend finde, sonst hätte ich es verlinkt).

    An das Spiel selbst habe ich kaum Erinnerung, glaube aber, dass der 0:3 – Endstand durch drei Tore ab der 80. Minute zustande kam. Also lange nix und dann nachdem der erste drin war, aufgegeben, wie so oft.

    Das bis kurz vor Ende noch offene Spiel hatte aber dafür gesorgt, dass kaum jemand vorzeitig ging, ganz anders nach dem letzten Tor, als die Haupttribüne sich fast im Sprint leerte. Der direkt daneben gelegene Supporter-Block reagierte ziemlich ungehalten, soweit recht alltäglich in Stadien…
    Der Support wurde also nochmals laut, ungeachtet der Gegentore und des Schlusspfiffs. Zuerst dachte ich gut, weitermachen, die Mannschaft für den Einsatz feiern und eben auch aus Trotz der Haupttribüne klar machen, wie es richtig geht…
    Nur das ganze hörte nicht auf, erst ging es ein paar Minuten weiter, die Atmosphäre dieses Zusammenhalts zum Spielende trug sich im Prinzip selbst weiter, sicherlich feierte man sich auch ein Stück weit selbst, es kamen viele Dinge zusammen, aber langsam breitete sich ein Gefühl aus, dass man vorerst hier nicht weg gehen würde. Einer dieser Momente in denen man nicht auf die Uhr guckt, der keiner Verständigung bedarf und trotzdem in allen das gleiche vorgeht.
    Einige, die sich schon auf den Heimweg gemacht hatten, kamen sogar zurück in den Block.

    Dann fiel mir ein, dass ich ja zwecks des erwähnten Geburtstages meines Vaters eine Mitfahrgelegenheit organisiert hatte um nach Spielende zu meinen Eltern zu fahren. Ich war weit über der Zeit, das war mir klar, aber ebenso egal, ich konnte nicht diesen kollektiven Moment für mich zerstören indem ich jetzt ging. Wir feierten uns, den FCH und auch Wolfgang Holz, nach einer halben Stunde schaltete man die Lichter ab und nach ca. einer Stunde löste sich diese Spontan-Demo nach und nach auf.

    Als ich draußen auf mein Handy schaute und feststellte, dass sich niemand bei mir gemeldet hatte, beschloss ich die Mitfahrgelegenheit einfach noch anzurufen, verlieren konnte ich ja nichts.
    Und in der Tat wurde mein Versuch belohnt, der Fahrer war ca. 2 Minuten nach mir aus dem Block gekommen.

    Das Wir-Gefühl, das kollektive Gedenken und der Support unseres Teams war aber offenbar bei einigen Leuten anders angekommen. Ein Bild-Reporter warf uns in unglaublich pietätloser Weise vor, man wollte mit der Aktion Holzers „Fell versaufen“. Erinnere mich bis heute an die Formulierung, aber beim besten Willen nicht mehr an den Namen dieses Bild-Abschaums…



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