Der Fußball-Moment des Jahres 2013

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Für Momente auf dem Fußballplatz gäbe es zwar viele Kandidaten, aber wohl nur einen heißen auf den Sieg. Arjen Robbens Tor im ersten deutschen Champions-League-Finale aller Zeiten, das selbst hartgesottene Fans des Gegners nicht als unverdient in diesem Spiel bezeichnen würden. Der FC Bayern hatte sich die Krone aufgesetzt und das sogar samt griechisch-tragödisch anmutenden vorjährigem Scheitern in letzter Sekunde des selben Wettbewerbs. Die Leser von Trainer Baade wählten ein anderes Spiel aus dem Jahr 2013 zu einem ihrer liebsten: den Sieg von Borussia Dortmund durch zwei Tore in den Schlusssekunden gegen Malaga, wodurch das deutsche Finale überhaupt erst möglich wurde. Auch Großkreutz‘ Tor kurz vor Schluss in Marseille hätte das Zeug dazu, der Fußball-Moment des Jahres 2013 zu sein, das Karriereende von Ailton natürlich ebenso. Oder das Nicht-Tor von Stefan Kießling in Hoffenheim, von Dr. Felix Brych des „Nicht-“ entraubt. Ansonsten blieb das Jahr fußballerisch eher blass, auch wenn natürlich Paraden, schöne Schwalben, etwas plötzlich doch noch eintretende Abstiege wie jener von Fortuna Düsseldorf wie jedes Jahr stattfanden und damit auch in die Liste gehörten. Eher blass jedoch, weil der Sieger in diesem Jahr immer schon feststand. Rekorde aus 51 Jahren Bundesliga fielen wie einst Bernd Hölzenbein und Rudi Völler in Personalunion, doch im Gedächtnis bleibt bei derartigen Dauersiegen wenig.

Zwei Donnerschläge abseits des Platzes dürfen daher nicht unberücksichtigt bleiben, blickt man aufs Fußballjahr 2013.

Da wäre zum einen die Nachricht „Hoeneß: Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung“, welche der Autor am Tag nach seiner Lesung im April in München am mittleren Morgen in der Wohnung des Stadtneurotikers erstmals auf seinem Wischtelefon erblickte. Und die Schlagzeile gleich mehrere Male lesen musste, um sie für real zu halten. Das Ganze entwickelte sich zu einem veritablen Erdbeben in Deutschlands Fußballlandschaft, samt stümperhafter, eventuell noch sehr teuer zu bezahlender Selbstanzeige, Haftbefehl, Kautionszahlung und zunächst enttäuschter, dann aber doch zum Champions-Titel gratulierender Bundeskanzlerin. Eine Geschichte, deren Ende noch nicht geschrieben ist.

Zum anderen wäre jener Knall zu nennen, welcher ebenso wenig komplett verhallt ist wie der Hoeneß’sche. Am 23. April 2013 verkündete die Webseite des BVB, dass Mario Götze seine Ausstiegsklausel nutze, um zum Saisonende zum FC Bayern München zu wechseln. Kurz zuvor war Hoeneß‘ Selbstanzeige bekannt geworden, kurz danach standen für den BVB wichtige Spiele an und man sollte diese Meldung wohl nicht ohne die erste einordnen, war sie doch möglicherweise auch Schachzug, um am Ende wieder das zuallererst hier Genannte zu ermöglichen: Arjen Robbens Siegtor im Champions-League-Finale jener Bayern gegen jene Dortmunder.

So hängt alles mit allem zusammen und so bleibt die Frage am Ende offen, welcher nun der Fußball-Moment des Jahres 2013 war. Möge der Leser entscheiden oder jeder für sich. Hier würde man, mit der Pistole auf der Brust, eher Götzes Wechsel zum FC Bayern an die Nr. 1 setzen. Die Steuergeschichte wird eventuell bald schon versickern, auch wenn Hoeneß‘ Standing als moralisierender Talkshow-Dauergast damit ein endgültiges Ende fand. Den Fußball in Deutschland veränderte Letzteres aber vielleicht langfristiger als Hoeneß‘ Sturz.

Also, gut, dann schreiben wir’s doch hin:

Der Fußball-Moment 2013 war die Bekanntgabe des Wechsels von Mario Götze zum FC Bayern.

2 Kommentare

  1. Nein.

    Denn der Moment des Jahres, soweit er sich auf den Fußball bezieht, muß etwas sein, das sich in tatsächlich einem Moment abspielte, das eine Zeitspanne von wenigen Sekunden zerdehnte (oder konzentrierte, je nach persönlichem Zeitempfinden) und das Gedächtnis derart deformierte, dass in diesem einen Augenblick kein Gedanke an Folgen, Konsequenzen, geschweige denn fußballhistorische Bedeutung in den Sinn kam;
    etwas, was also von rauscherfahreneren Menschen als mir meist als „rauschhafte Erfahrung“ beschrieben wird, für das ich aber kein anderes Wort finde als eben diesen Moment selber, dessen Nennung jedem Fußballfan den Augenblick selbst unverzüglich wieder vor in den Kopf bringt und je nach Vereinssympathien ein seliges Grinsen, zumindest aber ein wissendes, verstehendes Lächeln und nur bei wenigen Versprengten für Kopfschütteln sorgt, niemanden aber kalt lassen kann:

    Malaga.

    Was Konsequenzen, fußballhistorische (nein, hängen wir es nicht zu hoch: bundesligahistorische) Bedeutung betrifft, hast Du, so fürchte ich, recht. Die Bekanntgabe des Wechsels beendete eine kurze Ära der Hoffnung (eher: Illusion), es könne möglich sein, dem FC Bayern irgendwie Paroli zu bieten.

  2. Pingback: Fokus Fussball Ticker + + + 3.Januar 2014 | Fokus Fussball



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